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	<title>Benjamin Stein: Ein anderes Blau</title>
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	<description>Prosa für sieben Stimmen</description>
	<pubDate>Wed, 16 May 2007 08:03:31 +0000</pubDate>
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		<media:copyright>© Benjamin Stein (2007)</media:copyright><media:category scheme="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd">Arts/Literature</media:category><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>Erinnern &amp; Entdecken</itunes:subtitle><itunes:category text="Arts"><itunes:category text="Literature" /></itunes:category><geo:lat>48.1301</geo:lat><geo:long>11.5735</geo:long><atom10:link xmlns:atom10="http://www.w3.org/2005/Atom" rel="self" href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau" type="application/rss+xml" /><feedburner:emailServiceId>795332</feedburner:emailServiceId><feedburner:feedburnerHostname>http://www.feedburner.com</feedburner:feedburnerHostname><feedburner:feedFlare href="http://www.newsgator.com/ngs/subscriber/subext.aspx?url=http%3A%2F%2Ffeeds.feedburner.com%2Fturmsegler%2Fblau" src="http://www.newsgator.com/images/ngsub1.gif">Subscribe with NewsGator</feedburner:feedFlare><feedburner:feedFlare href="http://www.rojo.com/add-subscription?resource=http%3A%2F%2Ffeeds.feedburner.com%2Fturmsegler%2Fblau" src="http://www.rojo.com/corporate/images/add-to-rojo.gif">Subscribe with Rojo</feedburner:feedFlare><feedburner:feedFlare href="http://www.bloglines.com/sub/http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau" src="http://www.bloglines.com/images/sub_modern11.gif">Subscribe with Bloglines</feedburner:feedFlare><feedburner:feedFlare href="http://www.netvibes.com/subscribe.php?url=http%3A%2F%2Ffeeds.feedburner.com%2Fturmsegler%2Fblau" src="http://www.netvibes.com/img/add2netvibes.gif">Subscribe with Netvibes</feedburner:feedFlare><feedburner:feedFlare href="http://fusion.google.com/add?feedurl=http%3A%2F%2Ffeeds.feedburner.com%2Fturmsegler%2Fblau" src="http://buttons.googlesyndication.com/fusion/add.gif">Subscribe with Google</feedburner:feedFlare><feedburner:feedFlare href="http://www.pageflakes.com/subscribe.aspx?url=http%3A%2F%2Ffeeds.feedburner.com%2Fturmsegler%2Fblau" src="http://www.pageflakes.com/subscribe2.gif">Subscribe with Pageflakes</feedburner:feedFlare><feedburner:feedFlare href="http://add.my.yahoo.com/content?lg=de&amp;url=http%3A%2F%2Ffeeds.feedburner.com%2Fturmsegler%2Fblau" src="http://us.i1.yimg.com/us.yimg.com/i/de/my/addtomyyahoo4.gif">Subscribe with Mein Yahoo!</feedburner:feedFlare><item>
		<title>Der See ist ruhig</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2007 22:07:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nadia</category>
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		<description><![CDATA[/Nadia/ Der See ist ruhig. Leise rauschen die Wellen, wenn sie wie eine kühle Hand über den Ufersand streifen. Es ist die immer gleichbleibende Geste: Beruhigung, wie unter Liebenden.
Ich komme vom Blau zum Rot, ich atme mich durch vom Wasser zum Feuer und werde dich fangen und fesseln und dich aussetzen inmitten der Glut meiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nadia/ Der See ist ruhig. Leise rauschen die Wellen, wenn sie wie eine kühle Hand über den Ufersand streifen. Es ist die immer gleichbleibende Geste: Beruhigung, wie unter Liebenden.</p>
<p>Ich komme vom Blau zum Rot, ich atme mich durch vom Wasser zum Feuer und werde dich fangen und fesseln und dich aussetzen inmitten der Glut meiner Abwesenheit.</p>
<p>Wenn du zu mir kommen willst, mußt du fliegen lernen, die Flügel pflegen, sie spreizen und üben, üben. Du mußt dich emporschwingen, aus der Glut aufsteigen und den See überqueren. Du mußt das Meer überqueren, den Ozean hinter dir lassen und die Provinzen jenseits des Schlafes suchen. Dort werde ich auf dich warten, mit leeren Händen, ein leerer Krug, der gefüllt werden will.</p>
<p>Den Weg mußt du selber finden. Ich kann dir Zeichen geben, leise Signale, die dich vielleicht in die Irre führen, in einen Sturm, ein Gewitter, einen Dauerregen, einen Dorn. Der Weg ist weit, und die Gefahr liegt bei dir. Mich kann sie nicht treffen. Doch du bist ihr ausgeliefert. Du mußt den Mut finden. Du mußt mich ausfindig machen, den <a href="http://turmsegler.net/20061212/erklar-mir-liebe/" title="Erklär mir, Liebe">Salamander</a> durch alle Feuer jagen, vom Rot zum Blau, dich vom Feuer zum Wasser atmen und feststellen, daß du ein Herz hast, das sich vor Trägheit fürchtet und bewegt sein will und immerfort rasen.</p>
<p>Was immer du warst in meinem Traum, in meinen Wünschen – jetzt bist du ein schwarzer Mann. Dein Mantel ist schwarz, und die Mütze ist schwarz, selbst der Schal und die Augen wie Kohlen. Aber was ich Schwarz nenne, ist nur ein anderes Blau für den Himmel. Es gehört dir nicht, es gehört mir nicht. Es ist blau.</p>
<p align="center">* * *</p>
<p align="right">München, Dezember 2006</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Nadia/ Der See ist ruhig. Leise rauschen die Wellen, wenn sie wie eine kühle Hand über den Ufersand streifen. Es ist die immer gleichbleibende Geste: Beruhigung, wie unter Liebenden. Ich komme vom Blau zum Rot, ich atme mich durch vom Wasser zum Feuer un</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Nadia/ Der See ist ruhig. Leise rauschen die Wellen, wenn sie wie eine kühle Hand über den Ufersand streifen. Es ist die immer gleichbleibende Geste: Beruhigung, wie unter Liebenden. Ich komme vom Blau zum Rot, ich atme mich durch vom Wasser zum Feuer und werde dich fangen und fesseln und dich aussetzen inmitten der Glut meiner [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Ein anderes Blau, Nadia</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fder-see-ist-ruhig%2F&amp;seed_title=Der+See+ist+ruhig</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/113977733/3-39%20Nadia%20-%20Der%20See%20ist%20ruhig.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/3-39%20Nadia%20-%20Der%20See%20ist%20ruhig.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Wir lösen uns auf</title>
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		<pubDate>Wed, 02 May 2007 22:02:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Wir lösen uns auf und mit uns all unsere Erinnerungen und unsere Geschichte. Es kann nicht mehr lange dauern, und wir werden als Wolke über den See treiben und aus dem Blickfeld derer verschwinden, die uns am Ufer verabschiedet haben.
Was wir zurücklassen, ist nicht mehr als ein Gewirr von Stimmen und eine große Unsicherheit, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Wir lösen uns auf und mit uns all unsere Erinnerungen und unsere Geschichte. Es kann nicht mehr lange dauern, und wir werden als Wolke über den See treiben und aus dem Blickfeld derer verschwinden, die uns am Ufer verabschiedet haben.</p>
<p>Was wir zurücklassen, ist nicht mehr als ein Gewirr von Stimmen und eine große Unsicherheit, ein paar unerklärliche Ereignisse und einige Notizen in der Zeitung. Und da ist niemand, der beides in einen Zusammenhang bringen würde. Wenige haben von uns gewußt, als wir lebten; und noch wenigere werden von uns wissen, wenn wir uns davongeschlichen haben.</p>
<p>Wir füllen nur einen Riß in der Zeit. Wir wagen die Überfahrt. Und die Koffer bleiben zurück am Ufer.</p>


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		<title>Unsicher stehn wir auf den herzen der freunde</title>
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		<pubDate>Tue, 01 May 2007 22:06:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Off</category>
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		<description><![CDATA[/&#8230;/ Unsicher stehn wir auf den herzen der freunde Am strand stirbt der wind wenn er rastet wie Wir stürzen entkräftet ins meer Für sekunden ruhen wir atemlos aus Den kopf ins seegras geschmiegt Nimmt uns die welle kühl den staub von den stirnen Fort ist auch sie Müde des ansturms gegen die küsten Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/&#8230;/ Unsicher stehn wir auf den herzen der freunde Am strand stirbt der wind wenn er rastet wie Wir stürzen entkräftet ins meer Für sekunden ruhen wir atemlos aus Den kopf ins seegras geschmiegt Nimmt uns die welle kühl den staub von den stirnen Fort ist auch sie Müde des ansturms gegen die küsten Der matte schimmer den wir bemerkten auf ihrem verflachenden kamm War nur der widerschein helleren leuchtens In uns Wohin ihre kühle nicht reicht.</p>


<a href="http://turmsegler.podspot.de/files/3-37%20Off%20-%20Unsiche%20stehn%20wir%20auf%20den%20Herzen%20der%20Freunde.mp3">Download audio file (3-37%20Off%20-%20Unsiche%20stehn%20wir%20auf%20den%20Herzen%20der%20Freunde.mp3)</a><br />
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		<title>Was für ein Morgen</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2007 22:01:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Was für ein Morgen. Dr. Anthony schien mir wirklich zu glauben. Ich schätze, sagte ich, es war gegen vier Uhr früh. Ich hörte den Zeitungsboten unten am Tor und zog mich an, um die Zeitung zu holen. Ich wollte den Rest dieser Nacht töten. Sie sollte nicht enden, wie sie begonnen hatte. Ich brauchte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Was für ein Morgen. Dr. Anthony schien mir wirklich zu glauben. Ich schätze, sagte ich, es war gegen vier Uhr früh. Ich hörte den Zeitungsboten unten am Tor und zog mich an, um die Zeitung zu holen. Ich wollte den Rest dieser Nacht töten. Sie sollte nicht enden, wie sie begonnen hatte. Ich brauchte eine Pause; und ich wollte das Blut nicht sehen, das durchs Laken bis in die Matratze gezogen war.</p>
<p>Die Zeitung roch frisch und färbte meine Finger schwarz. Ich erinnere mich noch gut an das Foto auf der ersten Seite: ein Präsident mit besorgtem Gesicht. Aber mich interessierte nur eine der kleinen Meldungen am rechten Rand.</p>
<p>Die beiden letzten Opfer des Busunglücks am Bahnhof waren geborgen worden. Man hatte den Tunnel geöffnet und die Leichen aus dem Wrack geschweißt. Die beiden, ein Mann um die Dreißig und eine junge Frau, gehörten nicht zusammen. Doch sie hielten sich an der Hand, und als man sie trennte, floß Blut aus ihrem Mund, als hätten sie die Wochen seit dem Unfall in der Tiefe ausgeharrt und gewartet und wären gerade erst gestorben, wenige Minuten, bevor man sie fand.</p>
<p>Dr. Anthony war bleich geworden, und ich sah ihm an, daß seine Gedanken ganz nah bei meinen waren und daß auch er sich fragte, wann der Tod unwiderruflich ist und ob ein Herz auf dem Weg über den nächtlichen See noch gesehen werden und Schutz suchen kann.</p>
<p>Ich wußte, wer die Besucher gewesen waren. Ich warf die Zeitung aufs Bett. Ich legte mein Ohr an die Wand. Ich lauschte und rief nach dem Mädchen. Ich rief es wieder und wieder. Und schließlich antwortete es sogar.</p>
<p>Ich bin hier, sagte es dumpf aus der Wand heraus. Ich habe deine Hand gespürt. Ich habe deine Nähe verschlungen. Ich weiß, daß du da bist.</p>
<p>Es ist so leicht, ihr zu folgen, sagte ich mir. Es ist so leicht, das Fenster zu öffnen, die Flügel zu spreizen und den Flug zu wagen. Du gehst einfach hinaus und trittst die Luft. Du gehst auf Prinzessinnenaugen und schwebst über Kissenzinnen. Es ist die richtige Zeit, der richtige Morgen; und du selbst bist der richtige in diesem Spiel. Es ist Zeit.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Daniel/ Was für ein Morgen. Dr. Anthony schien mir wirklich zu glauben. Ich schätze, sagte ich, es war gegen vier Uhr früh. Ich hörte den Zeitungsboten unten am Tor und zog mich an, um die Zeitung zu holen. Ich wollte den Rest dieser Nacht töten. Sie sol</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Daniel/ Was für ein Morgen. Dr. Anthony schien mir wirklich zu glauben. Ich schätze, sagte ich, es war gegen vier Uhr früh. Ich hörte den Zeitungsboten unten am Tor und zog mich an, um die Zeitung zu holen. Ich wollte den Rest dieser Nacht töten. Sie sollte nicht enden, wie sie begonnen hatte. Ich brauchte [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Daniel I, Ein anderes Blau</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fwas-fur-ein-morgen%2F&amp;seed_title=Was+f%C3%BCr+ein+Morgen</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/113195328/3-36%20Daniel%20-%20Was%20f%FCr%20ein%20Morgen.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/3-36%20Daniel%20-%20Was%20f%FCr%20ein%20Morgen.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
		<item>
		<title>Wem nur gehören all diese Hände?</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2007 23:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nina</category>
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		<description><![CDATA[/Nina/ Wem nur gehören all diese Hände? Wem gehört dieses Herz? Wer badet mich in diesem Traum? Wer erzählt mir von roten Kimonos und Liegestützen am Morgen? Wer küßt mich und läßt sich doch nicht berühren und fangen und ist nur gekommen, um wieder zu verschwinden wie ein Mädchentraum?


Download audio file (3-35%20Nina%20-%20Wem%20nur%20geh%F6ren%20all%20diese%20H%E4nde.mp3)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nina/ Wem nur gehören all diese Hände? Wem gehört dieses Herz? Wer badet mich in diesem Traum? Wer erzählt mir von roten Kimonos und Liegestützen am Morgen? Wer küßt mich und läßt sich doch nicht berühren und fangen und ist nur gekommen, um wieder zu verschwinden wie ein Mädchentraum?</p>


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		<title>Der Morgen ist nah</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2007 22:03:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Der Morgen ist nah, und bald werden wir aufbrechen müssen. Am Tagufer wartet das Boot, das uns fortbringen wird. Und die Koffer stehen bereit. Das sind die Koboldkoffer, die Regentropfenkoffer, die mit Zeitungspapier ausgestopfte Brust.
Doch dieses Gepäck ist zu schwer und wird uns auf der Reise nichts nützen. Am anderen Ufer wartet kein neues [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Der Morgen ist nah, und bald werden wir aufbrechen müssen. Am Tagufer wartet das Boot, das uns fortbringen wird. Und die Koffer stehen bereit. Das sind die Koboldkoffer, die Regentropfenkoffer, die mit Zeitungspapier ausgestopfte Brust.</p>
<p>Doch dieses Gepäck ist zu schwer und wird uns auf der Reise nichts nützen. Am anderen Ufer wartet kein neues Leben. Wir müssen alles verschenken, bevor das Boot ablegt, die Tür öffnen und die Worte hinauslassen. In ganzen Sätzen sprechen ohne Furcht vor Verrat.</p>
<p>Es ist wohl zu spät, noch einmal von zu Hause aufzubrechen, die Tür zu schließen, die Treppe hinunterzugehen, auf den Hof hinaus. Es ist wohl zu spät, mich umzudrehen und zu dir hinaufzuwinken. Dieser Weg ist abgeschnitten.</p>
<p>Aber ich kann noch eine Hand nehmen und ein Gesicht streicheln. Ich kann noch einer Haut die Gewißheit schenken, daß jede Pore lebt. Einen Satz habe ich noch, und ein Kuß ist mir geblieben. Und ich kann auch das Boot mit kräftigen Schlägen über den nächtlichen See ans andere Ufer rudern und dir die Angst vor dem Abschied nehmen. Ich bin noch nicht tot.</p>


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		<title>Dieses Bett ist zu groß für mich allein</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2007 22:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nadia</category>
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		<description><![CDATA[/Nadia/ Dieses Bett ist zu groß für mich allein. Das habe ich immer gewußt. Ich kann dieses Nachthaus nicht allein bewohnen, das voller Gespenster ist, die mich von einer Ecke zur anderen drängen. Ich habe die Kissen vom Wohnzimmersofa um mich gestapelt. Das ist eine Federmauer, ein Daunenzaun. Doch auf jedem Kissen tanzt ein Troll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nadia/ Dieses Bett ist zu groß für mich allein. Das habe ich immer gewußt. Ich kann dieses Nachthaus nicht allein bewohnen, das voller Gespenster ist, die mich von einer Ecke zur anderen drängen. Ich habe die Kissen vom Wohnzimmersofa um mich gestapelt. Das ist eine Federmauer, ein Daunenzaun. Doch auf jedem Kissen tanzt ein Troll und schneidet mir finstre Grimassen. Papas Prinzessin schläft nicht, sie findet keine Ruhe, als wäre die Matratze mit Erbsen gefüllt. Ich kann sie nicht an die Kobolde verfüttern. Sie mögen Erbsen nicht. Sie leben von den Tränen kleiner Mädchen, die in den großen Nachthäusern am See das Malheft des Himmels mit Ihrer Furcht vor der Dunkelheit auspinseln, damit die Nacht schneller vergeht.</p>
<p>Wer hat mich nur in diesem viel zu großen Bett ausgesetzt?, in diesem fremden Bett?, in dieser Koboldwelt, in der die Luft nach Vaterschweiß riecht? Mein Papa sägt und hobelt im Keller an immer noch größeren Betten, in denen noch mehr Platz ist für Sofakissen und Gebirge aus Decken und eine kleine Prinzessin nach der anderen, die alle nicht schlafen, weil die Kobolde sie immerzu anfassen wollen, sobald sie die Augen schließen.</p>
<p>Die Kobolde kommen jede Nacht; und die Grimassen sind immer die selben. Man kann nur versuchen, durch sie hindurch zu sehen, als wären sie nicht da, den Blick ganz starr auf das Fenster hinter ihnen zu heften, das Glas zu durchdringen und zu den Sternen zu fliehen, die müde über dem See hängen.</p>
<p>So ist es ein Gefängnis mit guter Aussicht, denn das Fenster geht zum Seeufer hinaus. Und wenn auch die Trolle ihre Fratzen nicht tauschen wollen gegen freundlichere Gesichter und jede Nacht nur immer wieder mit der gleichen Geschichte und dem gleichen trotzigen Tanz ankommen, so schenkt mir doch der See, wenn die Sicht klar ist, immer wieder eine neue Tröstung, von der mein Papa nichts weiß.</p>
<p>Der See ist ja auch eingesperrt zwischen den Ufern. Wenn er wachsen wollte, würde man Dämme vor die Straßen bauen und ihn nicht zu mir heraufkriechen lassen. Aber er ist ein gutmütiger Gefangener, der sich jede Nacht ein neues Gesicht ausdenkt, das er mir zeigen kann. Er kann mir den Mond spiegeln oder Wellenmuster durchs Dunkel treiben. Er kann den Kobolden drohen, und manchmal gelingt es ihm sogar, sie für eine Weile zu verjagen, damit ich schlafen kann.</p>
<p>Warum kannst du dich nicht zu mir in mein Kinderbett legen, mich in den Arm nehmen und ganz langsam atmen? Warum kannst du nicht für einen Augenblick so still mit mir liegen und nichts sagen und nur mein Beschützer sein und alle bösen Geister vertreiben? Warum kannst du nicht auf meinen Herzschlag lauschen, der ruhig und immer ruhiger wird, aber bestimmt nicht anhält? Warum kannst du nicht einbrechen in mein Gefängnis, die Tür öffnen und mich hinaustragen und weit fortbringen? So weit fort, daß keiner der Kobolde mich je wieder einfangen und zurückbringen kann in das Prinzessinnengefängnis, in das Nachthaus am See, in dem der Papa nachts auf Zehenspitzen über den Flur schleicht wie ein als Mann verkleideter Kobold, der Prinzessinnen nachstellt, sie einfängt und einsperrt zwischen Decken und Kissen und seinen Geruch überall eingräbt, ins Haar, in die Kissen, in die Decken, selbst in die Trolle und ihre Grimassen, in jeden Winkel der Seele.</p>
<p>Das Bett ist zu klein für uns beide, sagst du und lachst. Du findest das komisch. Du ahnst nicht, daß meine Finger Messer sind mit scharfen Klingen. Ich werde dir das Herz aus der Brust reißen, wenn du nicht aufhörst zu lachen. Ich werde dich in einen Kobold verwandeln und im See ertränken, wenn du das Nachthaus nicht aufbrichst und niederreißt. Dann bleibt es Nacht am See, und es bleibt Nacht in der Stadt. Das hast du dann von deinem Lachen.</p>


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		<title>Ich soll entlassen werden</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2007 05:01:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel II</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Ich soll entlassen werden. Diese Entscheidung kam überraschend für mich; und ich kann mir wirklich nicht erklären, warum Dr. Anthony plötzlich seine Meinung geändert hat und es für ungefährlich hält, das Gefängnistor aufzuschließen und mich wieder nach Hause gehen zu lassen.
Wie lange war ich hier einquartiert? Wie lange haben diese Gespräche mit Dr. Anthony [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Ich soll entlassen werden. Diese Entscheidung kam überraschend für mich; und ich kann mir wirklich nicht erklären, warum Dr. Anthony plötzlich seine Meinung geändert hat und es für ungefährlich hält, das Gefängnistor aufzuschließen und mich wieder nach Hause gehen zu lassen.</p>
<p>Wie lange war ich hier einquartiert? Wie lange haben diese Gespräche mit Dr. Anthony gedauert, die Antäuschungen und Einwicklungen?</p>
<p>Ich habe viele Masken getragen, viel totes Fleisch über die Seele gezogen. Jetzt probiere ich Prinzengewänder, Seide und Cashmere und leihe mir eine hellere Farbe fürs Haar und einen dunkleren Teint. Ich bereite mich auf die Flugstunden ohne Fallschirm vor, auf meine Herrschaft über die Luftregionen. Das Zepter wird mir gereicht, und die Krone bekommt einen festen Sitz.</p>
<p>Laß uns sehen, ob ich zum König tauge. Laß uns sehen, ob die Zeit zum Regieren schon gekommen ist.</p>
<p>Dr. Anthony nickt zu allem nur noch zustimmend und macht mir Mut. Wenn ich ihm nur trauen könnte. Wenn ich nur glauben könnte, daß er mich nicht nur von einer Enge in eine andere schickt.</p>
<p>Er wollte wissen, warum ich fliegen lernte. Und ich erinnerte mich, daß ich sehr früh am Morgen erwacht war. Ich lag allein in meinem Bett, aber in meiner Hand fühlte ich noch deutlich die Wärme ihres Bauches. Ich hatte nicht geträumt. Sie war wirklich zu mir gekommen. Sie hatte wirklich bei mir gelegen, den Tanz unterbrochen für eine kleine Ewigkeit, atemlos.</p>
<p>Ich erinnerte mich auch, daß das Laken feucht gewesen war. Und spätestens, als ich die Decke beiseite geschoben hatte, war ich vollends wach. Ich lag in Blut. Ich wußte, es war nichts geschehen. Ich hatte nur meinen Arm um sie gelegt, meine Hand auf ihren Mädchenbauch. Und ich hatte versucht, ihrem Atem nachzuspüren, doch ihr Bauch hatte sich nicht bewegt, und es war kein Laut zu vernehmen.</p>
<p>Mein Herz raste, und ich atmete tief, als müßte ich für uns beide nach Luft ringen. Das Gefühl ihres Bauches in meiner Hand war ein Schlaflied aus einem fernen Land. Ich spürte, daß sie Schutz gesucht hatte und nur deswegen zu mir gekommen war, weil sie sich fürchtete, am Morgen allein zu erwachen.</p>
<p>So waren wir eingeschlafen.</p>


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		<title>Wundert dich nicht dein Glück</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2007 22:23:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Wundert dich nicht dein Glück beim Zwiebelschneiden: die erlaubten Tränen? Schrecken dich nicht deine Träume, in denen du Messer schleifst mit großen glänzenden Klingen, um den Geliebten zu töten? Ängstigt dich nicht deine Kunst der Verkleidung? Schmerzt sie dich nicht wie den Tropfen Regen, der die Berührung ersehnt deiner Haut, wenn er rinnt über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Wundert dich nicht dein Glück beim Zwiebelschneiden: die erlaubten Tränen? Schrecken dich nicht deine Träume, in denen du Messer schleifst mit großen glänzenden Klingen, um den Geliebten zu töten? Ängstigt dich nicht deine Kunst der Verkleidung? Schmerzt sie dich nicht wie den Tropfen Regen, der die Berührung ersehnt deiner Haut, wenn er rinnt über die ewig haftende Schminke auf deinem sterbensgesunden Gesicht? Was kann dich noch verwunden, noch schrecken? Im Vorübergehen brennen dich glühende Eisen, und du bleibst stumm.</p>


