<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Turmsegler &#187; Prosa</title>
	<atom:link href="http://turmsegler.net/category/prosa/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://turmsegler.net</link>
	<description>Turmsegler</description>
	<lastBuildDate>Wed, 17 Mar 2010 23:10:48 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<xhtml:meta xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml" name="robots" content="noindex" />
		<item>
		<title>Bitter im Mund</title>
		<link>http://turmsegler.net/20100312/bitter-im-mund/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20100312/bitter-im-mund/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 12 Mar 2010 08:13:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Monique Truong]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4516</guid>
		<description><![CDATA[
Monique Truong: »Bitter im Mund«, C.H.Beck 2010, Foto: &#169; Marion Ettlinger
&#8226;&#8226;&#8226; Auf Monique Truongs neuen Roman »Bitter im Mund« musste ich l&#228;nger warten, als mir lieb war.  Bereits vier Monate vor Erscheinen wusste ich, dass ich dieses Buch lesen muss, und ich hatte eine sehr bestimmte Ahnung, dass ich es auch m&#246;gen w&#252;rde. »Bitter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2010/monique_truong_s.jpg" alt="Monique Truong: »Bitter im Mund«, C.H.Beck 2010"/><br />
<small><strong><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Monique_Truong">Monique Truong</a></strong>: <a href="http://www.amazon.de/Bitter-im-Mund-Monique-Truong/dp/3406598382/">»Bitter im Mund«</a>, C.H.Beck 2010, Foto: &copy; <a href="http://www.marionettlinger.com/ ">Marion Ettlinger</a></small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Auf Monique Truongs neuen Roman <a href="http://www.amazon.de/Bitter-im-Mund-Monique-Truong/dp/3406598382/">»Bitter im Mund«</a> musste ich l&#228;nger warten, als mir lieb war.  Bereits vier Monate vor Erscheinen wusste ich, dass ich dieses Buch lesen muss, und ich hatte eine sehr bestimmte Ahnung, dass ich es auch m&#246;gen w&#252;rde. »Bitter im Mund« ist – wie <a href="http://turmsegler.net/die-leinwand/">»Die Leinwand«</a> &#8211; im Verlag C.H.Beck erschienen, und aus diesem Grund konnte ich in der Verlagsvorschau, in der auch mein Buch angezeigt wurde, bereits den Klappentext zu Truongs neuem Roman lesen, als der noch nicht einmal fertig ins Deutsche &#252;bersetzt war.</p>
<blockquote><p>»Du w&#252;rdest unter dem zerbrechen, was ich &#252;ber dich wei&#223;, kleines M&#228;dchen.« Das sind die letzten Worte der Gro&#223;mutter Linda Hammericks, und es bleibt ihr &#252;berlassen, herauszufinden, was damit gemeint war. Linda, Mitte der Siebziger Jahre in Boiling Springs, North Carolina, aufgewachsen und heute in New York lebend, hat eine Gabe, die sie vom Rest der Familie unterscheidet. Sie kann W&#246;rter »schmecken«, und an diese besonderen Wahrnehmungen heften sich zugleich ihre Erinnerungen. Aber ihre fr&#252;he Kindheit liegt im Dunkeln, geblieben ist ihr nur ein bitterer Geschmack im Mund, den sie keinem bestimmten Wort zuordnen kann.</p></blockquote>
<p>Linda Hammerick ist die Erz&#228;hlerin dieser modernen S&#252;dstaatensaga; und Linda erz&#228;hlt sich selbst, beginnend mit ihrem siebten Lebensjahr. Ein »Davor« gibt es nur im Leben der anderen, ihrer nahen und entfernten Familienmitglieder. In ihrem eigenen Leben scheint es dieses »Davor« nicht zu geben. Und wenn Linda &#252;ber ihre Mutter DeAnne schreibt, sie sei allem Anschein nach bereits als 35-J&#228;hrige zur Welt gekommen, so kann man mit gleichem Recht annehmen, Linda h&#228;tte ihr Leben als Siebenj&#228;hrige begonnen. Ihr Gro&#223;onkel, den sie immer nur beim Kosenamen Baby Harper nennt, ist ein leidenschaftlicher Fotograf. Dass er selbst, da immer hinter der Kamera, nie auf den unz&#228;hligen Familienfotos auftaucht, berichtet Linda. Dass auch sie selbst auf keinem der von ihr beschriebenen Fotos zu sehen ist, obgleich der geliebte Gro&#223;onkel doch keine Gelegenheit ausgelassen haben d&#252;rfte, sie zu fotografieren, das hingegen spricht Linda nicht aus.</p>
<p>Was Linda erz&#228;hlt, ist die Geschichte einer in den S&#252;dstaaten verwurzelten Familie. Sie berichtet von drei Generationen, allesamt ehrbare wei&#223;e S&#252;dstaatler, Anw&#228;lte und sogar Richter, bei deren Charakterisierung man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, sie w&#228;ren allesamt noch h&#246;chstselbst als Landnehmer nach North Carolina gekommen, Ur-US-Amerikaner gewisserma&#223;en und so wei&#223;, dass sie die in Boiling Springs zweifellos ebenfalls lebenden »Schwarzen« nicht einmal wahrnehmen, geschweige denn, dass sich ihr Leben mit deren Leben kreuzen w&#252;rde – sieht man einmal vom Bitte-Danke an der Supermarktkasse ab.</p>
<p>Die Erz&#228;hlung setzt ein mit dem Tod der Gro&#223;mutter Iris, einer Frau, die die ebenso seltene wie unbequeme Eigenschaft besa&#223;, »immer die Wahrheit zu sagen«. Und »immer« meint hier tats&#228;chlich »immer«. Wenn Iris also auf dem Totenbett zu ihrer Enkelin den oben zitierten Satz spricht, kann kein Zweifel daran bestehen, dass tats&#228;chlich etwas geschehen sein muss, an das Linda sich nicht erinnern mag oder erinnern kann, und folgerichtig beginnt sie umgehend, ihre und die Vergangenheit der Familienmitglieder erz&#228;hlend zu durchforsten: Was nur k&#246;nnte Iris gemeint haben?</p>
<p>Hinweise auf eine Antwort finden sich jedoch weder in den &#252;ber 800 M&#228;dchenbriefen, die Linda &#252;ber Jahre mit dem Nachbarsm&#228;dchen Kelly getauscht hat, noch auf den Fotos in den Alben Baby Harpers. Ja, mit gerade einmal 11 Jahren muss Linda eine Vergewaltigung erdulden, durch einen Typen namens Bobby, ein Cousin Kellys, den Mutter DeAnne angeheuert hatte, um den Rasen rings um das blaue Ranchhaus zu m&#228;hen, in dem die Hammericks leben. DeAnne, mutma&#223;t Linda, h&#228;tte es auf diesen Bobby abgesehen gehabt und so ihre Tochter fahrl&#228;ssig dem »Kindersch&#228;nder« ausgeliefert, indem sie ihm sorglos gestatte, sich »im Haus die H&#228;nde zu waschen«. Bobby verstand etwas anderes darunter. Linda erz&#228;hlt aber niemandem davon. Iris konnte es, als sie ihren Orakelsatz sprach, unm&#246;glich gewusst haben. Und selbst Baby Harper erf&#228;hrt erst Jahre sp&#228;ter davon, an Lindas letztem Abend in Boiling Springs, dem Abend des Abschieds, dem Abend der Gest&#228;ndnisse, bevor sie abreist, um in Yale zu studieren.</p>
<p>Linda beschreibt im ersten Teil des Buches die Highschool- und College-Zeit mit den &#252;blichen Quarterback-Ken-und-Cheerleader-Barbie-Geschichten, einer langwierigen, heftigen Verliebtheit und und und… Alles ist so easy oder eben auch schwierig, wie Teenager-Sein nun einmal ist. Gelegentlich hat man den Eindruck, diese Biographie sei eine Art Abziehbild, schematische Blaupause  ungez&#228;hlter Hollywood-Filmdrehb&#252;cher. Nein, in all diesen Erz&#228;hlungen findet sich kein verwertbarer Hinweis auf jemanden oder etwas, das Gro&#223;mutter Iris‘ Satz rechtfertigen k&#246;nnte: »Du w&#252;rdest unter dem zerbrechen, was ich &#252;ber dich wei&#223;, kleines M&#228;dchen.«</p>
<p>Dennoch kann man nicht anders, als Monique Truong aufmerksam zu lauschen. Sie erz&#228;hlt technisch auf h&#246;chstem Niveau. Die Idee, Linda mit einem sechsten Sinn auszustatten, der sie W&#246;rter schmecken l&#228;sst, liefert immer wieder ganz wunderbare Erz&#228;hlfiguren, die ich genossen habe, und es ist ein Verdienst der &#220;bersetzung, dass sich der Zauber dieser Verbindung zwischen Wortbedeutung und Wortgeschmack auch im Deutschen mitteilt, etwa wenn Linda ihren Nachnamen »zerschmeckt«:</p>
<blockquote><p>Ich zog das »Ham« in die L&#228;nge, verweilte beim »me« und weichte das »rick« etwas auf. Ich wiederholte das Wort, und jedes Mal, wenn ich seine drei Silben langsam im Mund miteinander verband, stieg mir der kitzelnde Geschmack s&#252;&#223;er Lackritze mit einem Nachhall von Holzrauch in den Mund. Ein Phantomschluck Dr. Pepper. Auf dich, Iris.</p></blockquote>
<p>»Bitter im Mund« ist literarische <em>haute cuisine</em>. Ich habe dieses Buch nicht einfach nur gelesen, sondern Seite f&#252;r Seite <em>gegessen</em>, die Geschichte, die Worte <em>geschmeckt</em>. Truong ist eine Wortzauberin, eine Dichterin, die hier geschliffene, atmosph&#228;risch aufgeladene Prosa liefert. Besonders sympathisch empfand ich, wie liebevoll sie sich ihren Figuren n&#228;hert, selbst den problematischen wie etwa der des Vergewaltigers Bobby. Keine ihrer Figuren muss sich f&#252;rchten, von ihr erz&#228;hlt zu werden. Denunziation gibt es nicht.</p>
<p>Und dennoch: Auf Seite 120 etwa habe ich mich zum ersten Mal gefragt, ob – und wenn ja warum – diese Geschichten erz&#228;hlt werden mussten. Auf Seite 150 war ich sogar einmal versucht, trotz allen poetischen Vergn&#252;gens das Buch beiseite zu legen, aber ich blieb bei Linda … Und dass ich geduldig war, wurde belohnt.</p>
<p>Etwa in der Mitte des Buches berichtet Linda von ihrer Abschlussfeier in Yale, von dem Augenblick, als sie aufgerufen wird, um vor den Mitabsolventen ihres Jahrgangs ihr Diplom entgegenzunehmen.  Mit einem einzigen unscheinbaren Satz stellt Monique Truong alles bis dahin Erz&#228;hlte auf den Kopf, und von diesem Moment an hebt der Roman ab wie ein Jet. Kein Stein bleibt auf dem anderen, keine Figur bleibt, was sie zun&#228;chst zu sein schien, und eine Flut von »Enth&#252;llungen« (so der Titel des zweiten Teils des Buches) lassen &#252;ber dem zuvor erz&#228;hlten Abziehbild eine andere, eine heftige, schmerz- und verlustreiche Erinnerungslandschaft aufleuchten. Von alldem will ich nichts verraten. Den magischen Satz aber will ich zitieren:</p>
<blockquote><p>Linh-Dao Nguyen Hammerick<em>dr.pepper</em>, summa cum laude, Literatur<em>roastbeef</em> &#8230;</p></blockquote>
<p>So wird »Linda« aufgerufen. W&#228;hrend das Wort »mum« nach Schokoladenmilch schmeckt und »Linda« nach Minze, schmeckt »Linh-Dao Nguyen« nach … Ja, wonach? Es hinterl&#228;sst im Mund einen bitteren Geschmack.</p>
<p><small>Monique Truong, 1968 in Saigon geboren, kam mit sechs Jahren in die USA. Sie studierte an der Yale University und der Columbia University School of Law und arbeitete in einer namhaften New Yorker Anwaltskanzlei, wo sie sich auf Urheberrecht spezialisierte. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien und wurde f&#252;r ihren ersten Roman <a href=“http://www.amazon.de/Das-Buch-Salz-Monique-Truong/dp/3596169933/“>»Das Buch vom Salz«</a>, der in viele Sprachen &#252;bersetzt wurde, u. a. mit dem Fiction Award des Bard College und dem Young Lions Award ausgezeichnet. Monique Truong lebt in New York. Ihr neuer Roman <a href="http://www.amazon.de/Bitter-im-Mund-Monique-Truong/dp/3406598382/">»Bitter im Mund«</a> (328 Seiten, 19,95 €) ist soeben in deutscher &#220;bersetzung bei C.H.Beck erschienen. Die englische Originalausgabe ist erst f&#252;r August 2010 angek&#252;ndigt.</small></p>
<p align="right">&copy; <strong><a href="http://turmsegler.net/tag/Benjamin-Stein">Benjamin Stein</a></strong> (2010)</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20071120/s-68-imaginiert/" rel="bookmark" class="crp_title">S != 68 (imaginiert)</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20100311/lesezeichen-online/" rel="bookmark" class="crp_title">»LeseZeichen« online</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070429/die-vitale-lekture/" rel="bookmark" class="crp_title">Die vitale Lekt&#252;re</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081119/die-leinwand-expose/" rel="bookmark" class="crp_title">Die Leinwand &#8211; Exposé</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080316/die-leinwand-z04/" rel="bookmark" class="crp_title">Die Leinwand (Z.04)</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Reue und Buße (13. 03. 2009)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20090313/reue-und-busse/">Reue und Buße</a> (13. 03. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20100312/bitter-im-mund/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die unsichtbaren St&#228;dte</title>
		<link>http://turmsegler.net/20100218/die-unsichtbaren-staedte/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20100218/die-unsichtbaren-staedte/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 16:59:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Italo Calvino]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4498</guid>
		<description><![CDATA[
Italo Calvino (1923-1985)
&#8226;&#8226;&#8226; &#220;ber einen Wikipedia-Artikel bin ich auf ein Juwel gesto&#223;en. Seit gestern lese ich in Calvinos »Die unsichtbaren St&#228;dte«, und zwar in der Hanser-Neu&#252;bersetzung von Burkhart Kroeber (die &#220;bersetzerangabe bei amazon ist falsch).
