Archiv der Kategorie 'Prosa'

… alias Wilkomirski

Samstag, den 12. Januar 2008

Daniel Ganzfried: ...alias Wilkomirski - Die Holocaust-Travestie••• Ich war mir nicht sicher, ob ich mich tatsächlich in die Sekundärliteratur zum “Fall Wilkomirski” stürzen oder mir zunächst ein deutlicheres Bild meiner literarischen Figuren machen sollte, die ja mit keinem der am Fall beteiligten Personen identisch sein sollen. Ich habe ersteres getan.

Das wesentliche Material scheint mir übersichtlich zu sein. Die massgeblichen Arbeiten sind in zwei Büchern zusammengefasst. Das eine stammt von Daniel Ganzfried. Es trägt den provokativ anmutenden Titel “… alias Wilkomirski - Die Holocaust-Travestie”.

Herausgegeben wurde es von Sebastian Hefti im Auftrag des Deutschschweizer PEN-Zentrums. Es enthält eine Erzählung, in der Ganzfried von seinen ersten Berührungen mit dem Buch Wilkomirskis berichtet, das zeitgleich mit seinem eigenen Roman “Der Absender” erschien.


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Aufzeichnungen über den Tod

Freitag, den 21. Dezember 2007

Akzente 06/2007: Elias Canetti - Totenbuch (Aufzeichnungen über den Tod)

Nicht zu weit denken, beim Tod bleiben.

Elias Canetti, aus: “Aufzeichnungen über den Tod”

••• Eben kommen die neuen “Akzente” ins Haus, und ich freue mich diebisch aufs Schmökern. Die ganze Ausgabe ist Canetti-Materialien gewidmet. Sie stammen aus dem Nachlass Canettis, der in der Zürcher Zentralbibliothek verwahrt wird. Unter dem Titel “Totenbuch” präsentiert Herausgeber Michael Krüger im aktuellen Heft die späten Aufzeichnungen (ab 1972), die zum grössten Teil noch unveröffentlicht waren.

Dieser zweite Anlauf Canettis, seine lebenslange Beschäftigung mit dem Tod zu bündeln, umkreist die Erkrankung seiner zweiten Frau Hera; die spätesten Aufzeichnungen datieren von ihrem Todesjahr [1987/88].

Rashomon

Donnerstag, den 13. Dezember 2007

Rashomon

••• Wer sich nach dem Beitrag über Ryunosuke Akutagawa für seine Prosa interessiert, muss nicht gleich eine der erwähnten Ausgaben seiner short stories erwerben. Ein wenig schmökern kann man auch online. Seine Erzählung “Rashomon” ist in deutscher Übertragung auch als PDF zu haben. Viel Spass beim Lesen!

Die Briefe der Ninon de Lenclos

Mittwoch, den 12. Dezember 2007

Ninon de Lenclos••• Von Briefen ging für mich schon immer eine grosse Faszination aus. Ich habe selbst unzählige Briefe geschrieben — meine ersten Amouren waren Fernlieben; man sah sich nur alle drei Wochen, und die Zeit zwischen den Wiedersehen wurde mit täglich hin und her gehenden Briefen überbrückt. Das heisst, ich habe auch sehr viele Briefe bekommen. Immer heiss ersehnt, waren sie oft nicht weniger aufwühlend.

Aber Fazination ging auch und besonders von Briefen aus, die weder an mich gerichtet, noch von mir geschrieben worden waren. Da waren zum Beispiel die wenigen Briefe meines Urgrossvaters an meine Urgrossmutter aus dem Gestapo-Gefängnis in Leipzig, in dem er wenig später ermordet wurde. Oder der Brief, mit dem mein Vater kurz vor dem 25. Hochzeitstag seine Ehe beendete und den mir meine Mutter später zum Lesen gab. Aber da waren eben auch jene “literarischen” Briefe, wie sie gelegentlich in Romanen vorkommen oder aus denen mitunter sogar ein ganzer Roman gebaut ist.


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Erziehung für den Marquis

Dienstag, den 11. Dezember 2007

••• Wer, frage ich heute einmal in die Runde, könnte den folgenden Brief geschrieben haben?


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Ryunosuke Akutagawa

Montag, den 10. Dezember 2007

Ryunosuke Akutagawa

••• Die Herzdame räumt ihre Bücher um und reicht mir ein Buch, über das ich schon vor Monaten schreiben wollte. Nur gingen damals die Assoziationen, von denen ich mir hier treiben lasse, offenbar andere Wege, so dass das Vorhaben in Vergessenheit geriet. Das Versäumnis soll nun aber wettgemacht werden.

Ryunosuke Akutagawas Prosa ist eine Offenbarung, rein und klar wie Quellwasser und dabei doch irritierend und verwirrend, wie man es sich nur vorstellen (und wünschen) kann.