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		<title>Das Bild auf der Wand</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2007 22:17:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Das Bild auf der Wand steckt voller Leben und steigt herab zu mir und kommt in mein Bett. Ich weiß nicht, wie das möglich ist. Und ich weiß noch immer nicht, woher dieses Mädchen kommt. Aber ich ahne jetzt, daß sie wirklich für mich getanzt hat, daß ich gemeint war und daß sie meinetwegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Das Bild auf der Wand steckt voller Leben und steigt herab zu mir und kommt in mein Bett. Ich weiß nicht, wie das möglich ist. Und ich weiß noch immer nicht, woher dieses Mädchen kommt. Aber ich ahne jetzt, daß sie wirklich für mich getanzt hat, daß ich gemeint war und daß sie meinetwegen hier ist, tanzt, lächelt, weint und wartet und aus der Wand heraussteigt und auf mich zukommt.</p>
<p>Sie wirft den Glockenmantel ab. Sie läßt das Kleid herabgleiten. Sie zieht das Hemd über den Kopf mit verkreuzten Armen und steigt aus dem Mädchenhöschen. Sie kommt sehr langsam quer durchs Zimmer herüber zu meinem Bett. Und ich ahne wohl, was sie vorhat, aber ich habe keine Ahnung, ob sie kalt sein wird, ob ich sie überhaupt berühren kann oder ob sie durch mich hindurchgehen wird oder an mir vorüberschweben. Ich weiß nicht, ob das ein Fiebertraum ist oder nur eine schwüle Nachtwirklichkeit. Ich kann es nicht sagen.</p>
<p>Ich rechne damit, daß ihre Konturen verschwimmen werden, sobald sie nahe genug bei mir ist, daß ich meine Hand nach ihr ausstrecken könnte, um ihre Haut zu ertasten. Aber sie löst sich nicht auf. Sie kommt näher und weicht auch nicht aus, als ich meine Arme hebe. Kaum ist sie nahe genug bei mir, daß meine Fingerspitzen den blonden Flaum auf ihrem Bauch ertasten können, bleibt sie stehen. Ihr Bauch vibriert unter meinen Fingern. Sie hat die Augen geschlossen und hält den Atem an.</p>
<p>Sie hebt die Decke und will sich zu mir legen. Zeig mir dein Gesicht, will ich sagen, sprich mit mir. Doch sie wendet sich ab, zieht die Decke bis zu den Schultern hoch und dreht mir den Rücken zu. Sie preßt ihren Po in meinen Schoß und ist gewiß nicht kalt und will doch gewärmt werden, und ich glaube, sie fürchtet sich. Also lege ich meinen Arm um sie und halte sie fest. Sie atmet noch immer nicht.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Daniel/ Das Bild auf der Wand steckt voller Leben und steigt herab zu mir und kommt in mein Bett. Ich weiß nicht, wie das möglich ist. Und ich weiß noch immer nicht, woher dieses Mädchen kommt. Aber ich ahne jetzt, daß sie wirklich für mich getanzt hat, </itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Daniel/ Das Bild auf der Wand steckt voller Leben und steigt herab zu mir und kommt in mein Bett. Ich weiß nicht, wie das möglich ist. Und ich weiß noch immer nicht, woher dieses Mädchen kommt. Aber ich ahne jetzt, daß sie wirklich für mich getanzt hat, daß ich gemeint war und daß sie meinetwegen [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Daniel I, Ein anderes Blau</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fdas-bild-auf-der-wand%2F&amp;seed_title=Das+Bild+auf+der+Wand</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/111401119/3-30%20Daniel%20-%20Das%20Bild%20auf%20der%20Wand%20steckt%20voller%20Leben.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/3-30%20Daniel%20-%20Das%20Bild%20auf%20der%20Wand%20steckt%20voller%20Leben.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Ich habe noch nicht zu Ende getanzt</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2007 04:59:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nadia</category>
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		<description><![CDATA[/Nadia/ Ich habe noch nicht zu Ende getanzt. Da sind noch viele Figuren in die Luft zu schneiden, mit rudernden Armen und ängstlich verhaltenem Atem.
Ich habe so oft an Geländern hoher Brücken gelehnt und stumpf hinabgesehen und mir den Flug ohne Wiederkehr ausgemalt, den Absprung ins Leere. Ich habe mir Kinderlieder vorgesungen, um mir Mut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nadia/ Ich habe noch nicht zu Ende getanzt. Da sind noch viele Figuren in die Luft zu schneiden, mit rudernden Armen und ängstlich verhaltenem Atem.</p>
<p>Ich habe so oft an Geländern hoher Brücken gelehnt und stumpf hinabgesehen und mir den Flug ohne Wiederkehr ausgemalt, den Absprung ins Leere. Ich habe mir Kinderlieder vorgesungen, um mir Mut zu machen und bin doch nicht gesprungen. Es gab immer einen Grund, es beim Hinabschauen zu lassen und den Sprung zu verschieben auf eine andere Angstminute. Niemand, sagte ich mir, weiß, wie schön ich singen kann. Niemand weiß, welch kraftvolle Musik in meinen Adern pulst und gehört werden will. Ich bin ein Orchester, das Kinderlieder in Symphonien verwandelt. Das habe ich mir auch vorgesagt an den Brückengeländern.</p>
<p>Mein Herz ist immer und immer wieder gesprungen und kam doch nie unten an. Es ist nie auf den Asphalt geprallt, nie in den Flüssen versunken, um den Fischen ein Haus zu sein.</p>
<p>Der Sprung und die Kinderlieder und die Erinnerung an die Brückengeländer – das ist ein Purpurband, an dem ich mich immer zurückhangeln kann durch alle meine Tage bis hin zu meinem Kinderzimmer, bis hin zu den Kissentürmen, auf denen Prinzessinnen stehen, die ihre Mädchenaugen herausreißen und in die Tiefe werfen, damit sie im Schloßgraben langsam vermodern.</p>
<p>Und jetzt kommst du und willst mir weismachen, daß sie all die Jahre überdauert haben und streng aus dem Schlamm in die Höhe starren und mir einen fesselnden Blick entgegenschleudern und mich hinabziehen wollen. Du kommst und sagst, es ist Zeit für den Sprung. Jetzt soll es nicht mehr hinausschiebbar sein, die Flügel gespreizt, alle Muskeln gespannt. Jetzt sei der Morgen gekommen.</p>
<p>Aber ich muß noch viele Stierkämpfe zeichnen und noch viele Kinderlieder als Totenmessen singen im heißen Sand der Arena. Meine Füße sind des Tanzes lang noch nicht müde. Ich weiß es jetzt: Du kannst mich nicht zwingen, den Sprung zu wagen. Ganz gleich, wie dicht am Abgrund ich tanzte, um den Absturz bin ich immer herumgetanzt und habe nur kokettiert mit der Tiefe.</p>
<p>Ich halte noch fest an dem Purpurband. Ich springe noch nicht. Du kannst das gern Blut nennen, was mir vom Mundwinkel tropft. Es schmeckt bitter wie Liebe und macht mich trunken, denn ich lebe. Ich lebe dort oben auf den Prinzessinnenzinnen und schleudere den modernden Augen nur ein Lachen entgegen. Ich werde dir zeigen, wie lebendig ich bin und wie weit der Morgen noch entfernt ist und wie ich mich festtanzen kann in der Wand, um noch bleiben zu können.</p>
<p>Wenn du längst schon fort bist mit allen Koffern und Träumen, werde ich immer noch tanzen. Und das Boot legt ab ohne mich und bringt dich allein fort über den See.</p>
<p>Wenn du gehen willst, geh. Doch ich bin nicht bei dir. Ich bleibe.</p>


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		<title>Das Fest ist vorbei</title>
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		<comments>http://turmsegler.net/blau/das-fest-ist-vorbei/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 21 Apr 2007 22:15:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Das Fest ist vorbei. Die Gäste haben sich ausgesungen und ausgetanzt und sich ausgelacht und eine Nacht ausgeatmet; und jetzt ist es Zeit zu gehen.
Wie uns niemand begrüßt hat, als wir kamen, so wird uns auch niemand verabschieden wollen. Wir waren die unerkannten Gäste am Party-Buffet. Wir waren die Erinnerungsfetzen, die in einer abwesenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Das Fest ist vorbei. Die Gäste haben sich ausgesungen und ausgetanzt und sich ausgelacht und eine Nacht ausgeatmet; und jetzt ist es Zeit zu gehen.</p>
<p>Wie uns niemand begrüßt hat, als wir kamen, so wird uns auch niemand verabschieden wollen. Wir waren die unerkannten Gäste am Party-Buffet. Wir waren die Erinnerungsfetzen, die in einer abwesenden Minute vor dem inneren Auge eines angetrunkenen Tänzers vorüberhuschten. Du weißt es ja: Niemand hat uns eingeladen; wir wurden nicht bestellt, und ich glaube sogar, daß außer uns selbst niemand wirklich weiß, daß wir hier sind.</p>
<p>Während sie stiller werden, sich immer öfter ansehen und verstohlene Blicke auf ihre Handgelenke werfen, und während sie nach den Mänteln greifen, um sich auf den Weg zu machen, während ein Abschied den anderen ablöst, müssen wir uns fragen, warum wir noch hier sind und ob es nicht auch für uns Zeit wird zu gehen. Hast du dich nie gefragt, warum wir in diesem Betongefängnis ausgesetzt wurden? Hast du dich nie gefragt, warum das Blut auf deinen Lippen nicht trocknet?</p>
<p>Unsere Zeit wurde angehalten. Und wir sollten uns nicht länger betrügen: Für uns heißt das nur, daß man unser Sterben ausgesetzt hat für einige Tage oder auch nur Stunden. Ein Beschluß, für den wir den Grund nicht kennen. Eine Galgenfrist, um die wir nicht gebeten haben. Du solltest noch tanzen. Ich sollte noch schauen und tasten und ein junges Mädchen verführen und Grashalme zählen in deinen Augen.</p>
<p>Meine Großmutter verließ nie das Haus, ohne zuvor noch fünf Minuten auf ihrem Stuhl neben der Tür zu sitzen und mit offenen oder geschlossenen Augen das kleine Heim zu vermessen. Ich habe mich immer gefragt, warum sie jedesmal einen Abschied zelebrieren mußte, als würde sie dieses Mal nicht zurückkehren und müßte die Atmosphäre des Raumes an diesem Tag, zu dieser Stunde, ganz in sich aufnehmen, in sich einschließen, einbrennen und versiegeln, um ihn nie verlieren zu können – die Erinnerung festgenagelt an die Netzhautleinwand – als wäre jeder Gang zum Supermarkt um die Ecke womöglich der letzte Ausflug, ein Weggehen ohne Wiederkehr. Das Auto würde fortwährend in Achten und großen Schleifen über regennasse Straßen einem beweglichen Ziel hinterhersetzen, ohne je anzukommen. Ein Abschied, so regennaß und graulich grau wie Provinzbahnhöfe um Mitternacht.</p>
<p>Daran müssen wir denken, vergiß das nicht. Wir sind nicht hier, um zu bleiben. Wir sind hier, um eine kleine, eine kurze Rast zu genießen vor einem neuen Aufbruch. Du kannst sicher so tun, als wüßtest du nichts davon. Aber es wird dir nichts nützen. Du wirst dich, wenn der Augenblick kommt, nicht festkrallen können in der Wand, um nicht fortgerissen zu werden. Du wirst dich, wenn das Boot ablegt, nicht am Ufer eingraben können, um noch zu bleiben.</p>
<p>Vielleicht mußten wir sein, was wir waren; aber wir können gewiß nicht bleiben, was wir sind.</p>
<p>Das schmale Rinnsal, das aus deinem Mundwinkel quillt, wird kräftiger werden, und schließlich wird das Leben in einem armdicken Strahl aus dir herausbluten. Es liegt in der Natur deines Tanzens, daß die Schuhe zu früh durchgetanzt sind, wie es in der Natur meines Wartens unter den Sonnenschirmen lag, daß mein Herz einschlafen mußte mitten am Tag.</p>
<p>Vielleicht sind wir nur hier, um den wortlosen Abschied zu lernen, um langsam aus uns herauszutreten und Adieu zu sagen – zu Sonnenschirmen und Glockenmänteln und fratzenhaften Erinnerungsschatten, fleischigen Fetzen verwesender Herzkammerteppiche.</p>
<p>Die Dienerschaft hat Dauerausgang. Es liegt nun ganz bei uns, und wir müssen selbst die Hände ins Blut tauchen und uns aus dem Schoß ziehen und noch einmal Atem schöpfen und einen Schrei ausstoßen und eine Umarmung riskieren und eine Fünfminutenfrist genießen auf dem Stuhl neben der Tür zur mitternächtlichen Bahnhofswelt. Das ist eine Abschiedsnacht. Das ist unsere Abschiedsnacht.</p>
<p>Das Fest ist vorbei, die Gäste gegangen, und nur wir sind noch geblieben. Und auch dieses Innehalten wird noch vorübergehen und wie eine müde Welle an einem Ufer auslaufen und sich erschöpfen.</p>
<p>Tanze, tanze, aber du wirst dich doch schon bald auf dem Großmutterstuhl neben der Mitternachtstür wiederfinden. Ich habe es dir gesagt. So bist du gewarnt. So kannst du das Blutrinnsal mit deinen Händen auffangen, wenn es herausbrechen will.</p>
<p>Dann bin ich bei dir.</p>


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		<title>Ich kann Ihnen eine Geschichte erzählen</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Apr 2007 22:09:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel II</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[3
/Daniel/ Ich kann Ihnen eine Geschichte erzählen: von der Leidenschaft des Schwebens, von jenen Augenblicken, in denen die Zeit stehenbleibt, damit das Herz ein paar Schläge aufholen kann.
Wenn der Löwe langsam über den Konzertflügel schleicht, müde, und mit seinem Schwanz über die Tasten wischt, ganz sorglos, ein dumpfer Akkord.
Wenn ein Mädchen am Morgen lächelnd die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 200%; font-weight: bold">3</span></p>
<p>/Daniel/ Ich kann Ihnen eine Geschichte erzählen: von der Leidenschaft des Schwebens, von jenen Augenblicken, in denen die Zeit stehenbleibt, damit das Herz ein paar Schläge aufholen kann.</p>
<p>Wenn der Löwe langsam über den Konzertflügel schleicht, müde, und mit seinem Schwanz über die Tasten wischt, ganz sorglos, ein dumpfer Akkord.</p>
<p>Wenn ein Mädchen am Morgen lächelnd die Augen aufschlägt und die Wand streichelt, an der sein Bett steht. Und ein Mann, dessen Mund vernäht ist, dennoch sprechen lernt durch seine Augen.</p>
<p>Wenn eine Wand zwischen zwei ungleichen Zimmern zum Ablegeplatz eines Bootes wird und sich zwei eine Rast verdienen vor der langen, letzten Ausfahrt über den See.</p>
<p>Wenn die Uhren mit all ihren Pendeln und Zeigern, dem Stundenschlagen und Sekundentick eine neue Sprache erfinden, mit der man Wände durchdringt, ganz gleich, wie dick sie auch sind und wer immer hinter ihnen in Gedanken wach liegt oder träumend schläft.</p>
<p>Wenn die Stimmen der Väter und Großväter, Mütter und Tanten und Schwestern immer leiser werden und hinter dem Fächer langsam verstummen und ihre Worte ganz allmählich vergessen werden und neuen Worten Platz machen, die besser für sanfte Gespräche und eine Erklärung taugen.</p>
<p>Ein Ton blieb ungespielt. Einen Satz hast du nie gesprochen. Eine Geste mußtest du immer verstecken, weil sie alles verraten hätte. Die tote Großmutter im Bettkasten und die weißen Flecken im Laken. Das Whiskyglas und die leeren Flaschen. Die gesprengte Sonne und die geliehene Schönheit. Den heimlichen Kuß in die eigene Hand. Und die Wut und den Stolz und das laute Gefühl, das keinen Ausgang findet aus dem Gefängnis der Haut.</p>
<p>Es ist eine Geschichte mit Toten und Gästen, die ohne Einladung kommen und ebenso unerwartet verschwinden, wie sie aufgetaucht waren. Es ist eine Geschichte, die über einen Konzertflügel schleicht, müde, ein dumpfer Akkord. Es ist nur eine Notiz auf dem Rand einer Zeitung, die leicht versehentlich im Altpapier endet, wenn man sie nicht auswendig lernt und sich vorsagt am Morgen und sich vorsagt am Abend.</p>
<p>Man muß den Vorsager machen, um herauszufinden, wo die Wanderung begonnen hat. Man muß den Vorsager machen, um das Gepäck beisammen zu halten. Man muß den Vorsager machen und sich die Geschichten vorsagen, so oft man es braucht.</p>
<p>Diese Geschichte, sage ich, wollen Sie bestimmt nicht hören und blitze Dr. Anthony mit Kampfeslust an. Doch er rührt sich gar nicht, schüttelt nicht den Kopf, sondern sagt, ganz leise, nur: Doch.</p>


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		<title>Er hat sich nicht verabschiedet</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2007 22:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nina</category>
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		<description><![CDATA[/Nina/ Er hat sich nicht verabschiedet, obwohl ich lange gewartet habe. Viel zu lange. Unten ist es still geworden. Die Party ist aus. Die letzten Gäste sind schon gegangen. Vielleicht sitzt der Schauspieler noch in der Küche und raucht. Christa ist sicher müde. Sie wird immer müde nach dem dritten Glas Wein und braucht am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nina/ Er hat sich nicht verabschiedet, obwohl ich lange gewartet habe. Viel zu lange. Unten ist es still geworden. Die Party ist aus. Die letzten Gäste sind schon gegangen. Vielleicht sitzt der Schauspieler noch in der Küche und raucht. Christa ist sicher müde. Sie wird immer müde nach dem dritten Glas Wein und braucht am nächsten Morgen eine Tasse warme Milch.</p>
<p>Ich habe lange gewartet, die Jeans ausgezogen, aber jetzt ist es zu spät. Das T-Shirt liegt auf dem Boden Ich habe mich nackt in die Decken gekuschelt und denke an den Kimono, der im Bad hängt und morgen wieder seinen eitlen Besitzer in die Küche begleitet.</p>
<p>Ich kann ihn trotzdem fühlen. Die Seide schmiegt sich um meine Haut. Ich bin bestimmt schön, sage ich mir. Es sieht nur keiner hin. Ich spüre eine Hand, die unter der Decke Kreise malt um meinen Bauchnabel, eine Hand, die mich streichelt und den Bauch warm macht. Das ist bestimmt nicht die Hand eines alten Mannes. Aber auch meine Hand ist es nicht. Das weiß ich sicher. Sie ist zärtlich, und ich will sie nicht wegstoßen. Sie malt die Kreise besser als ich. Wie soll ich da schlafen?</p>
<p>Ich habe keine Angst. Schließlich ist es mein Zimmer, und ich muß niemanden hereinlassen, den ich nicht mag. Das ist eine komische Nacht voller komischer Gäste. Da geht etwas Seltsames vor, mit den Gästen, mit mir und der Hand, die nicht stillhalten will. Das ist neu, aber es wärmt wie die Sonne am See. Ich werde bestimmt gut schlafen.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Nina/ Er hat sich nicht verabschiedet, obwohl ich lange gewartet habe. Viel zu lange. Unten ist es still geworden. Die Party ist aus. Die letzten Gäste sind schon gegangen. Vielleicht sitzt der Schauspieler noch in der Küche und raucht. Christa ist siche</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Nina/ Er hat sich nicht verabschiedet, obwohl ich lange gewartet habe. Viel zu lange. Unten ist es still geworden. Die Party ist aus. Die letzten Gäste sind schon gegangen. Vielleicht sitzt der Schauspieler noch in der Küche und raucht. Christa ist sicher müde. Sie wird immer müde nach dem dritten Glas Wein und braucht am [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Ein anderes Blau, Nina</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fer-hat-sich-nicht-verabschiedet%2F&amp;seed_title=Er+hat+sich+nicht+verabschiedet</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/110169673/2-26%20Nina%20-%20Er%20hat%20sich%20nicht%20verabschiedet.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/2-26%20Nina%20-%20Er%20hat%20sich%20nicht%20verabschiedet.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Gestern konnte ich lange nicht einschlafen</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Apr 2007 22:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Gestern konnte ich lange nicht einschlafen. Ich lag bis zum Morgen wach. Diese Schlaflosigkeit kennst du, dachte ich noch. Jetzt hat sie dich eingeholt. Jetzt singt Großvater dir ein Schlaflied, das finstere Träume macht: &#8220;Die Fahne hoch&#8230;&#8221; Und hebt die Hand zum Gruß.
Aber ich sagte mir, daß es nur die Nachbarn sind. Sie geben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Gestern konnte ich lange nicht einschlafen. Ich lag bis zum Morgen wach. Diese Schlaflosigkeit kennst du, dachte ich noch. Jetzt hat sie dich eingeholt. Jetzt singt Großvater dir ein Schlaflied, das finstere Träume macht: &#8220;Die Fahne hoch&#8230;&#8221; Und hebt die Hand zum Gruß.</p>
<p>Aber ich sagte mir, daß es nur die Nachbarn sind. Sie geben eine Party, und es geht hoch her. Sie singen von Kanonenschiffen und müssen Stimmen wie Löwen haben. Jeder Ton geht durch die Wände, als wären sie gar nicht da.</p>
<p>Dabei habe ich es bisher gemocht, daß dieses Haus sehr hellhörig ist. Die alte Nachbarin hat ihre Uhren immer aufgezogen, doch seit ihr Mann tot war, wurden sie nie gestellt. Jede Uhr ging anders. Schlug die eine sechs, klingelte die andere irgendeine halbe Stunde. Kaum fünf Minuten war es wirklich still hinter der Wand. Ich glaube, sie brauchte das gegen die Einsamkeit.</p>
<p>Als ich hier einzog, gab es um Mitternacht noch ein Tutti des ganzen Orchesters. Ich fuhr damals oft in Panik aus dem Schlaf hoch. Doch das hat sich schnell gegeben. Ich habe mich an die Uhren gewöhnt, aber sie nicht ans Einsamsein. Jeder Gongschlag füllte eine andere Minute, jeden Tag und jede Nacht. Sie wird sich Feinde machen in ihrem neuen Heim. Dort sind die Wände noch dünner als hier, und jeder ist einsam. Das macht es nicht einfacher.</p>
<p>Ich versuche wirklich, mich auf die Nachbarn herauszureden. Unter acht Segeln beschießen sie noch immer die Stadt, eine Strophe für jede Kanone. Aber ich weiß, daß es mit ihnen nichts zu tun hat. Diese Wachheit hat einen anderen Grund. Sie läßt sich nicht austreiben mit Ohrstöpseln. Auch Tabletten helfen nicht.</p>
<p>Ich kenne diese offenen Augen im Dunkeln. Ich kenne die Geräusche im Nebenzimmer. Mutter wirft die Flasche hinters Sofa und öffnet eine neue. Ihr hilft nicht einmal Whisky. In diesem Haus schläft nur einer, und das ist mein Großvater, mit dem ich das Zimmer teile. Die Kampflieder haben ihn müde gemacht, und er schläft ganz ruhig. Es stört ihn nicht, daß seine Tochter trinkt und trotzdem nicht schläft. Es stört ihn nicht, daß ich nur wenige Meter neben ihm kein Auge zumache. Er liebt Kanonen und offene Augen, selbst wenn sie tot sind.</p>
<p>Ich kann nicht mit einem Mann in einem Zimmer schlafen, den ich hasse, den ich am liebsten tot sehen würde. Ich habe keine Ruhe neben ihm, und wenn er noch so tief schläft.</p>
<p>Wer schläft, sündigt nicht, sagte er immer, bevor er das Licht löschte und lachte dabei ein Koboldlachen. Ich weiß, ich habe für alle Sünden im voraus gebüßt. Mir bleibt nichts mehr abzutragen. Ich kann, so oft ich will, die Hände unter die Decke stecken und mich anfassen, bis mir der Bauch naß wird. Ich werde nicht müde, werde bestimmt nicht schlafen. Dieses Bett ist verwünscht, dieses Zimmer verflucht, das ganze Haus, solange er lebt.</p>
<p>Im Haus des Mörders spielen die Ratten ein keckes Lied. Vor diesen Stimmen bin ich geflohen. Aber sie kamen mir immer nach. Meine Mutter hat es mit Whisky geschafft. Ich mußte kotzen, wenn ich nur ein einziges Glas trank. Also konnte ich nur hoffen. Diese Hure hat ihn auch noch beerdigt, in einem richtigen Grab, mit einem richtigen Stein. Dann ist sie ihm nachgegangen.</p>
<p>Ich habe sein Grab ausheben lassen. Für Geld machen die Russen dir alles. Sie haben den Stein zertrümmert, den ausgegrabenen Sarg mit Benzin übergossen und angezündet. Das war ein Höllenspektakel und stand in der Zeitung.</p>
<p>Jede Familie hat ein dunkles Geheimnis. Deins ist geplatzt. Da bist du doch noch in die Luft aufgefahren. Da hast du noch einmal deine Frau getroffen, mit dem Loch im Nacken, mit der aufgerissenen Stirn. Da sag ihr lieb Schulamith und nimm dein Grab hoch in den Lüften, neben ihr im Kamin.</p>
<p>Es hat lange gedauert, bis die Nächte wieder still wurden, bis ich sein Schlaflied nicht mehr hörte, das Lied der Messer, von denen das Blut rinnt. Ich bin geflohen von Stadt zu Stadt, bis zu den Uhren der Nachbarin, bis zu Franziska. Ich habe sie wirklich geliebt. Sie hat alle Träume mit einem Kuß fortgewischt. Dafür durfte sie alles fordern.</p>
<p>Es ist nicht die Party der Nachbarn. Es sind die alten Lieder, die ich höre. Es ist die alte Schlaflosigkeit. Die Jalousien haben nichts genützt. Ich bin entdeckt worden. Mein Versteck ist verbrannt. Mein Großvater lebt noch und singt mir ein grausiges Lied und singt seine Frau in den Tod.</p>
<p>Ich habe Übung im Wachsein. Ich weiß, daß es nirgends schlimmer ist als im Bett. Früher hatte ich einen Liegestuhl im Arbeitszimmer. In dem konnte ich ausruhen, wenn auch nicht schlafen. Franziska fand das lächerlich. Und nach einigen Wochen mit schwarzen Nächten voll schweren Schlafs haben wir den Stuhl auf den Sperrmüll geschafft. Jetzt, da die Uhren fort sind und Franziska vergeblich anruft, fehlt er mir. Ich könnte ihn gut gebrauchen, denn ich bin sicher, diese Nacht wird nur die erste sein von vielen Nächten, in denen die Wände sprechen, die Laternen auf der Straße vorm Haus, die Träume aus allen Winkeln der Seele.</p>
<p>Ich gehe die Wendeltreppe hinauf in mein Arbeitszimmer. Das Licht bleibt aus. Die Lampen werfen nur Schatten, die den Gesichtern von Bekannten ähneln. Ich bin nicht unerfahren. Ich weiß, wie man nachts die Angst fern hält. So leicht bekommt man mich nicht.</p>
<p>Es tut nichts, ob ich die Augen schließe oder die Wand anstarre. Es ist ganz das gleiche. Ich habe so viele Sprachen gelernt, nur um es jedem sagen zu können, wenn es soweit wäre. Aber es kam nie die richtige Stunde. Etwas fehlte immer. Mal war es das Licht, mal die Ruhe, dann wieder der Mut. Ich unterrichte die Sprachen, aber nur in einzelnen Worten. Sätze sind zu gefährlich. Sie könnten mich immer verraten. Ich bin das Kind einer Mutter, die ein Mörder gemacht hat. Auf meiner Stirn steht SS. Wenn ihr nur genau hinseht, könnt ihr es sehen.</p>
<p>Darum spreche ich langsam, in jeder Sprache, auch wenn ich mir nur ein Steak bestelle im Restaurant. Wort für Wort, nur keine Sätze, das ist viel zu gefährlich. Ich muß aufhören mit dem Wahnsinn, die Fenster vermauern und den Großvater vorlassen. Wir haben noch einen offenen Streit.</p>
<p>Du wirst zu mir kommen und aufhören zu singen. Du wirst mir beschreiben, wie sie aussah, wie ihr Haar sich anfühlte, wie ihr Atem klang in der Umarmung. Und dann wirst du mir sagen, warum du Schlaganfälle erfinden mußtest gegen die Erinnerung an die Ledermäntel.</p>
<p>Ich bin ein Baum ohne Wurzeln. Ich habe nur eine Erinnerung, und das ist ein Mord. Ich kann nicht schlafen und höre dich singen. Für all das wirst du mir büßen, bis der Schmerz dich zerreißt. Bis die Nächte wieder mir gehören.</p>
<p>Das habe ich so oft schon gesagt, geschrien, hinausgestoßen. Aber immer war ich es, der wach blieb. Du schläfst. Du hast dich fortgemacht in den Tod ohne Scham. Wenigstens habe ich dich ausgeräuchert. Ich werde noch nach dem Rauch schnappen, um dich einzufangen und anzubinden. Ich gebe nicht auf.</p>
<p>Das Licht kann ich wirklich nicht anschalten. Aber bei allem, was ich denke, spüre ich doch, daß diese Nacht nicht so ist wie die anderen, daß sich etwas verändert hat. Ich spitze die Ohren und lausche in die Nacht hinaus. Die Party ist ruhiger geworden. Sie singen nicht mehr. Bestimmt sind sie betrunken. Ich höre aber noch immer Musik. Sie kommt aus dem Nebenzimmer. Erst sind es nur vereinzelte Töne, dann langsame Läufe. Jemand spielt Klavier. Es ist ein sehr einfaches Stück und wiederholt sich ständig. Ich könnte es nachsingen, wenn das Klavier aufhört. Aber das brauche ich nicht. Die Musik bricht nicht ab, sie fließt wie ein Bach aus der Wand auf mich zu.</p>
<p>Es ist das Lied, das ich singe, der Tanz, den ich tanze, sagt eine Stimme. Die Wand ist ein Grab, sagt ein Mädchen im weiten Mantel, aber ich lebe noch. Ich tanze für dich. Sieh mir zu!</p>
<p>Sie ist wirklich schön. Ihr schwarzer Zopf verbirgt den Nacken. Da sind gewiß keine Löcher. Sie leckt sich die Lippen und schwingt die Hüften im Takt der Musik. Ich kann ihre Hand auf meiner Stirn fühlen, wenn ich die Augen schließe. Vielleicht will sie das. Vielleicht habe ich genug gesehen.</p>
<p>Ich lehne mich zurück und falle tief. Es ist kein Schlaf, nur ein Dämmern. Ich sehe einen Mann, der ein Gleis abgeht, stumpfsinnig, von Schwelle zu Schwelle. Er sieht kein einziges Mal auf, geht und geht und schlägt mit einem großen Hammer gegen die Schienen. Wenn er den Zug nicht hört, der hinter ihm immer näher kommt, ist es bald überstanden. Aber er hat noch Zeit, noch schlagen die Uhren im Takt. Ich will ihn dennoch warnen und greife nach seinem Arm. Da sieht er mich an.</p>
<p>Wir haben uns gleich erkannt. Er ist ich und hat den Schlaf in den Nächten aufgegeben. Das Mädchen lacht. Sie hat gut tanzen. Jede Nacht, sagt sie, hat ja ein gutes Ende. Wenn es hell wird, ist alles vorbei.</p>


