Die Leinwand
Ein Spiegelkabinett mit zwei Eingängen. Hinter beiden Buchdeckeln beginnt je eine Geschichte. Genau in der Mitte kommt es zur Konfrontation, treffen die beiden Erzähler, Amnon Zichroni und Jan Wechsler, aufeinander.
Amnon Zichroni besitzt die Fähigkeit, Erinnerungen anderer Menschen nachzuerleben. Geboren in Jerusalem und streng jüdisch erzogen, studiert er in den USA und lässt sich in Zürich als Analytiker nieder. Dort begegnet er dem Geigenbauer Minsky, den er ermuntert, seine traumatische Kindheit in einem NS-Vernichtungslager schreibend zu verarbeiten. Beider Existenz steht auf dem Spiel, als der Journalist Jan Wechsler behauptet, das Minsky-Buch sei reine Fiktion …
Zehn Jahre später wird eben diesem Jan Wechsler ein Koffer zugestellt, der ihm bei einer Reise nach Israel verloren gegangen sein soll – doch Wechsler kann sich an den Koffer nicht erinnern. Auf den Spuren fragwürdig gewordener Erinnerungen reist er nach Israel und gerät in ein Verhör. Tatsächlich, stellt sich heraus, ist er schon einmal dort gewesen, und sein damaliger Gastgeber, Amnon Zichroni, gilt seither als vermisst …
Ein faszinierender, spannender Roman über die Unzuverlässigkeit unserer Erinnerungen und das Ringen um Identität. Meisterhaft konstruiert – und als Buch zum Wenden zugleich eine Liebeserklärung an das Medium Buch.
Online-Lesung
Online-Lesung aus »Die Leinwand (Jan Wechsler)« – Video: © zehnseiten.de
Die vollständige Lesung ist »» hier zu finden.
Veranstaltungen
- 14. 03. 2010: lit.COLOGNE, Köln, Grüner Saal der Comedia, Lesung gemeinsam mit Susann Pásztor, 19.30 Uhr
- 18. 03. 2010: Leipziger Buchmesse, Das Blaue Sofa, Glashalle, 14:00 Uhr
- 18. 03. 2010: Leipziger Buchmesse, Signierstunde, Halle 5, Stand A102, 16:00 Uhr
- 20. 03. 2010: Leipziger Buchmesse, Lesung im Ariowitsch-Haus, 21:00 Uhr
- 21. 03. 2010: Leipziger Buchmesse, Gespräch mit Jens Jessen auf dem »ZEIT«-Messeforum, 11:00 Uhr
- 26. 03. 2010: »Literatur im Foyer«, Felicitas von Lovenberg im Gespräch mit Benjamin Stein und Clemens Meyer, 00:00 Uhr, SWR Fernsehen
- 14. 04. 2010: Lesung im Literarischen Colloquium Berlin, Moderation: Ijoma Mangold (»ZEIT«), 20:00 Uhr
- 19. 04. 2010: Vattenfall Lesetage, Zentralbibliothek Hamburg, 20:00 Uhr
- 11. 05. 2010: Lesung in der Neuen Stadtbücherei Augsburg, 19:00 Uhr
- 27. 05. 2010: Lesung im Brecht-Forum Berlin Mitte, ??:00 Uhr
- 09. 06. 2010: Lesung im Literaturhaus München, Moderation: Ijoma Mangold (»ZEIT«), 20:00 Uhr
Reaktionen
- NDR Kultur, 27.01.2010
Stein ist bisher noch kein Name im deutschen Literaturbetrieb. Sein nun erscheinender fulminanter Roman »Die Leinwand« allerdings dürfte das ändern. Derart pointiert und empathisch schreibt der 39-Jährige. (Knut Cordsen)
- »Die Vorleser«, ZDF, 05. 02. 2010
Wir können Ihnen dieses Buch wirklich heiß ans Herz legen: Es ist unglaublich spannend, auch unterhaltsam und witzig geschrieben. Und wenn man es gelesen hat, am Ende, wird einem bewußt, welche wirklich tiefen Themen da verhandelt wurden: Was ist Wahrheit? Was ist Erinnerung? Wer sind wir, die wir uns erinnern? Sind wir die, die wir zu sein glauben? Das ist mal wirklich was ganz Besonderes. (Amelie Fried)