Das Buch besteht aus fiktiven St&#228;dteportr&#228;ts in Form von Prosagedichten. »Marco Polo, der gro&#223;e venezianische Asien-Reisende im sp&#228;ten 13. Jahrhundert, berichtet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2010/calvino.jpg" alt="Italo Calvino" /><br />
<small><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Italo_Calvino">Italo Calvino</a></strong> (1923-1985)</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; &#220;ber einen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_unsichtbaren_St%C3%A4dte">Wikipedia-Artikel</a> bin ich auf ein Juwel gesto&#223;en. Seit gestern lese ich in Calvinos <a href="http://www.amazon.de/Die-unsichtbaren-St&#228;dte-Italo-Calvino/dp/3423104139/">»Die unsichtbaren St&#228;dte«</a>, und zwar in der Hanser-Neu&#252;bersetzung von Burkhart Kroeber (die &#220;bersetzerangabe bei amazon ist falsch).</p>
<p>Das Buch besteht aus fiktiven St&#228;dteportr&#228;ts in Form von Prosagedichten. »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Marco_Polo">Marco Polo</a>, der gro&#223;e venezianische Asien-Reisende im sp&#228;ten 13. Jahrhundert, berichtet dem alternden Mongolenherrscher <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kublai_Khan">Kublai Khan</a>, Begr&#252;nder der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yuan-Dynastie">Yuan-Dynastie</a> und somit Kaiser von China, an lauschigen Abenden in dessen Palast zu Kambaluk (= Peking), in welche St&#228;dte er auf seinen Inspektionsreisen durch das weitl&#228;ufige Reich gekommen ist.« </p>
<p>Wenn Calvino hier Marco Polo als Erz&#228;hler bem&#252;ht, bedeutet dies jedoch nicht, dass wir uns, diese unsichtbaren St&#228;dte entdeckend, wirklich im 13. Jahrhundert bef&#228;nden. M&#228;dchen, die Pumas an der Leine spazierenf&#252;hren, kommen ebenso vor wie Segelschiffe, orientalische Basare, aber eben auch Wolkenkratzer, auf deren D&#228;chern Lebensm&#252;de sich zum Sprung vorbereiten.</p>
<p>Viele der 55 St&#228;dteportr&#228;ts tragen gleiche Titel, etwa »Die Stadt und die Zeichen« oder »Die Stadt und die Erinnerung«. Es sind poetische Et&#252;den, Variationen &#252;ber oft gleiche Themen wie eben Erinnerung, W&#252;nsche oder Zeichen &#8211; Verkehrsschilder und andere Dinge, die selbst etwas sind und doch auf etwas anderes weisen. Ein Perlenbuch, das man auf irgendeiner Seite aufschlagen und loslesen kann. Man findet &#252;berall etwas, woran Imagination und Assoziationslust h&#228;ngenbleiben.</p>
<p>Da hei&#223;t es etwa &#252;ber W&#252;nsche im Portr&#228;t der Stadt Anastasia:</p>
<blockquote><p>Wenn du acht Stunden am Tag als Achat-, Onyx- oder Chrysoprasschneider arbeitest, nimmt deine M&#252;he, die dem Wunsch Form gibt, selber die Form des Wunsches an, und du glaubst, &#252;ber ganz Anastasia zu verf&#252;gen, w&#228;hrend du nichts anderes bist als ihr Sklave.
</p></blockquote>
<p>Bei solchen poetischen Werken ohne eigentliche Handlung darf man ja straflos &#8211; was ich zu gern mache &#8211; die letzten Zeilen zuerst lesen. Sie haben es in sich:</p>
<blockquote><p><em>Er [Kublai] sagt: »Es ist alles vergebens, wenn der letzte Anlegeplatz nur die H&#246;llenstadt sein kann und die Str&#246;mung uns in einer immer engeren Spirale dort hinunterzieht.«</em></p>
<p><em>Darauf Polo: »Die H&#246;lle der Lebenden ist nicht etwas, das erst noch kommen wird. Wenn es eine gibt, ist es die, die schon da ist, die H&#246;lle, in der wir jeden Tag leben, die wir durch unser Zusammensein bilden. Es gibt zwei Arten, nicht unter ihr zu leiden. Die erste f&#228;llt vielen leicht: die H&#246;lle zu akzeptieren und so sehr Teil von ihr zu werden, da&#223; man sie nicht mehr sieht. Die zweite ist riskant und verlangt st&#228;ndige Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft: zu suchen und erkennen zu lernen, wer und was inmitten der H&#246;lle nicht H&#246;lle ist, und ihm Dauer und Raum zu geben.«</em></p></blockquote>
<p>In diesem Buch werde ich wohl &#8211; mit Unterbrechungen &#8211; lange lesen.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20071015/anfangen-und-beenden/" rel="bookmark" class="crp_title">Anfangen und beenden</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070429/die-vitale-lekture/" rel="bookmark" class="crp_title">Die vitale Lekt&#252;re</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080724/gestern-wurde-es-sehr-spaet/" rel="bookmark" class="crp_title">Gestern wurde es sehr sp&#228;t</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071130/grosse-wasser/" rel="bookmark" class="crp_title">gro&#223;e wasser</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090923/google-im-espresso/" rel="bookmark" class="crp_title">Google im Espresso</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Sterbende Sprachen (19. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20090219/sterbende-sprachen/">Sterbende Sprachen</a> (19. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20100218/die-unsichtbaren-staedte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Salingers Safe</title>
		<link>http://turmsegler.net/20100129/salingers-safe/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20100129/salingers-safe/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 29 Jan 2010 08:47:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[J. D. Salinger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4478</guid>
		<description><![CDATA[&#8226;&#8226;&#8226; Letzten Mittwoch starb Jerome David Salinger, Autor des »F&#228;nger im Roggen« im Alter von 91 Jahren. Seine letzte Erz&#228;hlung erschien vor 45 Jahren, nicht etwa, weil der bekennende Grantler Salinger nicht mehr geschrieben h&#228;tte, sondern weil er nicht ver&#246;ffentlichen wollte.
»There is a marvelous peace in not publishing«, gab er 1974 der New York Times [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; <a href="http://turmsegler.net/20100127/erstverkaufstag/">Letzten Mittwoch</a> starb <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jerome_David_Salinger">Jerome David Salinger</a>, Autor des »F&#228;nger im Roggen« im Alter von 91 Jahren. Seine letzte Erz&#228;hlung erschien vor 45 Jahren, nicht etwa, weil der bekennende Grantler Salinger nicht mehr geschrieben h&#228;tte, sondern weil er nicht ver&#246;ffentlichen wollte.</p>
<p>»There is a marvelous peace in not publishing«, gab er 1974 der New York Times zu Protokoll: »Publishing is a terrible invasion of my privacy. I like to write. I love to write. But I write just for myself and my own pleasure.«</p>
<p>Kaum ist Salinger kalt, <a href="http://www.seattlepi.com/artandlife/1404ap_us_obit_salinger.html?source=mypi">&#252;berst&#252;rzen sich nun die Spekulationen</a> &#252;ber die mutma&#223;lichen literarischen Sch&#228;tze, die er in all den Jahren produziert haben mag. Seine Tochter berichtet, er h&#228;tte die Manuskripte mit Farbmarkierungen versehen, wenn er sie ablegte: Rot f&#252;r »kann so ver&#246;ffentlicht werden«, Blau f&#252;r »braucht Lektorat«.</p>
<p>&#220;ber Tote nur Gutes, aber ich bin <a href="http://turmsegler.net/20090713/finstere-bilanz/">bekennenderma&#223;en kein Salinger-Fan</a>. Ob und wie viele Manuskripte der Misanthrop s&#228;uberlich im Safe deponiert haben mag, l&#228;sst mich daher kalt. Ja, h&#228;tte er noch rechtzeitig die Manuskripte vernichtet wie seinerzeit Gogol den 2. Band der »Toten Seelen« &#8211; das w&#228;re ein w&#252;rdiger Abschluss. Das w&#228;re eine ehrliche Geste: »Ich kann und konnte euch nie leiden. Ihr sollt auch nach meinem Tod nichts mehr von mir haben. Packt euch!« Und konsequent in seiner Ablehnung und Zur&#252;ckgezogenheit ist Salinger ja nun wirklich gewesen. Unver&#246;ffentlichte Manuskripte zu hinterlassen, w&#228;re vor diesem Hintergrund doch nahezu verlogen. Ich tippe daher darauf, dass man seinen Safe leer finden wird; und wenn sich doch noch Aufzeichnungen darin finden werden, d&#252;rften sie von Verdauungsvorg&#228;ngen und dem Wetter handeln.</p>
<p>Warten wir&#8217;s ab.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090713/finstere-bilanz/" rel="bookmark" class="crp_title">Finstere Bilanz</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070426/warum-fehlt-meinem-vers-moderner-schick/" rel="bookmark" class="crp_title">Warum fehlt meinem Vers moderner Schick?</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20061130/der-panther/" rel="bookmark" class="crp_title">Der Panther</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070221/manuskriptvernichtung/" rel="bookmark" class="crp_title">Manuskriptvernichtung</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071106/ultimatum/" rel="bookmark" class="crp_title">Ultimatum</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Zwischen neun und neun (29. 01. 2009)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20090129/zwischen-neun-und-neun/">Zwischen neun und neun</a> (29. 01. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20100129/salingers-safe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Leben gefiltert</title>
		<link>http://turmsegler.net/20100120/das-leben-gefiltert/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20100120/das-leben-gefiltert/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 09:22:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Georges Bernanos]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Koeppen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4464</guid>
		<description><![CDATA[
Mitternacht schl&#228;gt es vom Turm. Es endet der Tag. Ein Kalenderblatt f&#228;llt. Man schreibt ein neues Datum. Die Redakteure g&#228;hnen. Die Druckformen der Morgenbl&#228;tter werden geschlossen. Was am Tage geschehen, geredet, gelogen, erschlagen und vernichtet war, lag in Blei gegossen wie ein flacher Kuchen auf den Blechen der Metteure. Der Kuchen war au&#223;en hart, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2010/koeppen-wolfgang-tauben-im-gras.jpg" alt="Wolfgang Koeppen: Tauben im Gras (Suhrkamp)" /></p>
<blockquote><p>Mitternacht schl&#228;gt es vom Turm. Es endet der Tag. Ein Kalenderblatt f&#228;llt. Man schreibt ein neues Datum. Die Redakteure g&#228;hnen. Die Druckformen der Morgenbl&#228;tter werden geschlossen. Was am Tage geschehen, geredet, gelogen, erschlagen und vernichtet war, lag in Blei gegossen wie ein flacher Kuchen auf den Blechen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metteur">Metteure</a>. Der Kuchen war au&#223;en hart, und innen war er glitschig. Die Zeit hatte den Kuchen gebacken. Die Zeitungsleute hatten das Unheil umbrochen, Ungl&#252;ck, Not und Verbrechen; sie hatten Geschrei und L&#252;gen in die Spalten gepre&#223;t. Die Schlagzeilen standen, die Ratlosigkeit der Staatenlenker, die Best&#252;rzung der Gelehrten, die Angst der Menschheit, die Glaubenslosigkeit der Theologen, die Berichte von den Taten der Verzweifelten waren vervielf&#228;ltigungsbereit, sie wurden in das Bad der Druckerschw&#228;rze getaucht. Die Rotationsmaschinen liefen. Ihre Walzen pre&#223;ten auf das Band des wei&#223;en Papiers die Parolen des neuen Tages [...]</p>
<p align="right"><strong><a href="http://turmsegler.net/tag/wolfgang-koeppen/">Wolfgang Koeppen</a></strong><br />
<a href="http://www.amazon.de/Tauben-Gras-Das-Treibhaus-Tod/dp/3518019260/">»Tauben im Gras / Das Treibhaus / Der Tod in Rom«</a><br />
Bibliothek Suhrkamp 926, S. 220</p>
</blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; Einmal mehr stehe ich in geradezu ehrf&#252;rchtiger Bewunderung vor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Koeppen">Wolfgang Koeppens</a> Prosa. Vor Monaten habe ich mir den 600 Seiten starken Band 926 der Bibliothek Suhrkamp bestellt, der die <a href="http://turmsegler.net/20090921/ungeschehene-empfaengnis/">Romane von Koeppens Nachkriegstrilogie</a> (»Trilogie des Scheiterns«) enth&#228;lt. Seither lese ich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tauben_im_Gras">»Tauben im Gras«</a> &#8211; in hom&#246;opatisch zu nennenden t&#228;glichen Dosen wie seinerzeit schon <a href="http://turmsegler.net/20090921/ungeschehene-empfaengnis/">»Jugend«</a>. Heute morgen kam ich zur oben zitierten letzten Seite &#8230; </p>
<p>Dieser erste Koeppen-Roman ist ein poetisches Meisterwerk. Und ich w&#252;rde es ein kompromissloses poetisches Meisterwerk nennen, w&#252;sste ich nicht, dass Koeppen durchaus Konzessionen machen musste. Ohne Punkte sollte der Text urspr&#252;nglich flie&#223;en d&#252;rfen, ein einziger Strom der ineinander verwobenen Geschichten der sieben Protagonisten. Dass mich gerade dieser Roman so ungemein gepackt hat, ist nicht &#252;berraschend vor dem Hintergrund des <a href="http://turmsegler.net/blau/">»Anderen Blau«</a>. »Tauben im Gras« ist keine »Prosa f&#252;r 7 Stimmen«. Koeppen erz&#228;hlt von au&#223;en, in der dritten Person. Aber das Konzept, das Erleben von sieben Figuren &#252;ber einen Tag, zerlegt in Fragmente, zu montieren, zu verflechten, ja regelrecht zu verschmelzen &#8211; das kommt der Vorstellung, die ich seinerzeit f&#252;r das »Blau« hatte, so nahe, wie man sich nur vorstellen kann. Koeppen gelingt dies virtuos. »Tauben im Gras« ist eine taumelnde Odyssee durch einen Tag im besetzten Nachkriegsdeutschland. Was da sichtbar wird unter dem wirklich hauchd&#252;nnen zivilisatorischen Firnis &#8211; die Rassenressentiments, die Hilflosigkeit, das Nur-vergessen-wollen-so-schnell-wie-m&#246;glich &#8230; Ein sehr intensives Panorama des damaligen Westdeutschland.</p>
<p>Im Vorwort zu der 1956 erschienenen Taschenbuchausgabe schreibt Koeppen:</p>
<blockquote><p>»Tauben im Gras« wurde kurz nach der W&#228;hrungsreform geschrieben, als das deutsche Wirtschaftswunder im Westen aufging, als die ersten neuen Kinos, die ersten neuen Versicherungspal&#228;ste die Tr&#252;mmer und die Behelfsl&#228;den &#252;berragten, zur hohen Zeit der Besatzungsm&#228;chte, als Korea und Persien die Welt &#228;ngstigten und die Wirtschaftswundersonne vielleicht gleich wieder im Osten untergehen w&#252;rde. Es war die Zeit, in der die neuen Reichen sich noch unsicher f&#252;hlten, in der die Schwarzmarktgewinner nach Anlagen suchten und die Sparer den Krieg bezahlten. Die neuen deutschen Geldscheine sahen wie gute Dollar aus, aber man traute doch mehr den Sachwerten, und viel Bedarf war nachzuholen, der Bauch war endlich zu f&#252;llen, der Kopf war von Hunger und Bombenknall noch etwas wirr, und alle Sinne suchten Lust, bevor vielleicht der dritte Weltkrieg kam. Diese Zeit, den Urgrund unseres Heute, habe ich geschildert, und ich m&#246;chte nun annehmen, sie allgemeing&#252;ltig beschrieben zu haben, denn man glaubte, in dem Roman »Tauben im Gras« einen Spiegel zu sehen, in dem viele, an die ich beim Schreiben nicht gedacht hatte, sich zu erkennen w&#228;hnten, und manche, die ich nie in Verh&#228;ltnissen und Bedr&#252;ckungen vermutet hatte, wie dieses Buch sie malt, f&#252;hlten sich zu meiner Best&#252;rzung von mir gekr&#228;nkt, der ich nur als Schriftsteller gehandelt hatte und nach dem Wort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Bernanos">Georges Bernanos</a>&#8216; »das Leben in meinem Herzen filterte, um die geheime, mit Balsam und Gift erf&#252;llte Essenz herauszuziehen«.</p>
<p align="right"><strong><a href="http://turmsegler.net/tag/wolfgang-koeppen/">Wolfgang Koeppen</a></strong><br />
<a href="http://www.amazon.de/Tauben-Gras-Das-Treibhaus-Tod/dp/3518019260/">»Tauben im Gras / Das Treibhaus / Der Tod in Rom«</a><br />
Bibliothek Suhrkamp 926, S. 221</p>
</blockquote>
<p>Lasst mich das noch einmal langsam gesprochen wiederholen: <em>&#8230; der ich nur als Schriftsteller gehandelt hatte und nach dem Wort Georges Bernanos&#8217; »das Leben in meinem Herzen filterte, um die geheime, mit Balsam und Gift erf&#252;llte Essenz herauszuziehen«.</em></p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090925/roman-essen-seele-auf/" rel="bookmark" class="crp_title">Roman essen Seele auf</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090912/jugend/" rel="bookmark" class="crp_title">Jugend</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090921/ungeschehene-empfaengnis/" rel="bookmark" class="crp_title">Ungeschehene Empf&#228;ngnis</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090904/gefluester/" rel="bookmark" class="crp_title">gefl&#252;ster</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20100311/lesezeichen-online/" rel="bookmark" class="crp_title">»LeseZeichen« online</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Wie sieht der Tod aus? (21. 01. 2009)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20090121/wie-sieht-der-tod-aus/">Wie sieht der Tod aus?</a> (21. 01. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20100120/das-leben-gefiltert/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Abenteuertee</title>
		<link>http://turmsegler.net/20100117/abenteuertee/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20100117/abenteuertee/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 19:49:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Ursula T. Rossel Escalante Sánchez]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4460</guid>
		<description><![CDATA[
Lapsang Souchong (拉普山小種/正山小种)
&#8226;&#8226;&#8226; Schon mal was von Lapsang Souchong geh&#246;rt? Ich auch nicht. Bis eben jedenfalls. Da ist mir doch tats&#228;chlich eine Delikatesse durch die Lappen gegangen, die La Tortuga aka Ursula T. Rossel Escalante Sánchez auf ihrem virtuellen Postamt »Notizen aus Kangerlussuaq« angerichtet hat. 