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		<title>Gleisgänger, Streckenläufer</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2007 22:34:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben? Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben?
Ich setze meinen Fuß von einer Schwelle zur nächsten. Sie sind aus Holz. Die wechselnden Wetter haben sie verwundet. Tiefe Risse durchziehen sie längs. Müdigkeit durchzieht die Holzbalken, auf denen das Gleis ruht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben? Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben?</p>
<p>Ich setze meinen Fuß von einer Schwelle zur nächsten. Sie sind aus Holz. Die wechselnden Wetter haben sie verwundet. Tiefe Risse durchziehen sie längs. Müdigkeit durchzieht die Holzbalken, auf denen das Gleis ruht, das ich abgehe, gestern abging, morgen abgehen werde. Meine Geburt war der erste Schritt im Gleis. Von da an ging ich immer von Schwelle zu Schwelle, kleine Schritte zwischen den Schienen.</p>
<p>Das ist mein Beruf, sage ich manchmal. Doch nur aus Not spreche ich so, denn lange schon ist mir aufgefallen, daß dieses Gleis über und über mit Rost bedeckt ist, der an ihm nagt. Ich hasse den Rost. Er zielt auf mich mit seiner Zerstörung. Er will mir meine Arbeit nehmen.</p>
<p>Ich setze meinen Fuß von einer Schwelle zur nächsten und schlage mit dem großen, schweren Hammer gegen die Schiene. Ich höre am Klang, ob die Schrauben an den Zwingen, die das Gleis halten, noch festsitzen oder nachgezogen werden müssen. Und nachgezogen werden müssen sie, wenn sie sich gelockert haben. Ich darf diese Lösung nicht zulassen, denn es muß eine Ordnung geben. Dabei sehe ich, wie der Rost mehr und mehr an den Schienen nagt. Und es ist der Rost, der mir immer wieder sagt, was ich ohnehin längst weiß: Seit Jahren ist hier kein Zug mehr gefahren.</p>
<p>Ich habe aber noch eine andere Entdeckung gemacht – daß es ein Rundkurs ist, ein Kreis, dieses Gleis, das ich abgehe. Darauf bin ich nur durch Zufall gekommen. Schuld ist dieser Baum an der Strecke, eine große Linde mit weit ausladender Krone. Jedesmal, wenn ich an ihr vorübergehe, denke ich: wieder ein Tag. Diese Linde ist mein einziger Anhaltspunkt, was die Zeit angeht. Es gibt keine Helligkeitsunterschiede für mich, daß ich sagen könnte: Es ist Tag, oder sagen könnte: Es ist Nacht. So habe ich bestimmt, daß ein Tag bedeutet, einmal den Baum gesehen, einmal an ihm vorübergekommen zu sein. Wenn er, nachdem er seine Blätter abgeworfen hat, nach einiger Zeit wieder Grün zu treiben beginnt, weiß ich, daß ein Jahr vergangen ist. Ein Jahr hat sechshundertsechsundsechzig Tage. Ich habe das so festgelegt für mich; und es muß gut sein so und richtig, denn niemand hat es mir verboten oder mich im nachhinein bestraft.</p>
<p>Dennoch glaube ich inzwischen, dieser Baum an der Strecke muß ein Versehen sein. Und ich denke manchmal, daß es ihn nicht geben dürfte. Es ist gefährlich, wenn der Mensch eine Ahnung von Zeit bekommt. Das ist nicht gut für die Ordnung.</p>
<p>Ich zum Beispiel bin irgendwann dahintergekommen, daß dieses Gleis, das ich abgehe, kein Ende und keinen Beginn hat, daß es ein Rundkurs ist, den seit Ewigkeiten, jedenfalls solange ich lebe, kein Zug befahren hat. Aber es ist eine Berufung, sagte ich mir und ging weiter von Schwelle zu Schwelle und schlug mit dem Hammer gegen die Schienen. Und ich zog weiter ab und an eine Schraube, die sich gelockert hatte, wieder fest. Denn es muß eine Ordnung geben.</p>
<p>Nur gegen den Rost kann ich nichts, außer: ihn zu hassen. Er zerfrißt mir mein Gleis. Zum Glück kommt er nur sehr langsam voran, und es geht mir gut, wenn ich auch manchmal Beklemmungen habe zwischen den Schienen und bei meinen kleinen Schritten von Schwelle zu Schwelle.</p>
<p>Ich klage nicht. Ich habe nie geklagt, weil ich mir Wehmut immer verbiete. Ich bin stark. Ich kann das. Ich habe es nicht nötig zu leiden. Ich mache eine Arbeit und sage mir, daß sie sehr wichtig ist. Ich sage das trotz des Rostes, sage das, obwohl ich weiß, daß kein Zug diesen Rundkurs je abfährt.</p>
<p>Es gibt ja den Baum. Es gibt ihn und also etwas, an das ich mich halten und das ich lieben kann, obwohl es mich manchmal schmerzt, wenn ich sehe, wie er sich verwandelt, ganz anders als ich. Ich liebe ihn trotzdem und gehe mein Gleis ab, und obwohl es den Rost gibt, geht es mir gut. Es ist eine Ordnung in meiner kleinen Welt. Ich halte diese Welt in Ordnung; ich habe es in der Hand. Ich habe die Ordnung in der Hand. Sie gehört mir, denn ich bin der Herrscher. Ich fürchte mich nicht.</p>
<p>Wie lange ich schon so gehe. Vielleicht bin ich sogar unsterblich. Was kümmert denn mich der Baum, diese jämmerliche Linde, an der ich einmal am Tag vorübergehe? Ich habe nichts zu tun mit ihr, dieser Lügnerin mit dem ständig wechselnden Gesicht. Ich bin immer gleich, und so muß es sein. Sie nämlich lügt. Sie ist die Ketzerin. Man sollte diese Linde nicht dulden. Sie ist ein Schandfleck!</p>
<p>Schritt, Schritt, Schwelle, Schwelle – zwischen den Schienen mein wundervolles Leben. Aber was ist das? Ein Rattern, ein Kreischen. Wer wagt es?</p>
<p>Der Baum ist schuld, diese ketzerische Linde, da bin ich ganz sicher. Aber sie steht ja ganz reglos am Gleis, wie unbeteiligt. Doch das Geräusch kommt immer näher. Ich habe keine Angst. Ich habe mich noch nie gefürchtet. Schritt, Schritt, Schwelle, Schwelle. Ich strauchele. Das ist mir noch nie passiert. Ich drehe mich um, sehe zurück. Das habe ich noch nie getan.</p>
<p>Da ist ein Zug, und er kommt immer näher. Ich beschleunige meinen Schritt. Aber er kommt immer näher, rasend. Ich beginne zu laufen. Aber er kommt immer näher. Ich stürze wild vorwärts, aber näher, näher kommt er, kommt immer näher.</p>
<p>Warum hilft mir niemand? Warum hält das Gleis? Warum trägt es diesen Zug, der mich umbringen will?</p>
<p>Ich stürze, ich kann nicht mehr aufstehen, der Zug ist da, hat mich erreicht, nein nein, trennt mir die Hand vom Arm, den Kopf vom Rumpf, nein nein, fährt der Zug, nein nein, zerfetzt, nein nein. Zerfetzt. Zerfetzt. Zerfetzt. Zerfetzt.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Richard/ Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben? Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben? Ich setze meinen Fuß von einer Schwelle zur nächsten. Sie sind aus Holz. Die wechselnden Wetter hab</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Richard/ Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben? Gleisgänger, Streckenläufer… Kennst du all die Namen, die wir uns gaben? Ich setze meinen Fuß von einer Schwelle zur nächsten. Sie sind aus Holz. Die wechselnden Wetter haben sie verwundet. Tiefe Risse durchziehen sie längs. Müdigkeit durchzieht die Holzbalken, auf denen das Gleis ruht, [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Ein anderes Blau, Richard</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fgleisganger-streckenlaufer%2F&amp;seed_title=Gleisg%C3%A4nger%2C+Streckenl%C3%A4ufer</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/109595506/2-24%20Richard%20-%20Gleisg%E4nger%2C%20Streckenl%E4ufer.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/2-24%20Richard%20-%20Gleisg%E4nger%2C%20Streckenl%E4ufer.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Dieser Tanz ist für dich, du Narr</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2007 04:45:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nadia</category>
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		<description><![CDATA[/Nadia/ Dieser Tanz ist für dich, du Narr. Er ist nicht anders als sonst. Er ist so, wie ich ihn immer tanze. Das müßte dir doch gefallen, ein Tanz für stumpfe Augen und taube Ohren, ein Friedenstanz um deinen Kopf. Das Cello tut, was es kann.
Du bist ein mieses Stück Mann, mich nicht anzusehen zwischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nadia/ Dieser Tanz ist für dich, du Narr. Er ist nicht anders als sonst. Er ist so, wie ich ihn immer tanze. Das müßte dir doch gefallen, ein Tanz für stumpfe Augen und taube Ohren, ein Friedenstanz um deinen Kopf. Das Cello tut, was es kann.</p>
<p>Du bist ein mieses Stück Mann, mich nicht anzusehen zwischen den Schleiern. Am Ende erzählst du mir, nur zum Zeitvertreib, vom roten Schirm in der kleinen Passage und einer anderen Frau, die in deinen Träumen die Brücke macht und einen <a href="http://turmsegler.net/blau/es-ist-eine-felsige-gegend/" title="Es ist eine felsige Gegend">Nacken</a> hat, der sich vorm Stiefel nicht fürchtet, nur weil du ihn trägst.</p>
<p>Das sind alles Lügen. Mir bist du gefolgt. Mich hast du angesehen. Mich willst du haben, mit allen Gesichtern, allen Namen. Ich bin nicht blind, und ich höre nicht auf, eine Frau zu sein, nur weil du den Atem anhältst, um mich zu erschrecken. Das Schöne wohnt nah am Grauen. Sie sind Nachbarn und grüßen sich freundlich, wenn sie sich treffen. Also sieh mich auch jetzt an. Das Blut auf den Lippen verdanke ich dir. Hast du es schon vergessen?</p>
<p>Du bist erbärmlich feige. Wie kannst du nur so schnell müde werden, während der Stier noch lebt und mit den Hufen im Sand scharrt? Sie werden dich auspfeifen, sie werden dich einsperren. Du hast sie und mich um etwas betrogen. Das ist nicht mehr gutzumachen.</p>
<p>Ich werde dir zeigen, was ein Stierkampf ist. Ich werde dir zeigen, wie man liebt und was es bedeutet, jemandem in die Seele zu gehen. Vielleicht wird dich das heilen, ganz sicher sogar. Gib den Degen her und die Muleta. Gib deine Träume her, die Mühlräder und Mauern, die Gewehre und lebendigen Brücken. Mit deinen Träumen werde ich den Stier aufspießen, wenn du zu feige bist, es zu tun. Vor deinen Augen werde ich mich in einen anderen verlieben. Das ist ganz einfach. Ich muß nur die Beine öffnen, und das Herz geht nach.</p>
<p>Das Spiel kennst du noch nicht? Laß es uns üben, mein müder Torero. Das Horn im Bauch gibt einen feurigen Schmerz, den kühlt nur das Blut, wenn es langsam in den Sand fließt. Mich stört es nicht. Du sagst, ich sei tot. Aber wo du aufhörst zu atmen aus Feigheit, fange ich gerade erst an.</p>
<p>Sieh her: Ich höre nicht auf zu tanzen. Wendest du dich nach rechts von mir ab und lauschst dem Spiel eines Mädchens, dem noch nie ein Fremder die Finger geleckt hat, dann gehört die andere Seite der Wand ganz mir. Dann wird die Wand zur Arena. Dann ist er der Mann, dem ich gehöre.</p>
<p>Schau mir zu und mache aus Feigheit den Spanner auf der Tribüne. Aus sicherer Entfernung kannst du allein vom Zusehen kommen. Also nimm den schalen Genuß. Du hast keine Ahnung von Liebe, keine Ahnung vom Kampf.</p>
<p>Ich werde keine Müdigkeit dulden, kein Wegsehen, keinen Gedanken an eine andere Frau. Ich werde die Lieblosigkeit ausmerzen mit einem Stich in den Nacken. Ich werde den Stoß führen, damit du siehst, wie das geht, wenn man ein mutiges Herz hat, ein Herz, das etwas wagt.</p>
<p>Dieser Tanz war für dich, in Schleiern unter dem Glockenmantel, ein Friedenstanz um deinen Kopf. Eine Liebe, die stark ist, kann alles und jeden lieben, sogar den Feigling. Aber sie wirft sich nicht weg.</p>


<a href="http://turmsegler.podspot.de/files/2-23%20Nadia%20-%20Dieser%20Tanz%20ist%20f%FCr%20dich%2C%20du%20Narr.mp3">Download audio file (2-23%20Nadia%20-%20Dieser%20Tanz%20ist%20f%FCr%20dich%2C%20du%20Narr.mp3)</a><br />
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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Nadia/ Dieser Tanz ist für dich, du Narr. Er ist nicht anders als sonst. Er ist so, wie ich ihn immer tanze. Das müßte dir doch gefallen, ein Tanz für stumpfe Augen und taube Ohren, ein Friedenstanz um deinen Kopf. Das Cello tut, was es kann. Du bist ein</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Nadia/ Dieser Tanz ist für dich, du Narr. Er ist nicht anders als sonst. Er ist so, wie ich ihn immer tanze. Das müßte dir doch gefallen, ein Tanz für stumpfe Augen und taube Ohren, ein Friedenstanz um deinen Kopf. Das Cello tut, was es kann. Du bist ein mieses Stück Mann, mich nicht anzusehen zwischen [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Ein anderes Blau, Nadia</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fdieser-tanz-ist-fur-dich-du-narr%2F&amp;seed_title=Dieser+Tanz+ist+f%C3%BCr+dich%2C+du+Narr</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/109380067/2-23%20Nadia%20-%20Dieser%20Tanz%20ist%20f%FCr%20dich%2C%20du%20Narr.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/2-23%20Nadia%20-%20Dieser%20Tanz%20ist%20f%FCr%20dich%2C%20du%20Narr.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Im Café ‘Kastanie’, sicherlich…</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2007 22:41:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ &#8220;Im Café &#8216;Kastanie&#8217;, sicherlich, verriet ich dich und du auch mich.&#8221; Das wirst du mir immer vorsagen, und ich kann nur nicken. Ich nenne dich Julia, auch wenn ich nicht Winston bin und mich vor Ratten nicht fürchte. Jetzt willst du wissen, warum ich das Schweigen erfinden mußte unter dem roten Schirm in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ &#8220;<a href="http://turmsegler.net/20070113/im-cafe-kastanie/" title="Im Café Kastanie">Im Café &#8216;Kastanie&#8217;</a>, sicherlich, verriet ich dich und du auch mich.&#8221; Das wirst du mir immer vorsagen, und ich kann nur nicken. Ich nenne dich Julia, auch wenn ich nicht Winston bin und mich vor Ratten nicht fürchte. Jetzt willst du wissen, warum ich das Schweigen erfinden mußte unter dem roten Schirm in der kleinen Passage. Und ich weiß dir darauf doch keine wahrere Antwort als die Erfindung selbst.</p>
<p>Heute bin ich in meinem Korsett aus Beton und Stahl freier als jemals zuvor. Ich sehe das Mädchen, das mich entführt hat, weil ich es so wollte und das gegen die Kälte antanzt mit einer Verführung. Es ist nur ein Aufenthalt zwischen zwei Orten auf einem Bahnhof ohne Gleis. Wenn wir uns langweilen sollten, werden wir sicher zu sprechen beginnen, mit uns, miteinander, mit der Wand oder dem, was dahinter nichts von uns ahnt. Die Zeit wird wie im Flug vergehen, schweben und stehenbleiben, wie es uns gefällt.</p>
<p>Ich kann meinen Kopf zur Seite drehen und mit meinem Blick aus der Wand treten. Ich bin von Frauen umstellt, wirst du sagen. Auch dort sitzt ein Mädchen, das wie du nichts von mir weiß. Sie geht zum Klavier und öffnet den Deckel. Vielleicht will sie spielen, vielleicht nur die Tasten betrachten. Sie könnte ahnen, daß ich ihr zusehe. Aber ich atme nicht einmal und hänge fest in der Wand. Da kann sie nichts hören.</p>
<p>Sie beginnt mit Fingerübungen. Das sind erst sehr einfache Figuren für eine Hand, langsam und leise, dann schnellere Reihen mit wechselnden Metren in den Stimmen. Die zweite Hand setzt ein. Sie übt einen weicheren Anschlag, ein stilles Tremolo. Das gefällt ihr: ein Fragen und Antworten mit wechselnden Händen.</p>
<p>Sie verbirgt etwas, doch während sie spielt, kann sie es ganz vergessen. Oder sie gräbt es ein oder wirft das Geheimnis wie einen Ball von einer Hand in die andere und hofft, der Jongleur in ihr weiß, was er will, und hat die Übung gut gelernt und läßt den Ball nicht fallen.</p>
<p>Ich kenne das Stück. Hanna hat es so oft gespielt, daß ich jeden Ton an seinem Vorgänger erkenne. Sie war ein ehrgeiziges Mädchen mit ruhigen Händen voller Flucht und Kraft. Meiner großen Schwester gehörte der runde Stuhl vor dem Klavier, auf dem man Karussell fahren konnte. Es war ihr Stuhl und ihr Klavier, und sie selbst gehörte nur sich und ein wenig auch mir, aber nur am Nachmittag, wenn sie das große Heft mit der lustigen Schrift aufschlug: Punkte und Bögen und verschlungene Zeichen auf schwarzen Linien.</p>
<p>Ich fand den Namen albern. Béla Bella, habe ich immer gesagt. Sie konnte schon lesen, ich nicht. Vom Titel verstand ich nur Kosmos. Das ist, wo die Sterne sind, hat Hanna gesagt. Er fängt überall an und hört niemals auf. Das hatte sie in der Schule gelernt, sehr geheimnisvoll, weil die Sterne doch nur Musik machten, wenn Hanna auf dem Karussellstuhl saß und das rote Band von den Tasten wischte.</p>
<p>Der Kosmos hat wirklich kein Ende. Als sie das große Heft auswendig spielte, bekam sie ein neues. In der Mitte des dritten Heftes kam ich zur Schule, und vom fünften Heft kenne ich nur wenige Stücke. Sie mochte es nicht mehr, wenn ich ihr zusah. Sie wollte die Sterne für sich und fand es komisch, daß ihr Bruder ihre Hände liebte. Das sechste Heft kaufte sie sich selbst. Das war an dem Tag, als das Klavier aus dem Wohnzimmer fortging. Ich durfte den Stuhl behalten. Sie saß jetzt auf einer Bank, weil sie manchmal vier Hände brauchte und ich zu ungeschickt war, um ihr zu helfen.</p>
<p>Ich habe sie oft besucht, aber in die sechste Halle der Sterne durfte ich nur hinein, wenn sie schon jede Sonne mit Namen kannte und das Buch nicht mehr brauchte, um die Geschichten zu erzählen. Sie hatte viele Hefte, ein ganzes Regal voll. Aber die Sterngeschichten lagen immer auf einem kleinen Tisch neben dem Klavier. Wenn man sie aufschlug, mußte man vorsichtig blättern, sonst fielen sie auseinander.</p>
<p>Einmal schickte sie mich fort. Sie ging im Bademantel durchs Zimmer und hatte getrunken. Sie hatte ganz viele Heftseiten kopiert und aneinander geklebt und zog das Band über den Notenständer, rechts und links auf dem Boden ein weißer Berg voller schwarzer Sterne mit Schweif. Der linke Berg mußte wachsen, bis rechts alles abgetragen war. Die Milchstraße ging mitten durchs Zimmer, mitten durch sie hindurch.</p>
<p>Als sie das Band in den Müll stopfte, waren zwei Wochen vergangen. Ich kann es nicht mehr vergessen, hat sie gesagt: Jetzt fange ich an zu spielen. Wenn du willst, darfst du zuhören.</p>
<p>Lange habe ich geglaubt, was immer sie spielte, wären nur Variationen über einen Ton aus dem Mikrokosmos. Davon hatte ich selbst viel in mir. Aber ich konnte nicht spielen. Die Musik fängt erst hinter den Sternen an, davor ist nur Klingeln. Wenn sie mir etwas erzählte, war ich stumm.</p>
<p>So ist es immer geblieben. Ich kann nur hören und sehen und nach einer Hand greifen. Meine Geschichten von Sternen gehören anderen. Ich selbst habe nichts. Ich bin der Dieb unter euch und stehle mit Augen und Ohren, jeden Ton, jede Geste und am Ende das Herz.</p>