- »Ein kühnes Paradoxon: die Dekonstruktion mit den Mitteln der Spiritualität«, Glanz & Elend – Magazin für Literatur und Zeitkritik, 06. 02. 2010
Benjamin Stein hat ein kluges Buch geschrieben. Es ist fast fehlerlos gebaut und ungeheuer komplex. Die zahlreichen Exkurse – vor allen das Judentum betreffend – sind farbig erzählt und bei aller Liebe zum Detail niemals ermüdend. Stein schreibt leicht und virtuos ohne auch nur jemals in Gefahr zu laufen, ins Seichte abzugleiten. (Lothar Struck)
- »Jüdische Zeitung« 02/2010
Benjamin Stein hat mit seinem Roman »Die Leinwand« ein absolut fesselndes Stück Literatur geschaffen, das sich in seiner außergewöhnlichen Vielschichtigkeit und sprachlichen Eleganz kaum auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt und ebenso als literarischer Krimi wie als psychologischer Entwicklungsroman gelten kann. (Florian Hunger)
- »Verwirrstück mit zwei Einstiegen«, Die Berliner Literaturkritik, 15. 02. 2010
Die Raffinesse von Steins bravourös konstruiertem Verwirrstück liegt [...] in der Einbeziehung des Lesers, der die Leserichtung selbst bestimmen kann. Der experimentelle Stil fordert zum Wenden, Blättern und Vergleichen der beiden Erzählperspektiven auf. Damit ist »Die Leinwand« auch eine Liebeserklärung an das Medium Buch. (Julian Mieth)
- »Gegenfüßler auf schwankendem Boden«, »Süddeutsche Zeitung«, 22. 02. 2010
Es ist ein Januskopf von einem Buch: Egal, wie herum man es wendet, es kehrt einem immer das Gesicht zu. (Burkhard Müller)
- »Jennys Leseecke«, 28. 02. 2010
Es gibt Bücher, die liest man, bespricht man und vergisst man. Es gibt Bücher, die liest man, man bespricht sie ausführlich, weil sie einen Eindruck hinterlassen und behält sie in guter oder schlechter Erinnerung. Und dann gibt es Bücher, die können nicht einfach besprochen werden, weil sie so beeindruckend sind, weil sie so viel vermitteln, dass man eine ganze Weile braucht, um überhaupt zu verstehen, was einem geboten wurde. Und um ein solches Buch handelt es sich bei „Die Leinwand“ von Benjamin Stein. (Jennifer Wojcik)
Bestellmöglichkeiten
… und vergessen Sie bitte nicht die freundlichen Buchhändler(innen) in den Buchhandlungen in Ihrer Nähe!
Dokumente

Erste Notizen während der ersten Recherchereise nach Israel
Die Arbeit an der »Leinwand« wurde hier im Blog von der ersten Idee über die Recherchereisen, frühe Text- und Tonproben und die Zusammenarbeit mit Agentin und Lektor bis zur finalen Gestaltung und dem Zusammentreffen mit den Buchhandelsvertretern dokumentiert. Die Beiträge sind unter der Rubrik »Die Leinwand« zusammengefasst, blogtypisch in umgekehrt chronologischer Folge.
Leseproben
Amnon Zichroni
Ich glaubte lange Zeit, ich hätte so etwas wie einen sechsten Sinn. Nicht, dass ich tote Menschen sah oder etwas Vergleichbares, das man für übernatürlich hätte halten können. Es war eher das Gegenteil der Fall. Ich meinte, ein Gespür zu haben für das wirklich Vitale in Menschen, ein Gespür dafür, was sie antrieb oder hinderte, etwas zu tun, für jenen Kern in ihnen, den sie selbst in einem offenen Moment vielleicht als ihr Ich bezeichnet hätten.