Lapsang Souchong ist – ein Tee, und was f&#252;r einer. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2010/Lapsang_souchong_tea.jpg"><img width="460" height="307" src="http://turmsegler.net/img/2010/Lapsang_souchong_tea_s.jpg" alt="Lapsang Souchong" /></a><br />
<small><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lapsang_souchong">Lapsang Souchong (拉普山小種/正山小种)</a></small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Schon mal was von Lapsang Souchong geh&#246;rt? Ich auch nicht. Bis eben jedenfalls. Da ist mir doch tats&#228;chlich eine Delikatesse durch die Lappen gegangen, die La Tortuga aka Ursula T. Rossel Escalante Sánchez auf ihrem virtuellen Postamt <a href="http://jequetepeque.twoday.net/">»Notizen aus Kangerlussuaq«</a> angerichtet hat. </p>
<p><a href="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5938570/">Lapsang Souchong</a> ist – ein Tee, und was f&#252;r einer. Dass ich das nun doch noch erfahren durfte, verdanke ich dem <a href="http://www.litblogs.net/inhalt-042009/">litblogs-Lesezeichen 04/2009</a>, das k&#252;rzlich online ging und neben dieser Tee-Rafinesse auch noch andere literarische Schmankerln zu bieten hat. St&#246;bern lohnt sich.</p>
<p>Mein Hut l&#252;ftet sich leis in Richtung La Tortuga f&#252;r dieses Bijoux. In einem Punkt allerdings irrt unsere Feinschmeckerin definitiv:</p>
<blockquote><p>Es gibt ja auch kaum Essbares, das roh schmeckt, bis auf manche Fleischsorten und Eier.</p></blockquote>
<p>Wir sollten mal gemeinsam Sushi essen!</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20080722/ueber-schildkroeten/" rel="bookmark" class="crp_title">&#220;ber Schildkr&#246;ten</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080520/ganz-und-gar-unrealistisch/" rel="bookmark" class="crp_title">Ganz und gar unrealistisch!</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090318/empfehlungen/" rel="bookmark" class="crp_title">Empfehlungen</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20091205/litblogs-lesezeichen-zum-blaettern/" rel="bookmark" class="crp_title">Litblogs-Lesezeichen zum Bl&#228;ttern</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20100311/lesezeichen-online/" rel="bookmark" class="crp_title">»LeseZeichen« online</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="RSS-Umzug (19. 01. 2009)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20090119/rss-umzug/">RSS-Umzug</a> (19. 01. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20100117/abenteuertee/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ich dachte an die goldenen Zeiten</title>
		<link>http://turmsegler.net/20091217/ich-dachte-an-die-goldenen-zeiten/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20091217/ich-dachte-an-die-goldenen-zeiten/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Dec 2009 15:40:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Bohumil Hrabal]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4445</guid>
		<description><![CDATA[
Das Vorabexemplar des ersten Buches meines Mannes wollte und wollte nicht kommen, er hatte sogar zu trinken aufgeh&#246;rt und br&#252;llte nachts, er werde aus dem Fenster springen, er werde sich vor einen Zug werfen, da zog ich an meinem n&#228;chsten freien Tag mein Paradekleidchen und meine roten Schuhe mit den St&#246;ckelabs&#228;tzen an, ich nahm meinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/red_shoes.jpg" alt="Red Shoes" /></p>
<blockquote><p>Das Vorabexemplar des ersten Buches meines Mannes wollte und wollte nicht kommen, er hatte sogar zu trinken aufgeh&#246;rt und br&#252;llte nachts, er werde aus dem Fenster springen, er werde sich vor einen Zug werfen, da zog ich an meinem n&#228;chsten freien Tag mein Paradekleidchen und meine roten Schuhe mit den St&#246;ckelabs&#228;tzen an, ich nahm meinen Regenschirm und machte mich auf dem Weg zum Verlag.</p>
<p align="right"><b><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bohumil_Hrabal">Bohumil Hrabal</a></b> (1914-1997)<br />
aus: <a href="http://www.amazon.de/dachte-goldenen-Zeiten-Bibliothek-Band/dp/3866155263/">»Ich dachte an die goldenen Zeiten«</a></p></blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; Endlich mal ein bisschen Farbe hier im Turmsegler! Gestern hat mir die Herzdame einen echten Hrabal geschenkt: »Ich dachte an die goldenen Zeiten«, ein »Perlchen auf dem Grunde«, wie die Erz&#228;hlerin dieses Romans wohl sagen w&#252;rde, die Ehefrau also des vom Warten gepeinigten Schriftstellers, der dem Erscheinen seines ersten Erz&#228;hlbandes entgegenfiebert. Das ist einer, der die gr&#252;nen Kronenscheine seines Vorschusses im Einkaufsnetz (!) durch Prag tr&#228;gt, was der Dame die Bemerkung einer Passantin eintr&#228;gt: »Sie erleben wohl so allerlei mit ihm, nicht wahr?«</p>
<p>Nun habe ich mich gefragt, was f&#252;r »rote Schuhe mit den St&#246;ckelabs&#228;tzen« das gewesen sein m&#246;gen &#8211; vom »Paradekleidchen« zu schweigen, mit deren Hilfe die Dame dem Verlag das Vorabexemplar abzun&#246;tigen versuchte. Das wird im Text leider nicht vertieft. Aber wir erfahren immerhin, wie die roten Schuhe und der Regenschirm eingesetzt wurden&#8230;</p>
<p>Wie Hrabal hier mit den Motiven umgeht und sie variiert und transponiert &#8211; die Schuhe, den Schirm, die Farbe Rot, das T&#228;nzeln &#8211; und wie er im Moment, da doch »das Gr&#246;&#223;te« verhandelt wird, pl&#246;tzlich die Diminutive bem&#252;ht &#8211; Schirmchen, B&#228;ndchen, P&#228;ckchen &#8230; &#8211; die zuvor ausgerechnet den roten Sch&#252;hchen vorbehalten waren, mit denen &#8230; nun ja &#8230; wow!, das ist gro&#223;artig.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<p><a href="http://www.amazon.de/dachte-goldenen-Zeiten-Bibliothek-Band/dp/3866155263/"><img class="alignleft" src="http://turmsegler.net/img/2009/hrabal_goldene_zeiten.jpg" width="200" height="338" alt="Bohumil Hrabal, Ich dachte an die goldenen Zeiten" /></a>Das Vorabexemplar des ersten Buches meines Mannes wollte und wollte nicht kommen, er hatte sogar zu trinken aufgeh&#246;rt und br&#252;llte nachts, er werde aus dem Fenster springen, er werde sich vor einen Zug werfen, da zog ich an meinem n&#228;chsten freien Tag mein Paradekleidchen und meine roten Schuhe mit den St&#246;ckelabs&#228;tzen an, ich nahm meinen Regenschirm und machte mich auf dem Weg zum Verlag. Als ich vor dem Leiter dort stand und sagte, wer ich sei, zeigte ich mit dem Regenschirm in Richtung Liben, zum Damm, zur Nummer vierundzwanzig und sagte &#8230; H&#246;ren Sie gut zu, dort irgendwo liegt mein Kleinod, er s&#228;uft nicht mehr und hat nicht mal mehr die Kraft, sich unter einen Zug zu werfen, weil das Vorabexemplar seines ber&#252;hmten B&#228;ndchens einfach nicht kommen will &#8230; Gehen Sie ruhig mal hin und schauen sich an, wie Sie meinen Mann zugerichtet haben! Und ich stand da, mit geschminkten Augen, in der Grundposition einer Ballerina, mein vorgeschobenes rotes Sch&#252;hchen blitzte, und ich jagte diesem Leiter tats&#228;chlich einen Schreck ein, er griff zum Telefonh&#246;rer und wiederholte mehrmals hintereinander &#8230; Ja &#8230; ja &#8230; ja &#8230; dann legte er auf und sagte, das Exemplar sei bereits unterwegs &#8230; und ich sagte, nat&#252;rlich, unterwegs, doch bis es soweit ist, verendet mein Kleinod dort, ich hole es lieber selbst &#8230; wo ist denn dieses »Perlchen auf dem Grunde?« Und so geschah es, da&#223; der Verlagsleiter h&#246;chstpers&#246;nlich zu mir sagte, ich verstehe Sie ja, ich konnte es auch kaum erwarten, bis mein erster Gedichtband erschien, ich wollte mich auch vor den Zug werfen und dachte an die letzten Dinge des Menschen &#8230; Und er hob nochmals den H&#246;rer ab, und nach einer Weile kam ein Angestellter und brachte mir dieses Exemplar, das der Verlag eigentlich nicht aus den H&#228;nden geben durfte. Und ich verlie&#223; das Geb&#228;ude und schritt durch die Nationalstra&#223;e, und in einer Konditorei lie&#223; ich dieses »Perlchen auf dem Grunde« in Seidenpapier einschlagen und mit einem B&#228;ndchen umwickeln, als sei es ein Geschenk &#8230; Dann stolzierte ich &#252;ber den Wenzelsplatz, in der einen Hand den Regenschirm und in der anderen das mit dem roten B&#228;ndchen umwickelte »Perlchen auf dem Grunde«, ich schritt aus und tr&#228;umte davon, wie sch&#246;n es sein wird, wenn dieses B&#252;chlein erschienen ist und mein Mann mit mir durch die Stadt spaziert und dieses »Perlchen auf dem Grunde« in den Schaufenstern der Buchl&#228;den ausliegt, was f&#252;r einen Festschmaus ich bereiten werde, eine Hochzeit im Hause, der Sekt wird spritzen, als h&#228;tte mein Mann die Formel 1 gewonnen &#8230; Und dann hatte ich eine Idee, und ich ging in die Spálená-Gasse, zur <a href="http://turmsegler.net/20070720/allzu-laute-einsamkeit/">Altstoff-Sammelstelle</a>, wo mein Mann im Schein der Gl&#252;hbirnen vier Jahre lang Altpapier gepackt hatte, ich betrat das B&#252;ro, und es war die Leiterin da, ja, sie, die meinen Mann gefeuert hatte, es war auch jener Kaderreferent da anwesend, der meinen Mann einen Dr&#252;ckeberger geschimpft hatte, weil er ein Stipendium des Literaturfonds des Schriftstellerverbandes erhalten hatte und nur noch halbtags arbeitete &#8230; und ich l&#246;ste die rote Schleife und zeigte den blauen Einband herum und vor allem den Namen meines Mannes &#8230; und ich sagte &#8230; jetzt sehen Sie es mit eigenen Augen, mein Mann ist ein Schriftsteller und keineswegs das, als was ihr ihn hier beschimpft habt &#8230; und ich packte das »Perlchen auf dem Grunde« wieder ein, wickelte das rote B&#228;ndchen darum und ging mit dem Schirmchen hinaus, auf dem Hof drehte ich mich noch einmal zum Fenster hin und hielt das P&#228;ckchen in die H&#246;he und sah, da&#223; alle wie vom Blitz getroffen dasa&#223;en, das hattens sie n&#228;mlich nicht erwartet &#8230;</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20070720/allzu-laute-einsamkeit/" rel="bookmark" class="crp_title">Allzu laute Einsamkeit</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080907/rote-raben/" rel="bookmark" class="crp_title">Rote Raben</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070218/gevatter-tod/" rel="bookmark" class="crp_title">Gevatter Tod</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070131/blaubart/" rel="bookmark" class="crp_title">Blaubart</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080804/laengen-und-kitsch/" rel="bookmark" class="crp_title">L&#228;ngen und Kitsch?</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Eine Stimme haben (18. 12. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20081218/eine-stimme-haben/">Eine Stimme haben</a> (18. 12. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20091217/ich-dachte-an-die-goldenen-zeiten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>9</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Konzert</title>
		<link>http://turmsegler.net/20091018/das-konzert/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20091018/das-konzert/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Oct 2009 10:23:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Hartmut Lange]]></category>
		<category><![CDATA[Renate v. Mangoldt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4246</guid>
		<description><![CDATA[
Hartmut Lange &#8211; Foto &#169; Renate v. Mangoldt, 1987
&#8226;&#8226;&#8226; Gestern kurz vor Schabbesausgang h&#228;tte mein Sohn beinahe die neue Synagoge am Jakobsplatz in Flammen gesetzt. W&#228;hrend des Nachmittagsgebets wollte er unbedingt aufs Klos, kurz darauf gleich wieder. Da wurde ich misstrauisch, und schlie&#223;lich bemerkte ich den Brandgeruch und sah kurz darauf die Bescherung. Zwei Stapel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/hartmut_lange_c_mangoldt.jpg" alt="Hartmut Lange (1987) - Foto &copy; Renate v. Mangoldt" width="460" height="327"/><br />
<small><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_Lange">Hartmut Lange</a></strong> &#8211; Foto &copy; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renate_von_Mangoldt">Renate v. Mangoldt</a>, 1987</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Gestern kurz vor Schabbesausgang h&#228;tte mein Sohn beinahe die neue Synagoge am Jakobsplatz in Flammen gesetzt. W&#228;hrend des Nachmittagsgebets wollte er unbedingt aufs Klos, kurz darauf gleich wieder. Da wurde ich misstrauisch, und schlie&#223;lich bemerkte ich den Brandgeruch und sah kurz darauf die Bescherung. Zwei Stapel Papierhandt&#252;cher waren angekokelt. Ein einsam dastehendes Jahrzeitlicht war wohl zu verf&#252;hrerisch gewesen. Die angebrannten Papierhandt&#252;cher lagen dann, grad noch gel&#246;scht, im Handwaschbecken. In so einem Moment gehen einem die schlimmsten Katastrophenszenarien durch den Kopf. Wie macht man einem grad Sechsj&#228;hrigen klar, dass er sich und andere umbringen kann durch solchen Experimentierdrang? Immerhin war er von panischer Angst gesch&#252;ttelt &#8211; vorm Feuer wie der zu erwartenden Strafe…</p>
<p>Dem Flammentod sind wir also noch einmal entgangen und fanden uns nicht unversehens in der Kulisse der Geschichte wieder, die ich in den letzten zwei Tagen gelesen habe. Lesen durfte, m&#252;sste ich sagen, denn Hartmut Langes Novelle »Das Konzert« &#8211; von der Herzdame im Untergeschoss des M&#252;nchner Hauptbahnhofs bei einem Tr&#246;dler erstanden &#8211; hat mich richtig gl&#252;cklich gestimmt.</p>
<p>Die Hauptfiguren in Langes Buch sind allesamt tot und fristen dennoch eine Art gesellschaftlichen Daseins &#8211; in einer im Zustand zum Zeitpunkt ihres Todes eingeforenen Umwelt, die &#252;ber jene Wirklichkeit der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts, aus der heraus Lange erz&#228;hlt, projiziert ist. So k&#246;nnen sie beispielsweise eine Vorkriegsvilla in Berlin bewohnen, die l&#228;ngst abgerissen ist und auf deren Grundst&#252;ck unterdessen schmucklose Bungalows stehen. Und sie k&#246;nnen sich im Salon von Frau Altenschul treffen:</p>
<blockquote><p>Wer unter den Toten Berlins Rang und Namen hatte, wer es &#252;berdr&#252;ssig war, sich unter die Lebenden zu mischen, wer die Erinnerung an jene Jahre, in denen er sich in der Zeit befand, besonders hochhielt, der bem&#252;hte sich fr&#252;her oder sp&#228;ter darum, in den Salon der Frau Altenschul geladen zu werden, und da man wu&#223;te, wie sehr die elegante, zierliche, den Dingen des sch&#246;nen Scheins zugetane J&#252;din dem ber&#252;hmten Max Liebermann verbunden war, schrieb man an die Adresse jener Villa am Wannsee, in der man die Anwesenheit des Malers vermutete.
