Zimzum und Urknall
Sonntag, den 13. Mai 2007Eine Antwort an Markus A. Hediger in Hanging Lydia
••• Lieber Markus, zunächst muss ich anmerken, dass ich – obgleich orthodoxer Jehudi – doch kein Dogmatiker bin. Das Judentum hat keine zentrale, dogmengebende Instanz; und ich sage an dieser Stelle bewusst nicht, sie würde fehlen. Insofern erscheint mir der flammend geführte Streit zwischen Kreationisten und Evolutionisten nicht nur selbstherrlich, sondern auch ganz und gar unfruchtbar. Der Streit verkennt, dass beide “Fraktionen” den Beweis ihrer jeweiligen Urannahme schuldig bleiben müssen. Wären die Mystiker – gleich welcher Couleur – lediglich Dogmen gefolgt, hätten sie sich nur mit jener Kategorie Fragen beschäftigen können, wie viele Erzengel etwa Platz fänden auf einer Nadelspitze.
Meine grösste Frage, die sich aus Deinem Beitrag ergibt, ist: Du beschreibst Schöpfungsmethoden, die einen bereits existierenden Raum voraussetzen. Wird dies in der jüdischen Mystik so gesehen? War die Welt (ganz materiell gesehen) schon immer? Und wird Gott als jener betrachtet, der als erster von ihr „erzählte“?
Zur Antwort auf Deine Frage: Nein, so war das nicht gemeint. Wenn ich sage “Was ich erzähle, geschieht”, rede ich vom Jetzt und Hier. Ich meine nicht, dass die “Welt (ganz materiell gesehen) schon immer” war und G’tt lediglich als “erster von ihr erzählte”.
Der Sohar – ein deutlich jüngeres mystisches Werk als das Sefer Yetzirah – beschreibt den “Vorspann der Genesis” als einen den Urknall-Theorien verblüffend ähnlichen Vorgang, der als Zimzum bezeichnet wird.




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