50x Blau

Montag, den 19. Mai 2008

blau_50
• die ersten 50 Exemplare zum Signieren

••• Die ersten 50 Exemplare von “Ein anderes Blau” sind nun endlich eingetroffen. Ich werde sie umgehend nummerieren, signieren und verschicken.


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Neuerscheinungen

Montag, den 28. April 2008

••• Soeben erschienen in der “Edition Neue Moderne”

Benjamin Stein: Ein anderes Blau (Edition Neue Moderne)
: Ein anderes Blau
Prosa für 7 Stimmen
Edition Neue Moderne 2008
ISBN: 978-3-9523-2364-9

Die ersten 50 Exemplare werden vom Autor nummeriert und signiert.


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Substantielle Antwort

Mittwoch, den 9. Januar 2008

Sehr geehrter Herr Stein,

noch einmal danke ich Ihnen für das Angebot Ihres Romans “Ein anderes Blau”. Mit großem Interesse habe ich es gelesen, muß Ihnen jedoch mitteilen, daß wir nach reiflicher Überlegung leider keine Möglichkeit sehen, Ihre “Prosa für 7 Stimmen” zu veröffentlichen.

Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn vor allem ihr Stil erscheint mir als etwas Besonderes, ihre lyrische, bisweilen surreale Prosa voller Metaphern und Leitmotive, ihre klugen Sentenzen, ihre kühle Art, über schwergewichtige Themen zu schreiben. Eine allzu große Herausforderung stellt dagegen der Aufbau dar, den Sie gewählt haben, die Beiträge der unterschiedlichen Erzählerstimmen, die, egal ob tot oder lebend, ihre Puzzlesteine zu diesem tragischen Bild beitragen, ohne daß sich dieses Bild am Ende klar und deutlich abzeichnen würde. Um sich hineinzuversetzen in die Figuren, die hier zu Wort kommen, und den Plot sind die Bilder manches Mal allzu hermetisch, ist die Handlung stellenweise allzu kryptisch.

Ich würde mich jedoch freuen, wenn Sie [unser Haus] im Hinterkopf behalten würden und wenn Sie uns, sollten Sie ein neues Projekt in Angriff nehmen, noch einmal ein Manuskript anbieten würden.

••• Das ist wenigstens einmal eine substantielle Antwort, sage ich mir.

Lulu, 2. Versuch

Donnerstag, den 12. Juli 2007

Testdruck Ein anderes Blau via Lulu

••• Heute kam nach verlängerter Wartezeit – die Zöllner waren neugierig! – die Lieferung mit dem zweiten -Versuch per UPS.


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Tote unter Lebenden

Montag, den 28. Mai 2007

••• Markus A. Hediger gehörte zu den Schlüsselversteckern, als ich die Online-Präsentation des “Anderen Blau” vorbereitete. Er hat das Projekt verfolgt und im Nachhinein mehrmals das Manuskript gelesen. Auf “Hanging Lydia” berichtet er heute von seiner Erfahrung mit diesem Text.

Seine Besprechung freut mich nicht nur, weil sie die erste ist. Was mich heute besonders bewegt, ist der Umstand, dass ich nun nach langer Zeit und vielen Zweifeln sicher weiss, dass es Leser gibt für dieses Buch, für diese Art Prosa. Ich wollte keine Kompromisse machen, keine Andienung betreiben. Das macht die Lektüre nicht leicht, aber nicht unmöglich. Verstanden worden zu sein, ist eine wundervolle Sache. In den über 200 Besprechungen, die zum “Alphabet des Juda Liva” erschienen sind, hat sich grad ein Rezensent ähnlich intensiv mit dem Text auseinandergesetzt, wie es hier unternimmt.

Mir macht das Mut für die weitere geduldige Suche nach einem Verlag.

Bevor das Script zum Buch wird, werde ich jedoch noch eine Danksagung anfügen. Gewidmet ist das “Blau” N., dem Alter Ego von , weil sie die Inspiration war, den Versuch nochmals zu unternehmen, den Stoff in dieser Art zu bearbeiten. Allein aus diesem Grund will ich es bei dieser Widmung belassen. Meiner Frau allerdings habe ich es zu verdanken, dass das “Andere Blau” überhaupt lesbar geworden ist. Ihrem Rat folgend habe ich die einzelnen Passagen mit den Namen der sprechenden Figuren versehen und den von zitierten – ursprünglich als Exposé und eventuellen Klappentext gedachten – Text als Vorspann zum festen Bestandteil des Buches gemacht.

Wie sich nun beweist, hatte sie in beiden Fällen das viel bessere Gespür als ich.

Blue Intelligence

Freitag, den 18. Mai 2007

••• Die Veröffentlichung des “Anderen Blau” hier im Turmsegler war mit einem Experiment verbunden. Der gesamte Text sowie die einzelnen Stimmen wurden in RSS-Feeds und über Tag-Seiten veröffentlicht sowie als Podcast eingelesen. Als Business Intelligence Consultant interessierten mich da natürlich auch Zahlen: Wie werden die unterschiedlichen Präsentationsformen angenommen? Ist die Publikation via Feeds und die Web-Darstellung nach Blog-Art (also die letzten Beiträge zuerst) für solche Art von Texten geeignet?

Schauen wir also einmal auf ein paar Zahlen.


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Der See ist ruhig

Freitag, den 4. Mai 2007

// Der See ist ruhig. Leise rauschen die Wellen, wenn sie wie eine kühle Hand über den Ufersand streifen. Es ist die immer gleichbleibende Geste: Beruhigung, wie unter Liebenden.