</p></blockquote>
<p>Viele, der bei Frau Altenschul versammelten K&#252;nstler und Kunstverehrer sind j&#252;discher Herkunft. So auch der nun auf ewig 28j&#228;hrige Pianist Lewanski, der beim Versuch der Flucht aus dem besetzten Polen auf dem Bahnhof von Litzmannstadt mit falschen Papieren angetroffen und wie beil&#228;ufig von einem Hauptsturmf&#252;hrer der Waffen-SS mit einem Genickschuss hingerichtet wurde. Dieser Lewanski gibt nun in einem Saal des Charlottenburger Schlosses ein Konzert f&#252;r die Toten, das diese zu Tr&#228;nen r&#252;hrt &#8211; auch den gegen den ausdr&#252;cklichen Wunsch Lewanskis und von Frau Altenschul am Fenster lauschenden Uniformierten, der zwar den Totenkopf und die SS-Runen von seiner Uniform entfernt hat, aber dennoch als der M&#246;rder zu erkennen bleibt, der Lewanski auf dem Bahnhof Lodz erschossen hat.</p>
<p>Lewanski spielt Chopin, Webern und Beethoven. Und trotz des Jubels und diverser Da-Capos f&#252;hlt er sich an der E-Dur-Sonate Beethovens gescheitert. Der immer zynische Schulze-Bethmann sagt es ihm denn auch unumwunden: F&#252;r dieses St&#252;ck waren sie zu jung. Sie hatten im Leben keine Gelegenheit, die Reife zu erwerben, die es braucht, um dieses St&#252;ck wirklich meisterhaft spielen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Schulze-Bethmann ist zwar von Frau Altenschul damit betraut, den SS-Mann auf Distanz zum Salon und deren Mitgliedern zu halten. Er selbst pflegt aber Umgang mit dem toten M&#246;rder:</p>
<blockquote><p>Und nun sprach er davon, da&#223; Herr Klevenow ihn, Schulze-Bethmann, mit einem Seil nahe einem Birkenw&#228;ldchen sehr rasch und in bester Absicht erdrosselt h&#228;tte. Er sage dies ohne Ironie. Im Leben, f&#252;gte er hinzu, geschehe fast alles, auch das Erdrosseln, in bester Absicht, und Herr Klevenow w&#228;re allerdings der Meinung gewesen, da&#223; es geboten sei, einen Juden derart zu behandeln. Insofern m&#252;sse man Herrn Klevenow, f&#252;gte er weiter hinzu und widerstand der Versuchung, diesen mit einer freundlichen Bewegung der Hand zu ber&#252;hren, aufrichtig bedauern. Er habe die Menschheit bessern wollen, st&#252;nde nun aber als gemeiner M&#246;rder da. Es sei nicht unerheblich, sagte Schulze-Bethmann, wie um seinen M&#246;rder, der aschfahl geworden war, verbindlicher zu begegnen, da&#223; Herr Klevenow die Insignien seiner hochm&#252;tigen Absicht sofort, nachdem er selbst h&#228;tte sterben m&#252;ssen, an sich entfernt habe und da&#223; er w&#252;nsche, dies als Eingest&#228;ndnis seiner Schuld zu werten. Denn eines m&#252;sse der M&#246;rder, sp&#228;testens nachdem er den Zustand seines Opfers erreicht h&#228;tte, erfahren: Da&#223; seine Tat sinnlos gewesen sei und da&#223; er sie ebensogut h&#228;tte unterlassen k&#246;nnen. Und da&#223; dies, f&#252;gte er hinzu, und war ganz ernst und darum bem&#252;ht, seine Augen, die allen Glanz verloren hatten, nur noch auf die Spitzen seiner Schuhe zu richten, da&#223; dies, wiederholte er, solange wir bei Atem sind, nie geschieht, da&#223; wir einander bei guter Gesundheit und in bester Absicht immer nur hassen, dem&#252;tigen, qu&#228;len, t&#246;ten k&#246;nnen, da&#223; es uns nie gelingt, unserem Dasein wenigstens, indem wir einander freundlich begegnen, einen Schein von Berechtigung zu geben … »Dies«, sagte Schulze-Bethmann, »nenne ich den Wahnsinn des Lebens, und Sie werden einsehen, da&#223; ich keine allzu gro&#223;e Lust habe, einen derartigen Zustand, nachdem man mich fr&#252;hzeitig darum gebracht hat, im Tode nachzuholen.«
</p></blockquote>
<p>Und schlie&#223;lich spricht Klevenow selbst zu Lewanski:</p>
<blockquote><p>»Verstehen Sie mich, mein Herr!« rief er. »Wenn Sie vor ihrem Pianoforte sitzen und derart unnachahmlich spielen, wenn Sie mich und andere zu Tr&#228;nen r&#252;hren, wie sollte ich mir keine Hoffnung dar&#252;ber machen, da&#223; Sie alle Kunst, um die man Sie gebracht hat, wieder hervorzaubern und da&#223; Sie damit das Unrecht, da&#223; man Ihnen angetan hat, ganz und gar unerheblich machen!«</p></blockquote>
<p>Lewanski also &#252;bt in der Zeitlosigkeit des Todes unentwegt, um diese Beethoven-Sonate doch noch zu meistern, und sein M&#246;rder hofft mit ihm, er m&#246;ge erfolgreich sein, um sich von seiner Schuld rein zu waschen. Und damit nicht genug. Wenn es gelungen sei, solle Lewanski vor einem Publikum toter SS-Schergen ein Konzert geben, um auch jene zu erl&#246;sen.</p>
<p>Das alles tr&#228;gt Lange vor in distinguierter Sprache. Die gr&#246;&#223;ten Ungeheuerlichkeiten gehen diesen Toten, scheint es, leicht von den Lippen. </p>
<p>Wie Lewanski sich entscheidet und ob das gew&#252;nschte Konzert stattfindet? Das verrate ich nicht. Diese 100 Seiten wunderbarer Literatur sollten die Turmsegler selbst lesen. »Das Konzert« von Hartmut Lange ist als <a href="http://www.amazon.de/Das-Konzert-Bibliothek-Band-70/dp/3866155204/">Band 70 der SZ-Bibliothek</a> preiswert neu aufgelegt worden und f&#252;r die eher H&#246;r- als Lesewilligen auch als <a href="http://www.amazon.de/Das-Konzert-Hartmut-Lange/dp/3257802773/">H&#246;rbuch</a> erh&#228;ltlich.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20071211/erziehung-fuer-den-marquis/" rel="bookmark" class="crp_title">Erziehung f&#252;r den Marquis</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20061207/erinnerung-an-die-marie-a/" rel="bookmark" class="crp_title">Erinnerung an die Marie A.</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071026/combray/" rel="bookmark" class="crp_title">Combray</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090912/jugend/" rel="bookmark" class="crp_title">Jugend</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20061221/bruchstucke-einer-kindheit/" rel="bookmark" class="crp_title">Bruchst&#252;cke einer Kindheit</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Biografie (19. 10. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20081019/biografie/">Biografie</a> (19. 10. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20091018/das-konzert/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>New York Works</title>
		<link>http://turmsegler.net/20091007/new-york-works/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20091007/new-york-works/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 12:13:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Emily Botein]]></category>
		<category><![CDATA[Joe Richman]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4196</guid>
		<description><![CDATA[
&#8226;&#8226;&#8226; Einige Netzfunde liegen schon seit Monaten in meinem digitalen Zettelkasten und sind hier im Turmsegler lediglich aus einem Grund noch nicht pr&#228;sentiert worden: Sie k&#246;nnten als Sujet f&#252;r einen Roman taugen. Eine dieser potentiellen Buchideen »verschenke« ich hier und heute. 
Das Radio-Feature »New York Works« ist ein Audio-Portr&#228;t einer verschwindenden Stadt. Verschwindend &#8211; wenn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.radiodiaries.org/"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/nyc_works_all.jpg" alt="New York Works Radio Diaries" width="460" height="230"  /></a></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Einige Netzfunde liegen schon seit Monaten in meinem digitalen Zettelkasten und sind hier im Turmsegler lediglich aus einem Grund noch nicht pr&#228;sentiert worden: Sie k&#246;nnten als Sujet f&#252;r einen Roman taugen. Eine dieser potentiellen Buchideen »verschenke« ich hier und heute. </p>
<p>Das Radio-Feature <a href="http://www.radiodiaries.org/newyorkworks-home.html">»New York Works«</a> ist ein Audio-Portr&#228;t einer verschwindenden Stadt. Verschwindend &#8211; wenn man annimmt, dass es bestimmte Menschen sind, die eine Stadt ausmachen, Menschen und das, was sie tun. Die in diesem Feature portr&#228;tierten Menschen stehen f&#252;r ein New York, das es eigentlich schon lange nicht mehr gibt. Da ist der Messerschleifer, der noch immer von Haus zu Haus geht. Da ist einer der letzten Berufsfischer, die noch in Brooklyn ihr Leben fristen. Da ist der Seltzer Man, der auch heute noch einigen wenigen Stammkunden das Mineralwasser nach Hause bringt, oder jener Handwerker, der seit 45 Jahren versucht, die perfekte Kuhglocke herzustellen.</p>
<p>Mein Favorit unter diesen New Yorker Urgesteinen ist Selma Koch, B&#252;stenhalterverk&#228;uferin in einem »bra fitting studio«, das sie mit ihren unterdessen 94 Jahren noch immer f&#252;hrt, ein Familienbetrieb in der 4. Generation, dessen Werbung man wohl glauben darf: »We know your size!«</p>
<p>Diese wunderbaren Kurzreportagen sind online als Realaudio, MP3 und im (englischen) Script <a href="http://www.radiodiaries.org/newyorkworks-home.html">verf&#252;gbar</a>.</p>
<p>Also, wer macht einen Roman daraus?</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20070807/kathleen-york/" rel="bookmark" class="crp_title">Kathleen York</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070606/chelsea-auster-moon/" rel="bookmark" class="crp_title">Chelsea, Auster, Moon</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090722/erste-saetze/" rel="bookmark" class="crp_title">Erste S&#228;tze</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090329/generation-ipod/" rel="bookmark" class="crp_title">Generation iPod</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081114/geniale-ente/" rel="bookmark" class="crp_title">Geniale Ente</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Dramaturgie eines Verhörs (II) (07. 10. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20081007/dramaturgie-eines-verhoers-ii/">Dramaturgie eines Verhörs (II)</a> (07. 10. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20091007/new-york-works/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Robinson Crusoe</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090930/robinson-crusoe/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090930/robinson-crusoe/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 09:43:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poetik]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Defoe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4171</guid>
		<description><![CDATA[
Originalausgabe von »Robinson Crusoe« (Quelle: wikipedia)
W&#228;hrend der n&#228;chsten f&#252;nf Jahre begegnete mir nun nichts Au&#223;ergew&#246;hnliches.
Daniel Defoe, in »Robinson Crusoe«
&#8226;&#8226;&#8226; Vor 350 Jahren &#8211; 1719 &#8211; erschien Daniel Defoes »Weltbuch« »Robinson Crusoe«. Der Roman begr&#252;ndete ein Genre, die sogenannte Robinsonade. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden bereits nicht weniger als 700 Ausgaben gez&#228;hlt. Wie viele es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/robinson_crusoe_originalausgabe.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/robinson_crusoe_originalausgabe_s.jpg" alt="Daniel Defoe, Originalausgabe von »Robinson Crusoe«" /></a><br />
<small>Originalausgabe von »Robinson Crusoe« (Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:E-1719-0027-e-1715-0013.jpg&#038;filetimestamp=20050529134006">wikipedia</a>)</small></p>
<blockquote><p>W&#228;hrend der n&#228;chsten f&#252;nf Jahre begegnete mir nun nichts Au&#223;ergew&#246;hnliches.</p>
<p align="right"><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Defoe">Daniel Defoe</a></strong>, in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robinson_Crusoe">»Robinson Crusoe«</a></p></blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; Vor 350 Jahren &#8211; 1719 &#8211; erschien Daniel Defoes »Weltbuch« »Robinson Crusoe«. Der Roman begr&#252;ndete ein Genre, die sogenannte Robinsonade. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden bereits nicht weniger als 700 Ausgaben gez&#228;hlt. Wie viele es bis heute sind, mag man sich ausmalen. </p>
<p>Daniel Defoe &mdash; auch so ein <a href="http://turmsegler.net/20090929/paulo-coelhos-litblog/">Popstar</a>? Vielleicht. </p>
<p>FAZ.NET widmet dem Roman und den historischen Vorlagen heute <a href="http://www.faz.net/s/Rub642140C3F55544DE8A27F0BD6A3C808C/Doc~E42B3A6FA23B648E0B00163DB21CDF923~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_feuilleton">einen interessanten Beitrag</a>, der auch literaturwissenschaftlich nicht unspannend ist.</p>
<blockquote><p>Der Roman ist insofern das beste Beispiel f&#252;r das, was der Anglist Franco Moretti den Einsatz von »fillers«, also F&#252;llmaterial, im Unterschied zu »Wendepunkten« nennt. An jeder Erz&#228;hlung kann man unterscheiden, an welche ihrer Elemente man sich leicht und woran man sich nach kurzer Zeit kaum mehr erinnert. Wer die Probe an »Robinson Crusoe« und sich selbst macht, wird mit wenig mehr dastehen als: Schiffbruch, Selbsterhaltung, Freitag, Abreise. Anders formuliert: Anfang, Mitte, Ende. Aber dazwischen? Hunderte von Seiten, auf denen &#252;ber nichts als Ziegenzucht, das Schnitzen von Mobiliar, das Wetter oder das Fieber des Insulaners berichtet wird. Einmal hei&#223;t es: »W&#228;hrend der n&#228;chsten f&#252;nf Jahre begegnete mir nun nichts Au&#223;ergew&#246;hnliches.« Die Chronik der achtundzwanzigj&#228;hrigen Gefangenschaft ist ein unerh&#246;rter Vorgang, der aus fast nichts als Allt&#228;glichkeit besteht. Wie sollte es auch anders sein, bei einem Buch, das in zwei Dritteln seines Umfanges jegliche Sozialit&#228;t ausschlie&#223;t?
