Literarische Weblogs

Freitag, den 18. Januar 2008

Literarische Weblogs - Sonderbuchausgabe spatien 5••• Die Sonderbuchausgabe spa_tien 5 — “Literarische Weblogs” — ist erschienen und seit heute via amazon und libri sowie über den Buchhandel zu bestellen. “Literarische Weblogs” ist eine Anthologie der Autoren, die auf dem Meta-Blog litblogs.net mit ihren literarischen Weblogs gelistet sind. In dieser Sonderbuchausgabe von spa_tien geben jene Autoren in Essays und Interviews Auskunft über ihre zum Teil sehr persönliche Sicht auf das Medium Weblog im Kontext von Literatur. Dazu bringen sie Exemplarisches aus den jeweiligen Blogs. Zwischen den Beiträgen protokolliert Kathleen York mit Ihren U-Bahn-Zeichnungen die verschlungenen Wege durch die literarischen, ästethischen und poetologischen Positionen der einzelnen Autoren. Sie war mit ihren Zeichnungen als Siegerin aus unserem öffentlichen Wettbewerb — ebenfalls via Weblog ausgeschrieben — hervorgegangen.


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vom wenden des kopfes

Dienstag, den 4. Dezember 2007

circles - © Kerstin S. Klein 2007

circles - © Kerstin S. Klein 2007

ab und an stirbt
auf meinen lippen ein wort
und tropft rot herab
und ein siegelt mit glut
jenen mund der sich öffnete um
vom wenden des kopfes zu sprechen
was nie gesagt wurde
solltest du hören
was nach atem sucht
nach einem wort:
ein tropfen tod nur
den wische ich fort
beim wenden des kopfes
siehst du
mich an

© Benjamin Stein (2007)

Gedichte - gute - sind oft wie Küsse; sie sind, wie sie sich anfühlen, nicht, was man über sie sagt.

••• Je mehr Gedichte nun doch wieder bei mir ankommen, desto öfter frage ich mich auch, ob es vielleicht so etwas wie eine Klammer um diese Texte gibt, Gemeinsamkeit(en), die sie in eine Reihe oder meinetwegen in einen Kreis stellen.


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grosse wasser

Freitag, den 30. November 2007

Mikveh - © 2002 by Janice Rubin
Mikveh - © 2002 by Janice Rubin

willst du den hohlweg
nehmen
oder
durch grosse wasser
in andere welten tauchen?

du weisst es: auf dieser seite des spiegels
halte ich alle tore besetzt
und führe dich auf jedem pfad
durch adergeflecht labyrinthe und dschungel
doch immer wieder zu mir

willst du den hohlweg nehmen
oder den fluss? (den fährmann
zahlt niemand mit liebe)

auf der anderen seite
das weisst du auch
wachsen feuerschlünde und paradiese
aus deinen eigenen augen dir zu
du fliehst auf den strand
doch es bleibt selbst im abdruck
des fusses im sand
noch genügend von dir
dich zu kennen

willst du den hohlweg nehmen
oder das meer?
du ahnst es:
es führen
tausend wege hinein
doch keiner heraus

so bleibst du
mit mir gefangen

© Benjamin Stein (2007)

••• Dass mit dem “Selbstbildnis als Seraph” etwas nicht stimmte, schwante mir schon, als ich am letzten Sonntag den Publish-Button drückte. Aber was? Der Begleittext hat mich heute auf die richtige Spur gebracht: Der Seraph muss weg.


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Als Seraph

Montag, den 26. November 2007

Seraphinit Spheres - Halbedelsteingemmen (Russland)

willst du den hohlweg
nehmen
oder
durch grosse wasser
in andere welten tauchen?

du weisst es: auf dieser seite des spiegels
halte ich alle tore besetzt
mit blauem blick und flammenschwert
und führe dich auf jedem pfad
durch adergeflecht labyrinthe und dschungel
doch immer wieder zu mir

willst du den hohlweg nehmen
oder den fluss? den fährmann
zahlt niemand mit liebe

auf der anderen seite
das weisst du auch
wachsen feuerschlünde und paradiese
aus deinen eigenen augen dir zu
du fliehst auf den strand
doch es bleibt selbst im abdruck
des fusses im sand
noch genügend von dir
dich zu kennen

willst du den hohlweg nehmen
oder das meer?
du ahnst es: es führen
tausend wege hinein
doch keiner heraus

so bleibst du
mit mir gefangen

© Benjamin Stein (2007)

••• Manchmal beängstigt es mich, mit welcher Wucht die Worte hervorbrechen, wenn ich nur für eine kurze Zeit die Tür zum Aussen schliessen kann. Heute führte ein Nachhorchen auf Celans Zeile “… und ich bleib dir ein Hohlweg im Herzen” zu diesem “Selbstporträt als Seraph”, das mir wie eine erste Annäherung an das Thema des geplanten neuen Buches “Mayim Rabim” vorkommt und gleichzeitig beinahe das ganze Thema aufblättert. Die Mikveh (die grossen Wasser), der Fluss und das Meer - die alle als rituelles Tauchbad dienen können, als Relaisstation beim Wechsel in eine andere Identität. Wobei die Frage aufkommt, wie viel von uns wir zurücklassen könnten in einem solch magischen Tauchbad, das uns den Weg eröffnet in einen alternativen, einen vielleicht ganz gegensätzlichen Lebensentwurf.