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		<title>Der Schauspieler hat Geburtstag</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Apr 2007 05:10:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nina</category>
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		<description><![CDATA[/Nina/ Der Schauspieler hat Geburtstag. Er feiert ihn mit anderen Schauspielern. Sie nennen das Housewarming, aber seit es heute abend zum ersten Mal geklingelt hat, ist mir kalt.
Henry mag diese Leute, wahrscheinlich weil sie so sind wie er. Anders kann ich es mir nicht erklären. Die meisten von ihnen kamen mir vor wie Puppen. Ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nina/ Der Schauspieler hat Geburtstag. Er feiert ihn mit anderen Schauspielern. Sie nennen das Housewarming, aber seit es heute abend zum ersten Mal geklingelt hat, ist mir kalt.</p>
<p>Henry mag diese Leute, wahrscheinlich weil sie so sind wie er. Anders kann ich es mir nicht erklären. Die meisten von ihnen kamen mir vor wie Puppen. Ihre Auftritte, als Henry ihnen die Tür geöffnet hatte und sie hereinkamen, hätten ein Hinausgehen auf die Bühne sein können. Die Begrüßungen waren laut und überschwenglich, vor allem laut. Jetzt trinken sie und singen und lachen. Alles an ihnen ist laut. Ich weiß nicht, wie Christa das aushält.</p>
<p>Ich bin in mein Zimmer gegangen und hoffe, daß mich niemand vermißt. Ich kenne keinen von diesen Leuten, in letzter Zeit nicht einmal mehr Christa. Sie könnten leiser sein, wenn sie die Vorhänge aufziehen würden. Aber das wollen sie nicht, also müssen sie durch den Stoff sprechen, und das strengt an.</p>
<p>Ich glaube, wenn sie nicht gut genug gehört und gesehen werden, sind sie gar nicht da. Vielleicht kann man sie sogar ausschalten wie einen Fernseher. Aber das würden sie bestimmt sehr genau wissen und mit einer Hand immer den Schalter verdecken, damit nur ja nichts passiert und der Bildschirm nicht vor Sendeschluß schwarz wird. Es gibt verschiedene Modelle. Sie können immer nur Rollen spielen, die mit ihren Versteckgesten zusammenpassen.</p>
<p>Daß Christa über diese Typen schreibt, ist wirklich schräg. Aber daß sie mit dem Schauspieler ins Bett geht und ihn nun sogar noch jeden Morgen in seinem rotseidenen Kimono in unsere Küche läßt, kann ich nicht fassen. Ich weiß nicht, ob ich mich daran gewöhnen werde, daß er bleibt.</p>
<p>Vater stand morgens manchmal nackt in der Küche und rauchte die erste Zigarette, während er den Kaffee aufgoß. Wenn jemand hereinkam, hielt er sich den gehäkelten Topflappen vor und grinste. Das hat sie doch gemocht. Ich habe oft gesehen, wie sie ihre Hand auf seinen Po legte, ihn durch den Rauch hindurch küßte, das Gesicht verzog und ihn doch noch einmal küßte. Bei ihm war es in Ordnung.</p>
<p>Der Schauspieler macht vor dem Frühstück heimlich Liegestütze im Wohnzimmer, ißt Vollkornbrötchen und raucht nur, wenn er betrunken ist. Er ist auch bald fünfzig, da ist der Kimono nur standesgemäß. Aber der karierte Topflappen war doch besser.</p>
<p>Jetzt haben sie es unten mit Brecht: &#8220;Und ein Schiff mit acht Segeln&#8230;&#8221; Erst denke ich noch: Gott sei Dank, daß es klingelt. Aber dann gibt es ein großes Hallo, und kurz darauf kommt jemand die Treppe herauf. Es ist Henry. Sein Vater ist gekommen, und er will mich ihm vorstellen.</p>
<p>Er muß schon einiges getrunken haben. Seine Stimme klingt rauh. Als er sagt, daß ich hinunterkommen soll, hört es sich an wie &#8220;Bei Fuß&#8221;. Er hat mir gar nichts zu sagen. Ich gehe nicht runter. Was interessiert mich sein Vater?</p>
<p>Das regt ihn natürlich auf, soll es auch. Er schickt Christa zu mir. Sie ist schon ganz rot im Gesicht vom Lachen und Trinken. Aber sie bittet mich und ist wirklich fröhlich.</p>
<p>Ihr will ich die Freude nicht verderben. Es wird auch nur so einer sein, denke ich und gehe mit. Christa drückt meine Hand. Das ist komisch. Ich glaube, sie ist stolz auf mich, während sie mich so die Treppe hinunterführt. Das ist schon wieder lieb, und ich könnte den ganzen Trubel einfach vergessen dafür.</p>
<p>Erst sehe ich den Mann nur von hinten. Henry hilft ihm aus dem Mantel und nimmt seinen Hut. Ich wußte nicht, daß sein Vater so alt ist. Er bewegt sich sehr langsam, und seine fleckigen Hände zittern. Ich bin erschrocken und will ihm wirklich nicht die Hand geben, aber der Schauspielervater läßt mir gar keine Zeit. Er dreht sich zu mir um und sieht mir direkt in die Augen. Er lächelt und ist nicht mehr der gleiche.</p>
<p>Mit seinem Sohn hat er gar nichts zu tun. Er sieht mich an, als wäre ich die einzige auf diesem Flur, als wäre er nur meinetwegen gekommen, ganz unheimlich. Ich brauche ihm nicht die Hand zu geben. Er hat sie schon, hält sie ganz sanft und hebt sie zu seinem Mund. Aber er küßt sie nicht, hält sie nur und hört nicht auf, mir in die Augen zu sehen.</p>
<p>Ich wäre auch zu Ihnen hinaufgekommen, sagt er leise: Aber das traut mir keiner mehr zu.</p>
<p>Er lächelt noch einmal und läßt unsere Hände wieder sinken. Wenn er nicht aufhört, mich so anzusehen, muß ich entweder weinen oder ihn umarmen. Ich glaube, er sieht alles in diesen Sekunden. Das muß ein Trick sein, aber kein böser.</p>
<p>Ich darf ihn auch sehen, sagen seine blaßgrünen Augen unter den weißen Brauen. Er verrät mir, daß sein Bart eine große Narbe verdeckt, die quer übers Kinn geht und rot wird, wenn er sich ärgert. Er verrät mir, daß dieser Besuch nur die höfliche Länge haben wird, nicht die herzliche, und daß er die Lieder alle schon kennt. Aber er verrät mir auch, daß er Henrys Vater ist und ihn genau so ansehen kann wie mich und wie ich ihn, ohne müde zu werden, und daß auch er morgens Liegestütze macht, auch wenn er schon neunzig ist und wenn ich das eitel finde.</p>
<p>Er könnte aufhören mit diesem Blick. Wahrscheinlich weiß er schon alles, selbst, daß ich manchmal nachmittags im Bad vor dem Spiegel stehe und mich ansehe und mit dem Zeigefinger um meinen Bauchnabel Kreise male. Dann weiß er auch, daß ich an diesen Nachmittagen den Kimono anziehe, obwohl er Henry gehört, über den ich mich lustig mache, daß ich ihn anziehe, weil die Seide mich überall streichelt wie mit vielen Händen.</p>
<p>Ich muß den Kopf senken, bitte, sonst weiß er wirklich alles, denke ich noch. Da sieht er zur Seite, beugt sich zu mir und flüstert: Wenn du jetzt rot wirst, ist alles verdorben. Und er legt den Zeigefinger auf seine Lippen.</p>
<p>Jetzt muß ich ihn doch umarmen, ganz kurz nur, wie in Eile, damit es niemand sieht. Dann laufe ich die Wendeltreppe hinauf und drehe mich erst um, als nur er mich von unten noch sehen kann. Ich lege zwei Finger auf mein Kinn, und er winkt nach oben.</p>
<p>Jetzt werde ich doch wach bleiben, beschließe ich, zumindest, bis er geht und sich verabschiedet. Ich könnte Anja anrufen, denke ich, aber dann will ich ihr doch nichts erzählen. Sie ist zwar meine Freundin, aber vom Kimono weiß sie nichts. Bis vorhin war es mir noch peinlich.</p>
<p>Ich setze mich ans Klavier und spiele mit der rechten Hand ein paar Übungen. Ganz leise und ohne hinzusehen, nur für die Finger. Ich will die Party nicht stören. Eine Hand, die mir nicht gehört, spielt mit. Aus der Übung wird ein Stück: mit wechselnden Händen.</p>


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		<item>
		<title>Wenn sie fliegen wollten, ist es mißlungen</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2007 22:29:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel II</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Wenn Sie fliegen wollten, sagt er, ist es mißlungen.
Ich finde das kleinlich, sage ich ihm. Ich hätte über die Landung nicht sprechen müssen, wenn er davon nicht angefangen hätte.
Es ging um den Absprung, das Flügelschlagen. Ich bin aus allem hinausgegangen: aus der Schlaflosigkeit und den Träumen, die mir nicht gehörten. Ich habe das Mädchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Wenn Sie fliegen wollten, sagt er, ist es mißlungen.</p>
<p>Ich finde das kleinlich, sage ich ihm. Ich hätte über die Landung nicht sprechen müssen, wenn er davon nicht angefangen hätte.</p>
<p>Es ging um den Absprung, das Flügelschlagen. Ich bin aus allem hinausgegangen: aus der Schlaflosigkeit und den Träumen, die mir nicht gehörten. Ich habe das Mädchen mit dem tanzenden Po zurückgelassen, das Mädchen mit dem Gutenmorgenkuß nachts um zwei voller Gift. Ich bin mir direkt in die Arme gesprungen, und einen Moment lang glaubte ich wirklich, ich würde schweben über der Straße. Ich hätte es nicht besser machen können. Es war der richtige Tag, die richtige Stunde, und ich selbst war der Richtige an diesem Morgen.</p>
<p>Es paßte alles zusammen. Das finde ich noch immer großartig und gar nicht seltsam. Und es ist sehr übertrieben, daß die Fenster meines Zimmers vergittert sind, als wäre ich lebensmüde.</p>
<p>Meine Beine sind bis hoch zu den Oberschenkeln in Gips gelegt. Ich kann nicht einmal aus dem Bett aufstehen, geschweige denn bis zum Fenster gehen oder gar aufs Fensterbrett klettern. Aber mir schneiden die Gitter den Himmel in Streifen und mischen ein Schwarz in die Wolken, in die Luft und das Laub.</p>
<p>Wie lausig und übertrieben. Ich bin durch Wände gegangen und durch geschlossene Fenster. Da kannst du mir nicht ein Gitter in den Weg stellen. Selbst wenn du die Stäbe kreuzt, werde ich durch die Maschen schlüpfen, wenn ich es will.</p>
<p>Perfekt war es nicht, sage ich. Das muß ich wohl zugeben, da ich lange nicht wußte, wer ich war und wohin ich springen wollte, ob ich überhaupt springen wollte und ob ich wirklich gesprungen bin. Es war schon ein wenig verwirrend. Aber wer sagt, daß es einfach sein soll? Rätsel sind zumindest kurzweilig, wenn man sie mag und sich darauf versteht, sie zu lösen.</p>
<p>Dr. Anthony hat eine Schwäche für Rätsel. Deshalb fragt er mich aus. Und deswegen hält er es für besser, mich einzusperren, damit ich ihm nicht mitsamt den Rätseln entwische, die ihn so brennend interessieren, weil er die Waagerechten zu meinem Sprung erraten will und es doch nicht kann, weil ihm zu viele Buchstaben fehlen und die Worte, aus denen die Antwort besteht, in seinem Kopf nicht vorkommen.</p>
<p>Was fehlt ihm nur, daß er mich immer wieder fragen muß? Jeden Tag sitzt er zwischen elf und zwölf an meinem Bett und fragt eifrig und notiert eifrig. Er arbeitet hart für sein Geld. Aber seine Neugier hat auch Glück, daß es Flieger gibt, die zu ihm kommen, die traurigen Bruchpiloten mit vielen Waagerechten zum Erraten.</p>
<p>Also bin ich ein Bruchpilot für seine Rätselstunde, die Rotorblätter geknickt. Er kann dir ja nicht immer stehen, und manchmal kommt man auch einfach zu früh, weil es mit einem durchgeht oder weil es einfach nur raus will. Ich muß ihm schon deutlich antworten, wenn er partout über die Landung reden will.</p>
<p>Wie, frage ich, kann etwas mißlingen, das gar nicht geplant war? Die Landung war nicht vorgesehen. Das sah unser Spiel nicht vor. Es ging nur um den Absprung, das Flügelschlagen, das Schweben über der Straße. Alles andere ist nebensächlich und gewiß nicht so wichtig wie der Streifenhimmel vor meinem Fenster. Der verdirbt mir wirklich die Laune, wenn ich nicht einmal die Schwester küssen kann, wenn sie das Frühstück bringt.</p>
<p>Am Service müssen Sie schon noch arbeiten, sage ich. Aber der Doktor hat keinen Humor vor dem Mittag. Mit leerem Magen kann er nicht lachen.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Daniel/ Wenn Sie fliegen wollten, sagt er, ist es mißlungen. Ich finde das kleinlich, sage ich ihm. Ich hätte über die Landung nicht sprechen müssen, wenn er davon nicht angefangen hätte. Es ging um den Absprung, das Flügelschlagen. Ich bin aus allem hin</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Daniel/ Wenn Sie fliegen wollten, sagt er, ist es mißlungen. Ich finde das kleinlich, sage ich ihm. Ich hätte über die Landung nicht sprechen müssen, wenn er davon nicht angefangen hätte. Es ging um den Absprung, das Flügelschlagen. Ich bin aus allem hinausgegangen: aus der Schlaflosigkeit und den Träumen, die mir nicht gehörten. Ich habe das Mädchen [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Daniel II, Ein anderes Blau</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fwenn-sie-fliegen-wollten-ist-es-mislungen%2F&amp;seed_title=Wenn+sie+fliegen+wollten%2C+ist+es+mi%C3%9Flungen</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/108377026/2-20%20Daniel%20-%20Wenn%20Sie%20fliegen%20wollten.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/2-20%20Daniel%20-%20Wenn%20Sie%20fliegen%20wollten.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Mir ist es egal, was du sagst</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2007 10:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nadia</category>
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		<description><![CDATA[/Nadia/ Mir ist es egal, was du sagst. Ich glaube dir ohnehin nicht. Du bist ein Lügner. Du hättest auf mich hören können, statt zwischen meine Augen zu starren. Das kenne ich schon von anderen Männern. Du bist nicht anders als sie, hältst jede Träne für einen Regentropfen und lächelst noch, selbst wenn ich anfange [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nadia/ Mir ist es egal, was du sagst. Ich glaube dir ohnehin nicht. Du bist ein Lügner. Du hättest auf mich hören können, statt zwischen meine Augen zu starren. Das kenne ich schon von anderen Männern. Du bist nicht anders als sie, hältst jede Träne für einen Regentropfen und lächelst noch, selbst wenn ich anfange zu schreien.</p>
<p>Das ist ein dummes Spiel, weißt du? Es macht müde wie Arbeit. Es ist ganz vergeblich. Und morgen erinnerst du dich nicht mehr an mich.</p>
<p>Warum hätte ich dich nur ansehen sollen? Warum nur ein einziges liebes Wort versuchen? Wenn ich mich an dich kralle, daß meine Nägel scharf in deine Haut schneiden, das merkst du. Das weckt dich auf, aber nicht, wenn ich meine Haare wie einen Schleier vor meine Augen fallen lasse, weil jeder Blick durch meine Pupillen auf eine Wunde fällt und ich doch niemandem weh tun kann, nicht einmal dir. Da merkst du nichts von mir. Da bist du ganz blind und ganz taub und ein ganzer Mann.</p>
<p>Ich hatte dich schon bemerkt, als du noch weit hinter mir gingst. Du mußtest schneller gehen mit dem Atem geiler Böcke. Der greift dir ganz flink in den Nacken wie eine nasse Hand, wenn du nicht fortläufst. Ich wußte genau, was du tust. Daß du mich einholen wirst an der Haltestelle, daß du mich weiter ansehen wirst, weil du kein Gespür hast für Augenblicke, in denen man von niemandem angesehen werden will.</p>
<p>Als der Bus kam und ich die Tränen mit dem Ärmel wegwischte zu all dem Regen, da hast du den Kopf gesenkt. Das hat dir eine Chance gegeben. Wärst du stehengeblieben, nicht eingestiegen, hätte ich dich lieben können für diesen Augenblick Hinwegsehen ohne Zurück, ohne Bitte.</p>
<p>Aber ich irre mich immer. Ich irre mich nie. Du hast die Witterung aufgenommen, die Nase schon zwischen meinen Brüsten. Das riecht, wie du es magst, nicht wahr? Das wird dich immer überführen. Du solltest deine Nase abreißen und dich nicht weiter mit einer Verräterin verbünden, wenn du jagen mußt, weil du es nicht lassen kannst. So wirst du immer erkannt, und dein ganzes Spiel ist schon zu Ende, bevor du auch nur anlegen konntest, und der Hirschfänger bleibt eingesperrt. So vergeblich, da gibts kein Ergeben. Da wird nichts verschenkt.</p>
<p>Was bleibt dir anderes übrig, als dich neben mich zu setzen? Du willst ein Spiel haben, ein unheimliches Spiel, das dich lange wachhält, das dich begeistert und anmacht. Du schwenkst die Muleta, die Hand fest um den Degen, und ich weiche nicht aus. Aber manchmal, das weißt du noch nicht, stirbt der Torero, und die Ohren bleiben am Kopf, und ich lebe weiter.</p>
<p>Noch ist gar nichts entschieden. Es wird dir nie gelingen, den Tropfen zu entdecken, den ich küssen möchte. Mein Blick wird schneller sein und zu einem anderen springen, wenn du mir zu nahe gekommen bist. Du glaubst mir nicht. Aber das ist wirklich vergeblich, wenn ich es auch glauben möchte, manchmal, manchmal glaube ich es, aber ganz müde.</p>
<p>Was hindert dich auszusteigen? Noch kannst du gehen, wohin du willst. Noch ist nichts entschieden.</p>
<p>Steig aus und gehe in dieses Café unter den roten Schirm. Der sieht aus, als würde er auf dich warten. Du willst doch nicht böse werden und so tun, als würde er dir gar nichts bedeuten? Du kannst auf einen anderen Nacken zielen und im Dunkeln den Degen loslassen und ein Ohr erbeuten, wenn es gut war, oder auch zwei. Das ist ein Spiel unter Männern, nicht wahr? Da stehe ich nur dazwischen und muß die Stiche hinnehmen.</p>
<p>Mein Ohr kannst du nicht bekommen. Das macht dich rasend. Ich weiß es. Da kannst du wirklich böse werden und den Bus nach vorn sinken und eine Frau schreien lassen und mit der Schlinge kommen, um mich anzubinden, um mich aus der Arena zu schleifen, auch wenn ich nicht tot bin. Das tut mir alles nicht weh, hörst du. Ich greife dir an den Schwanz und kralle mich fest. Schrei doch, wenn du weißt, wie das geht. Das wird dir noch weh tun, wenn alles vorüber ist.</p>
<p>Glaubst du mir nicht? Warum schreist du nicht? Warum siehst du mich an? Wie kannst du selbst jetzt noch lächeln, wo du nicht mal mehr atmest? Wie kannst du mir jetzt noch deine Augen zeigen und keine Angst haben und noch immer so tun, als meintest du mich?</p>
<p>Mir ist es gleich, was deine Augen sagen. Ich kann darüber nur lächeln. Du bist ein Lügner, und deine Augen sind Lügner. Die Glassplitter lügen, die uns schneiden. Auch die Metallschlinge lügt, die uns einfängt. Aber heute ist es eine schöne Lüge. Nach ihr hört es auf zu regnen.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Nadia/ Mir ist es egal, was du sagst. Ich glaube dir ohnehin nicht. Du bist ein Lügner. Du hättest auf mich hören können, statt zwischen meine Augen zu starren. Das kenne ich schon von anderen Männern. Du bist nicht anders als sie, hältst jede Träne für </itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Nadia/ Mir ist es egal, was du sagst. Ich glaube dir ohnehin nicht. Du bist ein Lügner. Du hättest auf mich hören können, statt zwischen meine Augen zu starren. Das kenne ich schon von anderen Männern. Du bist nicht anders als sie, hältst jede Träne für einen Regentropfen und lächelst noch, selbst wenn ich anfange [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Ein anderes Blau, Nadia</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fmir-ist-es-egal-was-du-sagst%2F&amp;seed_title=Mir+ist+es+egal%2C+was+du+sagst</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/108221970/2-19%20Nadia%20-%20Mir%20ist%20es%20egal%2C%20was%20du%20sagst.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/2-19%20Nadia%20-%20Mir%20ist%20es%20egal%2C%20was%20du%20sagst.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Ich weiß nicht, wie wir hierher gekommen sind</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2007 19:16:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Ich weiß nicht, wie wir hierher gekommen sind. Vielleicht ist es nur die natürliche Fortsetzung der Enge. Erst glaubte ich, man hätte uns einbetoniert. Aber dann merkte ich, daß ich mich bewegen konnte, und auch das Mädchen bewegte sich in seinem Glockenmantel. Es schien sogar, als würde sie tanzen. Das machte mich glücklich.
Erst, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Ich weiß nicht, wie wir hierher gekommen sind. Vielleicht ist es nur die natürliche Fortsetzung der Enge. Erst glaubte ich, man hätte uns einbetoniert. Aber dann merkte ich, daß ich mich bewegen konnte, und auch das Mädchen bewegte sich in seinem Glockenmantel. Es schien sogar, als würde sie tanzen. Das machte mich glücklich.</p>
<p>Erst, als sie ihr Gesicht mir zuwandte, lächelte und dabei noch immer weinte und ich sah, daß das Blut an ihrem Mund frisch war, wußte ich wieder, daß ich nicht mehr mir selbst gehörte. Wahrscheinlich hatten wir über Nacht die Umklammerung des Busses nur gegen eine andere Umklammerung eingetauscht. Aber ich war bei all dem doch sehr ruhig.</p>
<p>Ich traf sie im Regen. Sie ging weit vor mir. Ihr kurzer Mantel wippte bei jedem Schritt, links, rechts. So von weitem wirkte sie wie ein Glöckchen, das stumm geläutet wird. Ich ging schneller, und an der Bushaltestelle holte ich sie ein.</p>
<p>Ihr Haar war naß wie meins. Ich glaube, wir beide froren. Jedesmal, wenn der Wind durch das Wartehäuschen pfiff, schüttelte es mich. Aber sie bewegte sich gar nicht. Sie starrte über die Straße, die Hände tief in den Taschen vergraben, und störte sich nicht an den Tropfen, die ihr von den Haaren übers Gesicht liefen, als würde sie weinen. Vielleicht versteckte sie darin auch nur etwas, weil sie ahnte, daß mein Blick auf ihr lag.</p>
<p>Als der Bus vorfuhr, sah sie zur Seite, auf die Pfütze vor dem Haltestellenschild und trocknete ihr Gesicht hastig mit dem Ärmel ab.</p>
<p>Ich glaube, der Busfahrer ahnte nichts. Sie zahlte den Fahrschein mit einem Fünfmarkstück. Der Fahrer drückte ein paar Tasten, und der Automat spuckte das Wechselgeld in die Münzschale. Sie sammelte jede Münze einzeln auf, steckte den Fahrschein ein und setzte sich ans verregnete Fenster. Ich hätte zu Fuß gehen können, aber auch ich stieg ein.</p>
<p>Sie sah zum Fenster hinaus, und ihr Kopf bewegte sich nicht einmal, als der Bus anruckte. Ich setzte mich neben sie und versuchte herauszufinden, wohin sie schaute, was sie in genau diesem Moment sah. Es dauerte zwei Stationen, ehe ich darauf kam, daß es die Regentropfen waren. Während der Bus hielt, klebten sie an den Scheiben. Wenn sie sich nicht halten konnten, liefen sie erst langsam und dann immer schneller an den Scheiben herab, bis sie sich aufgelöst hatten. Doch wenn der Bus fuhr, mußten sie sich anklammern, und wenn es nicht gelang, zitterten sie zur Seite und wurden vom Fahrtwind fortgerissen.</p>
<p>Sie suchte sich einen Tropfen aus und sah ihm zu: beim Halten, beim Anklammern, beim Zittern, beim Auflösen. Immer wieder einen neuen. Ihre Augen folgten ihm, ob der Bus fuhr oder hielt. Ich weiß nicht einmal, ob ihr klar war, wohin sie fuhr.</p>
<p>Ich zog meinen Mantel zurecht und legte die Aktentasche auf meinen Knien ab. So war es bequemer. Ich versuchte, die Tropfen zu finden, auf die sie es abgesehen hatte. Doch immer, wenn ihre Augen sich bewegten und ihr Blick einem auffließenden Rinnsal folgte, merkte ich, daß ich mich getäuscht hatte.</p>
<p>Wir spielten ein Spiel. Ich glaubte dabei, daß sie mich gar nicht bemerkt hatte, daß es für sie keinen Unterschied machte, ob ich oder irgendwer neben ihr saß. Daß es keinen Unterschied machte, ob es ein Bus war, in dem sie fuhr, oder daß sie überhaupt fuhr und daß es überhaupt Tropfen waren.</p>
<p>Ich hatte das Spiel verstanden, als das Café in der kleinen Passage an den Tropfen vorbeizog. Ich hätte aussteigen sollen, um mich an den Tisch zu setzen, den der Kellner für mich freigehalten hatte, ganz wie gestern. Ich blieb aber sitzen und stellte weiter Vermutungen an über sie, über ihren Blick, über das lautlose Klingen, während sie ging. Ich wollte kein Schauspiel, nur die stillen Irrtümer zwischen den Regentropfen. Also blieb ich sitzen.</p>
<p>Ich war so verloren im Raten, Zweifeln und Folgen, daß ich erst sehr spät bemerkte, daß wir mit den Tropfen sanken. Jemand schrie, und das Mädchen faßte mir plötzlich unter der Aktentasche hinweg direkt in den Schoß und krallte sich fest. Wir sanken vornüber, die Straße gab nach, Glas splitterte, und als das Gestänge vor uns knirschte und auf uns zuschlich, sah ich zu ihr, und sie sah mich an. Das Gestänge sperrte uns ein, preßte und drückte Glassplitter durch den Stoff in die Haut bis tief ins Fleisch und schnürte uns ein und zog sich zu wie eine metallene Schlinge.</p>
<p>Ich spürte keinen Schmerz. Ich hätte weiter gespielt, doch ich konnte nicht atmen unter der Klammer. Bevor ich die Augen schloß, sah ich sie noch lächeln und sah einen roten Faden, eine ruhige Tropfenspur von ihrem Mundwinkel übers Kinn bis zum Hals. Es wurde still um uns, und so blieb es sehr lange.</p>
<p>Wie wir hierher gekommen sind, kann ich mir nicht erklären. Aber sie lächelt ja, wenn es auch Blut ist auf ihren Lippen, und es scheint sogar, als würde sie tanzen in ihrem Glockenmantel.</p>
<p>Ich atme nicht, und mein Herz fault im Bauch. Mein Kinn ist verdreht. Es ist alles, wie es sein soll, nur ein wenig eng.</p>