</p></blockquote>
<p>Ich erinnere mich lebhaft an meine erste (und einzige) Lekt&#252;re dieses Buches. Ich las es in einer Nacht, hellwach, ohne Unterbrechung und mit rasendem Herzen. Keine Spur von Langeweile kam auf. Ich f&#252;rchete nur eins: Dass das Buch schneller zu Ende sein k&#246;nnte als die Nacht.</p>
<p>Ich war sch&#228;tzungsweise 10 Jahre alt. Am Abend zuvor hatte ich gegen den ausdr&#252;cklichen Rat meiner Eltern den Film <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Es_geschah_am_hellichten_Tag">»Es geschah am hellichten Tage«</a> gesehen, in dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_R%C3%BChmann">Heinz R&#252;hmann</a> als Oberleutnant Dr. Hans Matth&#228;i einen Kinderm&#246;rder sucht, der von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gert_Fr%C3%B6be">Gert Fr&#246;be</a> gespielt wird.</p>
<p>Sobald ich in dieser Nacht die Augen schloss, sah ich Gert Fr&#246;be vor mir, der mit dem Kasper zauberte und hinterm R&#252;cken das Rasiermesser bereithielt, um mir die Kehle durchzuschneiden.</p>
<p>Im Bett meiner Eltern zu schlafen, wurde mir verweigert mit Hinweis auf mein Alter und darauf, dass man mich schlie&#223;lich gewarnt habe. Also musste ich diese Angstnacht irgendwie anders durchstehen. Ich griff nach einem Buch &#8211; »Robinson Crusoe« &#8211; und las es von der ersten bis zur letzten Seite, bis es hell wurde.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20071025/rechte-des-lesers/" rel="bookmark" class="crp_title">Rechte des Lesers</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070504/aus-fernen-aus-reichen/" rel="bookmark" class="crp_title">Aus Fernen, aus Reichen</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080112/alias-wilkomirski/" rel="bookmark" class="crp_title">&#8230; alias Wilkomirski</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20091119/plotpoints/" rel="bookmark" class="crp_title">Plotpoints</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080423/verbrannte-buecher/" rel="bookmark" class="crp_title">Verbrannte B&#252;cher</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Tauben (02. 10. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20081002/tauben/">Tauben</a> (02. 10. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090930/robinson-crusoe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Kuh im Propeller</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090922/die-kuh-im-propeller/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090922/die-kuh-im-propeller/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 22:05:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Manfred Krug]]></category>
		<category><![CDATA[Michail Sostschenko]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4111</guid>
		<description><![CDATA[
Manfred Krug bei seiner Ausreise auf der Bornholmer Br&#252;cke
am 20. Juni 1977. Quelle: Landesarchiv Berlin
&#8226;&#8226;&#8226; Von der zumindest in der DDR geradezu legend&#228;r gewordenen Schallplatte »Lyrik, Jazz und Prosa« war hier schon die Rede, und »Der Hase im Rausch« von Sergeij Michalkov, den ich seinerzeit &#8211; Eberhard Esche imitierend &#8211; f&#252;r den Podcast aufgenommen habe, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www2.jugendopposition.de/index.php?id=628"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/Ausreise_Krug_1977.jpg" alt="Manfred Krug bei seiner Ausreise auf der Bornholmer Br&#252;cke am 20. Juni 1977. Quelle: Landesarchiv Berlin" /></a><br />
<small><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Krug">Manfred Krug</a></strong> bei seiner <a href="http://www2.jugendopposition.de/index.php?id=628">Ausreise</a> auf der Bornholmer Br&#252;cke<br />
am 20. Juni 1977. Quelle: Landesarchiv Berlin</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Von der zumindest in der DDR geradezu legend&#228;r gewordenen Schallplatte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lyrik_-_Jazz_-_Prosa">»Lyrik, Jazz und Prosa«</a> war <a href="http://turmsegler.net/20070329/der-hase-im-rausch/">hier</a> schon die Rede, und »Der Hase im Rausch« von Sergeij Michalkov, den ich seinerzeit &#8211; Eberhard Esche imitierend &#8211; f&#252;r den Podcast aufgenommen habe, geh&#246;rt zu den meistgelesenen (und angeh&#246;rten) Beitr&#228;gen. </p>
<p>Letztens schenkte mir ein alter Schulfreund ein Reclam-B&#228;ndchen mit Geschichten von Michail Sostschenko. Sofort bl&#228;tterte ich nach der »Kuh im Propeller«, in dem damaligen Veranstaltungsmitschnitt von Manfred Krug vorgetragen. Leider war diese &#220;bersetzung so grauenvoll, dass ich sie den Turmseglern nicht zumuten kann. Aber mit ein wenig M&#252;he l&#228;sst sich der kurze Text rekonstruieren. Und hier ist er also, oder soll ich sagen, sie: »Die Kuh im Propeller«.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lyrik_-_Jazz_-_Prosa"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/jazzlyrikprosa.gif" class="alignleft"/></a>Grigori Kossonossow, der W&#228;chter der Fliegerschule fuhr auf Urlaub in sein Heimatdorf.</p>
<p>»Nun, was ist, Genosse Kossonossow«, sagten die Kollegen beim Abschied: »Da ihr schon hinfahrt, k&#246;nnt ihr vielleicht ein bisschen agitieren dort im Dorf. Sagt den B&#228;uerlein so und so, das Flugwesen entwickelt sich bei uns, vielleicht tragen sie etwas Geld zusammen f&#252;r ein neues Flugzeug!«</p>
<p>»Da k&#246;nnt ihr versichert sein«, antwortete Grigori Kossonossow, »w&#228;r was anderes, wenn es nicht ums Flugwesen ginge, aber dar&#252;ber, seid unbesorgt, werd&#8217; ich schon was richtiges sagen!«</p>
<p>Kossonossow kam nach Hause und begab sich gleich am Tag seiner Ankunft zum Dorfsowjet. »Also«, sagte er, »ich will hier ein bi&#223;chen agitieren! Kann man nicht eine Versammlung einberufen?«</p>
<p>»Nun, warum nicht?« antwortete der Vorsitzende: »Agitiert nur, agitiert nur!«</p>
<p>Am anderen Tag rief der Sowjet die Bauern beim Feuerwehrschuppen zusammen. Grigori Kossonossow trat vor sie hin und begann: »Also, so ist das, das Flugwesen, Genossen Bauern! Da ihr ein, naja, na Gott naja ungebildetes Volk seid, werde ich euch etwas von der Politik erz&#228;hlen. Hier, sagen wir mal, ist Deutschland und dort ist Frankreich. Hier Russland und da &#8211; naja, &#252;berhaupt&#8230;«</p>
<p>»Wovon redest du eigentlich, V&#228;terchen?« fragten die Bauern.</p>
<p>»Wor&#252;ber?« erkl&#228;rte Kossonossow emp&#246;rt: »&#220;ber das Flugwesen nat&#252;rlich! Bl&#252;ht halt sehr auf das Flugwesen! Hier ist also Russland und da China.« Die Bauern h&#246;rten finster zu.</p>
<p>»Halt dich nicht auf!« rief jemand von hinten: »Red&#8217; weiter!«</p>
<p>»Ich halt mich ja gar nicht auf«, sagte Kossonossow eingesch&#252;chtert: »Ich red&#8217; ja &#252;ber das Flugwesen. Es entwickelt sich bei uns, Genossen Bauern, nichts dagegen zu sagen, was wahr ist, ist wahr!«</p>
<p>»Hm, etwas unverst&#228;ndlich«, rief der Vorsitzende: »Sie, Genosse, m&#252;ssen etwas volkst&#252;mlicher sprechen, damit sie die Masse auch versteht!«</p>
<p>Kossonossow trat n&#228;her an den Haufen der Bauern heran, setzte verlegen das eine Bein vor und begann von neuem. »Also, Genossen Bauern &#8211; man baut Flugzeuge bei uns. Und nachher &#8211; ssst &#8211; fliegt man! In der Luft sozusagen! Nun, mancher nat&#252;rlich h&#228;lt sich oben nicht gut, bums, saust er runter wie der Fliegergenosse Jeremilkin, rauffliegen tat er ganz gut und dann bums, krach, ein nasser Fleck blieb &#252;brig!«</p>
<p>»Ist doch kein Vogel schlie&#223;lich«, sagten weise die Bauern.</p>
<p>»Eben, das sag&#8217; ich auch!« sagte Kossonossow, erfreut &#252;ber die Anteilnahme: »Nat&#252;rlich kein Vogel! Ein Vogel, wenn der herunterf&#228;llt, nun ja, er sch&#252;ttelt sich und los weiter. Anders beim Menschen. War da noch so ein anderer Flieger. Der fiel auf einen Baum und hing da wie ein &#196;pfelchen. Hat sich nat&#252;rlich erschreckt, der Arme, es war zum kranklachen! Ja, ja, verschiedenes passiert so! Da ist einmal eine Kuh in den Propeller gekommen! Ritsch, ratsch weg war sie! Auch Hunde!«</p>
<p>»Und Pferde?« fragten &#228;ngstlich die Bauern: »Auch Pferde, V&#228;terchen?«</p>
<p>»Auch Pferde!« sagte stolz im Brustton der &#220;berzeugung der Redner. »Das kommt oft vor!«</p>
<p>»Ach, diese Kannallien, hol sie der Teufel!« sagte jemand. »Was sie sich jetzt alles ausdenken. Pferde zu Tode qu&#228;len&#8230; Nun V&#228;terchen &#8211; und das entwickelt sich jetzt, ja?«</p>
<p>»Eben, das sag ich ja! Es entwickelt sich, Genossen Bauern! Und darum, meine ich, sammelt die ganze Bauernschaft etwas Geld.«</p>
<p>»Wof&#252;r denn blo&#223;?« fragten neugierig die Bauern.</p>
<p>»F&#252;r ein Flugzeug nat&#252;rlich!« sagte der Redner.</p>
<p>Die Bauern l&#228;chelten sehr finster und gingen langsam auseinander. Geld f&#252;r ein neues Flugzeug brachte Kossonossow, als er von seinem Urlaub zur&#252;ckkam, nicht mit. Die Bauern seines Heimatdorfes waren eben noch ein zu ungebildetes Volk.</p>
<p align="right"><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Michailowitsch_Soschtschenko">Michail Sostschenko</a></strong>: »Die Kuh im Propeller«</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20080305/die-bauern-ueberliefern/" rel="bookmark" class="crp_title">Die Bauern &#252;berliefern</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070329/der-hase-im-rausch/" rel="bookmark" class="crp_title">Der Hase im Rausch</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071114/termin-am-mittag/" rel="bookmark" class="crp_title">Termin am Mittag</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071104/mrs-dalloway-in-der-bond-street/" rel="bookmark" class="crp_title">Mrs Dalloway in der Bond Street</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070131/blaubart/" rel="bookmark" class="crp_title">Blaubart</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Lektorat (I) (22. 09. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080922/lektorat-i/">Lektorat (I)</a> (22. 09. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090922/die-kuh-im-propeller/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
<enclosure url="http://turmsegler.net/audio/Die_Kuh_im_Propeller.mp3" length="" type="" />
		</item>
		<item>
		<title>Ungeschehene Empf&#228;ngnis</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090921/ungeschehene-empfaengnis/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090921/ungeschehene-empfaengnis/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 07:35:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Koeppen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4097</guid>
		<description><![CDATA[
Wolfgang Koeppen &#8211; Foto: &#169; Stefan Moses
&#8226;&#8226;&#8226; Jetzt sind die bestellten Koeppen-B&#252;cher da, und ich wei&#223; gar nicht, wo ich beginnen soll. Vielmehr: Ich habe ja begonnen &#8211; und zwar mit »Tauben im Gras« &#8211; aber am Freitag kam auch der Briefwechsel, den Koeppen &#252;ber 36 Jahre mit seiner Frau Marion f&#252;hrte, und gleich habe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/Koeppen_stefan_moses.jpg" title="Wolfgang Koeppen - Foto: &copy; Stefan Moses (Originalgr&#246;&#223;e)"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/Koeppen_stefan_moses_s.jpg" alt="Wolfgang Koeppen - Foto: &copy; Stefan Moses" /></a><br />
<small><strong><a href="http://turmsegler.net/tag/wolfgang-koeppen/">Wolfgang Koeppen</a></strong> &#8211; Foto: &copy; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Moses">Stefan Moses</a></small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Jetzt sind die bestellten <a href="http://turmsegler.net/20090912/jugend/">Koeppen-B&#252;cher</a> da, und ich wei&#223; gar nicht, wo ich <a href="http://turmsegler.net/20090916/eine-frechheit/">beginnen</a> soll. Vielmehr: Ich habe ja begonnen &#8211; und zwar mit <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3518371010/">»Tauben im Gras«</a> &#8211; aber am Freitag kam auch der <a href="http://www.amazon.de/%2522-trotz-allem-wie-bist%2522-Wolfgang/dp/3518419773/">Briefwechsel</a>, den Koeppen &#252;ber 36 Jahre mit seiner Frau Marion f&#252;hrte, und gleich habe ich mich auch dort festgelesen, dem Marketing-Wiesel des Verlags auf den Leim gegangen. Denn was steht da im Klappentext? Man h&#228;tte &#252;ber Jahre angenommen, das Zusammensein mit der um so viel j&#252;ngeren und schwer mit Alkoholproblemen beladenen Frau sei verantwortlich gewesen f&#252;r Koeppens jahrzehntelanges Schweigen; doch legten die Briefe, Telegramme und eilig hingeworfenen Zettelbotschaften nun etwas anderes nahe. Ach ja? Und schon ist das Buch aufgeschlagen und man liest sich hinein in die fremden intimen Botschaften, als st&#246;bere man in einem Gossip-Blatt.</p>
<p>Woher r&#252;hrt nur das ungebrochene Interesse am Privatleben der gesch&#228;tzten Autoren? Was steckt dahinter, dass man sich gerade deren Leben ausgesp&#228;ht w&#252;nscht? (So ist es ja offenbar.) Ist denn die Frage, warum Koeppen so lange schwieg, existentiell? Oder ist das Schl&#252;ssellochlinsen allgemein eine Attraktion, umso mehr, wenn der Ausgesp&#228;hte B&#252;cher geschrieben hat, die man sch&#228;tzt?</p>
<p>Ich war sehr irritiert, als ich unter einem der Briefe die Gru&#223;formel las, die in einem meiner fr&#252;heren Leben so etwas wie ein gefl&#252;geltes Wort war: »Gru&#223; und Ku&#223;, Kopernikus«. So nannte sich Koeppen, und Gru&#223; und Ku&#223; gingen an Marion. (Nein, f&#228;llt mir jetzt auf: Bei uns hie&#223; es »Hieronymus«.)</p>
<p>Vielleicht, denke ich mir, ist Parallellesen gar keine schlechte Idee, die Romane und daneben die Briefe aus der jeweiligen Zeit des Schreibens. Die Frage ist ja aufgeworfen, die zumindest Unseld heftig umgetrieben haben muss: Warum schweigt der Mann? Warum beh&#228;lt er den erwarteten gro&#223;en Roman f&#252;r sich? Da schaue ich nun auf die Botschaften und gleichzeitig auf Emilia und Philipp aus <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3518371010/">»Tauben im Gras«</a> und bin versucht, ein dort gestaltetes Bild f&#252;r eine Fotografie zu halten: Wolfgang und Marion.</p>