Ich komme vom Blau zum Rot, ich atme mich durch vom Wasser zum Feuer und werde dich fangen und fesseln und dich aussetzen inmitten der Glut meiner Abwesenheit.

Wenn du zu mir kommen willst, mußt du fliegen lernen, die Flügel pflegen, sie spreizen und üben, üben. Du mußt dich emporschwingen, aus der Glut aufsteigen und den See überqueren. Du mußt das Meer überqueren, den Ozean hinter dir lassen und die Provinzen jenseits des Schlafes suchen. Dort werde ich auf dich warten, mit leeren Händen, ein leerer Krug, der gefüllt werden will.

Den Weg mußt du selber finden. Ich kann dir Zeichen geben, leise Signale, die dich vielleicht in die Irre führen, in einen Sturm, ein Gewitter, einen Dauerregen, einen Dorn. Der Weg ist weit, und die Gefahr liegt bei dir. Mich kann sie nicht treffen. Doch du bist ihr ausgeliefert. Du mußt den Mut finden. Du mußt mich ausfindig machen, den Salamander durch alle Feuer jagen, vom Rot zum Blau, dich vom Feuer zum Wasser atmen und feststellen, daß du ein Herz hast, das sich vor Trägheit fürchtet und bewegt sein will und immerfort rasen.

Was immer du warst in meinem Traum, in meinen Wünschen – jetzt bist du ein schwarzer Mann. Dein Mantel ist schwarz, und die Mütze ist schwarz, selbst der Schal und die Augen wie Kohlen. Aber was ich Schwarz nenne, ist nur für den Himmel. Es gehört dir nicht, es gehört mir nicht. Es ist blau.

* * *

München, Dezember 2006

Wir lösen uns auf

Donnerstag, den 3. Mai 2007

// Wir lösen uns auf und mit uns all unsere Erinnerungen und unsere Geschichte. Es kann nicht mehr lange dauern, und wir werden als Wolke über den See treiben und aus dem Blickfeld derer verschwinden, die uns am Ufer verabschiedet haben.

Was wir zurücklassen, ist nicht mehr als ein Gewirr von Stimmen und eine große Unsicherheit, ein paar unerklärliche Ereignisse und einige Notizen in der Zeitung. Und da ist niemand, der beides in einen Zusammenhang bringen würde. Wenige haben von uns gewußt, als wir lebten; und noch wenigere werden von uns wissen, wenn wir uns davongeschlichen haben.

Wir füllen nur einen Riß in der Zeit. Wir wagen die Überfahrt. Und die Koffer bleiben zurück am Ufer.

Unsicher stehn wir auf den herzen der freunde

Mittwoch, den 2. Mai 2007

/…/ Unsicher stehn wir auf den herzen der freunde Am strand stirbt der wind wenn er rastet wie Wir stürzen entkräftet ins meer Für sekunden ruhen wir atemlos aus Den kopf ins seegras geschmiegt Nimmt uns die welle kühl den staub von den stirnen Fort ist auch sie Müde des ansturms gegen die küsten Der matte schimmer den wir bemerkten auf ihrem verflachenden kamm War nur der widerschein helleren leuchtens In uns Wohin ihre kühle nicht reicht.

Was für ein Morgen

Dienstag, den 1. Mai 2007

/Daniel/ Was für ein Morgen. Dr. Anthony schien mir wirklich zu glauben. Ich schätze, sagte ich, es war gegen vier Uhr früh. Ich hörte den Zeitungsboten unten am Tor und zog mich an, um die Zeitung zu holen. Ich wollte den Rest dieser Nacht töten. Sie sollte nicht enden, wie sie begonnen hatte. Ich brauchte eine Pause; und ich wollte das Blut nicht sehen, das durchs Laken bis in die Matratze gezogen war.

Die Zeitung roch frisch und färbte meine Finger schwarz. Ich erinnere mich noch gut an das Foto auf der ersten Seite: ein Präsident mit besorgtem Gesicht. Aber mich interessierte nur eine der kleinen Meldungen am rechten Rand.

Die beiden letzten Opfer des Busunglücks am Bahnhof waren geborgen worden. Man hatte den Tunnel geöffnet und die Leichen aus dem Wrack geschweißt. Die beiden, ein Mann um die Dreißig und eine junge Frau, gehörten nicht zusammen. Doch sie hielten sich an der Hand, und als man sie trennte, floß Blut aus ihrem Mund, als hätten sie die Wochen seit dem Unfall in der Tiefe ausgeharrt und gewartet und wären gerade erst gestorben, wenige Minuten, bevor man sie fand.

Dr. Anthony war bleich geworden, und ich sah ihm an, daß seine Gedanken ganz nah bei meinen waren und daß auch er sich fragte, wann der Tod unwiderruflich ist und ob ein Herz auf dem Weg über den nächtlichen See noch gesehen werden und Schutz suchen kann.

Ich wußte, wer die Besucher gewesen waren. Ich warf die Zeitung aufs Bett. Ich legte mein Ohr an die Wand. Ich lauschte und rief nach dem Mädchen. Ich rief es wieder und wieder. Und schließlich antwortete es sogar.

Ich bin hier, sagte es dumpf aus der Wand heraus. Ich habe deine Hand gespürt. Ich habe deine Nähe verschlungen. Ich weiß, daß du da bist.

Es ist so leicht, ihr zu folgen, sagte ich mir. Es ist so leicht, das Fenster zu öffnen, die Flügel zu spreizen und den Flug zu wagen. Du gehst einfach hinaus und trittst die Luft. Du gehst auf Prinzessinnenaugen und schwebst über Kissenzinnen. Es ist die richtige Zeit, der richtige Morgen; und du selbst bist der richtige in diesem Spiel. Es ist Zeit.