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		<title>Immer, wenn ich nach Hause komme</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2007 15:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nina</category>
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		<description><![CDATA[/Nina/ Immer, wenn ich nach Hause komme, sehe ich hinüber zu den Fenstern unseres Nachbarn. Geradezu lauernd starre ich auf die Jalousien mit den schräg angestellten Lamellen. Ich bin neugierig auf das, was sie verbergen, neugierig auf den Menschen, der dort wohnt und dessen Vorname mit einem &#8220;D.&#8221; beginnt.
Wir wohnen jetzt schon zwei Wochen hier, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nina/ Immer, wenn ich nach Hause komme, sehe ich hinüber zu den Fenstern unseres Nachbarn. Geradezu lauernd starre ich auf die Jalousien mit den schräg angestellten Lamellen. Ich bin neugierig auf das, was sie verbergen, neugierig auf den Menschen, der dort wohnt und dessen Vorname mit einem &#8220;D.&#8221; beginnt.</p>
<p>Wir wohnen jetzt schon zwei Wochen hier, und ich habe ihn noch nie gesehen, als wäre er die ganze Zeit über abwesend, verreist, im Krankenhaus oder was auch immer. Vielleicht würde dieser Mensch mich gar nicht interessieren, hätte ich ihn gleich zu Beginn einmal gesehen, und wären da nicht diese Jalousien. Es ist unmöglich, vom Garten aus durch eines der Fenster in seine Wohnung zu sehen. Sie muß immer im Halbdunkel liegen, stelle ich mir vor, eine richtige Höhle. Was ist das für ein Mensch, der sich in diesem Dämmerlicht wohl fühlt? Ist es ein Mann? Das glaube ich fest. Wie alt ist er? Wie sieht er aus? Ich bin ihm noch nie begegnet, und ich ertappe mich dabei, wie ich Vermutung auf Vermutung anstelle, die mir alle aber nach einer Weile wieder unwahrscheinlich vorkommen, so daß ich sie durch neue ersetze, die der Wirklichkeit womöglich auch nicht viel näher sind. Ich sehe immer wieder ganz verschiedene Menschen vor mir, wenn ich über diesen scheinbar ständig abwesenden Nachbarn nachdenke. Und ich habe bemerkt, daß ich es recht oft tue.</p>
<p>Vielleicht ist es ähnlich wie mit meinen Vorstellungen von meinem ersten eigenen Zimmer, in das ich nun endlich eingezogen bin. Aber es ist doch auch anders, denn diese erträumten Zimmer ähnelten sich immer in gewisser Weise. Das waren Bilder meiner Wünsche und sich deswegen in vielen Details gleich. Was aber hat der Nachbar mit meinen Wünschen zu tun? Nichts, sage ich mir. Oder doch etwas? Wünsche ich ihn mir am Ende so oder so? Merkwürdiger Gedanke.</p>
<p>Ich denke mir immer, daß er wenigstens so alt sein muß wie der Schauspieler, also Mitte vierzig etwa. Diesen Tic mit den Jalousien würde ich Henry auch zutrauen. Dann aber überlege ich, daß er ja vielleicht im Moment gar nicht hier wohnt. Es könnte doch sein, daß er im Ausland arbeitet und nur ein paar Wochen im Jahr zu Hause ist. Vielleicht ist er am Ende genau so ein Typ wie der Schauspieler: zugeknöpft, kühl.</p>
<p>Aber da sind dann doch meine Wünsche. Der Gedanke an den im Ausland arbeitenden Anzugmenschen machte mich traurig, er kam mir fad vor, und ich wäre wirklich enttäuscht gewesen, wenn er sich als wahr herausgestellt hätte. Deshalb war ich froh, als diese Möglichkeit ausschied oder doch zumindest sehr unwahrscheinlich wurde. Denn ich habe den Nachbarn zwar, wie gesagt, noch nie gesehen; aber gehört habe ich ihn.</p>
<p>Das war vorige Woche, spät abends, so gegen halb elf. Ich war schon ins Bett gegangen, hatte aber nicht einschlafen können. Und da hörte ich plötzlich aus dem Zimmer nebenan, das zu seiner Wohnung gehört, Musik.</p>
<p>Es war ein Klavierkonzert, das ich nicht kannte. Irgend etwas Russisches, sehr melancholisch, dachte ich, genau das Richtige vorm Einschlafen. Er mußte die Musik ziemlich laut gestellt haben, denn ich konnte jeden Ton, selbst noch die leisen Passagen, deutlich hören, als stünde zwischen unseren Zimmern eine Tür offen. Diese Vorstellung fand ich spannend und unheimlich zugleich. Gott sei Dank hörte ich hinter der Wand keine Schritte.</p>
<p>Noch während die Musik lief, mußte ich eingeschlafen sein. Vielleicht bin ich ja diejenige, die einen Tic hat. Am nächsten Morgen jedenfalls lauschte ich an der Wand, aber es war kein Mucks zu hören. Auch an den folgenden Abenden blieb es still. Und wann immer ich vor dem Haus stehe und zu den Fenstern des Nachbarn hinaufsehe, rührt sich nichts, als wäre unser Haus zur Hälfte ein Geisterhaus, in dem nur ein Klavier wohnt, das eines Abends leise gerufen hat.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Nina/ Immer, wenn ich nach Hause komme, sehe ich hinüber zu den Fenstern unseres Nachbarn. Geradezu lauernd starre ich auf die Jalousien mit den schräg angestellten Lamellen. Ich bin neugierig auf das, was sie verbergen, neugierig auf den Menschen, der d</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Nina/ Immer, wenn ich nach Hause komme, sehe ich hinüber zu den Fenstern unseres Nachbarn. Geradezu lauernd starre ich auf die Jalousien mit den schräg angestellten Lamellen. Ich bin neugierig auf das, was sie verbergen, neugierig auf den Menschen, der dort wohnt und dessen Vorname mit einem &amp;#8220;D.&amp;#8221; beginnt. Wir wohnen jetzt schon zwei Wochen hier, [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Ein anderes Blau, Nina</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fimmer-wenn-ich-nach-hause-komme%2F&amp;seed_title=Immer%2C+wenn+ich+nach+Hause+komme</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/107516914/2-17%20Nina%20-%20Immer%2C%20wenn%20ich%20nach%20Hause%20komme.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/2-17%20Nina%20-%20Immer%2C%20wenn%20ich%20nach%20Hause%20komme.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
		<item>
		<title>Es war immer die Vorstellung der Weite des Feldes</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2007 19:05:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[2
/Richard/ Es war immer die Vorstellung der Weite des Feldes, der Ebene und so zu gehen mit einem kurzen Blick nach rechts, links, die Entdeckung zweier schwarzer Linien in der Ferne, die ich erst für die dichten Reihen von Chausseebäumen hielt, Flankierungen zweier Straßen womöglich, die irgendwo in der Ferne vor mir zusammenlaufen. Dann jedoch, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 200%; font-weight: bold">2</span></p>
<p>/Richard/ Es war immer die Vorstellung der Weite des Feldes, der Ebene und so zu gehen mit einem kurzen Blick nach rechts, links, die Entdeckung zweier schwarzer Linien in der Ferne, die ich erst für die dichten Reihen von Chausseebäumen hielt, Flankierungen zweier Straßen womöglich, die irgendwo in der Ferne vor mir zusammenlaufen. Dann jedoch, nachdem ich eine Weile gegangen war, entpuppten sich die vermeintlichen Chausseebaumreihen als Mauern, zwar weit voneinander entfernte, doch zu beiden Seiten meines Weges und in der Richtung, in die ich gehe, einander immer näher kommend.</p>
<p>Allerdings habe ich noch immer die Vorstellung von Weite und Freiheit, und das bloße Dasein der Mauern, die ich bemerkte, beunruhigt mich noch nicht. Ich gehe weiter. Da ist etwas Manisches in meinem Gehen, etwas fraglos Zwanghaftes; aber es ist ja, wenn auch die Mauern näher und näher rücken, immer noch alles sehr weit.</p>
<p>Nach einigen Minuten kommt es mir allerdings so vor, als ginge ich nicht mehr auf dem weiten Feld, sondern schlendere einen Großstadtprospekt entlang, wenn da auch keine Häuser sind, sondern nur die Mauern. Nach und nach wird aus dem Boulevard eine Straße, eine kleinere Straße und schließlich eine Gasse. Aber ich gehe noch immer, als zöge mich magisch etwas mir noch Unbekanntes an.</p>
<p>Das läßt mich dann aber doch ein wenig unruhig werden, als die Mauern schon so nahe beieinander sind, daß sie rechts wie links meine Schultern berühren; und es macht mir Angst, als ich schließlich nur noch seitlich mich vorschiebend vorankommen kann auf diesen Punkt zu, der da ruft.</p>
<p>Von Weite kann keine Rede mehr sein. Da sind nun die Mauern vor meiner Brust, ganz dicht, und spürbar nah auch an meinem Rücken. Ich kann nicht glauben, daß ich vor Kurzem noch glücklich war. Es ist mir unerklärlich, daß es je so etwas wie unbedrängtes Vorankommen gegeben haben soll.</p>
<p>Immer noch ruft es mich und treibt mich weiter – bis in den Stollen, der da, wie ich dumpf bemerke, beginnt. Nun bin ich auch von oben eingeschlossen. Aber der Befehl ist ja eindeutig: Du mußt weiter gehen.</p>
<p>Die Mauern, zwischen denen es immer enger, die Decke, die immer niedriger wird, reißen mir die Kleider in Fetzen vom Körper. Während ich mich, an sie gepreßt, durch die Enge quäle, stoße ich mich blutig an ihnen, bis ich irgendwann festsitze und nicht mehr weiter kann, von den Seiten, von oben und unten eingekeilt bin, in den Schraubstock gespannter Kopf.</p>
<p>Ich höre noch immer den Ruf, das herrische Wort. Doch weiter geht es wirklich nicht, wenn ich auch unter Aufbietung sämtlicher Kräfte alles Mögliche versuche, um wenigstens ein wenn auch noch so winziges Stück weiter voranzukommen. Ich kämpfe wirklich.</p>
<p>Es wird sicher gut enden, sage ich mir vor. Ich weiß, daß sich etwas verändert. Vielleicht trete ich heraus aus mir und kann mich selbst von außen betrachten: verklemmt im Stollen, im Schacht. Das wäre lustig.</p>
<p>Es gelingt mir auch wirklich, und also hoffe ich noch, das alles nur zu träumen. Doch als ich schließlich, wie ich fest glaube, erwache, sind da noch immer Mauern und Decke und ich und alles so eng, als wäre ich mit Beton eingegossen worden. Wobei das Blut ist, was mich umgibt und mein Herz seit Stunden nicht mehr geschlagen hat.</p>


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		<title>Das Café in der kleinen Passage</title>
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		<comments>http://turmsegler.net/blau/das-cafe-in-der-kleinen-passage/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 05 Apr 2007 22:32:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Eva</category>
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		<description><![CDATA[/Eva/ Das Café in der kleinen Passage ist ein grausiger Ort, wenn ich geschminkt hinaustrete und du nicht auf mich wartest. Nichts dürfte dich abhalten. Diese Zeit gehört mir und dir. Du bist es doch, dem ich diese Geschichte erzähle, immer wieder, jeden Tag. Jeder andere versteht sie. Nur du siehst mir nicht in die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Eva/ Das Café in der kleinen Passage ist ein grausiger Ort, wenn ich geschminkt hinaustrete und du nicht auf mich wartest. Nichts dürfte dich abhalten. Diese Zeit gehört mir und dir. Du bist es doch, dem ich diese Geschichte erzähle, immer wieder, jeden Tag. Jeder andere versteht sie. Nur du siehst mir nicht in die Augen. So muß ich sie dir immer und immer wieder erzählen. Nur für dich bin ich hier. Weißt du es nicht?</p>
<p>Ganz gleich, welche Rollen ich abends im Theater spiele: Das hier bin ich. Die Frau, die jeden Mittag in der kleinen Passage den Hut aufs Pflaster stellt und in deine Richtung spielt. Die Frau, die Gesten erfindet, immer neue Regungen der Hand, des Gesichts, die immer nur dir erzählt, was du nicht hören willst. Ich kann erst aufhören, wenn du weißt, was meine Wimper dir sagen will. Und bis dahin darf dich nichts abhalten. Das weißt du.</p>
<p>Ich ahnte es noch nicht heute morgen. Ich ahnte es nicht, als ich mein Kostüm in die Tasche stopfte, zur Schminke, zum Warten, zu all meinem Spielen an den Mittagen. Aber ich ahnte es, ein erstes Mal ahnte ich, was geschehen war, als dein Platz leer blieb. Der Kellner hob die Achseln, und ich ging noch einmal hinein und sagte dem Spiegel vieles, was er besser nicht wissen sollte.</p>
<p>Das Schließfach bleibt heute leer. Deine Aktentasche fährt mit dir im Bus und wird dich fressen, wenn du nicht rechtzeitig aussteigst. Sie wird dich fressen, weil du jeden Tag nur auf Umwegen zu mir kommst. Du bist immer zu spät, selbst wenn du pünktlich bist. Sie wird dich fressen. Heute wird sie es tun.</p>
<p>Ich habe lange gewartet. Angerufen habe ich nicht. Kein Telefon erreicht dich, wenn du nicht bei mir bist. Ich habe mir die Worte für die Abendbühne vorgesagt, bis es dunkel wurde. Ich habe die Worte für die Nachtbühne geprobt in den Pausen zwischen meinen Auftritten, den Kopf in den Nacken gelegt. Durch den zweiten Rang ging ein Riß. Für wen soll ich spielen, wenn du mir nicht mehr zusiehst?</p>
<p>Was auch immer ich ahnte am Mittag – am Abend wußte ich, daß der Hof deine Schritte freigegeben hat, daß ich dir nicht mehr nachschauen werde, weil du nicht mehr kommst und nicht mehr gehst. Ich kann durch die Wohnung gehen und alle Türen öffnen und schließen, und es wird nicht dasselbe sein. Ich kann in den Spiegel springen wie in ein tiefes Wasser, doch du wartest dort nicht.</p>
<p>Du hast die Zigarette zertreten, als der Bus hielt. Du bist eingestiegen und hast dich neben ein Mädchen gesetzt, das ebenso träumte wie du. Der Herbst ist an euch vorübergeflogen, und Blätter und Regen peitschten die Scheiben, als wären es eure Augen. Auf deinen Knien lag die Aktentasche und schnappte nach deinen Händen.</p>
<p>Es hat dir gefallen, so durch den Regen zu fahren. Darüber hast du mich vergessen. Ist es nicht so, daß ein paar Tropfen genügten, die am Glas entlangzitterten? Du fuhrst vorüber an der kleinen Passage. Du hättest aussteigen sollen. Ich hätte noch einmal vor deinen blinden Augen gespielt, wärst du nur ausgestiegen.</p>
<p>Ich stehe allein am Bühnenausgang, und das grüne Licht mit dem Wort Exit wird rot. Ich gehe allein nach Hause, öffne die Tür allein, gehe allein durch die Räume und rufe nach dir. Und ich lausche allein auf eine Antwort und höre allein niemanden außer mir selbst.</p>
<p>Das Telefon fällt über mich her wie ein Raubtier mit der Nachricht, daß Busse Menschen verschlingen mitsamt gefräßigen Aktentaschen. Daß ich Puder und Lippenstifte, Kajal und Perücken verschenken und auf den Wind hören muß, der wie irr durch den Hof tobt und dich ruft. Und du antwortest nicht.</p>
<p>Ich soll aufhören zu rufen, soll aufhören zu fragen. Ich soll jede Träne hinwegspielen und an Lächellügen durch den Tag hangeln. Das alles könnte ich tun. Aber ich bin nicht mehr da. Das kann ich jedem sagen: Mich hat es nie gegeben. Ich war nur der Schatten, der von dir auf mich fiel. Und der Vorhang rauschte dazwischen wie ein Schwert durch Seide.</p>


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		<title>Manchmal bedauere ich…</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Apr 2007 04:04:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Manchmal bedauere ich, nicht Physik, Chemie oder ein anderes Fach zu unterrichten, für das es einen Vorbereitungsraum gibt, einen separaten Raum, abschließbar, zu dem die Schüler keinen Zutritt haben. Wahrscheinlich würde ich mich in den Pausen dort einschließen, um ihnen allen, Schülern wie Kollegen, für die wenigen Minuten Pause zu entkommen. Der kleine Tisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Manchmal bedauere ich, nicht Physik, Chemie oder ein anderes Fach zu unterrichten, für das es einen Vorbereitungsraum gibt, einen separaten Raum, abschließbar, zu dem die Schüler keinen Zutritt haben. Wahrscheinlich würde ich mich in den Pausen dort einschließen, um ihnen allen, Schülern wie Kollegen, für die wenigen Minuten Pause zu entkommen. Der kleine Tisch im Lehrerzimmer und die Zeitung, in die ich mich ohne eigentliches Interesse vertiefe, sind ein unvollkommener Ersatz für diese erträumte Möglichkeit, doch wenigstens etwas.</p>
<p>Auch heute war es nicht anders. Ich blätterte in der Zeitung und las hier und dort einen Artikel an, wechselte vom Feuilleton zur Innenpolitik, von den Börsennachrichten zu den Wohnungsanzeigen und zum Lokalteil. Ich betrachtete lange ein Foto, das den Bus zeigte, der vor einer Woche vornüber durch den Asphalt der Straße in einen neu gegrabenen U-Bahn-Tunnel eingebrochen war.</p>
<p>Die Baustelle liegt auf meinem Weg zur Schule. Vor zwei Tagen war rings um die Grube ein hoher Bauzaun aufgestellt worden. Aber ich wußte von den beiden, die noch immer hinter diesem Zaun aushielten: ein junger Mann und ein Mädchen. Ein großer Teil des Schachtes war zusammengesackt. Nur die Trümmer des verunglückten Busses verhinderten, daß er ganz einstürzte. In dem Artikel unter dem Foto hieß es, man müsse erst die Bereiche um die Fundamente der umliegenden Häuser absichern, bevor man die beiden Toten aus den Resten des Wracks herausschweißen könne.</p>
<p>Ich legte die Zeitung zusammen. Vergiß es, dachte ich, denk nicht daran. Doch in diesem Augenblick glaubte ich, sie zu hören. Sie froren. Sie warteten und riefen. Du solltest ihnen antworten, sagte ich zu mir. Du könntest sie einladen und ihnen ein Dach über dem Kopf und ein Bett anbieten, bis man sich wieder an sie erinnert. Manchmal glaube ich wirklich, daß ich spinne.</p>
<p>Ich warf die Zeitung in den Müll. Als ich zum Abwaschbecken ging, um meine Tasse auszuspülen, berührte mich jemand leicht am Arm. Es war Franziska.</p>
<p>Ich hätte nicht zusammenzucken dürfen, dachte ich, als ich bemerkte, wie es mich durchfahren hatte, ob nun vor Schreck oder einfach wegen der mehr als vertraulichen, fast schon zärtlichen Berührung.</p>
<p>Daniel? sagte sie, mehr fragend als alles andere und als fürchtete sie, ich würde überhaupt nicht reagieren. Es war genau jener Ton in ihrer Stimme, den ich absolut nicht mag, erst recht nicht hier, wo man uns hätte zuhören können – so bittend, ja fast flehend.</p>
<p>Was ist? fragte ich und erschrak, weil mir klar wurde, daß die Art, wie sie leise meinen Namen gesagt und die zwei Worte, die ich erwidert hatte, schon viel zu sehr an etwas Persönliches wie zwischen Freunden, Vertrauten, Geliebten erinnerten. Mehr, als mir hätte lieb sein können.</p>
<p>Was willst du? fragte ich, ohne sie anzusehen, noch einmal, als sie nicht antwortete.</p>
<p>Kann ich dich anrufen?</p>
<p>Sicher, antwortete ich und war nahe daran, sie einfach wegzustoßen. Schon wieder dieser bittende Ton in ihrer Stimme. Ich kann jetzt nicht, ich will jetzt nicht mit dir reden. Aber das sagte ich schon nicht mehr.</p>
<p>Heute abend, bist du zu Hause? Sie hörte nicht auf. Was würde sie noch fragen? Warum hörte sie nicht auf? Ich hatte doch ja gesagt.</p>
<p>Ja doch, ja, ruf an, wenn du willst, sagte ich, recht unwirsch. Ich stellte meine Tasse weg, nahm meine Tasche und ging. Viel zu schnell, viel zu fluchtartig, dachte ich. Als ich in die Klasse kam und es klingelte, war es wie eine Erlösung. Fünfundvierzig Minuten, dachte ich erleichtert, in denen sie ganz bestimmt nicht kommen, mich nicht ansprechen könnte.</p>
<p>Ich verstehe sie nicht. Warum läßt sie sich das alles gefallen von mir, die verletzende Art? Warum kommt sie dennoch immer wieder, verflucht mich nicht, beschimpft mich nicht endlich einmal, um dann für immer von mir genug zu haben und nicht mehr mit mir zu sprechen? Ich war nie zu einer Frau wie zu ihr, schon gar nicht, wenn ich liebte. Aber ich liebe sie nicht. Und ich habe es ihr gesagt. Wie oft schon habe ich es ihr gesagt! Aber glaubt sie es? Hört sie mir überhaupt zu? Es kann doch unterdessen sogar von ihrem Gefühl kaum noch etwas übrig sein. Welche Liebe verträgt denn solche fortwährende Demütigung?</p>
<p>Dabei bin ich soweit, mich nicht einmal mehr für die Art, wie ich mit ihr umgehe, zu schämen. Sie müßte nichts ertragen, sage ich mir, wenn sie nur ein wenig stolzer wäre und mich nicht mehr anspräche. Ihr stummes Dulden macht mich nur wütend, wie alles, wogegen ich machtlos bin.</p>
<p>Ich glaube, ich war nie ein Mann, bei dem es eine Frau lange aushalten könnte, schon gar nicht für ein Leben. Vielleicht langweile ich sie nach einer gewissen Zeit, die einmal länger, ein anderes Mal kürzer ist. Vielleicht ist es auch meine Art, allem einen dauernden Wert abzusprechen, auch und gerade der Liebe und jedem anderen Gefühl. Ich weiß es nicht.</p>
<p>Vorigen Monat schlug Franziska am Telefon vor, gemeinsam nach Italien zu fahren, ein oder zwei Wochen oder zumindest für ein verlängertes Wochenende. Sie sprach von unserer Beziehung wie von altbackenem Brot, das man mit Wasser bestreicht und in die Backröhre legt, bis sich die Poren öffnen und das Brot wieder atmet. Sie glaubt, mich erkannt zu haben, glaubt zu wissen, daß ich sie brauche und es nur nicht zugeben kann.</p>
<p>Nachdem wir in der Frühstückspause miteinander gesprochen hatten, hoffte ich nur noch, ihr den Tag über aus dem Weg gehen zu können. Ich hatte gleich beschlossen, am Abend auszugehen, irgendwohin, doch keinesfalls zu Hause zu bleiben. Da sie nun wußte, daß ich nichts vorhatte, konnte es sein, daß sie nicht anrief, sondern vorbeikam. Also ging ich spazieren, setzte mich in ein Café, las und ging erst spät abends nach Hause. Als ich schon im Bett lag, klingelte das Telefon. Sicher war es Franziska.</p>
<p>Wer weiß, wie oft sie es schon versucht hat, dachte ich. Doch ich nahm nicht ab.</p>


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		<title>Jetzt soll ich dir neue Töne erfinden</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2007 19:21:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Off</category>
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		<description><![CDATA[/&#8230;/ Jetzt soll ich dir neue Töne erfinden, und ich habe doch nur dieses eine Lied. Ich sing es und rufe, und du antwortest nicht; und Nebel fällt kalt ins Herz. So wird es immer bleiben, nicht wahr? Wir stehen im Herbst, die Augen weit geschlossen, schwankend im Sturm unserer Träume.