<p>Als br&#228;uchte es einen Grund zum Schweigen. Das ist schlie&#223;lich der nat&#252;rliche Zustand des Dichters. Wenn die D&#228;mme mal brechen, ist es ein Wunder. Und wer ist auf Wunder schon abonniert?</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<p>Die b&#246;se Emilia wandte sich gegen die Menschen. Sie fuhr hoch und rief: »Philipp!« Sie lauschte, die Z&#252;ge ihres Gesichts zwischen Weinen und Erbitterung. Philipp hatte sie verlassen! Sie knipste die Bettlampe an, stand auf, rannte nackt durch das Zimmer, drehte den Schalter f&#252;r das Deckenlicht, silberne Kerzenbirnen, die sich in gr&#252;nspanbedeckten Mispelzweigen wiegten, Wandarme entflammten, Licht, das sich in Spiegeln wiederholte, vervielfachte und von Lichtschirmen gef&#228;rbt, gelb und r&#246;tlich, wie gelbe und r&#246;tliche Schatten auf die Haut der Frau fiel, auf ihren fast noch kindlichen Leib, die hohen Beine, die kleinen Br&#252;ste, die schmalen H&#252;ften, den glatten elastischen Bauch. Sie lief in Philipps Zimmer, und das nat&#252;rliche Licht des tr&#252;ben Tages, das hier durch das unverh&#252;llte Fenster drang, lie&#223; ihre h&#252;bsche Gestalt pl&#246;tzlich erbleichen. Die Augen gl&#228;nzten krank, lagen unter Schatten, das linke Lid hing herab, als w&#228;re es aller Spannkraft beraubt, die kleine eigensinnige Stirn war gefurcht, Schmutzteilchen staken in der Haut, die schwarzen Haare baumelten in kurzen Zotteln ins Gesicht. Sie betrachtete den Tisch mit der Schreibmaschine, das wei&#223;e unbeschriebene Papier, die Requisiten der Arbeit, die sie verabscheute und von der sie sich Wunder versprach, Ruhm, Reichtum, Sicherheit, &#252;ber Nacht gewonnen, in einer Rauschnacht, in der Phillip ein bedeutendes Werk schreiben w&#252;rde, in einer Nacht, doch nicht an vielen Tagen, nicht in einer Art Dienst, nicht mit dem stetigen Geklapper der kleinen Schreibmaschine. »Er ist unf&#228;hig. Ich hasse dich«, fl&#252;sterte sie, »ich hasse dich!« Er war gegangen. Er war ihr entlaufen. Er w&#252;rde wiederkommen. Wo sollte er hingehen? Aber er war gegangen; er hatte sie allein gelassen. War sie so unertr&#228;glich? Sie stand nackend in dem Arbeitsraum, nackt in dem Tageslicht, eine Stra&#223;enbahn fuhr vor&#252;ber, Emilias Schultern sackten ein, die Schl&#252;sselbeinknochen traten hervor, ihr Fleisch verlor an Frische, und ihre Haut, ihre Jugend, war wie mit abgestandener, mit geronnener Milch &#252;bergossen, f&#252;r eine Sekunde k&#228;sig, s&#228;uerlich, kr&#252;melig. Sie legte sich auf das rillige Ledersofa, das fest und kalt wie ein Doktorbett und darum ihr unheimlich war, und sie dachte an Philipp, zauberte ihn durch Denken herbei, zwang ihn in den Raum zur&#252;ck, den Komischen, den Unf&#228;higen, den Nicht-Gesch&#228;ftsmann, den Gef&#228;hrten, den Geliebten, den Geha&#223;ten, den Sch&#228;nder und Gesch&#228;ndeten. Sie steckte ihren Finger in den Mund, umz&#252;ngelte ihn, feuchtete ihn an, ein kleines M&#228;dchen, nachdenklich, verlassen, ratlos, streichle-mich, sie nahm den Finger, spielte an sich, lie&#223; ihn in sich eindringen und fiel in die tiefe Bet&#228;ubung der Lust, die ihr, dem Tag zwar schon preisgegeben und von seinem Schein schon feindlich &#252;bersch&#252;ttet, noch ein St&#252;ck innerer Nacht gew&#228;hrte, eine Spanne Heimlichkeit und Liebe, ein Hinausz&#246;gern &mdash; </p>
<p>[...] Ersch&#246;pfung perlte auf ihrer Stirn, jede Perle ein Mikrokosmos der Unterwelt, ein Gewimmel von Atomen, Elektronen und Quanten, Giordano Bruno sang auf dem Scheiterhaufen das Lied von der Unendlichkeit des Alls, Boticellis Fr&#252;hling reifte, wurde Sommer, wurde Herbst, war es schon Winter, ein neuer Fr&#252;hling? ein Embryo des Fr&#252;hlings? Wasser sammelte sich in ihren Haaren, sie f&#252;hlte sich feucht an, und vor ihrem gl&#228;nzenden, im Feuchten schwimmenden Blick schien Philipps Schreibtisch ihr wieder ein Ort des Zauberns, ein geha&#223;ter Ort freilich, aber die St&#228;tte des m&#246;glichen Wunders zu sein: Reichtum und Ruhm, auch sie in r&#252;hmlichem Reichtum und in Sicherheit! Sie taumelte. Die Sicherheit, die ihr die Zeit genommen hatte, die ihr das verk&#252;ndete, angefallene und entwertete Erbe nun versagte, die ihr die H&#228;user nicht mehr gew&#228;hrten, die Risse in den Mauern, &#252;berall Risse in der Materie, w&#252;rde ihr diese verlorene, wie ein Hochstapler aufgetretene und wie ein Hochstapler geplatzte Sicherheit der schwache, mittellose, von Herzklopfen und Schwindel gequ&#228;lte Philipp bringen, der, immerhin, das war neu f&#252;r sie, mit dem Unsichtbaren in Verbindung stand, dem Gedanken, dem Geist, der Kunst, der hier sein Sach auf nichts gestellt, aber dort im Spirituellen vielleicht ein Guthaben hatte? Vorerst aber war jede Sicherheit hin. Philipp sagte, es habe nie eine Sicherheit gegeben. Er log! Er wollte sein Gut nicht mit ihr teilen. Wie k&#246;nnte er ohne Sicherheit leben? Emilia war nicht schuld, da&#223; die alte Sicherheit eingest&#252;rzt war, in deren Scho&#223; zwei Generationen sich&#8217;s gem&#252;tlich gemacht hatten. Sie wollte Rechenschaft! Sie forderte ihr Erbe von jedermann, der &#228;lter war als sie. Sie war in der Nacht durchs Haus gerast, eine kleine schm&#228;chtige Furie, von ihren Tieren gefolgt, den nicht reden k&#246;nnenden und darum unschuldigen Lieblingen, gestern, als Philipp sich dr&#252;ckte, als er ihre Schreie nicht zu ertragen meinte, ihr sinnloses Aufbegehren treppauf treppab zum Hausmeister in den Keller, F&#252;&#223;e und F&#228;uste gegen die geschlossene T&#252;r: »Ihr Nazis, warum habt ihr ihn gew&#228;hlt, warum habt ihr das Elend gew&#228;hlt, warum den Abgrund, warum den Untergang, warum den Krieg, warum das Verm&#246;gen in die Luft geschossen, ich hatte ja Geld, ihr Nazis« (und der Hausmeister lag hinter der verriegelten T&#252;r, hielt den Atem an, r&#252;hrte sich nicht, dachte &raquo;warte es geht vor&#252;ber, ein Wetter, es kommt wieder anders, sie beruhigt sich&laquo;), und die andern Nazis hinter anderen T&#252;ren im Haus, ihr Vater hinter der gesicherten Schlo&#223;falle ein Miterbe »du Nazi, du Tor, Verschleuderer, mu&#223;test marschieren, mu&#223;test mitmarschieren, mitlaufen, bist Mitl&#228;ufer, Hakenkreuz auf der Brust, futsch das Geld, konntet ihr nicht Ruhe geben? mu&#223;tet ihr kl&#228;ffen?« (und der Vater sa&#223; hinter der T&#252;r, h&#246;rte nicht den Schrei, stellte sich nicht der Anklage, gerechtfertigt oder nicht, hielt die Akten vors Gesicht, die Bankpapiere, die Schuldbriefe, die Hinterlegungsscheine, rechnete &raquo;und dies bleibt mir noch und dieser Anteil und jener und dort ein F&#252;nftel vom Nebenhaus und vielleicht die Berliner Hypothek, aber im Ostsektor, wer wei&#223;&laquo; USA GEGEN PR&#196;VENTIVKRIEG). Warum sorgte Philipp sich nicht? Vielleicht, weil er von dem mitzehrte, was sie noch hatte, vom Gott der Gro&#223;eltern, und sein Gott war ein falscher Gott? Wenn man es alles wissen k&#246;nnte! Das blasse Gesicht zuckte. Sie taumelte nackt zum Schreibtisch, nahm ein Blatt vom Sto&#223; des wei&#223;en unbeschriebenen Papiers, vom H&#228;ufchen der Reinheit der ungeschehenen Empf&#228;ngnis, spannte es in die kleine Maschine ein und tippte vorsichtig mit einem Finger: &raquo;Sei nicht b&#246;se. Ich liebe dich doch, Philipp. Bleib bei mir.&laquo;</p>
<p align="right"><strong><a href="http://turmsegler.net/tag/wolfgang-koeppen/">Wolfgang Koeppen</a></strong>, aus: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3518371010/">»Tauben im Gras«</a> (Roman)<br />
&copy; Suhrkamp Verlag (1972, 2008)</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090925/roman-essen-seele-auf/" rel="bookmark" class="crp_title">Roman essen Seele auf</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090912/jugend/" rel="bookmark" class="crp_title">Jugend</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20100120/das-leben-gefiltert/" rel="bookmark" class="crp_title">Das Leben gefiltert</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070320/brennende-geduld/" rel="bookmark" class="crp_title">Brennende Geduld</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070603/an-einen-ungenannten/" rel="bookmark" class="crp_title">an einen ungenannten</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Lektorat (I) (22. 09. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080922/lektorat-i/">Lektorat (I)</a> (22. 09. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090921/ungeschehene-empfaengnis/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Epilog</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090917/epilog/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090917/epilog/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 10:31:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Lawrence Grobel]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4085</guid>
		<description><![CDATA[
Truman Capote &#38; Autograph
Es werden mehr Tr&#228;nen &#252;ber erh&#246;rte Gebete vergossen als &#252;ber nicht erh&#246;rte.
Theresa von Avila (aus d. Ged&#228;chtnis nach T. Capote)

&#8226;&#8226;&#8226; Am vorletzten Tag des Jahres kommt ein Epilog gerade recht, umso mehr, wenn darin von »Answered Prayers«, also erh&#246;rten Gebeten, und Tod die Rede ist.
Am Wochende liegen die B&#252;cher des Gerichts offen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/capote_signed.jpg" alt="Truman Capote &amp; Autograph" /><br />
<small>Truman Capote &amp; Autograph</small></p>
<blockquote><p>Es werden mehr Tr&#228;nen &#252;ber erh&#246;rte Gebete vergossen als &#252;ber nicht erh&#246;rte.</p>
<p align="right">Theresa von Avila (aus d. Ged&#228;chtnis nach T. Capote)</p>
</blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; Am vorletzten Tag des Jahres kommt ein Epilog gerade recht, umso mehr, wenn darin von »Answered Prayers«, also erh&#246;rten Gebeten, und Tod die Rede ist.</p>
<p>Am Wochende liegen die B&#252;cher des Gerichts offen da: <a href="http://turmsegler.net/20070912/unetane-tokef/">Wer wird leben, wer wird sterben?</a> Und wenn ich dieses Jahr an den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rosch_ha-Schana">»gro&#223;en wei&#223;en Tagen«</a> meinen Kittel anziehe &#8211; Vorgeschmack auf die Tachrichim, die Grabkleider &#8211; wird das nach meinen <a href="http://turmsegler.net/20090819/was-ist-eine-tahara/">Erfahrungen in Antwerpen</a> noch einmal eine ganz andere Dimension haben als in den Jahren zuvor.</p>
<p>Mit dem Gebet ist es auch so eine Sache. Man muss vorsichtig sein. Man k&#246;nnte erh&#246;rt werden.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<p align="right">Dienstag, den 28. August 1984</p>
<p>Die Kameras fuhren auf vor dem Eingang zur Kapelle der Westwood-Village-Leichenhalle. Klavierausz&#252;ge aus <em>House of Flowers</em> erklangen. Die fr&#252;hmorgendliche Feierstunde war w&#252;rdig und bewegend.</p>
<p>Robert Blake, der Schauspieler des Perry Smith im Film <em>In Cold Blood</em> erz&#228;hlte, wie er Truman zum ersten Mal begegnet sei, am Drehort in Kansas. »Er lehrte mich mehr als jeder andere &#252;ber Schauspielerei«, sagte Blake. »Er nannte mich immer Bobby B. ‚Sei einfach du selbst, Bobby B. Lass es von innen kommen.’«</p>
<p>Blakes z&#228;rtlichste Erinnerung war dieses eine Mal, als Truman ihn aus Fire Island anrief, wo er ein Haus gemietet hatte. Dort tobte ein Hurrikan, sagte Blake, und im Hause lag eine H&#252;ndin in den Geburtswehen. »Truman wusste nicht, was er tun sollte, und ich redete w&#228;hrend der ganzen Geburt auf ihn ein. Dann legte Truman den H&#246;rer ab und verschwand. Als er wieder an die Leitung kam, meinte er, er verstecke sich in der K&#252;che, weil die H&#252;ndin versucht habe, ihn zu bei&#223;en. Ich sagte ihm, es sei der nat&#252;rliche Instinkt der H&#252;ndin, die Nabelschnur abzubei&#223;en, und er m&#252;sse wieder hingehen und helfen. Da war ich nun, in Los Angeles, und sprach auf diesen wunderbaren verschreckten Schriftsteller ein, w&#228;hrend ein Hurrikan an seinem Haus r&#252;ttelte. Aber er ging wieder hin und tat, was er tun musste.«</p>
<p>Armand Deutsch, stellvertretender Vorsitzender des <em>President’s Commitee on the Arts and Humanities</em> [Ausschuss f&#252;r Kunst und Wissenschaften], und ein alter Freund Trumans sprach als n&#228;chster. Er erz&#228;hlte von einer Party, die Bennett Cerf f&#252;r Capote gab, nachdem sein erster Roman erschienen war. »Es war eine ganz gro&#223;artige Angelegenheit, und der Butler trat ein und meldete, ein kleiner Junge st&#252;nde vor der T&#252;r. Der kleine Junge war nat&#252;rlich Truman. Er war begeistert von der Party, und alle waren hingerissen von ihm. Danach, sagte Bennett Cerf, h&#228;tte Truman nie mehr zu Hause gespeist.«</p>
<p>Alan Schwartz, Trumans Rechtsanwalt und Testamentsvollstrecker, berichtete von Trumans Witz und von seinen Bosheiten, ersterer seinen Freunden vorbehalten, letztere seinen Feinden. Weinend trug dann Joanne Carson den letzten Abschnitt aus <em>A Christmas Memory</em> vor, wie Truman sagte, sein vollkommenstes Werk.</p>
<p>Artie Shaw ergriff das Wort und sagte: »Truman starb an alledem, er starb am Leben, starb daran, ein volles Leben gelebt zu haben. Und doch, in den letzten Jahren schien es, als sei Truman bereit gewesen, sich von all dem zu l&#246;sen. Am Ende wird es nicht seine Ber&#252;hmtheit sein, derer man gedenken wird, sondern sein Werk.« Und weiter sprach Shaw &#252;ber das Wesen des K&#252;nstlers und dass Truman einer gewesen sei, »einer von den ganz seltenen. Aber lasst uns das Lachen nicht vergessen in dieser Zeit der Trauer, denn Truman h&#228;tte gewollt, dass wir lachen.«</p>
<p>Gebrechlichen Schrittes kam Christopher Isherwood als letzter vor. Er sprach nur wenige Worte … und dann lachte er. Und indem er lachte, fiel mir ein Wort von Isherwood ein, das er einmal dem Publikum gesagt hatte, das gekommen war, um seine Filme in jenem Kino in Hollywood anzusehen. Irgendjemand hatte gefragt, wie er sich f&#252;hle beim &#196;lterwerden. »K&#228;me das Alter zur T&#252;r dort herein, man w&#252;rde sich umdrehen und davonrennen«, bekannte er. »Aber es schleicht so freundlich heran.«</p>
<p>So hatte der Tod sich an Truman herangeschlichen.</p>
<p>Das Lied <em>Don’t Like Goodbye</em> wurde gesungen, w&#228;hrend alle aufstanden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Als ich vor dem geschlossenen Sarg stand, legte ich meine Hand auf das reichverzierte Holz und fl&#252;sterte: Good bye. Auf einmal schwebten in meinem Inneren Trumans letzte Worte. Es war seine Antwort an jene, die er, mitunter in so durchsichtiger Verkleidung, in den ver&#246;ffentlichten Kapiteln von <em>Answered Prayers</em> portr&#228;tiert hatte.</p>
<p>»Ich begreife gar nicht, warum alle so verst&#246;rt sind«, hatte er gesagt: »Was dachten sie wohl, wen sie bei sich h&#228;tten &mdash; einen Hofnarren? Sie hatten einen Schriftsteller vor sich!«</p>
<p align="right"><small>aus: <a href="http://www.amazon.de/Ich-bin-schwul-s&#252;chtig-Genie/dp/B0026LFJYI/">»Ich bin schwul, ich bin s&#252;chtig, ich bin ein Genie«</a>,<br />
Ein intimes Gespr&#228;ch zwischen<br />
Truman Capote und Lawrence Grobel<br />
Aus dem Englischen von Thomas Lindquist<br />
&copy; <a href="http://www.amazon.de/Ich-bin-schwul-s&#252;chtig-Genie/dp/B0026LFJYI/">Diogenes Verlag</a> 1986</small></p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090825/peitsche/" rel="bookmark" class="crp_title">Und danach – traf mich die Peitsche</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090902/wahrheit-in-fiktionaler-form/" rel="bookmark" class="crp_title">Wahrheit in fiktionaler Form</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081127/capote-macht-gluecklich/" rel="bookmark" class="crp_title">Capote macht gl&#252;cklich</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081224/buecherbaum/" rel="bookmark" class="crp_title">B&#252;cherbaum</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/" rel="bookmark" class="crp_title">D. G. Myers zu »Kaltbl&#252;tig«</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Lektorat (I) (22. 09. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080922/lektorat-i/">Lektorat (I)</a> (22. 09. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090917/epilog/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Seppuku</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090914/seppuku/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090914/seppuku/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 08:22:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Yukio Mishima]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4067</guid>
		<description><![CDATA[
Yukio Mishima (1925-1970)
&#8226;&#8226;&#8226; Die leidige Kr&#228;nkelei der letzten Woche hat mich weit hinter alle Planung zur&#252;ckfallen lassen. So kommt es mir jedenfalls vor; dabei bin ich nur acht Tage »ausgefallen«. Immerhin konnte ich Scheuer lesen. Heute bin ich wieder zu meiner U-Bahn-Lekt&#252;re zur&#252;ckgekehrt. Das ist noch immer Lawrence Grobels Interview mit Capote.