Ganze 35 Jahre alt wurde dieser japanische Autor. Von Depressionen geplagt, nahm er sich 1927 das Leben. Seine Werke - zumeist short stories, die auch Romane hätten werden können - spielen häufig in der weiter zurückliegenden Vergangenheit, im Japan versunkener Jahrhunderte. Die Verbindung zum Japan des beginnenden 20. Jahrhunderts, in dem Akutagawa lebte und in dem die aufkommende Industrialisierung die Isolation Japans aufzubrechen begann, die Verbindung zu diesem Japan knüpft der Autor im Subtext seiner stories, im unausgesprochen Mitschwingenden. So sehr jene anbrechende neue Zeit den strikten Traditionen am Zeug zu flicken schien, so fest verwurzelt zeigten sie sich doch nach wie vor in den Menschen.


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Fräulein? (Wunder!) / Ritter

Mittwoch, den 28. November 2007

Frankfurter Buchmesse: Frau Franck, Sie wurden in den 90er Jahren in die Kategorie “Literarisches Fräuleinwunder” eingereiht. Ist der Deutsche Buchpreis, den Sie nun zehn Jahre nach ihrem Debütroman erhalten haben, eine Art Ritterschlag für Sie?

: Die Kategorie “Literarisches Fräuleinwunder” zielt auf sexuelle Kriterien ab und nicht auf literarisch ästhetische. Ich fühle mich heute so sehr als Ritter wie damals als Fräulein.

••• Journalisten können so unglaublich blöde Fragen stellen! Man schämt sich direkt, selbst mal einer gewesen zu sein.

Das ganze Interview mit Julia Franck, die für Ihren neuen Roman “Die Mittagsfrau” — er liegt hier, angelesen erst, und wartet noch auf meine ungeteilte Aufmerksamkeit — reich bepreist wurde, ist beim Lesekreis nachzulesen, wohl aber nicht von Lesekreis-Autoren geführt.

S != 68 (imaginiert)

Dienstag, den 20. November 2007

Und ich sitze da und denke mir, dass ich an der nächsten Haltestelle um einen längeren Aufenthalt bitten werde, ich brauche unbedingt einen Pinsel und schwarze Farbe: “la plus grande réserve d’imagination…” dank Paul Reichenbach muss das unbedingt auf den Bus.

••• Es war vermutlich, ja sicher, nicht so gedacht. Doch was cellini heute in den Dschungeln. Anderswelt schreibt, klang mir spontan wie einer weitere Stilübung auf Queneaus mittägliches Ereignis im Bus S. Wäre es nicht die Linie 68 und würden nicht Kordel und Knopf gänzlich fehlen.

Im übrigen haben auch p.- (Linda, Linda), sturznest und mehrschichtig Variationen über Queneau geschrieben. Leider funktionierte bei allen die Trackback-Benachrichtigung nicht. So liefere ich die Links hier händisch nach.

Termin am Mittag

Mittwoch, den 14. November 2007

Raymond Queneau
Raymond Queneau

••• Dass ich Raymond Queneaus “Stilübungen” wiedergefunden habe, freut mich so ungemein, dass ich nicht wiederstehen konnte, auch eine Variation auf das Thema zu schreiben.

Und wenn wir schon dabei sind, denke ich mir, dann sollte ich die hier mitlesenden Autoren einladen, in ihren jeweils eigenen Stilen und Sichten das gleiche zu tun. Über zehn zeilen von Sudabeh würde ich mich ebenso freuen wie über eine Mandrake-Variante von Markus (quasi schon im Flieger nach Brasilien), eine surreale Sequenz von p.-s Veranda, ein satirisches Prosagedicht vom Herrn H, etwas in strengstem Versmasse vom ANH - oder oder oder…

Wer auch immer Lust hat, sich an dem Spass zu beteiligen, ist herzlich eingeladen, eine entsprechende Version bei sich im Weblog zu bringen und es die Turmsegler wissen zu lassen.

Und hier ist sie - meine Variante der Begebenheit im Bus S…


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Stilübungen

Mittwoch, den 14. November 2007

Im Autobus der Linie S, zur Hauptverkehrszeit. Ein Kerl von etwa sechsundzwanzig Jahren, weicher Hut mit Kordel anstelle des Bandes, zu langer Hals, als hätte man daran gezogen. Leute steigen aus. Der in Frage stehende Kerl ist über seinen Nachbarn erbost. Er wirft ihm vor, ihn jedesmal, wenn jemand vorbeikommt, anzurempeln. Weinerlicher Ton, der bösartig klingen soll. Als er einen leeren Platz sieht, stürzt er sich drauf.

Zwei Stunden später sehe ich ihn an der Cour de Rome, vor der Gare Saint-Lazare, wieder. Er ist mit einem Kameraden zusammen, der zu ihm sagt: „Du solltest dir noch einen Knopf an deinen Überzieher nähen lassen.“ Er zeigt ihm wo (am Ausschnitt) und warum.

••• Einen Riesendank schicke ich heute an parallalie, der mir geholfen hat, ein Buch wiederzufinden, an dessen Autor und Titel ich mich seit vielen Jahren vergeblich zu erinnern versuchte. Mir waren nur noch Bruchstücke jener banalen Begebenheit im Bus im Gedächtnis und dass der Autor Franzose gewesen war.


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