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		<title>Dr. Anthony</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Apr 2007 22:11:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel II</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Dr. Anthony trägt auf der Stirn ein Heftpflaster. Psychiatrischer Selbstversuch, sagt er: Habe die Seele gesucht. Ich, sage ich, schraube meinen Kopf auf, auseinander wie eine Kokosnuß. Jeden Abend. Meine Seele ist da. Ich würge sie. Jeden Abend. Aber sie bleibt am Leben. Sie streunt umher auf verlassenen Gates riesiger Flughäfen und schwebt durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Dr. Anthony trägt auf der Stirn ein Heftpflaster. Psychiatrischer Selbstversuch, sagt er: Habe die Seele gesucht. Ich, sage ich, schraube meinen Kopf auf, auseinander wie eine Kokosnuß. Jeden Abend. Meine Seele ist da. Ich würge sie. Jeden Abend. Aber sie bleibt am Leben. Sie streunt umher auf verlassenen Gates riesiger Flughäfen und schwebt durch die Glaswände hinaus auf die nächtliche Rollbahn. Ich habe ein Fliegerherz und eine Fliegerseele. Nur mein Kopf ist zu schwer und hält mich zurück am Boden.</p>
<p>Ich konnte nicht ahnen, wie fremd ihr mir seid. Ich versuche, in eure Haut zu schlüpfen, eure Zungen zu lösen und euch ein Wort zu entlocken. Doch ihr geht ein und aus durch alle Türen und laßt mich zurück. Und ich finde in dem Staub auf euren Schuhen doch nichts von euch.</p>
<p>Bin ich verlassen? Wann seid ihr gegangen? War es gestern oder erst heute? Oder seid ihr schon lange fort, und ich habe es nur nicht bemerkt?</p>
<p>Kommt mir Daniel entgegen aus den Spiegeln der Dämmerungen, ist er blaß. Vielleicht hat er in jenen Nächten damals so viel Schlaf versäumt, daß er es nicht mehr aufholen kann und immer übernächtigt aussieht. Er ist nur noch ein Teil von dem, was er war. Jeder, der kam und ging, jeder Traum, jedes Wort, jeder Ton, der durch die Wand drang und den Nächten den Schlaf austrieb, nahm ein Stück von ihm mit sich fort.</p>
<p>Es blieben: zwei Arme und ein Herz, ein Knäuel von Adern und Muskeln. Daraus bin ich geworden. Ich habe ein Herz adoptiert. Wie fremd es mir ist, konnte ich nicht ahnen. Ich gehe ein und aus durch alle seine Türen und finde doch an dem staubigen Muskel nichts von mir selbst.</p>
<p>Die Schwester kommt, sagt: Guten Morgen. Ich lächle ihr zu und möchte sie küssen. Dieses Verlangen habe ich jeden Morgen, wenn sie das lindgrüne Frühstück auf dem Tablett hereinträgt. Sie sieht Nina sehr ähnlich, wenn sie auch blond ist. Wahrscheinlich ist es ihr Mund.</p>
<p>Ich schließe die Augen und atme sehr langsam. Sie wird mich wecken, denke ich, bevor sie wieder geht. Und wenn sie sich zu mir herunterbeugt, werde ich sie berühren. Meine Hand wird ihr etwas erzählen: von einem, der durch Fenster hinausgeht und im Fallen die Luft zerteilt mit seinen Armen, weil er noch immer den Traum vom Fliegen träumt. Da war eine Fahrkarte, ein Glas, eine auseinander genommene Uhr, Zahnrädchen, verstreut auf dem Tisch, rings um die Feder, die entspannt dalag, entspannt, entspannt, endlich entspannt neben dem leeren Gehäuse.</p>
<p>Aber sie will nichts wissen davon und schleicht sich hinaus wie all die anderen fremden Feiglinge, die sich vorm Fliegen fürchten und vor denen, die morgens keine Furcht kennen vor dem Flügelschlagen über der Straße.</p>
<p>Wie fremd ihr mir seid, konnte ich nicht ahnen. Selbst mein Herz ist ein Fremder in mir und schlägt einen Rhythmus, nach dem ich nicht tanzen kann. Ich erinnere mich noch an den, der ich war in den taglauten Nächten, doch mein Gedächtnis ist narbig wie der kahle Schädel des Mondes.</p>


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		<itunes:explicit>no</itunes:explicit><itunes:subtitle>/Daniel/ Dr. Anthony trägt auf der Stirn ein Heftpflaster. Psychiatrischer Selbstversuch, sagt er: Habe die Seele gesucht. Ich, sage ich, schraube meinen Kopf auf, auseinander wie eine Kokosnuß. Jeden Abend. Meine Seele ist da. Ich würge sie. Jeden Abend.</itunes:subtitle><itunes:author>Benjamin Stein</itunes:author><itunes:summary>/Daniel/ Dr. Anthony trägt auf der Stirn ein Heftpflaster. Psychiatrischer Selbstversuch, sagt er: Habe die Seele gesucht. Ich, sage ich, schraube meinen Kopf auf, auseinander wie eine Kokosnuß. Jeden Abend. Meine Seele ist da. Ich würge sie. Jeden Abend. Aber sie bleibt am Leben. Sie streunt umher auf verlassenen Gates riesiger Flughäfen und schwebt durch [...]</itunes:summary><itunes:keywords>Prosa, Daniel II, Ein anderes Blau</itunes:keywords><feedburner:origLink>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2Fblau%2Fdr-anthony%2F&amp;seed_title=Dr.+Anthony</feedburner:origLink><enclosure url="http://feeds.feedburner.com/~r/turmsegler/blau/~5/105875861/1-12%20Daniel%20-%20Dr.%20Anthony.mp3" length="0" type="" /><feedburner:origEnclosureLink>http://turmsegler.podspot.de/files/1-12%20Daniel%20-%20Dr.%20Anthony.mp3</feedburner:origEnclosureLink></item>
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		<title>Ich soll erschossen werden</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2007 22:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Ich soll erschossen werden. Eben habe ich es erfahren, von einem müden, von all dem recht unberührten Sergeanten, der die Botschaft zwischen den Zähnen hervorpreßte. Er stockte nicht ein einziges Mal in seiner Rede, von der ich nur behielt: Standrecht, am frühen Morgen, Tod durch Erschießen. Als er verstummt war und ich ihn wohl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Ich soll erschossen werden. Eben habe ich es erfahren, von einem müden, von all dem recht unberührten Sergeanten, der die Botschaft zwischen den Zähnen hervorpreßte. Er stockte nicht ein einziges Mal in seiner Rede, von der ich nur behielt: Standrecht, am frühen Morgen, Tod durch Erschießen. Als er verstummt war und ich ihn wohl sehr verständnislos ansah, schien er aufs Äußerste verwirrt und schnitt eine nervöse Grimasse, die sein Gesicht entstellte.</p>
<p>Ich versuchte ein erstes und letztes Mal, mir ein Bild zu machen von meiner Umgebung: der feuchten Zelle und dem Sergeanten, der mitten darin stand und sich nicht bewegte. Mir wollte aber kein Bild mehr gelingen. Es schien, als würden die Zellenwände zur Unendlichkeit hin auseinanderrücken und der Sergeant von einer geheimen Kraft vom Boden abgehoben und in den endlos und schwarz aufklaffenden Raum entrückt, so daß er immer undeutlicher zu sehen war und sich schließlich ganz auflöste.</p>
<p>Als ich wieder zu mir kam, hatte der Sergeant die Zelle bereits verlassen, der Schließer die Tür verriegelt. Ich war allein. Und noch war alles in mir ruhig, rührte sich nichts. Erst, als ich meine Hand an die feuchtkalte Wand der Zelle legte, nüchtern bedachte, daß es ungefähr gegen sechs Uhr abends sein mußte, da erst wurde mir klar, daß das Urteil nun unabänderlich feststand und mir bis zum Morgen nur noch wenige Stunden bleiben würden.</p>
<p>Ich will nicht den Helden spielen, doch diese Entdeckung warf mich nicht um. Ich hatte von Anfang an gewußt, wie es enden konnte oder gar mußte: vor den Abgründen der Gewehrläufe eines Erschießungskommandos.</p>
<p>Es schien mir, als hätte ich mich seit Jahrhunderten nicht mehr bewegt. Ich versuchte aufzustehen, doch es ging nicht. Ich war wie gelähmt und blieb auf dem kalten Betonfußboden sitzen. Durch die Gitterstäbe des Fensters konnte ich den Himmel sehen. Aber auch er war leer, und ich hätte lange warten müssen, daß er sich wieder füllt. Das wäre ein Warten gewesen wie das meiner Großmutter über drei Monate zwischen ihren beiden Toden.</p>
<p>Sie setzte sich früh ans Fenster und blieb dort reglos hocken. Sie starrte aus dem Fenster, doch es machte den Eindruck, als berühre sie gar nicht, was auf der Straße, über die wir gekommen waren, vor sich ging, ja als nähme sie es nicht einmal wahr. So saß sie dort nach ihrem ersten Schlaganfall, dem ein Vierteljahr später ein zweiter folgte, der sie fortholte von diesem Fenster.</p>
<p>Aber vielleicht war es auch anders gewesen. Jemand hatte sie bemerkt, und es erschien eines Tages ein bewaffneter Trupp, und jemand in Zivil zeigte eine Blechmarke und forderte sie auf, ihr provokatives Sitzen aufzugeben. Aber sie tat es nicht, und sicher haben sie sie mitgenommen, denn sie konnten nicht dulden, wie sie dort saß. Ich sah sie nicht wieder.</p>
<p>Auch mein Warten wird nicht länger geduldet. Der Himmel füllt sich nicht. Und die Zeit ist abgelaufen, wenn die Nacht vorüber ist. Es wird nicht mehr lange dauern. Der Schließer wird die Zellentür öffnen. Man wird mich holen.</p>
<p>Ich sehe das alles ganz deutlich vor mir. So und so wird es sein, denke ich. Es erschreckt mich nicht einmal, daß mich das alles nicht ängstigt, sondern daß ich unbeteiligt daran scheine oder gar in Erwartung. Wie an manchen der vergangenen und fast vergessenen Sommerabende in der Stadt, wenn ich mich ins Kino setzte, um zum weißichwievielten Male Ornella Muti im »Taubenhaus« zu sehen. Da war ihr verängstigtes Gesicht in der Szene mit der vom Ventilator zerstückelten Taube. Das machte mich leiden, ein Gefühl, dem ich mich ganz hingab.</p>
<p>Als es schließlich soweit ist, zwei Soldaten in die Zelle treten, um mich zu holen, da fühle ich ihren Griff nicht. Sie führen einen Toten weg, denkt es in mir. Der Zellengang scheint kein Ende zu nehmen, geht mir noch ein letzter Gedanke durch den Kopf. Dann höre ich langsam auf zu sehen, zu riechen, zu schmecken. Ich höre auf mit mir.</p>
<p>Noch einmal werde ich wach. Das ist der Moment, als sie anlegen. Gleich werden sie über dich herfallen mit ihren Kugeln, denke ich. Dann dringen mir die Geschosse ins Fleisch, narben die Wand. Es ist, als würden in meinem Innern Gefäße flüssigen Metalls ausgegossen. Es ist dunkel.</p>
<p>Sekunden später nur höre ich eine Stimme, die mich ruft: Was tust du da? Und ein Lachen.</p>
<p>Warum, frage ich mich, lacht sie? Ich bin erschossen worden! rase ich hinaus, und ich taste meinen Körper ab nach den Wunden, die mir die Kugeln ins Fleisch gerissen haben mußten. Aber es sind keine dort.</p>
<p>Ich hatte am Fenster gesessen. Das wird nicht geduldet.</p>


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		<title>Vor dem Nachbareingang parkt ein Möbelwagen</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2007 19:18:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Vor dem Nachbareingang parkt ein Möbelwagen. Dahinter steht ein LKW mit roter Aufschrift auf einer grauen Plane: Pianotransporte.
Es ist noch nicht einmal zwei Wochen her, seit meine Nachbarin ins Altenheim gezogen ist. Sie hatte eine Annonce in die Zeitung gesetzt. Es war ein Kommen und Gehen. Fast alles hat sie verschenkt: Schränke, Wäsche, Geschirr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Vor dem Nachbareingang parkt ein Möbelwagen. Dahinter steht ein LKW mit roter Aufschrift auf einer grauen Plane: Pianotransporte.</p>
<p>Es ist noch nicht einmal zwei Wochen her, seit meine Nachbarin ins Altenheim gezogen ist. Sie hatte eine Annonce in die Zeitung gesetzt. Es war ein Kommen und Gehen. Fast alles hat sie verschenkt: Schränke, Wäsche, Geschirr und Bücher. Was sie behielt, paßte auf einen kleinen Pritschenwagen. Es ist mein letzter Umzug, sagte sie. Was brauche ich noch?</p>
<p>Sie zog um mit einem Dutzend Bücher, einem Tisch, ihrem Bett, einem Schrank, drei Koffern und fünfzehn Uhren. Sie hatte die ganze Zeit in zwei Kisten gesperrt. Nur die Standuhr, deren Pendel seit Jahren stillstand, hatte sie verschenkt.</p>
<p>Sie wirkte heiter. Der Fahrer half ihr auf den Beifahrersitz des kleinen Lasters. Ich war erstaunt, daß es ihr gelang, dort hinaufzuklettern. Sie winkte mir zu. Das ist wie ein Thron, sagte sie.</p>
<p>Es ist ein Kommen und Gehen. Mir machen diese Dinge Angst. Noch nicht einmal zwei Wochen sind vergangen, seit meine Nachbarin auf dem Thron davonfuhr mit dem wenigen, das ihr geblieben war, und zwei Kisten voll Zeit.</p>
<p>Jetzt bringen die Möbelträger andere Uhren ins Haus. Und in ihrem Rücken lauert ein LKW mit roter Aufschrift auf einer grauen Plane: Pianotransporte.</p>


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		<title>Der Möbelwagen kam schon früh am Morgen</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2007 22:01:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nina</category>
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		<description><![CDATA[/Nina/ Der Möbelwagen kam schon früh am Morgen. Christa hatte gesagt, ich könnte ruhig zur Schule gehen. Und ich war ganz froh darüber, dem Trubel zu entkommen. Die letzte Woche war ohnehin aufregend genug gewesen. Wir hatten alles in Kisten verpackt: Geschirr, Wäsche, Bücher, allen möglichen Krimskrams. Was da so zum Vorschein gekommen ist, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nina/ Der Möbelwagen kam schon früh am Morgen. Christa hatte gesagt, ich könnte ruhig zur Schule gehen. Und ich war ganz froh darüber, dem Trubel zu entkommen. Die letzte Woche war ohnehin aufregend genug gewesen. Wir hatten alles in Kisten verpackt: Geschirr, Wäsche, Bücher, allen möglichen Krimskrams. Was da so zum Vorschein gekommen ist, und was wir alles weggeworfen haben. Da habe ich erst bemerkt, was so ein Umzug bedeutet, weniger vom Aufwand her, eher vom Gefühl. Ich meine diesen Wagemut, sich von verschiedenen Dingen zu trennen, an denen man immer zu hängen glaubte.</p>
<p>Das waren so Dinge wie die kleine weiße Porzellanschale, die Vater als Aschenbecher benutzt hatte und die seit der Scheidung nutzlos im Küchenschrank stand. Es rauchte ja keiner von uns. Aber Christa hatte sie nie wegwerfen wollen, obwohl sie wirklich nicht schön und schon angeschlagen war. Jetzt aber kam sie in den Müll. Und wie sie sie wegwarf – nach einem kurzen Zögern, doch dann mit einer ganz resoluten Bewegung. Wenn der Umzug nicht gewesen wäre, hätte sie die Schale im Küchenschrank stehen lassen. Vielleicht nur, um sich ab und an wieder ein Bild zurückzurufen, das schwer zurückzurufen sein mußte. Denn zu dieser weißen Porzellanschale gehörte eine Zigarette, eine von denen, die Vater geraucht hatte. Und wenn sie die sah, fiel ihr vielleicht auch wieder ein, wie er sie gehalten hatte, und seine Hand, Vater, wie er rauchte, während er an unserem Küchentisch saß, der nun auch einen anderen Platz bekommen würde.</p>
<p>Ich habe Christa genau beobachtet, als sie den kleinen Aschenbecher wegwarf, nachdem sie ihn einen Moment betrachtet und in der Hand gewogen hatte, wie um herauszufinden, ob er schwer genug wog für sie, um ein Recht darauf zu haben, an den neuen Ort hinübergerettet zu werden. Aber dann warf sie ihn doch weg, als würde sie etwas wegwischen. Und ich dachte: vielleicht sollte man öfter umziehen.</p>
<p>Der Möbelwagen war schon früh am Morgen gekommen. Christa und der Schauspieler halfen, die Kisten aufzuladen. Das Klavier sollte erst gegen Mittag abgeholt werden. Ich könnte ruhig zur Schule gehen, sagte Christa. Und als ich mich verabschiedete, umarmte sie mich und gab mir einen Kuß. Das tat sie sonst nicht, wenn ich morgens zur Schule ging. Und an diesem Morgen war ich froh darüber, daß sie es tat. Es war wie ein Versprechen.</p>
<p>Als ich nach der Schule zu unserer neuen Wohnung kam, war der Möbelwagen schon wieder fort. Von der Straße aus deutete nichts darauf hin, daß heute jemand hier eingezogen war. Nur das provisorische Pappschild hätte auffallen können, das der Schauspieler an der Eingangstür zu dem kleinen Garten vor unserem Haus angebracht hatte und auf dem mit seiner dekorativen Handschrift unsere Namen standen: Lang und Lange. Ich mußte lächeln bei dem Gedanken, daß Christa sich nur ein »e« anheiraten würde. Ein einziger Buchstabe würde den Unterschied ausmachen. Wer weiß, ob überhaupt jemand unter unseren ferneren Bekannten die Veränderung bemerken würde, wenn wir es ihnen nicht sagten.</p>
<p>Ich mochte noch nicht in die neue Wohnung gehen und blieb noch einen Moment vor dem Haus stehen. Es ist ein Backsteinbau, ein Zweifamilienhaus aus den sechziger Jahren, die Vorderfront bis hoch zur Dachrinne von Efeu überwuchert. Im Vorgarten wachsen Disteln und Löwenzahn.</p>
<p>Unser Nachbar hat einen eigenen Hauseingang. „D. Klein“ steht auf dem weißen Emailschild an seiner Tür. In diesem Teil des Hauses waren die Fenster mit Jalousien verhängt, deren schräg angestellte Lamellen den Blick in die Zimmer versperrten. Das hatte etwas Verschleierndes, auf gewisse Art Geheimnisvolles, ganz wie das „D.“ auf dem Schild, das den Namen nur andeutete. Ich überlegte, was dieses „D.“ bedeuten könnte. Doch ich kam auf keinen Namen, den ich für möglich gehalten hätte.</p>
<p>Warum überhaupt sah ich mir das alles so genau an? Es spielte ja doch keine Rolle, ob es mir gefiel. Ich würde hier wohnen müssen, ob ich wollte oder nicht. Deswegen hatte ich auch nicht mitgehen wollen, als Christa und der Schauspieler sich mit dem Makler trafen, um die Wohnung anzusehen. Vielleicht hätten sie mich ja sogar nach meiner Meinung gefragt. Aber am Ende wäre es dann doch ganz allein ihre Entscheidung gewesen. Da war es mir lieber, erst hierher zu kommen, wenn ich genau wußte, daß nichts mehr zu ändern war.</p>
<p>Schließlich klingelte ich doch an unserer Tür. Der Schauspieler öffnete, sagte nur Hallo und ging gleich wieder daran, Kisten auszupacken, Regale aufzustellen und mit Christa die Schränke einzuräumen. Sie waren schon recht weit. Das wunderte mich, wie schnell sie sich einrichteten. Aber sie hatten Tage zuvor ja schon stundenlang diskutiert, wie sie unsere und Henrys Möbel stellen würden.</p>
<p>In der unteren Etage gibt es neben Küche und Bad nur einen Raum, der das Wohnzimmer werden soll. Vom Flur aus führt eine breite Wendeltreppe hinauf in die zweite Etage. Hier gibt es zwei Zimmer: das neue gemeinsame Schlafzimmer der beiden und den Raum, der mir gehören soll. Christa sagte, ich solle gleich hinaufgehen und es mir ansehen. Das Klavier hätten die Möbelträger unter Flüchen schon nach oben gebracht.</p>
<p>Ich ging nicht sofort hinein, sondern stand noch eine ganze Weile vor der Tür meines ersten eigenen Zimmers. Doch als ich dann vorsichtig die Klinke hinuntergedrückt hatte und die Tür langsam, Stück für Stück, öffnete, wußte ich mit einem Mal, daß ich dieses Haus wirklich mochte. Daß ich die Wohnung mochte und mein erstes eigenes Zimmer, das wie durch ein Wunder genau so war, wie ich es mir gewünscht hatte – direkt unter dem Dach mit von der Türseite aus schräg abfallender Decke. Es hat zwei Dachfenster, durch die der Himmel geradezu hereinzufallen scheint, und an der Giebelseite ein französisches Fenster mit einem alten schmiedeeisernen Gitter. An der Wand gegenüber dem großen Fenster, an die die Nachbarwohnung grenzen muß, stand das Klavier, mitten im Raum meine Liege und ringsherum die Kisten, in denen ich meine Sachen für den Umzug verstaut hatte.</p>
<p>Ich schloß die Tür und ging langsam in meinem neuen Reich umher. Etwa vier Meter sind es von der Tür bis zur gegenüberliegenden Wand, fünf vom Fenster aus bis zum Klavier. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie das Zimmer mit allen Möbeln aussehen würde. Der Schreibtisch, den Christa mir abgetreten hatte, sollte ans Fenster. Den kleinen Schrank und die Regale, die wir gekauft hatten, würde ich auf die Türseite stellen und das Bett an die Wand gegenüber der Tür, so daß ich im Liegen aus dem Dachfenster in den Himmel sehen könnte.</p>
<p>Ich ließ mich auf meine Liege fallen, verschränkte die Hände unter dem Kopf und sah durch das kleine Fenster über mir hinaus auf die Wolken. Kaum bist du hier, dachte ich, fängst du an zu träumen.</p>
<p>Mir gefiel dieser Raum, und ich würde ihn in Besitz nehmen, das wußte ich, ihn okkupieren, mit Beschlag belegen und etwas aus ihm machen, das ganz und gar mir und nur mir gehört.</p>