Es wundert nicht, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yukio_Mishima"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/Yukio_Mishima.jpg" alt="Yukio Mishima" width="460" height="387"/></a><br />
<small><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yukio_Mishima">Yukio Mishima</a></strong> (1925-1970)</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Die leidige Kr&#228;nkelei der letzten Woche hat mich weit hinter alle Planung zur&#252;ckfallen lassen. So kommt es mir jedenfalls vor; dabei bin ich nur acht Tage »ausgefallen«. Immerhin konnte ich <a href="http://turmsegler.net/20090911/ueberm-rauschen/">Scheuer</a> lesen. Heute bin ich wieder zu meiner U-Bahn-Lekt&#252;re zur&#252;ckgekehrt. Das ist noch immer <a href="http://turmsegler.net/20090902/wahrheit-in-fiktionaler-form/">Lawrence Grobels Interview mit Capote</a>.</p>
<p>Es wundert nicht, dass Capote sehr pointierte und in aller Regel nicht eben schmeichelhafte Meinungen &#252;ber die Autoren seiner Zeit hatte. Und nat&#252;rlich geht er auch heftig mit der Nobelpreis-Jury ins Gericht. Einen der von dieser Jury zwar erwogenen, am Ende aber doch nicht bedachten Autor, hebt Capote allerdings hervor, den Japaner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yukio_Mishima">Yukio Mishima</a>.</p>
<p>Gelesen habe ich von Mishima noch nichts (wer hat?), aber vor Monaten bin ich schon einmal auf ihn gesto&#223;en. Damals las ich zum wiederholten Mal <a href="http://turmsegler.net/20070407/die-kunst-des-krieges/">»Die Kunst des Krieges«</a> von Sunzi und st&#246;berte in den Online-Ressourcen nach Informationen &#252;ber den korrekten Ablauf des Seppuku-Rituals. Sunzi wie auch <a href="http://turmsegler.net/tag/tsunetomo-yamamoto/">Tsunetomo Yamamoto</a> in seinem <a href="http://turmsegler.net/20071217/in-sieben-atemzuegen/">»Hagakure«</a> widmen diesem Selbstt&#246;tungsritual einiges an Aufmerksamkeit.</p>
<p>Seit der Meiji-Restauration im Jahr 1868 ist Seppuku in Japan offiziell verboten. Das hinderte den Schriftsteller Yukio Mishima jedoch nicht daran, am 25. November 1970 &#246;ffentlich und im Beisein von Journalisten Seppuku zu begehen.</p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/Seppuku_JMW_Silver.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/Seppuku_JMW_Silver_s.jpg" alt="Photo from »Sketches of Japanese Manners and Customs«, by J. M. W. Silver, Illustrated by Native Drawings, Reproduced in Facsimile by Means of Chromolithography, published in London in 1867" /></a><br />
<small>Seppuku-Zeremonie am Ende der Edo-Zeit</small></p>
<p>Seppuko ist eigentlich eine »consentful execution«. Das Ritual muss mit einem Sekundanten ausgef&#252;hrt werden. </p>
<blockquote><p>Beim Seppuku schnitt sich der im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seiza">Seiza</a> sitzende Mann nach Entbl&#246;&#223;ung des Oberk&#246;rpers mit der in Papier gewickelten und zumeist speziell f&#252;r diesen Anlass aufbewahrten Klinge eines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wakizashi">Wakizashi</a> den Bauch ungef&#228;hr sechs Zentimeter unterhalb des Nabels (genannt Tanden; Zentrum der Balance des menschlichen K&#246;rpers und nach religi&#246;ser Auffassung der Sitz der Seele, im Zen auch die Hauptflussader des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Q%C3%AC">Ki</a>) in der Regel von links nach rechts mit einer abschlie&#223;enden Aufw&#228;rtsf&#252;hrung der Klinge auf. [...] Nach Ausf&#252;hrung der Schnitte wurde vor oder nach der Ablage der Klinge von einem bereitstehenden Assistenten (dem Kaishaku-Nin oder Sekundanten, ebenfalls ein Samurai, meistens der engste Vertraute) der Hals mit einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Katana">Katana</a> oder seltener mit einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tachi">Tachi</a> von der Halswirbels&#228;ule her weitgehend, jedoch nicht vollst&#228;ndig durchtrennt, um einen schnellen Tod herbeizuf&#252;hren.</p>
<p align="right">Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seppuku">wikipedia.de</a></p>
</blockquote>
<p>Patzte der Sekundant, indem er den Schwerthieb zu fr&#252;h oder zu sp&#228;t ausf&#252;hrte oder den Kopf ganz abtrennte, konnte er dies nur s&#252;hnen, indem er selbst Seppuku beging.</p>
<p>Die Samurai f&#252;hrten das Seppuku haupts&#228;chlich aus drei Gr&#252;nden aus: Zum einen vermied es Schande, wenn man w&#228;hrend einer Schlacht dem Gegner in die H&#228;nde fiel und Kriegsgefangener wurde. Des Weiteren konnte es beim Tod des Herren (Daimyō) ausgef&#252;hrt werden, oder man protestierte mithilfe des Seppuku gegen einen irrenden Vorgesetzten (sic!, das k&#246;nnte denen so passen&#8230;). Schlie&#223;lich diente es auch als Todesstrafe.</p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/ronin-seppuku.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/ronin-seppuku_s.jpg" alt="Onodera Junais Ehefrau, einem der 47 Rōnin, bereitet sich auf das Jigai vor (Holzschnitt von Kuniyoshi in Seichū Gishinden, 1848)" /><br />
</a><small>Onodera Junais Ehefrau, einem der 47 Rōnin, bereitet sich auf das Jigai vor (Holzschnitt von Kuniyoshi in Seichū Gishinden, 1848)</small></p>
<p>Mishima w&#228;hlte diesen Abgang aus Traditionsgr&#252;nden. Schon 1968 hatte er in einem Interview zu Protokoll gegeben, »dass Seppuku nicht immer eine Niederlage bedeutet, sondern dich auch gewinnen lassen kann«. </p>
<blockquote><p>In seinem wichtigsten Aufsatz Bunka Bōeiron (文化防衛論, dt. »Verteidigung einer Kultur«) argumentierte Mishima 1968, dass der Tennō, der Kaiser von Japan, die Quelle der japanischen Kultur sei und die Verteidigung des japanischen Kaisers somit auch eine Verteidigung der japanischen Kultur sei. Er formierte eine Privatarmee, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tatenokai">Tatenokai</a> (Schildgesellschaft), um den Kaiser zu besch&#252;tzen. [...] Am 25. November 1970 nahm Mishima mit anderen Mitgliedern der Tatenokai in Tokio den diensthabenden Kommandanten der japanischen Selbstverteidigungsstreitkr&#228;fte als Geisel und betrat im Beisein von Reportern den Balkon des Hauptquartiers. Er hielt eine Rede, in der er die Armee zur Besetzung des Parlamentes und zu einer aktiven Verteidigung des Kaisers aufrief. Sein Appell blieb jedoch auf Grund des Desinteresses der Soldaten folgenlos. Unmittelbar danach begingen Mishima und einer seiner Kameraden Seppuku, wobei Mishima sich von seinem engsten Vertrauten als Kaishaku-Nin sekundieren lie&#223;.</p>
<p align="right">Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yukio_Mishima">wikipedia.de</a></p>
</blockquote>
<p>Zumindest einige von <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/search-handle-url?_encoding=UTF8&#038;search-type=ss&#038;index=books-de&#038;field-author=Yukio%20Mishima">Mishimas Werken</a> sind auch auf Deutsch erschienen. Man k&#246;nnte (und sollte) sich also auch einmal davon unterrichten, was er als Autor zu bieten hatte.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20080107/fuerchte-den-regen-nicht/" rel="bookmark" class="crp_title">F&#252;rchte den Regen nicht</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070407/die-kunst-des-krieges/" rel="bookmark" class="crp_title">Die Kunst des Krieges</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071217/in-sieben-atemzuegen/" rel="bookmark" class="crp_title">In sieben Atemz&#252;gen</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081127/capote-macht-gluecklich/" rel="bookmark" class="crp_title">Capote macht gl&#252;cklich</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080605/vernetzung-prozessualitaet-imaginative-aktion/" rel="bookmark" class="crp_title">Vernetzung, Prozessualit&#228;t, imaginative Aktion</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Hypnose und Geigen (15. 09. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080915/hypnose-und-geigen/">Hypnose und Geigen</a> (15. 09. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090914/seppuku/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Jugend</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090912/jugend/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090912/jugend/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 12 Sep 2009 20:26:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Koeppen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4056</guid>
		<description><![CDATA[
Wolfgang Koeppen (1991), Foto: Joseph Gallus Rittenberg
&#8226;&#8226;&#8226; Letztens sprach ich mit Dina, die hier in M&#252;nchen das j&#252;dische Altenheim leitet, in der Synagoge &#252;ber Wolfgang Koeppen. »Den haben wir alle sehr gemocht«, sagte sie. Wie wir auf ihn zu sprechen gekommen sind, wei&#223; ich nicht mehr. Aber ich erfuhr einige wohl weniger bekannte Geschichten aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/Rittenberg_Koeppen.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/Rittenberg_Koeppen_s.jpg" alt="Wolfgang Koeppen (1991), Foto: Joseph Gallus Rittenberg" /></a><br />
<small><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Koeppen"><strong>Wolfgang Koeppen</strong></a> (1991), Foto: <a href="http://www.staedtische-galerie-erlangen.de/seiten/6_sammlung/bestand/seiten/rittenberg_0_alles.htm">Joseph Gallus Rittenberg</a></small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Letztens sprach ich mit Dina, die hier in M&#252;nchen das j&#252;dische Altenheim leitet, in der Synagoge &#252;ber Wolfgang Koeppen. »Den haben wir alle sehr gemocht«, sagte sie. Wie wir auf ihn zu sprechen gekommen sind, wei&#223; ich nicht mehr. Aber ich erfuhr einige wohl weniger bekannte Geschichten aus seinen letzten Jahren. Sein Verleger Unseld hatte f&#252;r den hochbetagten Schriftsteller, als er sich nicht mehr allein zu Hause behelfen konnte, mit verschiedenen Altenheimen in M&#252;nchen verhandelt, den mittellosen Autor ohne Krankenversicherung aufzunehmen. Das j&#252;dische Altenheim erkl&#228;rte sich bereit, obgleich Unseld nicht die vollen Kosten tragen konnte. Der Verleger hoffte noch immer auf den lange erwarteten »gro&#223;en Roman«; und so bekam Koeppen ein Appartement mit zwei Zimmern und einer kleinen Terrasse und dazu eine Sekret&#228;rin. Sie soll nicht sehr helle gewesen sein, was wohl eine Voraussetzung daf&#252;r war, tagelang mit gez&#252;cktem Block neben Koeppen auszuharren, dem zunehmend Altersdemenz zusetzte und der weit davon entfernt war, noch ein gro&#223;es Werk zu diktieren, wie Unseld hoffte.</p>
<blockquote><p>- Wo bin ich denn?<br />
- Im j&#252;dischen Altersheim, Herr Koeppen.<br />
- Soso… Aber ich esse <em>keine Zwiiiiiebeln!</em>
</p></blockquote>
<p>Die Tagesdosis seines geliebten Rotweins bekam er &#252;ber die Sonde eingefl&#246;&#223;t, was ihn gl&#252;cklich stimmte und ihn auch mal versonnen bis entschieden &#8211; wenn auch vergebens &#8211; nach einer 18j&#228;hrigen verlangen lie&#223;. Aber er schrieb nicht und diktierte auch nicht, und irgendwann zog Unseld die Sekret&#228;rin ab. Auch das Appartement schien schlie&#223;lich &#252;bertrieben. Gestorben ist Koeppen dann 1996 in einem anderen Heim.</p>
<p>Dass ich &#252;ber Koeppen hier noch nicht geschrieben habe, ist eigentlich unfassbar. Dass liegt wohl daran, dass ich zwar ein Buch von ihm &#8211; <a href="http://www.amazon.de/Jugend-Wolfgang-Koeppen/dp/3518015001/">»Jugend«</a> &#8211; sp&#228;t entdeckt habe (ein Geschenk von <a href="http://turmsegler.net/20080825/wir-blieben/">Richard Marx</a>), seitdem aber wie einen Schatz h&#252;te und immer wieder zur Hand nehme, um mit Hochgenuss ein paar Seiten darin zu lesen, dass ich aber nie seine Reportagen und die anderen B&#252;cher, mit denen er bekannt geworden war, gelesen habe. Jetzt habe ich sie mir immerhin bestellt.</p>
<p>Bei Suhrkamp sind die drei kurzen Romandichtungen »Tauben im Gras«, »Das Treibhaus« und »Der Tod in Rom« in einem <a href="http://www.amazon.de/Tauben-Gras-Das-Treibhaus-Tod/dp/3518019260/">Sammelband</a> erschienen. Mit dieser kritischen Trilogie hatte er im  Adenauer-Deutschland f&#252;r Unruhe gesorgt und war auf Ablehnung gesto&#223;en. Die erz&#228;hlte Dichtung <a href="http://www.amazon.de/Jugend-Wolfgang-Koeppen/dp/3518015001/">»Jugend«</a> erschien 1976 bei Suhrkamp. In den folgenden drei Jahrzehnten bis zu seinem Tod wurde Koeppen zum »gro&#223;en Schweiger«. Auf einen weiteren gro&#223;en Roman warteten Unseld und Publikum vergebens.</p>
