Zichroni vs. State of Israel

Donnerstag, den 15. Januar 2009

Amnon Zichroni ist ein israelischer Anwalt (geb. 1935)
Amnon Zichroni ist ein israelischer Anwalt (geb. 1935)

••• Dr. Ittai Tamari, dem ich diverse wichtige Informationen betreffs der »Leinwand«-Hintergründe verdanke, liest das Buch gerade und präsentierte mir heute früh Ausdrucke aus der israelischen Wikipedia und anderen Web-Quellen: Amnon Zichroni ist in Israel ein Name mit Gewicht. Ich hatte gemeint, ihn für die »Leinwand« erfunden zu haben. Amnon sollte an Amnesie erinnern, und in Zichroni steckt die hebräische Wurzel für »erinnern«. Also ein ganz und gar symbolischer Name (wie auch bei Wechsler).

Mich nerven in Büchern die allzu oft überartifizellen Namen von literarischen Figuren. Insofern beruhigt es mich, dass es tatsächlich einen Amnon Zichroni gibt. Dumm nur, dass er dort drüben so bekannt ist.

Kuckucksei

Donnerstag, den 13. November 2008

Green Eye

Lauren war die älteste von drei Geschwistern. Ihr Bruder und ihre Schwester waren blond und hellhäutig und hatten taubengraue Augen wie der Vater. Laurens Haar war schwarz und ihre Augen grün. Ihre Haut wurde braun wie Milchkaffee, wenn nur ein Sonnenstrahl darauf fiel. Dass etwas mit ihr nicht stimmte, hatte sie schon immer geahnt.

Schau mich nicht so an mit deinen sündigen Augen!, hatte die Mutter oft zu ihr gesagt. Was sie damit meinte, konnte Lauren sich nicht erklären. Aber sie lernte, mit gesenktem Blick zu gehen und niemandem in die Augen zu sehen, auch nicht, wenn sie mit jemandem sprach.


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Lauren

Mittwoch, den 12. November 2008

Zichronis Handschuhe

••• Zichroni hat zwei Arten von Visionen fremder Erinnerungen.

Ich hatte herausgefunden, dass ich nur dann wirklich mit dem erinnerten Selbst eines Gegenübers verschmolz, wenn ich die Person berührte und ein direkter Hautkontakt bestand. Beschränkte ich mich auf Blicke, war es mir möglich, als reiner Beobachter in die erinnerte Welt meines Gegenübers einzutauchen. Ich stand dann zwar inmitten der Angstlandschaften und hörte die Dämonen geifern und drohen; aber ich blieb ich selbst und wusste, dass sie nicht mich meinen konnten.

Um Visionen der ersten Art zu vermeiden, trägt Zichroni seit seiner Praktikumszeit in einer Psychiatrie weiße Baumwollhandschuhe. Nicht jedoch, als er Lauren zum ersten Mal begegnet…


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Am offenen Herzen

Mittwoch, den 12. November 2008

••• Amnon Zichroni hat Anfang der 80er Jahre in den USA Medizin studiert und seine Ausbildung zum Psychiater absolviert. Diese Ausbildung variiert von Land zu Land sehr stark. Unterschiedliche Gesetze erfordern in jedem Land und sogar innerhalb eines Landes aller paar Jahre wechselnd verschiedene Ausbildungsstufen. Ich musste mich also informieren, wo und wie man in den 80ern in den USA studieren und arbeiten musste, wenn man Psychoanalytiker werden wollte.

Mir wurde ein Kontakt zu einem amerikanischen Psychotherapeuten vermittelt, der genau zu dieser Zeit studiert hat und mir alle nötigen Auskünfte geben konnte. Von diesen »Facts« abgesehen war ich allerdings auch auf der Suche nach einem echten Fall, den ich als Zichronis Initiation in die »Leinwand« aufnehmen könnte. Also fragte ich besagten Therapeuten, und es stellte sich heraus, dass er vor Jahren selbst eine Fallstudie geschrieben hatte. Sie sei noch unveröffentlicht, aber da der Case phantastisch zur »Leinwand« zu passen schien, erklärte er sich bereit, mir die Studie zur Verfügung zu stellen. Sie kam prompt per Mail, und ich nahm sie mit in den Urlaub auf Fuerteventura.


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Alchemie

Dienstag, den 16. September 2008

Zeichnung einer Geige von Nicolo Amati um 1660
Zeichnung einer Geige von Nicolo Amati um 1660

Den Kaffee tranken wir in Minskys Werkstatt. Er hatte sie in einem einstöckigen Nebengebäude eingerichtet, in dem es drei Zimmer gab. Im ersten, seinem Büro, waren die Wände bedeckt mit technischen Zeichnungen verschiedenster Teile von Violinen. An der Stirnwand des Zimmers, direkt über dem Schreibtisch, hing eine stark vergrößerte Zeichnung einer Amati von 1660, daneben die technische Zeichnung eines Corpus-Modells, das Minsky entworfen hatte.


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Chometz-Verkauf

Freitag, den 12. September 2008

Dachboden der Oberlausitzer Webschule
Dachboden der Oberlausitzer Webschule (der dem von Nathan Bollags Haus aber sehr ähnelt)

••• Eine Passage, die ich gleich wieder streichen wollte, obwohl sie mir gefällt. Ich bin im vorletzten Kapitel. Auf dem Dachboden wird Zichroni etwas finden… Aber darf man so kurz vor einem Finale so abschweifen? Keine Ahnung.


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Psychoanalyse

Mittwoch, den 10. September 2008

Freuds Analyse-Sofa
Freuds Analyse-Sofa

Schon während meines Studiums hatte ich begonnen, mich mit verschiedenen Varianten der Psychoanalyse zu beschäftigen. Bei den meisten Patienten, mit denen ich in der Klinik in Portland zu tun gehabt hatte, waren die Ursachen ihrer Störungen – ich nannte sie lieber Schwierigkeiten – in der Vergangenheit auszumachen, in ihren Erinnerungen, die sie mitunter unwissentlich mit mir geteilt hatten. Dass also eine Therapieform sich ganz darauf stützen sollte, in die Erinnerung zu tauchen und den Patienten an die Orte und durch die Geschehnisse seiner Vergangenheit zu führen, war einleuchtend.

Die Methoden überzeugten mich. Freuds Deutungen allerdings konnte ich nicht so viel abgewinnen. Seine Fokussierung auf das Sexuelle erschien mir obsessiv. Viel näher waren mir die Ansichten Jungs. Vor allem aber faszinierte mich die Technik des von Träumen ausgehenden freien Assoziierens, die ich als meditativ und gleichzeitig kreativ empfand.


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