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		<title>Es ist eine felsige Gegend</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2007 22:19:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Es ist eine felsige Gegend. Ich stehe auf einem Plateau und kann die ganze Umgebung überblicken: steil aufragende Granitwände, Felsschroffen. Pflanzen wachsen hier nicht mehr. Das Atmen fällt mir schwer, aber ich habe einen guten Ausblick.
Wie lange ich gebraucht habe, um bis hier hinauf zu kommen, kann ich nicht sagen, nur, daß es ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Es ist eine felsige Gegend. Ich stehe auf einem Plateau und kann die ganze Umgebung überblicken: steil aufragende Granitwände, Felsschroffen. Pflanzen wachsen hier nicht mehr. Das Atmen fällt mir schwer, aber ich habe einen guten Ausblick.</p>
<p>Wie lange ich gebraucht habe, um bis hier hinauf zu kommen, kann ich nicht sagen, nur, daß es ein beschwerlicher Aufstieg war. Ich habe mir die Fingernägel abgebrochen, als ich mich im Stein festzukrallen versuchte; und am ganzen Körper habe ich Abschürfungen. Das kommt von den Rückschlägen, wenn ich keine Vorsprünge fand, an denen ich mich hätte festhalten können, und abrutschte, ein Stück hinabglitt am Felsen, bis ich mit meinen Füßen wieder einen Halt fand. Besonders schlimm hat es meine Hände getroffen. Die Fingerkuppen sind offen, und auf den Handflächen zeichnen sich braunschwarze Linien geronnenen Blutes ab wie vertrocknete Arme eines Flußdeltas. Auch der Stoff meiner Hose über den Knien ist zerrissen, und ich spüre einen stechenden Schmerz von dorther, als wäre ein Dorn hineingebohrt, der sich rhythmisch bewegt, mit jedem Pulsieren des Blutes tiefer hineingeschlagen wird.</p>
<p>Aber ich habe es geschafft, sage ich mir. Zumindest glaube ich das. Immerhin bin ich bis zu diesem Plateau gekommen und kann einen Moment ausruhen.</p>
<p>Ich sollte nicht hinuntersehen in den Abgrund, denke ich. Aber ich merke, daß ich nicht anders kann. Ich muß hinuntersehen, bis mir schwindlig wird. Ich glaube, das sind meine Augen. Sie sind es, die immer in die Abgründe sehen wollen. Was sie sehen, ist schrecklich. Immer ist es das gleiche: Sie wollen dann das Schreckliche nicht, sondern abgewandt sein. So können sie die Qual loswerden. Mir aber wird schwindlig, denn ich kann nicht vergessen, was meine Augen mir gezeigt haben.</p>
<p>Ich muß weiter, denke ich und wende mich um. Das Plateau erstreckt sich weit vor mir. Es wird nicht mehr schwierig sein, weiter vorwärts zu kommen. Nur ganz fern ragt eine weitere Felswand auf, von der ich nicht sicher bin, ob es mich, wenn ich dort angekommen bin, noch treiben wird, auch sie zu erklimmen. Ich muß an die Luft denken und an den Schmerz in meinem Knie. Während des Aufstiegs hatte ich ihn in meiner Angst vor einem Absturz kaum bemerkt. Jetzt aber ist die Gefahr vorüber. Ich bin auf dem Plateau und kann ihn nicht mehr wegängstigen. Er ist da und erschwert mir das Gehen. Ich humpele.</p>
<p>Zum Glück entdecke ich keinen Menschen weit und breit. Das wäre gefährlich. Aber es ist niemand da. Ich kann beruhigt sein und weiter suchen nach dem, von dem ich nicht weiß, was es ist, nur, daß ich es nirgendwo anders als hier finden kann. Nur deshalb habe ich den Aufstieg gewagt. Es ist eine Sehnsucht. Ich muß weiter suchen, darf damit nicht aufhören, nicht innehalten. Was ich suche, hat immer einen Vorsprung vor mir. Und es ist beweglich. Wenn ich ihm nicht beständig auf den Fersen bleibe, da ich es nun einmal nahe weiß, wird es mir schnell wieder entgleiten und vielleicht für immer fort sein und unerreichbar.</p>
<p>Bin ich nicht aber wie gefangen auf diesem Plateau? Ringsum der Abgrund, und nur an einer Stelle gibt es ein Weiterkommen. Es ist eine schmale Brücke, die über die Schlucht hinwegführt. Dorthin, denke ich, muß ich. Dort kann ich weiter.</p>
<p>Wie schön diese Brücke ist! Eine ausgeklügelte Konstruktion aus mahagonifarbenen Holzbalken, denen ein Geruch entströmt von… Was ist das? Thymian und Zimt? Genau kann ich es nicht sagen. Aber ich vertraue dieser Brücke. Über sie werde ich gehen, sage ich mir und wage den Schritt.</p>
<p>Die Brücke bebt unter mir, und ich ahne es, ja, ich weiß, daß du es bist, meine Freundin, über die ich gehe. Die Holzbalken sind verwandelt. Lebendiges Fleisch ist das nun unter meinen Füßen. Ich weiß, meine Freundin, ich gehe auf dir. Du zitterst. Und ich weiß: Es ist Freude und Angst, daß du zu weinen anfängst. Du ahnst schon, daß du mich nicht wirst halten können, daß es nicht gut ausgehen kann. Beinahe hätte ich sogar noch meinen Schuh auf deinen Nacken gesetzt. Dein Weinen jedoch hat mich verunsichert. Und so zögere ich, weiterzugehen, denn ich will dich nicht quälen.</p>
<p>Ich hätte dieser Brücke nicht trauen dürfen. Jetzt weiß ich es. Wir sind gestürzt, und es ist ein Wunder, daß wir noch leben. Wir sehen uns nicht in die Augen. Das würde Erinnern bedeuten. Wir könnten Vorwurf entdecken im Blick des andern. Und wir glauben doch, vergessen zu müssen und Vorwürfe nicht zu brauchen.</p>
<p>Wir müssen fortgehen von diesem Ort. Wir müssen einander allein lassen, schnell, und gehen. Du nennst es Flucht, aber ich werde wieder hinaufsteigen bis zum Plateau. Vielleicht werde ich wieder zu einer Brücke kommen, und sie mag sogar halten.</p>
<p>Ich, sagst du, liebe das warme Fleisch voller Angst unterm Fuß. Überm Abgrund hängen die Träume.</p>


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		<title>Als ich vor der Klasse stand</title>
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		<comments>http://turmsegler.net/blau/als-ich-vor-der-klasse-stand/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 28 Mar 2007 04:54:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Als ich vor der Klasse stand, war es nicht mehr ganz so schlimm. Ich sagte mir: Unterrichte und denke nicht an den Herbstwind, der draußen geht. Fast glückte es mir. Ein paarmal nur sah ich aus dem Fenster, während die Klasse schrieb, beobachtete die Leute, die den Gehweg entlang hasteten, und sah den Autos [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Als ich vor der Klasse stand, war es nicht mehr ganz so schlimm. Ich sagte mir: Unterrichte und denke nicht an den Herbstwind, der draußen geht. Fast glückte es mir. Ein paarmal nur sah ich aus dem Fenster, während die Klasse schrieb, beobachtete die Leute, die den Gehweg entlang hasteten, und sah den Autos hinterher, die durch die Allee fuhren und die leeren Stachelgehäuse der Kastanien zerdrückt zurückließen.</p>
<p>Nach dem Unterricht kochte ich mir im Lehrerzimmer einen Kaffee und korrigierte eine Vokabelarbeit, die ich am Vormittag hatte schreiben lassen. Ich hatte nicht viel Arbeit damit. Gegen halb drei war ich fertig, sammelte meine Sachen zusammen und nahm den Mantel.</p>
<p>Auf dem Flur sah ich Franziska mit einer Schülerin sprechen. Ich nickte ihr zu und ging schnell an ihnen vorüber in Richtung Treppe. Ich hoffte, sie würde das Gespräch nicht gleich beenden können. Sicher würde sie vorschlagen, in der Stadt essen zu gehen. Doch ich wollte nicht mit ihr reden.</p>
<p>Wir nennen uns Freunde, aber das verschleiert nur die eigentliche Art unserer Beziehung, in der nichts weiter vorgeht, als daß wir ab und an miteinander schlafen. Und mehr ist es wirklich nicht. Nie gehen wir gemeinsam aus, schon um nicht zufällig von unseren Schülern oder Kollegen zusammen gesehen zu werden. In der Schule grüßen wir einander wie andere Kollegen auch. Ich sage ihr immer, es wäre besser, wenn niemand von unserer Beziehung weiß. Das würde Gerede vorbeugen. Doch es ist nur ein Vorwand, um ihr nicht sagen zu müssen, was ich wirklich denke. Ich mag sie nicht. Ihre Zärtlichkeiten sind wie eine Zigarette, die man raucht, und dann ist es gut. Mehr ist nie gewesen, zumindest nicht von meiner Seite.</p>
<p>Bei ihr ist es etwas anderes. Jeder Besuch bei mir nährt ihre Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft, was aber bloße Illusion ist. Ich habe ihr das auch gesagt, doch sie will nichts davon hören. Es nutzt nicht einmal, wenn ich zu ihr sage: Geh, du bist mir zuwider, komm nicht mehr. Sie weint dann, zieht sich an und geht. Nach ein, zwei Wochen aber ist ihr Blick wieder derselbe, und sie kommt zu mir und umarmt mich, als hätte es meine Demütigungen nie gegeben.</p>
<p>Ich weiß nicht, wozu es gut ist. Statt sie fortzuschicken, lasse ich zu, daß alles von vorn beginnt, obwohl ich weiß, wo es nach kurzer Zeit wieder enden wird. Keine Schlußpunkte, nur Gedankenstriche, Pausen und nichts Endgültiges.</p>


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		<title>Ich hatte mich auf den Umzug gefreut</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2007 05:10:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Nina</category>
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		<description><![CDATA[/Nina/ Ich hatte mich auf den Umzug gefreut, auf die neue Wohnung, mein erstes eigenes Zimmer. Wer weiß, wie viele Male ich es in Gedanken schon eingerichtet habe, auf immer andere Weise, wie lange ich schon davon träume, in dieses Zimmer einzuziehen.
Ich erinnere mich gut, wie oft sich meine Vorstellungen davon gewandelt hatten im Laufe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Nina/ Ich hatte mich auf den Umzug gefreut, auf die neue Wohnung, mein erstes eigenes Zimmer. Wer weiß, wie viele Male ich es in Gedanken schon eingerichtet habe, auf immer andere Weise, wie lange ich schon davon träume, in dieses Zimmer einzuziehen.</p>
<p>Ich erinnere mich gut, wie oft sich meine Vorstellungen davon gewandelt hatten im Laufe der Zeit. Einmal stellte ich mir alte Möbel vor, ein anderes Mal ganz moderne, einmal Tapeten ohne Muster, ein andermal mit. Oder ich nahm mir vor, die Wände mit geometrischen Figuren zu bemalen. Ich hatte sogar überlegt, welche Bilder man kaufen könnte und lange nach etwas Passendem gesucht. Gekauft habe ich nichts. Vielleicht, dachte ich dann immer, würde es ja ein dunkles Zimmer sein, in dem so ein Bild gar nicht zur Geltung käme. Aber vorgestellt, vorgestellt hatte ich mir mein Zimmer unzählige Male. Und immer hatte es ein anderes Gesicht.</p>
<p>Platz mußte sein für das Klavier und die Bücher. Mehr wollte ich gar nicht. Es würde phantastisch sein. Ich könnte üben, ohne daß ständig Türen klappten, jemand umherlief, Christa oder der Schauspieler, Geschlurfe, Geflüster, das einem den Nerv tötet, alle Konzentration raubt.</p>
<p>Früher ging es ja, als ich noch mit Christa allein war. Sie hat in der Küche gesessen und gearbeitet, wenn ich übte. Das machte ihr nichts. Aber seit der Schauspieler bei uns wohnt, ist es schlimm. Er heißt Henry, und sie schläft mit ihm. Sie lieben sich, sagen sie. Zumindest halten sie einander fest, seit sie sich kennengelernt haben. Das war vor einem halben Jahr. Vielleicht ist es auch ein wenig länger her.</p>
<p>Christa war zu einer Premiere ins Theater gefahren. Sie sollte eine Rezension schreiben. Das Stück kam nicht gut weg, aber einer der Schauspieler. Den fand sie sehr überzeugend in seiner Rolle. Nach der Vorstellung hat sie sich noch mit ihm unterhalten und muß ihn wohl auch sehr beeindruckt haben. Jedenfalls kam sie erst nach Mitternacht nach Hause.</p>
<p>Ich hatte mich im Nachthemd in die Küche gesetzt, aus dem Fenster gestarrt und gewartet. Als schließlich ein Taxi vorm Haus hielt, stieg schnell ein Mann aus und half Christa aus dem Auto. Es war nicht der Taxifahrer. Vielleicht ein Kollege, dachte ich. Sie sprachen ziemlich laut und lachten. Er brachte sie noch zur Haustür. Jetzt werden sie sich umarmen, dachte ich. Sicher wird er versuchen, sie zu küssen, dachte ich auch. Denn daß sie nach dem Stück noch irgendwo ausgewesen sein mußten, war doch klar – so ausgelassen beide und er so galant.</p>
<p>Vielleicht, dachte ich, fragt er auch, ob er nicht noch einen Moment mit hinaufkommen könne. Diese Szene sah ich richtig vor mir. Und sie würde sagen: meine Tochter… Und ihn vertrösten.</p>
<p>Ich ging ins Bett. Kurz darauf hörte ich Christa die Treppe heraufkommen. Sie hatte Schwierigkeiten beim Aufschließen. Bestimmt haben sie Wein getrunken, dachte ich. Als sie im Korridor Licht machte, rollte ich mich im Bett zusammen und stellte mich schlafend. Sie würde sicher nach mir sehen, und ich wollte nicht mit ihr reden müssen, wenn sie getrunken hatte. Ich schlief auch gleich ein und hörte sie nicht mehr kommen.</p>
<p>Am nächsten Morgen arbeitete sie schon, als ich aufstand. Die Rezension mußte fertig werden. Sie hatte sich Milch aufgesetzt. Also hatte ich recht gehabt, dachte ich, sagte nur Guten Morgen und verschwand im Bad. Wir sprachen nicht über den Abend. Bestimmt weiß sie bis heute nicht, daß ich sie beobachtet habe.</p>
<p>Ein paar Tage später kam er das erste Mal zu uns. Christa stellte uns einander vor, und ich sagte: Ich glaube, ich kenne ihn schon von irgendwo her. Aber sie hat auch das nicht verstanden.</p>
<p>Er hat mich gleich geduzt und meinte, ich solle ihn Henry nennen. Mir kam das merkwürdig vor, aber ich sagte nichts weiter. Für mich ist er nur „der Schauspieler“. Denn er spielt alles, sogar sich selbst.</p>
<p>Ich weiß nicht, was Christa an ihm findet. Er redet immer so laut, so gut artikuliert, wie auf der Bühne. Man weiß nicht, ob er nicht vielleicht eine Rolle übt, wenn er mit einem spricht. Wenn er Nina zu mir sagt, kommt es mir vor, als deklamiere er mit Genuß vier Buchstaben, irgendein Wort, einen Begriff, nur nicht meinen Namen. Manchmal tut er mir leid. Er kann scheinbar überhaupt nicht natürlich sein. Oder ist das vielleicht seine Natur? Dann frage ich mich erst recht, was sie an ihm findet. Vielleicht ist er ein guter Liebhaber.</p>
<p>Er war dann immer öfter bei uns und blieb auch über Nacht. Christa und er schliefen im Wohnzimmer auf der Couch. Zu zweit muß es dort ganz schön eng sein. Aber das ist ja gut so und gefällt ihnen. Manchmal bin ich nachts aufgewacht und habe sie gehört. Es war, als würde ich daneben stehen. Er stöhnte laut, und Christa schien leise zu weinen. Am Ende klang es wie ein Aufschrei. Die Stille danach war bedrückend.</p>
<p>Einmal habe ich es ihr gesagt: Ich habe euch gehört heute nacht. Sie ist doch tatsächlich rot geworden. Aber sie hat gelächelt, mich umarmt und gesagt: Ich liebe ihn, Nina, ich liebe ihn wirklich.</p>
<p>In diesem Moment fühlte ich mich nicht wie sechzehn, sondern wie ein ganz kleines Mädchen in Muttis Armen. Es war schön dort, warm. Wir waren uns nah, und ich hätte sie am liebsten fester und fester gedrückt, sie gar nicht mehr fortgelassen. Wie ein kleines Mädchen. Dabei hatte sie zum ersten Mal seit langem ganz offen mit mir gesprochen, wie von Frau zu Frau, und ich glaubte ihr, was sie sagte. Ich glaubte ihr wirklich. Nur verstehen konnte ich es nicht.</p>
<p>Der Schauspieler hat mir noch nie in die Augen gesehen. Wenn er mit mir spricht, sucht sein Blick irgendeinen Punkt im Raum, über meinem Kopf oder ganz woanders. Doch in die Augen hat er mir noch nie gesehen. Immer wirkt er unehrlich, alle Rede und jede Geste einstudiert, Routine, abrufbar. Schon seit der ersten Nacht, als er Christa mit dem Auto nach Hause gebracht hat, mag ich ihn nicht. Aber ich hoffe immer, daß sie es nicht merkt. Sie soll glauben, daß ich froh bin über ihr Glück.</p>
<p>Seit zwei Monaten ist er fast täglich da, auch tagsüber, wenn Christa in der Redaktion ist. Er geht im Wohnzimmer auf und ab und lernt Rollen. Wenn ich üben will, geht er in die Küche. Aber er spricht so laut, daß ich es deutlich durch die Tür höre. Ich kann mich nicht konzentrieren, es ist schrecklich. Manchen Satz spricht er zehnmal und öfter, immer wieder.</p>
<p>Meist gehe ich dann aus, besuche Anja oder irgendwen anderen. Oder ich laufe einfach durch die Straßen. Wenn Christa kommt, unterhalten sie sich. Sie küssen sich, und man sieht ihre Zunge, flink wie die einer Schlange. Das regt mich wahnsinnig auf. Vielleicht nur, weil sie meine Mutter ist und ich weiß, daß er heimlich die Augen öffnet, während sie ihn küßt. Ich will ihnen nicht zusehen müssen. Ich komme mir überflüssig vor und mache in der Küche Hausaufgaben oder lese.</p>
<p>Er ist zärtlich zu ihr, denke ich. Dabei bin ich immer froh, wenn ich ihm nicht die Hand zu geben brauche, wenn wir uns Guten Tag sagen. Er hat so einen festen Händedruck. Fast tut er mir weh. Und die Berührung ist mir unangenehm, ohne daß ich genau wüßte warum.</p>
<p>Abends ist er im Theater. Dann setze ich mich ans Klavier und beginne ein paar Übungen. Doch meist höre ich schon nach kurzer Zeit wieder auf. Mir tut der Kopf weh. Die Hände wollen nicht. Es ist einfach zu spät.</p>
<p>Warum ist er tagsüber nicht in seiner Wohnung? habe ich Christa gefragt.</p>
<p>Er sagt, er liebt die Atmosphäre hier, dieses Zimmer. Stell dir vor: Ich sei anwesend, selbst wenn ich nicht hier bin. Das inspiriert ihn.</p>
<p>Aber ich kann nicht üben!</p>
<p>Er bemüht sich um eine größere Wohnung, sagte sie: Damit wir zusammenziehen können und du endlich ein eigenes Zimmer bekommst, in dem du ungestört bist.</p>
<p>Natürlich, dachte ich: Sie wollen zusammen bleiben, in eine Wohnung ziehen, vielleicht sogar heiraten. Aber ein eigenes Zimmer, das würde phantastisch sein. Ich könnte in Ruhe üben, ohne daß ständig Türen klappten, jemand umherlief, Christa oder der Schauspieler, Geschlurfe, Geflüster, das Gebetmühlengeklapper der immer und immer wieder geübten Sätze von Henrys Rollen.</p>
<p>Ich hatte mich auf den Umzug gefreut, schon wegen des Zimmers.</p>


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		<title>Ich merkte es sofort</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Mar 2007 22:07:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Ein anderes Blau</category>
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		<description><![CDATA[/Daniel/ Ich merkte es sofort, als ich aus dem Haus trat. Etwas hatte sich verändert. Ohne das geringste Zeichen einer Vorankündigung war eine Grenze gezogen und das unmerkliche Ende von etwas dem schroffen Beginn von etwas anderem gewichen. Und dieses andere bestimmte nun den Gang der Dinge.
Es war der Schneegeruch, ein unbestechlicher Bote. Er hob [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Daniel/ Ich merkte es sofort, als ich aus dem Haus trat. Etwas hatte sich verändert. Ohne das geringste Zeichen einer Vorankündigung war eine Grenze gezogen und das unmerkliche Ende von etwas dem schroffen Beginn von etwas anderem gewichen. Und dieses andere bestimmte nun den Gang der Dinge.</p>
<p>Es war der Schneegeruch, ein unbestechlicher Bote. Er hob sich heraus aus der Vielzahl der Gerüche dieses Morgens, hob sich heraus durch sein bloßes Dasein und ließ keinen Zweifel mehr zu. Es war Ende September. Der Sommer hatte endgültig ausgespielt, der Herbst unbarmherzig sein Regiment angetreten.</p>
<p>Gestern noch deutete nichts darauf hin. Es hatte keine Detonation gegeben. Still war sie vor sich gegangen, schleichend und so kaum wahrnehmbar, diese Veränderung der Natur. Doch nun war er da, der Schneegeruch. Schon sah ich Astskelette vor mir, zusammengefegte Berge faulenden Laubs, kümmerliche Seiten eines Buches, das die Natur im letzten Vierteljahr mit den grellen Farben einer absurden Geschichte beschrieben hatte und unter die sich die Igel flüchten würden, um den Winter schlafend zu überleben.</p>
<p>Ich mußte wach bleiben, konnte mich nicht zurückziehen in einen solchen Schlaf, lang, lang, ohne denken zu müssen, ohne etwas zu spüren und mich erst von den unverkennbaren Schwingungen des herankommenden Frühjahrs wieder wecken zu lassen.</p>
<p>Eines Tages, wußte ich, würde dieser Morgen kommen, mit der gleichen Unfehlbarkeit, mit der er jedes Jahr um diese Zeit gekommen war, vielleicht ein paar Tage früher oder später. Heute aber war es wie ein Überfall, traf mich so unerwartet, zu früh, zu unwiderruflich, mit solcher Strenge. Ich knöpfte den Mantel zu, zog den Hut tiefer und zündete eine Zigarette an, um den Schneegeruch nicht wahrnehmen zu müssen, ihn noch einmal loszuwerden, und sei es auch nur für den Augenblick. Das Unbeschwerte des Sommers hatte sich schon aus den Minuten verflüchtigt. Kälte würde einziehen in die Straßen, meine Kleider durchdringen, meine Haut, bis ins Innerste vordringen und es lähmen.</p>
<p>Aufkreischend quält sich die Straßenbahn um die Ecke. Ich werfe meine Zigarette fort. Sie verglimmt auf dem Straßenpflaster. Ich möchte mein Gesicht verstecken, den Mantelkragen hochschlagen, damit niemand mein Gesicht sehen kann. Ich wünschte, es wäre aus Stein, verschlossen und reglos, damit keiner daraus erfährt, daß ein Ereignis wie der Beginn einer neuen Jahreszeit mich verwirren kann.</p>
<p>Ich steige ein, finde noch einen freien Platz und sehe sofort angestrengt aus dem Fenster. Laß dich nicht ansehen, gib dich nicht preis, denke ich. Die Bahn füllt sich, an jeder Station steigen Leute ein, kaum einer aus. Ich wage ein erstes Mal, mich umzusehen.</p>
<p>Hatte ich erwartet, alle Augenpaare auf mich gerichtet zu finden? Niemand sieht mich an, keiner interessiert sich. Warum wundert es mich? Es ist doch nur wie jeden Morgen: Zeitungen, Bücher, hier und dort ein paar halblaute Gespräche. Wie mühelos sie fertigbringen, worum ich mich an diesem ersten Herbstmorgen verzweifelt bemühe: mir nicht in die Seele blicken zu lassen, unerkannt zu bleiben, von Fragen und Antworten verschont.</p>
<p>Mir gegenüber sitzt eine junge Frau, ein Kind auf dem Schoß. Ich sehe sie an, daß ich fürchte, sie müßte es sofort bemerken, und es müßte ihr unangenehm sein, so daß sie sich abwendet. Aber sie wendet sich nicht ab. In ihren Zügen sind nicht die untrüglichen Zeichen der Unruhe, die mich überfallen hat, heute morgen, als ich aus dem Haus trat, und die in meinen Augen glühen muß, ein Brennen. Da war nichts.</p>
<p>Immer mehr Menschen steigen zu, deren Gesichter ich genau betrachte. Ich suche nach einer Unruhe wie der, die sich in meinem Innern eingenistet hat. Doch ich finde nichts als die Angst einiger vielleicht, zu spät zu kommen, weil sie die vorige Bahn verpaßt hatten. Der Herbst scheint sie nicht zu rühren. Sie nehmen ihn unbekümmert hin wie einen leichten Windstoß, wie alles, das, seit sie denken können, war, wie es ist: kein Grund zur Aufregung.</p>
<p>Die Straßenbahn hält, und ich steige aus. Von der Haltestelle bis zur Schule ist es nicht mehr weit, zweihundert Meter durch eine von Kastanien gesäumte Allee. Ich gehe langsam, den Kopf gesenkt. Es ist kalt.</p>
<p>Jemand ruft meinen Namen. Ich zucke zusammen. Ein Pflasterstein fliegt in die Krone einer Kastanie und prallt dumpf gegen einen Ast. Ich ziehe den Kopf ein, und der Stein landet knapp vor meinen Füßen auf dem Pflaster. Es ist Kastanienzeit, und vor und nach der Schule treffen sich ein paar Jungen aus den mittleren Klassen in der Allee, um mit Stöcken und Steinen in die weit ausladenden Kronen nach Kastanien zu werfen. Meist brechen die stacheligen Gehäuse beim Herunterfallen auf, und man kann, ohne sich zu stechen, die Kastanien herausnehmen. Sie werden dann ausgiebig poliert und verschwinden in den Hosen- und Jackentaschen der Jungen.</p>
<p>Manche Freundschaft hatte so begonnen. Besonders die Mädchen freuen sich, wenn ihnen in der Pause einer der Jungen heimlich eine solche warmbraune Frucht zusteckt. Sie betrachten die vielfach verschlungenen Linien auf der glänzenden Haut der Kastanie, sind glücklich und wissen zu danken, mit Blicken oder einer flüchtigen Berührung, die das Herz rasen macht und die Gesichter rot. Sie können verführerisch sein. Und die Jungen gehen immer wieder unter die Bäume, für einen Blick, für den kurzen Moment, den sie die Mädchenhaut spüren würden. Sie kennen keine Gefahr, und es nützt nichts, ihnen Strafe anzudrohen, ihnen zu versichern, daß die Kastanien in ein paar Wochen von selbst herunterfallen werden. Ein paar Wochen später wäre es nichts Besonderes mehr, eine Kastanie zu besitzen, und das Geschenk würde nicht mit der gleichen Dankbarkeit angenommen werden wie heute.</p>
<p>Ich habe den kleinen Wächter nicht erkannt, und es ist mir recht so. Durchgefroren trete ich ins Schulhaus, laufe, um schnell warm zu werden, die Treppe hinauf, mehrere Stufen auf einmal nehmend. Im Lehrerzimmer treffe ich Franziska. Sie lächelt mir zu.</p>
<p>Wie gehts? fragt sie.</p>
<p>Danke gut, sage ich. Und beginne den Tag mit einer Lüge.</p>


