/…/ Unsicher stehn wir auf den herzen der freunde Am strand stirbt der wind wenn er rastet wie Wir stürzen entkräftet ins meer Für sekunden ruhen wir atemlos aus Den kopf ins seegras geschmiegt Nimmt uns die welle kühl den staub von den stirnen Fort ist auch sie Müde des ansturms gegen die küsten Der matte schimmer den wir bemerkten auf ihrem verflachenden kamm War nur der widerschein helleren leuchtens In uns Wohin ihre kühle nicht reicht.
/…/ Jetzt soll ich dir neue Töne erfinden, und ich habe doch nur dieses eine Lied. Ich sing es und rufe, und du antwortest nicht; und Nebel fällt kalt ins Herz. So wird es immer bleiben, nicht wahr? Wir stehen im Herbst, die Augen weit geschlossen, schwankend im Sturm unserer Träume.
Nie war es schwieriger, Abschied zu nehmen, als jetzt.
Doch die Zeit, Lebewohl zu sagen, ist gekommen.
Sag den verbotenen Küssen adieu.
Gib deiner Angst zum letzten Mal die Hand.
Laß die Prinzessin noch einmal deinen Kopf ausgraben.
Schau ihr lang ins Gesicht und liebe ihr Haar und ihr Auge
und den stolzen Schwung ihrer Stirn.
Sieh noch einmal hinein in den Rachen der Kinderträume.
Gib dich noch einmal der Verlassenheit hin
und lass deinen Atem stocken
im Spinnenkessel der Nacht.
Du kannst das Loch nicht mit Wasser stopfen.
Kein Kuss macht den Hunger wett.
Atme aus und ein und öffne die Augen
und jage die Herzvagabunden davon.
Sag: Adieu, die Zeit ist gekommen.
Gib deiner Angst zum letzten Mal die Hand.
In einer Großstadt bricht ein Bus durch die Straßendecke hindurch in einen U-Bahn-Tunnel. Mehrere Menschen sterben. Zwei von ihnen – ein Mann Mitte Dreißig und eine junge Frau – können erst nach Wochen geborgen werden. Unterdessen fristen die beiden eine Existenz in einem scheinbar zeitlosen Reich zwischen Leben und Tod, Träumen und Ahnungen, Tanz und Taumel. Sie finden sich wieder in der dünnen Wand zwischen zwei Wohnungen, einem leeren Raum zwischen zwei fremden Leben, in dem nur sie sich bewegen können. In Enge und mitunter in Furcht versuchen sie, sich noch einmal selbst in die Seele zu gehen und den Abschied hinauszuzögern, den Abschied von ihren Irrtümern und sorgsam verborgenen Gefühlen, liebevollen und erschreckenden Erinnerungen. Und wenn sie auch nicht umkehren können, verändert sich auf dem letzten Stück Wegs doch noch einmal ihr Leben und das der Menschen zu beiden Seiten der Wand – auf magische Weise und unbemerkt vom lebendigen Rest der sie umgebenden Welt.
••• Was, bitte, ist ein Roman? Manche sagen, es handle sich dabei schlicht um eine längere Prosaform, die nicht einer der strikter definierten Formen wie etwa der Novelle angehört. Wir könnten es hier mit einem Roman zu tun haben. Und tatsächlich stand zunächst genau dies auf dem Cover des Manuskripts. Ich wollte keine Verwirrungen. Was immer mir vorschwebte beim Schreiben, sollte keine Rolle spielen müssen für den Leser. Warum dann hier doch diese Angabe?
Der Text, um den es hier geht, ist ein Mosaik aus Monologen. Die beteiligten Personen sprechen selbst. Chronologie spielt nicht wirklich eine Rolle. Das Erleben der Personen ist nicht gleichzeitig; wenn es sich überschneidet, sind es nur Momente der Berührung. Wie wir sehen werden, leben sie möglicherweise nicht einmal in der selben Zeit, der selben Welt. Eine kleine Irritation verursacht zudem die Stimme des Daniel, die zweifach auftaucht. Es handelt sich um den gleichen Körper, wahrscheinlich nicht den gleichen Menschen, zu verschiedenen Zeiten. Daniel (2) spricht einige Monate nach Daniel (1).
Die Komposition der Stücke ist musikalisch motiviert. Die Motive, die von den einzelnen Monologen vorgegeben werden, fügen sich zu einer grösseren Form, sollten aber auch als Einzelmotive bestehen können. Zusammengefasst sind sie zu drei Kapiteln, analog den Sätzen etwa einer Sonate. Auch diese Sätze sollten für sich selbst stehen können und sich mit den anderen zu einem Ganzen zusammenzufügen.
Ich glaube nicht, dass es für den Leser eine Rolle spielt, was da geplant war. Entsprechend wollte ich für die Form zwischen Buchdeckeln, keine Hinweise auf die Musik. Die Kapitel sind lediglich mit Nummern überschrieben; und lange Zeit waren die einzelnen Stimmen, die Motivgeber, nicht mit Namen versehen. Der Wechsel zwischen den Personen war nur durch zwei Punkte .. und einen Absatz angedeutet.
Für die Online-Darstellung hier an dieser Stelle möchte ich aber doch die musikalischen Intentionen zeigen. Denn hier kann der Text nach den verschiedenen Lesarten zerlegt und dargestellt werden. So bekommt jede Stimme ihre eigene Tag-Seite und ihren eigenen RSS-Feed. Wer möchte, kann sie jeweils für sich lesen, in der Reihenfolge des Erscheinens. Der Haupt-Zweig und Haupt-RSS-Feed bringen die einzelnen Stücke in der Reihenfolge des Manuskripts.
Gesprochen werden alle Stimmen von mir selbst. Folgerichtig sind alle RSS-Feeds Podcasts.
[Update 28. 04. 2008: Die Feeds stehen nur noch in Form eines statisches Abzugs als Referenz zur Verfügung. Links darin können eventuell defekt sein. Der Inhalt wurde jedoch auf dem Stand der ursprünglichen Online-Präsentation belassen.]