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letzter abschied

Dienstag, den 20. November 2007

Wave - © 2006-2007 by abrokenpuppet@deviantart.com
Wave - © 2006-2007 by abrokenpuppet@deviantart.com

beim sinken der hand
was uns künftig verbindet
erwacht die trauer

© Benjamin Stein (2007)

••• Vermessen, nach einem so wunderbaren Haiku wie dem von Masaoka Shiki mit einem eigenen Haiku zu kommen. Abschiede - dieses Thema hat mich schon immer sehr beschäftigt. Allzu oft markieren sie die scharfen Bruchkanten in einer Biographie. Und oft geht es nicht ohne Trauer ab. Auch bleibt von dem, der geht, immer etwas zurück - wie auch bei dem, der geht, etwas bleibt von dem, der zurückblieb.

Termin am Mittag

Mittwoch, den 14. November 2007

Raymond Queneau
Raymond Queneau

••• Dass ich Raymond Queneaus “Stilübungen” wiedergefunden habe, freut mich so ungemein, dass ich nicht wiederstehen konnte, auch eine Variation auf das Thema zu schreiben.

Und wenn wir schon dabei sind, denke ich mir, dann sollte ich die hier mitlesenden Autoren einladen, in ihren jeweils eigenen Stilen und Sichten das gleiche zu tun. Über zehn zeilen von Sudabeh würde ich mich ebenso freuen wie über eine Mandrake-Variante von Markus (quasi schon im Flieger nach Brasilien), eine surreale Sequenz von p.-s Veranda, ein satirisches Prosagedicht vom Herrn H, etwas in strengstem Versmasse vom ANH - oder oder oder…

Wer auch immer Lust hat, sich an dem Spass zu beteiligen, ist herzlich eingeladen, eine entsprechende Version bei sich im Weblog zu bringen und es die Turmsegler wissen zu lassen.

Und hier ist sie - meine Variante der Begebenheit im Bus S…


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kein wort

Sonntag, den 11. November 2007

Lips - © 2005-2007 ~RyanLovelacePhoto@deviantart.com
Lips - © 2005-2007 ~RyanLovelacePhoto@deviantart.com

kein wort sagst du vor
diesem feuchten
offen pulsenden schlund
eine herbstbö stürzt dir jäh in die knochen
und peitscht als gelte es glas zu spalten
aus deiner hohen krone das laub
so viele könige ohne land
wenn die stürme sich legen taumeln
die blätter zum grund
fahl weiss papierene laken
und stopfen dem schwätzer den mund

© Benjamin Stein (2007)

••• Ich bin ein Sommerkind. Der Herbst ist nicht meine Zeit. Aber Vulkane löscht man denn doch nicht mit ein bisschen Regen und Wind.

Verlängert

Donnerstag, den 8. November 2007

••• Das Ultimatum habe ich mir noch einmal verlängert. Es ist längst noch nicht alles mit dem gebotenen Elan versucht. Dem neuen Projekt werde ich mich nun aber in Ruhe und Bestimmtheit widmen. Nichts drängt. Alles kann, nichts muss. Und nebenbei schau ich hinein in die warmen Farben der Munich City Night.

Mayim Rabim

Dienstag, den 6. November 2007

Mikveh - © 2002 by Janice Rubin
Mikveh - © 2002 by Janice Rubin

••• Eben habe ich mit der Herzdame auf ein neues Buchprojekt angestossen. Der Code-Name: Mayim Rabim - Many Waters oder auch Grosse Wasser (s. Tehillim 93). Wie heute schon berichtet, schwelt die Idee schon seit einem Jahr. Doch heute - bei der Lektüre eines Essays über die Affäre Wilkomirski - kam mir plötzlich der entscheidende Einfall. Und alles bislang Angedachte fügt sich plötzlich in ein stimmiges Ganzes. Da stand ich mit einem Mal ziemlich unter Strom und in Flammen.

Jetzt heisst es, Materialien zu sammeln. Ich werde viel recherchieren und lesen müssen.

Was das werden soll, worum es gehen wird? Ob und - wenn ja - wie ich hier im Turmsegler davon berichten werde, weiss ich noch nicht.

Ultimatum

Dienstag, den 6. November 2007

••• Vor einem Jahr habe ich mir selbst ein Ultimatum gestellt, betreffend mein “Anderes Blau”. Ein Jahr lang würde ich noch versuchen, einen sogenannten Publikumsverlag für das Manuskript zu finden. Gelänge es nicht, würde ich eine eigene Ausgabe von max. 200 Stück herausbringen, klassisch produziert oder via POD. Anders könnte ich nicht abschliessen mit diesem Buch und ein neues beginnen. (Eine Idee dieses neuen Buches begann damals, ganz langsam Gestalt anzunehmen…)

Vielleicht gebe ich mich heute der Lächerlichkeit preis oder werde gar der Larmoyanz bezichtigt. Aber dieses Ultimatum und die Folgen und der Umstand, dass die mir von mir selbst zugestandene Zeit nun verstrichen ist, beschäftigen mich. Und also gehört dieses Nachdenken auch hier her, in dieses Weblog.


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