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		<title>Es ist ein Kreisen</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Mar 2007 23:06:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[/Richard/ Es ist ein Kreisen, kein Punkt, kein Ort, wo ich anhalten könnte, ausruhen für einen Augenblick, einen fliehenden Moment lang. Ich muß kreisen, unaufhaltsam, rastlos, bis zur Müdigkeit, bis zur Erschöpfung und bis über sie hinaus um das magische Zentrum eines Auges, den Abgrund einer geweiteten Pupille, das lidlose Auge der Nacht.
Es ist ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>/Richard/ Es ist ein Kreisen, kein Punkt, kein Ort, wo ich anhalten könnte, ausruhen für einen Augenblick, einen fliehenden Moment lang. Ich muß kreisen, unaufhaltsam, rastlos, bis zur Müdigkeit, bis zur Erschöpfung und bis über sie hinaus um das magische Zentrum eines Auges, den Abgrund einer geweiteten Pupille, das lidlose Auge der Nacht.</p>
<p>Es ist ein Film. Jemand traktiert ein Klavier. Es ist ein Film, in dem ich mir selbst zusehe.</p>
<p>Erst ist da nicht mehr als eine graue, leicht gewellte Ebene und in ihr, sich schlängelnd, ein dunkles Band, auf dem ein kleinblauer Punkt reitet im Rhythmus der weißen Hände auf den Tasten des Klaviers. Tremolo.</p>
<p>Die Kamera fährt näher auf den Punkt zu. Es ist eine Mühle an einem Bach, und ich bin mit Hanfseilen auf das Mühlrad gebunden, auf das von oben Wasser niederstürzt, ein stumpfsinnig gleichmäßiges Fallen. Das Rad dreht sich, hebt mich hoch, dreht sich, trägt mich hinab, dreht sich und taucht mich kopfüber ins Wasser.</p>
<p>Es ist ein Film. Jemand traktiert ein Klavier. Es ist ein Film, und die Leinwand reißt unter dem Aufprall des Lichts, kreuz und quer tausend Risse, haarfein. Der Projektor zerfällt zu einem Haufen von Kinderschuhen, Haaren und Zahnprothesen. Die weißen Hände verkrampfen sich, und das Klavier explodiert unter dem Aufschrei zerreißender Saiten.</p>
<p>Es ist ein Film. Jemand traktiert einen kleinblauen Punkt. Er reitet im Kreis um ein Auge, den Abgrund einer geweiteten Pupille, die lidlose Nacht.</p>


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		<title>Dein Ausgehen am Morgen</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2007 11:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Ein anderes Blau</category><category>Eva</category>
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		<description><![CDATA[1
/Eva/ Dein Ausgehen am Morgen: ein Wort, ein Kuß; so flüchtig.
Während du über den Hof gehst, stehe ich am Fenster und winke. Doch du drehst dich nicht um, bemerkst mein Winken nicht und mein plötzliches Innehalten. Wie ich langsam die Hand sinken lasse und lächle, enttäuscht und entschuldigend zugleich, als hätte ich einen Fremden mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size:200%;font-weight:bold;">1</span></p>
<p>/Eva/ Dein Ausgehen am Morgen: ein Wort, ein Kuß; so flüchtig.</p>
<p>Während du über den Hof gehst, stehe ich am Fenster und winke. Doch du drehst dich nicht um, bemerkst mein Winken nicht und mein plötzliches Innehalten. Wie ich langsam die Hand sinken lasse und lächle, enttäuscht und entschuldigend zugleich, als hätte ich einen Fremden mit einem Freund verwechselt und ihn überschwenglich gegrüßt als jemanden, der er nie war.</p>
<p>Du hast die Hoftür geöffnet und bist fortgegangen. Du hast dich nicht umgedreht; und so ist dir all dies entgangen: mein Winken, mein Innehalten, mein stilles Aufgeben vor dem Tag, als ich die Gardine wieder vors Fenster zog und ins Dunkel des Zimmers zurücktrat.</p>
<p>Wo bist du, wenn ich mich über mich beuge im großen Spiegel auf dem Flur? Wenn ich zu der Frau, die mir von dort entgegensieht, sage, daß sie sich kämmen soll; und niemand antwortet und nichts geschieht?</p>
<p>Die Zigarette im Mundwinkel läufst du unruhig den Boulevard entlang. Am Bahnhof hast du die Aktentasche ins Schließfach gesperrt, den Mantel aufgeknöpft und die Haare aus der Stirn gestrichen.</p>
<p>Es ist Zeit.</p>
<p>Du steuerst auf das Café zu in der kleinen Passage, vor dem ich jeden Tag spiele, gegen Mittag. Ich werde noch vor dem Spiegel sitzen, wenn du dort ankommst, vor dem Spiegel sitzen mit Kamm, Pomade und Schminke. Und so wirst du beschließen zu warten und einen Cognac bestellen.</p>
<p>Du weißt: Es kann nicht lange dauern, bis ich hinauskomme. Die Schminke ist ein gutes Alibi, noch Zeit verstreichen zu lassen. Doch auch diese Galgenfrist hat ein Ende. Und das Rouge muß wirken.</p>
<p>Dann werde ich hinausgehen, den Klingelhut vor mir aufs Pflaster stellen und zu spielen beginnen. Von deinem Tisch aus wirst du mir lange zuschauen, genau auf all meine Gesten achten und die Regungen meines Gesichts: Was tut der Mund? Was die Augen?</p>
<p>Du wirst versuchen, dir alles genau einzuprägen, um es später vielleicht einmal wiederholen zu können. Das nennst du sprechen: Meinem Körper die Stimme ablauschen und sie kopieren. Du bestaunst meine Umarmung, meine Küsse ins Leere; und du glaubst, nicht zu wissen, wen ich küsse, doch daß ich liebe.</p>
<p>So kommst du, wie ausgehungert, jeden Tag. Abends sitzt du im zweiten Rang des Theaters, das Opernglas an die Augen gepreßt, und mittags hier, an deinem Tisch im Café. Dein Zuschauen ist eine Art, von Liebe zu träumen, ohne an sie zu glauben: Sehen Sie meine Frau; mir genügt ihr Spiel. Und ich soll schweigen.</p>
<p>Nachher wirst du die Rechnung begleichen, das Café verlassen und eine Münze in meinen Hut werfen, um mir nichts schuldig zu bleiben vor dem Abend. Es beruhigt dich und schmerzt nur ein wenig.</p>
<p>Wie soll ich die Perücke herunterreißen, meine Rolle verlassen? Ich habe dir einen zweiten Cognac kommen lassen. Ich will die Münze nicht und daß du gehst ohne ein Wort. So steht es auf dem Zettel, den der Kellner dir reicht, mit einem Gruß von mir: Du solltest mich sehen, wenn ich dir winke. Du würdest erstaunt sein über dein Gefühl und umkehren.</p>
<p>Warum kommst du hierher? Was schaust du mir zu? Für dich ist doch all dies nur Geste und ich nur Mimin, die die Schminke liebt, den Spiegel und die Flucht auf die Bühne. Du versuchst, meine Gesten zu deinen zu machen und verzweifelst, weil es nie gelingt und dein Spielen nur ein ratloses Suchen ist.</p>
<p>Du hast nicht begriffen, daß ich um mehr spiele als um deine achtlos in meinen Hut geworfene Münze. Und nichts begriffen von der Vergeblichkeit meines Spiels und meines Winkens am Morgen. Du hast nichts begriffen.</p>
<p>Das ist ein Tag für dich: der Mantel offen, im Mundwinkel glimmt die Zigarette, und auf dem Bahnhof liegt, gebändigt im Schließfach, die Aktentasche: meine Frau, die Mimin, meine Frau, die die Schminke liebt und sich über den Spiegel beugt, bevor ich komme und wenn ich gehe.</p>
<p>Das ist ein Tag für dich wie alle anderen.</p>
<p>Du bist fortgegangen und hast dich nicht umgedreht.</p>


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		<title>Abschied</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2007 10:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
<category>Benjamin Stein</category><category>Ein anderes Blau</category><category>Off</category>
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		<description><![CDATA[Nie war es schwieriger, Abschied zu nehmen, als jetzt.
Doch die Zeit, Lebewohl zu sagen, ist gekommen.
Sag den verbotenen Küssen adieu.
Gib deiner Angst zum letzten Mal die Hand.
Laß die Prinzessin noch einmal deinen Kopf ausgraben.
Schau ihr lang ins Gesicht und liebe ihr Haar und ihr Auge
und den stolzen Schwung ihrer Stirn.
Sieh noch einmal hinein in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nie war es schwieriger, Abschied zu nehmen, als jetzt.<br />
Doch die Zeit, Lebewohl zu sagen, ist gekommen.</p>
<p>Sag den verbotenen Küssen adieu.<br />
Gib deiner Angst zum letzten Mal die Hand.<br />
Laß die Prinzessin noch einmal deinen Kopf ausgraben.<br />
Schau ihr lang ins Gesicht und liebe ihr Haar und ihr Auge<br />
und den stolzen Schwung ihrer Stirn.<br />
Sieh noch einmal hinein in den Rachen der Kinderträume.<br />
Gib dich noch einmal der Verlassenheit hin<br />
und lass deinen Atem stocken<br />
im Spinnenkessel der Nacht.</p>
<p>Du kannst das Loch nicht mit Wasser stopfen.<br />
Kein Kuss macht den Hunger wett.<br />
Atme aus und ein und öffne die Augen<br />
und jage die Herzvagabunden davon.</p>
<p>Sag: Adieu, die Zeit ist gekommen.<br />
Gib deiner Angst zum letzten Mal die Hand.</p>


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		<title>Ein anderes Blau</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Mar 2007 21:28:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
<category>Daniel I</category><category>Daniel II</category><category>Ein anderes Blau</category><category>Eva</category><category>Nadia</category><category>Nina</category><category>Off</category><category>Richard</category>
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		<description><![CDATA[
Yves Klein: Obsession de la lévitation (Foto: Harry Shunk)
Prosa für sieben Stimmen
von
Benjamin Stein
 In einer Großstadt bricht ein Bus durch die Straßendecke hindurch in einen U-Bahn-Tunnel. Mehrere Menschen sterben. Zwei von ihnen – ein Mann Mitte Dreißig und eine junge Frau – können erst nach Wochen geborgen werden. Unterdessen fristen die beiden eine Existenz in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><img src="http://i161.photobucket.com/albums/t219/turmsegler/levitation_klein_460.jpg" alt="Yves Klein: Obsession de la lévitation (Foto: Harry Shunk)" border="0" /><br />
<small>Yves Klein: Obsession de la lévitation (Foto: Harry Shunk)</small></p>
<p align="center">Prosa für sieben Stimmen<br />
von<br />
<a href="http://turmsegler.net/autoren/" title="Benjamin Stein - Biographisches">Benjamin Stein</a></p>
<blockquote><p> In einer Großstadt bricht ein Bus durch die Straßendecke hindurch in einen U-Bahn-Tunnel. Mehrere Menschen sterben. Zwei von ihnen – ein Mann Mitte Dreißig und eine junge Frau – können erst nach Wochen geborgen werden. Unterdessen fristen die beiden eine Existenz in einem scheinbar zeitlosen Reich zwischen Leben und Tod, Träumen und Ahnungen, Tanz und Taumel. Sie finden sich wieder in der dünnen Wand zwischen zwei Wohnungen, einem leeren Raum zwischen zwei fremden Leben, in dem nur sie sich bewegen können. In Enge und mitunter in Furcht versuchen sie, sich noch einmal selbst in die Seele zu gehen und den Abschied hinauszuzögern, den Abschied von ihren Irrtümern und sorgsam verborgenen Gefühlen, liebevollen und erschreckenden Erinnerungen. Und wenn sie auch nicht umkehren können, verändert sich auf dem letzten Stück Wegs doch noch einmal ihr Leben und das der Menschen zu beiden Seiten der Wand – auf magische Weise und unbemerkt vom lebendigen Rest der sie umgebenden Welt.</p></blockquote>
<p>••• Was, bitte, ist ein Roman? Manche sagen, es handle sich dabei schlicht um eine längere Prosaform, die nicht einer der strikter definierten Formen wie etwa der Novelle angehört. Wir könnten es hier mit einem Roman zu tun haben. Und tatsächlich steht genau dies auf dem Cover des Manuskripts. Ich wollte keine Verwirrungen. Was immer mir vorschwebte beim Schreiben, sollte keine Rolle spielen müssen für den Leser. Warum dann hier doch diese Angabe?</p>
<p>Der Text, um den es hier geht, ist ein Mosaik aus Monologen. Die beteiligten Personen sprechen selbst. Chronologie spielt nicht wirklich eine Rolle. Das Erleben der Personen ist nicht gleichzeitig; wenn es sich überschneidet, sind es nur Momente der Berührung. Wie wir sehen werden, leben sie möglicherweise nicht einmal in der selben Zeit, der selben Welt. Eine kleine Irritation verursacht zudem die Stimme des Daniel, die zweifach auftaucht. Es handelt sich um den gleichen Körper, wahrscheinlich nicht den gleichen Menschen, zu verschiedenen Zeiten. Daniel (2) spricht einige Monate nach Daniel (1).</p>
<p>Die Komposition der Stücke ist musikalisch motiviert. Die Motive, die von den einzelnen Monologen vorgegeben werden, fügen sich zu einer grösseren Form, sollten aber auch als Einzelmotive bestehen können. Zusammengefasst sind sie zu drei Kapiteln, analog den Sätzen etwa einer Sonate. Auch diese Sätze sollten für sich selbst stehen können und sich mit den anderen zu einem Ganzen zusammenzufügen.</p>
<p>Ich glaube nicht, dass es für den Leser eine Rolle spielt, was da geplant war. Entsprechend wollte ich für die Form zwischen Buchdeckeln (die noch nicht zu haben ist), keine Hinweise auf die Musik. Auf dem Cover steht &#8220;Roman&#8221;, die Kapitel sind lediglich mit Nummern überschrieben; und lange Zeit waren die einzelnen Stimmen, die Motivgeber, nicht mit Namen versehen. Der Wechsel zwischen den Personen war nur durch zwei Punkte .. und einen Absatz angedeutet.</p>
<p>Für die Online-Darstellung möchte ich aber doch die musikalischen Intentionen zeigen. Denn hier kann der Text nach den verschiedenen Lesarten zerlegt und dargestellt werden. So bekommt jede Stimme ihre eigene Tag-Seite und ihren eigenen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/RSS" title="Was ist ein RSS-Feed?" target="_blank">RSS-Feed</a>. Wer möchte, kann sie jeweils für sich lesen, in der Reihenfolge des Erscheinens. Der <a href="http://turmsegler.net/tag/Ein-anderes-Blau/" title="Benjamin Stein: Ein anderes Blau (Tag)">Haupt-Zweig</a> und <a href="http://feeds.turmsegler.net/turmsegler/blau" title="Benjamin Stein: Ein anderes Blau (Feed)" target="_blank">Haupt-RSS-Feed</a> bringen die einzelnen Stücke in der Reihenfolge des Manuskripts.</p>
<p>Gesprochen werden alle Stimmen von mir selbst. Folgerichtig sind alle RSS-Feeds <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Podcast" title="Was ist ein Podcast?" target="_blank">Podcasts</a>.</p>
<h3>Der Ablauf gemäss Manuskript</h3>
<table style="margin-top: 20px" border="0">
<tr>
<th width="200"></th>
<th align="center" width="50">Feed</th>
<th align="center" width="50">Tag</th>
</tr>
<tr>
<td>Ein anderes Blau</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau" target="_blank" title="Feed: Ein anderes Blau"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Ein anderes Blau" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Ein-anderes-Blau" target="_blank" title="Tag: Ein anderes Blau"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Ein anderes Blau" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="http://turmsegler.net/blau/inhalt/" title="Ein anderes Blau: Inhaltsverzeichnis">Inhaltsverzeichnis</a></td>
<td align="center"><strong>x</strong></td>
<td align="center"><strong>x</strong></td>
</tr>
</table>
<h3>Die Stimmen</h3>
<table style="margin-top: 20px" border="0">
<tr>
<th width="200"></th>
<th align="center" width="50">Feed</th>
<th align="center" width="50">Tag</th>
</tr>
<tr>
<td>Off</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau/off" target="_blank" title="Feed: Off"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Off" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Off" target="_blank" title="Tag: Off"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Off" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Eva</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau/eva" target="_blank" title="Feed: Eva"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Eva" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Eva" target="_blank" title="Tag: Eva"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Eva" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Richard</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau/richard" target="_blank" title="Feed: Richard"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Richard" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Richard" target="_blank" title="Tag: Richard"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Richard" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Nina</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau/nina" target="_blank" title="Feed: Nina"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Nina" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Nina" target="_blank" title="Tag: Nina"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Nina" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Daniel (1)</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau/daniel-1" target="_blank" title="Feed: Daniel (1)"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Daniel (1)" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Daniel-I" target="_blank" title="Tag: Daniel (1)"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Daniel (1)" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Daniel (2)</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau/daniel-2" target="_blank" title="Feed: Daniel (2)"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Daniel (2)" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Daniel-II" target="_blank" title="Tag: Daniel (2)"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Daniel (2)" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Nadia</td>
<td align="center"><a href="http://feeds.feedburner.com/turmsegler/blau/nadia" target="_blank" title="Feed: Nadia"><img src="http://turmsegler.net/img/feed-icon-16x16.png" title="Feed: Nadia" /></a></td>
<td align="center"><a href="http://turmsegler.net/tag/Nadia" target="_blank" title="Tag: Nadia"><img src="http://turmsegler.net/img/tag.gif" title="Tag: Nadia" /></a></td>
</tr>
</table>
<p><small><strong>Alle Feeds für Feed-Reader:</strong> Um das Abonnieren einfacher zu machen, steht eine <a href="http://turmsegler.net/downloads/Ein-anderes-Blau.opml" title="OPML für alle Blau-Feeds" target="_blank">OPML-Datei</a> für den Import aller o. g. Feeds in einen standardkonformen Feed-Reader zur Verfügung.</small></p>
<p>Ich danke nochmals herzlich allen <a href="http://turmsegler.net/20070315/schlussel/" title="Schlüssel">Schlüsselversteckern</a>:<br />
• <a href="http://sturznest.twoday.net/">1. Schlüssel</a> - Hans J. Hilbig aka <a href="http://sturznest.twoday.net/stories/3442321/" title="ein Gedicht für Walter Benjamin">sturznest</a><br />
• <a href="http://sumuze.blogspot.com/2007/01/working-girl-singing.html">2. Schlüssel</a> - Susanne Sarfatti aka <a href="http://sumuze.blogspot.com/2007/03/key-singing.html" title="The Key/singing">SuMuze</a><br />
• <a href="http://perkampus.twoday.net/stories/3188918/">3. Schlüssel</a> - Michael Perkampus aka <a href="http://perkampus.twoday.net/stories/3448415/" title="Das Zimmer">Himself</a><br />
• <a href="http://kerstinsklein.blogspot.com/2007/02/concert-without-saxophone-atc.html" title="concert without saxophone">4. Schlüssel</a> - Kerstin S. Klein aka <a href="http://kerstinsklein.blogspot.com/2007/03/my-daughters-words-2.html" title="My daughter´s words 2">snowflakes &amp; blackvampires</a><br />
• <a href="http://eukapi.twoday.net/stories/3213128/" title="kanon">5. Schlüssel</a> - Sudabeh Mohafez aka <a href="http://eukapi.twoday.net/stories/3471165/" title="rätselblumen">euka-pirates</a><br />
• <a href="http://winnieshuegel.myblog.de/winnieshuegel/art/2120214/Das_Schloss_hinter_den_Gewurzschranken">6. Schlüssel</a> - <a href="http://winnieshuegel.myblog.de/winnieshuegel/art/124911932" title="hochh(in)aus">Winnies Hügel</a><br />
• <a href="http://hanginglydia.skypaperpress.com/index.php/site/comments/die_wolke/">7. Schlüssel</a> - Markus A. Hediger aka <a href="http://hanginglydia.skypaperpress.com/index.php/site/blutlinie/" title="Blutlinie">hanging lydia</a><br />
• <a href="http://margimare.blogspot.com/2006_12_01_archive.html">Torschlüssel</a> - Christine Marendon aka <a href="http://margimare.blogspot.com/2007/03/roter-schlaf-im-gestruepp-hat-sich-ein.html" title="roter schlaf">Tsade</a></p>


<a href="http://turmsegler.podspot.de/files/schubert_death_and_maiden.mp3">Download audio file (schubert_death_and_maiden.mp3)</a><br />
<div class="feedflare"><a href="http://feeds.feedburner.com/~f/turmsegler/blau?a=I9xFwFNz"><img src="http://feeds.feedburner.com/~f/turmsegler/blau?i=I9xFwFNz" border="0"></img></a> <a href="http://feeds.feedburner.com/~f/turmsegler/blau?a=9RhKRPQC"><img src="http://feeds.feedburner.com/~f/turmsegler/blau?i=9RhKRPQC" border="0"></img></a> <a href="http://feeds.feedburner.com/~f/turmsegler/blau?a=mr7inksA"><img src="http://feeds.feedburner.com/~f/turmsegler/blau?i=mr7inksA" border="0"></img></a></div>]]></content:encoded>
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