Was einen Menschen ausmacht, steht ihm nicht ins Gesicht geschrieben. Es lässt sich nicht dem Klang seiner Stimme ablauschen. Man kann es nicht riechen und schmeckt es nicht einmal aus dem Tropfen Schweiß auf der Schläfe im Augenblick der Angst. Wollte man sich auf Berührungen verlassen, wäre man ganz verloren, denn Tastender und Berührter vermischen sich in der Berührung, und man kann nie sagen, ob man nicht mehr von sich selbst wahrnimmt in einem solchen Moment als von dem Menschen, den man zu erkennen hofft. Auch eine Mischung aus alldem ist es nicht.
Jan Wechsler
Für gewöhnlich öffnen wir am Schabbes nicht die Tür, wenn es läutet. Familie und Freunde würden nicht klingeln. Sie wären angemeldet und würden, um die vereinbarte Zeit herum, auf der gegenüberliegenden Straßenseite warten, so dass man sie vom Fenster aus sehen und nach unten gehen kann, um sie ins Haus zu lassen.
Das hat der Ewige geschickt eingefädelt: Beim Essen und am Schabbes merkt man, dass man unter Fremden lebt, im Exil. Die katholischen Nachbarn hängen keine Wäsche auf am heiligen Sonntag, würden sich aber kaum davon abhalten lassen, einen Brief zu schreiben oder nach der Messe mit dem Auto ins Grüne zu fahren. Die Studenten aus der WG eine Treppe tiefer haben von Gott, fürchte ich, nur eine ganz ungefähre Ahnung. In deutschen Großstädten ist er nicht wirklich in Mode. Von einem, der so ausgefeilte, einschränkende Forderungen an Menschen stellt wie Schabbes zu halten, will man hier heute lieber nichts Genaueres wissen.


Beiträge (Mail)
Am 8. Februar 2010 um 12:47 Uhr
Schauen Sie mal hier.
Sie haben dort eine sehr fundierte, umfassende Rezension!
Am 8. Februar 2010 um 12:55 Uhr
Danke für den Hinweis. Ich werde Links zu Online-Reaktionen oben im Beitrag einfügen.
Am 9. Februar 2010 um 13:20 Uhr
Habe gerade gesehen, daß Sie auch Hamburg lesend aufsuchen werden.. na das schreibe ich doch sofort in den Kalender
Am 11. Februar 2010 um 04:48 Uhr
Hallo,
dass Ihr Protagonist den Roman von Michael Bulgakow in einer Nacht gelesen hat, ist schwer nachvollziehbar. Hat er 12 Augen? Immerhin hat das Taschenbuch 520 Seiten.
Bin noch am Lesen Ihres Buches und bin ziemlich aufgeregt. Noch 1/3, dann werd ich mich äußern.
Gruß aus Berlin
Am 11. Februar 2010 um 08:59 Uhr
@Isabella: Er hat den Roman an einem Sommertag gelesen, vom frühen Vormittag bis Sonnenuntergang. Das kann man schon schaffen, wenn man so ausgehungert ist nach Dichtung wie der junge Zichroni. :-)
Am 11. Februar 2010 um 12:38 Uhr
@Connie Müller-Gödecke: Mir geistert die ganze Zeit Dein Name im Kopf herum. Die Jazzband! Stimmts?
@IsabellaBorgward: Auch ein toller Name. Fast so schön wie ein Cadillac ´59. ;)
Am 12. Februar 2010 um 06:30 Uhr
Lieber Herr Stein, bei Hunger schlingt Mann, ok. Wie sind Sie auf Wilkomirski gekommen?
@ksklein
Das Auto war noch schöner. Mein Vater es Anfang der 50er Jahre besessen und war es auch.
Best from Berlin
Am 12. Februar 2010 um 09:03 Uhr
@Isabella Borgward: Ich habe ihn 1995 kennengelernt und war von dem Geschehen, das folgte, sehr bestürzt.
Am 12. Februar 2010 um 13:53 Uhr
Lieber Herr Stein, antwortet hier ein Ghost? Es ist selten, dass man ein feetback bekommt. Wieviel Benjamin Stein steckt in Jan Wechsler?
