Kurz vor dem Regen
Freitag, den 16. März 2007Gleich wird es regnen, nimm die Wäsche herein!
Auf der Leine die Klammern schwanken.
Ein Wolkenschatten verdunkelt den Stein.
Die Dächer sind voller Gedanken.
Sie sind gedacht in Ziegel und Schiefer,
gekalkten Kaminen und beizendem Rauch.
Mein Auge horcht den bestürzten Worten, -
o lautloser Spruch aus dem feurigen Strauch!
Ein Schluchzen beginnt in mir aufzusteigen.
Die wandernden Schatten ändern den Stein.
Ein Windstoß zerrt an den flatternden Hemden.
Gleich regnet es. Hol die Wäsche herein.
Günter Eich, aus: “Botschaften des Regens”
© Suhrkamp Verlag 1955
••• Wäsche, Regen und Schluchzen. Beim Lesen von “Walking around” kam mir dieses Gedicht von Günter Eich in den Sinn. Daher ein kleines Abschweifen von den Lateinamerikanern.
Irgendwo habe ich mal gelesen, es gäbe die Eich-Fraktion und die Celan-Fraktion; und da gäbe es kein Zusammenkommen. Das kümmert mich gar nicht. Ich mag sie beide.




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