Best from Berlin
Am 12. Februar 2010 um 13:56 Uhr
Das wird auf ewig ein Geheimnis bleiben. Mit gleichem Recht könnten Sie übrigens fragen, wieviel Benjamin Stein in Amnon Zichroni, Eli Rothstein oder Nathan Bollag steckt…
Am 12. Februar 2010 um 17:41 Uhr
OK. Also doch alles ein fake! Damit muss man leben. Es muss auch furchtbar sein, orhthodoxer Jude zu sein. Die ganze Trennerei mit den Schüssel beim Essen ist ja furchtbar. und die vielen Kleingkeiten, die man umgehen kann :-)
Am 13. Februar 2010 um 18:47 Uhr
Netter Versuch :-) Wer dieses Weblog ein wenig verfolgt hat, kann sich schon eher ein Urteil bilden. Die Figuren in der »Leinwand« sind Figuren, wenn auch hier und da Elemente tatsächlicher Biographien verwoben sind. Ich würde sagen, der Autor und sein Leben stecken in vielen Figuren dieses Romans.
Am 19. Februar 2010 um 02:09 Uhr
Nun habe ich den Roman ausgelesen und bin etwas irritiert.
Am 19. Februar 2010 um 06:39 Uhr
Das wundert mich nicht. Gute Literatur sollte irritieren. Genießen Sie die Wirkung. Möglicherweise ist sie in Ihrem Fall besonders stark, weil Sie sich einer falschen Identität bedienen, um hier zu kommentieren. Und nach der Lektüre der »Leinwand« müssen Sie zumindest annehmen, dass »geborgte Kleider« nicht auf Dauer verschleiern können, wer Sie wirklich sind.
Am 19. Februar 2010 um 11:10 Uhr
Das ist lediglich ein account, wie ihn jede/r hier und im weltweiten web benutzt.
Am 19. Februar 2010 um 20:54 Uhr
Ihr Buchhändler empfiehlt – Benjamin Stein: “Die Leinwand”. Immer freitags sprechen wir mit Buchhändlern aus ganz Deutschland. Von ihnen wollen wir wissen, wie sie Neuerscheinungen und aktuelle Entwicklungen auf dem Buchmarkt einschätzen. Heute mit Steffen Beutel vom “Buchladen am Kopernikusplatz” in Nürnberg. Deutschlandradio Kultur, Kritik.
Am 22. Februar 2010 um 12:31 Uhr
[...] auf schwankendem Boden 22. Februar 2010 ••• Ausführliche Besprechung der »Leinwand« durch Burkhard Müller in der heutigen »Süddeutschen«. Das freut natürlich. Wenn [...]
Am 23. Februar 2010 um 17:37 Uhr
[...] »Die Leinwand« auf der Leipziger Buchmesse 23. Februar 2010 ••• Auch »Die Leinwand« werde ich in Leipzig vorstellen. Es wird eine Lesung, Podiumsgespräche und eine Signierstunde [...]
Am 4. März 2010 um 14:57 Uhr
Lieber Benjamin, heute habe ich mir endlich “Die Leinwand” gekauft, um mich angemessen auf unser Treffen nächste Woche vorbereiten zu können. (Wobei es beim Veranstaltungsmotto “Lügen und unzuverlässige Erinnerung” auch interessant wäre, nur so zu tun, als hätte ich es gelesen. Oder ein ganz falsches Buch zu nehmen.) Jedenfalls freu ich mich – auf dein Buch, auf dich und auf unseren Abend in Köln!
Am 4. März 2010 um 15:48 Uhr
Liebe Susan, dass Du hier vorbeischaust, freut mich besonders. Als ich Dein Buch lesen wollte, war es noch nicht lieferbar. Unterdessen ist es immerhin zu mir unterwegs, so dass ich schwer hoffe, ebenfalls nicht unvorbereitet zu unserer gemeinsamen Lesung zu kommen, auf die ich mich ebenfalls schon sehr freue. Es wird meine erste Lesung seit vielen Jahren sein…
Am 12. März 2010 um 09:13 Uhr
[...] eine sehr bestimmte Ahnung, dass ich es auch mögen würde. »Bitter im Mund« ist – wie »Die Leinwand« im Verlag C.H.Beck erschienen, und aus diesem Grund konnte ich in der Verlagsvorschau, in der auch [...]