<p>Beim St&#246;bern im Netz bin ich noch auf zwei weitere B&#252;cher gesto&#223;en, die ich bestellen musste. Da ist zum einen <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3852521297/">»Wolfgang Koeppen: Ich?«</a>, ein Gespr&#228;ch mit Nomi Baumgartl aus den sp&#228;teren Jahren. Zum anderen freue ich mich auf den von Anja Ebner herausgegebenen <a href="http://www.amazon.de/%2522-trotz-allem-wie-bist%2522-Wolfgang/dp/3518419773/">Briefwechsel</a> zwischen Wolfgang Koeppen und seiner 21 Jahre j&#252;ngeren Frau Marion, &#252;ber den es auf den <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/839263/">Webseiten des Deutschlandfunks</a> Interessantes nachzulesen gibt.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<p>Sie h&#246;rte ihn, wie er die Treppen heraufstieg, sie h&#246;rte seinen gehemmten, seinen schuldbewussten Tritt, er war dr&#252;ben gewesen, in Feetenbrinks Haus, und ihr war, als ob er als Mann da hin&#252;ber gegangen w&#228;re, als ihr Mann oder auch als ihr Sohn, sp&#228;ter, erwachsen und zu ihrem Kummer, ein Herumtreiber, unehrlich, ein M&#228;dchenverderber, so wurde er angesehen, der Schande war nie ein Ende, und hatte sie sich bew&#228;hrt, besonnen wie die Leute sagten, gebessert, nachdem sie Ungl&#252;ck gehabt hatte, so konnte doch f&#252;r ihn noch das Gericht kommen, die Erziehungsanstalt, das Gef&#228;ngnis, die vergitterten Fenster, die man vom Kastanienwall sah, beim Spazierengehen und mit geschwollenem Schauer, sein Vater hatte Tennis gespielt auf dem Platz unterm Kastanienwall vor der grauen hohen Mauer, und sie hatte zugesehen, von oben, vom Wall her, wie er, sein Vater, &#252;ber den roten Sand des Tennisplatzes gesprungen war, in langen wei&#223;en Hosen, die mit einem breiten Gummiband &#252;ber den Schuh gespannt waren, den wei&#223;en Panamahut auf dem Kopf, dem Netz zu, hinter dem Ball her, und sie hatte den Platz nicht betreten d&#252;rfen, der f&#252;r die Mitglieder des Akademischen Tennisclubs reserviert war, und vielleicht hat ein Gefangener, ein Dieb, ein M&#246;rder, &#252;ber die Gef&#228;ngnismauer hinweg, durch das kleine vergitterte Fenster der Zelle hindurch sie auf dem Wall unter den Kastanien gesehen und sie beneidet, wie sie dem Tennisspieler zusah, sie musste streng sein mit ihm, ihrem Kind von ihm, es war ihre Christenpflicht, und sie ahnte, sah es durch die T&#252;r hindurch, er hatte etwas geschenkt bekommen, hielt es fest umklammert in seiner kleinen schmutzigen Hand, er wartete, er zitterte schon, da&#223; er es hergeben sollte, und er z&#246;gerte vor der T&#252;r und wollte nicht hineinkommen und von dem Geschenk lassen, er klammerte sich an die Gabe einer dieser S&#228;ngerinnen, dieser reisenden heimatlosen aus dem Elternhaus geworfenen Tingeltangelteusen, die sie, wie alle Welt, verachtete und insgeheim auch beneidete, denn wer wu&#223;te es, vielleicht waren diese Gesch&#246;pfe frei, vielleicht lebten sie endlich gl&#252;cklich jenseits dieser Grenze von Wohlanst&#228;ndigkeit und moralischem Hochmut, die f&#252;r sie nur das Land der Armut war, w&#228;hrend diese Animierdamen das gute Land der Anst&#228;ndigen hinter sich gelassen hatten und vielleicht auch die Armut und nun die knechteten mit Laune, Verweigerung, Betrug und Ausn&#252;tzung, die sie knechteten, aber dies zu denken, war schrecklich gef&#228;hrlich, sie durfte so nicht denken, diese Grenze, an die man sie schon gestellt hatte, mu&#223;te gezogen bleiben, sie w&#228;re sonst verloren gewesen in ihrer Stadt. […]</p>
<p align="right"><strong><a href="http://turmsegler.net/tag/wolfgang-koeppen/">Wolfgang Koeppen</a></strong>, aus: <a href="http://www.amazon.de/Jugend-Wolfgang-Koeppen/dp/3518015001/">»Jugend«</a> (Erz&#228;hlung)<br />
&copy; Suhrkamp Verlag (1976)</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090925/roman-essen-seele-auf/" rel="bookmark" class="crp_title">Roman essen Seele auf</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20100120/das-leben-gefiltert/" rel="bookmark" class="crp_title">Das Leben gefiltert</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090921/ungeschehene-empfaengnis/" rel="bookmark" class="crp_title">Ungeschehene Empf&#228;ngnis</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090904/gefluester/" rel="bookmark" class="crp_title">gefl&#252;ster</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20100311/lesezeichen-online/" rel="bookmark" class="crp_title">»LeseZeichen« online</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Hypnose und Geigen (15. 09. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080915/hypnose-und-geigen/">Hypnose und Geigen</a> (15. 09. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090912/jugend/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#220;berm Rauschen</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090911/ueberm-rauschen/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090911/ueberm-rauschen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 11:03:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Scheuer]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4040</guid>
		<description><![CDATA[
&#8226;&#8226;&#8226; Das Wasser rauscht &#252;bers Wehr hinterm Gasthaus. Rauschen hei&#223;t auch der Fluss in der Eifel, den das Wehr aufstaut und so einen ruhigen Seitenarm bildet, in dem sich gut fischen l&#228;sst. »&#220;berm Rauschen« ist schlie&#223;lich der Titel des neuen, im Juni bei C. H. Beck erschienenen Romans von Norbert Scheuer. Und berauschendes Rauschen ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/scheuer_rauschen.gif"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/scheuer_rauschen.jpg" alt="" /></a></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Das Wasser rauscht &#252;bers Wehr hinterm Gasthaus. Rauschen hei&#223;t auch der Fluss in der Eifel, den das Wehr aufstaut und so einen ruhigen Seitenarm bildet, in dem sich gut fischen l&#228;sst. »&#220;berm Rauschen« ist schlie&#223;lich der Titel des neuen, im Juni bei C. H. Beck erschienenen Romans von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Scheuer">Norbert Scheuer</a>. Und berauschendes Rauschen ist die lyrische Prosa, in der Scheuer sich in diesem Buch dem Erinnern an eine Kindheit und Jugend in jenem Gasthaus am Wehr &mdash; &#252;berm Rauschen eben &mdash; n&#228;hert und der Suche nach einem mytischen Fisch nachsp&#252;rt, der sich vom geschicktesten Angler nicht fangen lassen will: das Gl&#252;ck, geliebt zu werden.</p>
<p>»Wenn Dichter Romane schreiben…«, meinte <a href="http://turmsegler.net/tag/undine-materni/">Undine Materni</a> einmal schnippisch zu mir als erste Reaktion auf das <a href="http://edition-neue-moderne.de/programm/prosa-inseln/ein-anderes-blau/">»Andere Blau«</a>. Ich nahm das nicht eben als Begeisterungs&#228;u&#223;erung. Was f&#252;r Romane sind das?, fragte ich mich nat&#252;rlich, und mir kamen schmale, gro&#223;z&#252;gig gesetzte B&#252;cher in den Sinn, die einem den Zugang nicht eben leicht machen. Ich dachte an Woolfs <a href="http://turmsegler.net/20071029/die-wellen/">»Wellen«</a>, an Hermlins <a href="http://turmsegler.net/20070129/abendlicht/">»Abendlicht«</a> und Mayr&#246;ckers <a href="http://turmsegler.net/20070128/reise-durch-die-nacht/">»Reise durch die Nacht«</a>. Aber gelegentlich kann so etwas auch ganz anders ausgehen. Scheuers poetische Variationen &#252;ber den Fluss, seine Ger&#228;usche, Ger&#252;che und Lichtspiegelungen, aus denen die Erinnerungen aufsteigen, sind &#228;hnlich dicht wie Woolfs Betrachtungen des Meeres in den »Wellen«. Scheuer aber beweist sich in dieser dichten Sprache auch als Erz&#228;hler, der zu fesseln vermag und &mdash; bei aller Ruhe des Erz&#228;hlflusses &mdash; einen Sog erzeugt, dem man sich als Leser bereitwillig hingeben kann.</p>
<p>Scheuer Geheimnis, scheint mir, liegt in der Beschr&#228;nkung. Alle seine Motive entsteigen dem Fluss und kreisen ums Fliegenfischen, die Geduld fordernde, trickreiche Jagd nach dem Fisch. Diese Motive, unaufdringlich ins Metaphorische gehoben, geben den Rahmen der Erz&#228;hlung ab, weniger Chronologie oder dramaturgische Erw&#228;gungen. Die &#220;berg&#228;nge sind assoziative &#220;berblendungen, Scheuers Erz&#228;hlen kontemplativ. Das eben ist die Handschrift des Dichters, ge&#252;bt an der kurzen Strecke des Gedichts. Gegen ausuferndes Plaudern setzt er strenge motivische Gestaltung, und so wirkt sein Erz&#228;hlen wie eben jenes Wehr im Fluss, das Klang erzeugt, indem es die Naturgewalt bremst und so erst Betrachtung erm&#246;glicht. </p>
<p>Dass hier ein lyrisch geschulter Erz&#228;hler am Werk ist, beweisen auch die eingeschobenen, mit poetischen »Legenden« versehenen Zeichnungen (s. oben). Auch sie sind wie in den Text geschobene Barrieren, Widerhaken wie an Angelschn&#252;ren. Fliegenfischen, lernt man bei Scheuer, erfordert Geduld und Innehalten, die Lekt&#252;re dieses Buches ebenso; und es ist ein Verdienst des Autors, dass dieses Innehalten gelingt, weil er die Inseln f&#252;r uns bereitet, auf denen zu verweilen nicht nur »erholt«, sondern unbedingt lohnt: »Das Herz der Fische ist gro&#223; wie eine Fingerkuppe, und es liegt unter den Kiemen.« </p>
<p>Das Sujet selbst erinnerte mich an Julia Francks Deb&#252;t <a href="http://turmsegler.net/20070112/wachteln-im-kafig/">»Der neue Koch«</a>. Auch dort gibt es ein »Gasthaus«, das Hotel, Sehnsucht nach Geliebtwerden, Einsamkeit und eigenwillige G&#228;ste, gestrandete Existenzen. W&#228;hrend aber bei Franck die Erinnerung abgesto&#223;en wird, indem die Heldin am Ende das Hotel in Brand setzt, nimmt Scheuers Erz&#228;hler seine Erinnerungen an, findet sich selbst wieder, den Bruder, die Familie, die Heimat, was mir die »reifere«, in jedem Fall aber vers&#246;hnlichere Variante des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit und den Erinnerungen erscheint, die eine Identit&#228;t geformt haben.</p>
<p>»Wenn Dichter Romane schreiben…« Norbert Scheuers »&#220;berm Rauschen« war eine gro&#223;e Entdeckung f&#252;r mich.  Dass dieser Roman es in die Longlist der Nominierungen zum <a href="http://www.deutscher-buchpreis.de/de/296796">»Deutschen Buchpreis«</a> geschafft hat, freut mich ungemein. Und je l&#228;nger ich seine Prosa in mir nachklingen lasse, desto wahrscheinlicher erscheint mir, dass er auch noch in der Shortlist auftauchen wird.</p>
<p>Ich dr&#252;cke beide Daumen.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<p><a href="http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=27756"><img class="alignleft" width="200" height="321" src="http://turmsegler.net/img/2009/ScheuerUebermRauschen_Cover.jpg" alt="Norbert Scheuer, »&#220;berm Rauschen« (Roman), &copy; Verlag C. H. Beck, M&#252;nchen 2009" /></a>«Man n&#228;hert sich dem Fangplatz immer von stromauf, um von Fischen nicht zu fr&#252;h wahrgenommen zu werden, die stehen immer mit dem Kopf gegen die Str&#246;mung, und man bleibt m&#246;glichst weit vom Uferrand weg. Je h&#246;her die Sonne steht, umso weniger nachteilig macht sich der Schatten bemerkbar, der Fisch sieht direkt in die Sonne und so nur verschwommen», erkl&#228;rte Vater fl&#252;sternd.</p>
<p>Als wir zu unserer Angelstelle kamen, redeten wir nicht mehr. Der Nebel schwebte noch dicht &#252;ber dem Fluss, darunter kam ruhig flie&#223;endes Wasser zum Vorschein, die Fische stiegen, und es bildeten sich Ringe, unendlich viele Ringe. Vater warf die Schnur mit der k&#252;nstlichen Fliege vorsichtig ins Wasser, lie&#223; sie ganz nat&#252;rlich mit der Str&#246;mung auf das Versteck des Fisches zutreiben, oder er f&#228;cherte die Stelle mit W&#252;rfen ab, setzte Wurf neben Wurf. Wir sollten es auch versuchen, ich stand unbeholfen zwischen Vater und Hermann im Wasser. Vater brachte uns die Grundkenntnisse des Fliegenfischens bei, den zielgenauen Wurf, das langsame Abtreibenlassen des K&#246;ders, der eine M&#252;cke, eine Larve oder den Bachflohkrebs imitiert. Vater wollte uns alles &#252;ber das Fischen beibringen. F&#252;r ihn war Fischen das Leben, in dem er allerdings immer nur verlor. Fischen sei List, Geduld, geheimnisvolle Grausamkeit, Sch&#246;nheit und Gl&#252;ck. Er erw&#228;hnte in diesem Zusammenhang oft seinen amerikanischen Freund Paul Maclean, dessen Religiosit&#228;t er allerdings nicht teilen k&#246;nne. Vater war Atheist, er vertrat die Ansicht, die Existenz Gottes sei keine Bedingung f&#252;r die Sch&#246;nheit der Welt, womit er in erster Linie die Sch&#246;nheit unseres Flusses meinte. Mich interessierte das damals nicht – auch nicht die Literatur von Berens und Renell und anderen Fliegenfischern, deren B&#252;cher er uns zu lesen empfahl.</p>
<p>«Fischen ist die Besch&#228;ftigung mit winzigen, fast unsichtbaren Dingen. Dinge, die aus einer anderen Welt stammen und die man letztlich nur erahnen kann», dozierte Vater. Ich verstand nicht, was er uns beibringen wollte, vielleicht wollte ich es damals auch nicht verstehen oder wollte es, von dem Moment an, als ich erfahren hatte, dass er nicht mein leiblicher Vater war, nicht mehr von ihm lernen. Vater war es egal, dass wir nicht seine leiblichen S&#246;hne waren. Er erkl&#228;rte uns, auch die Forelle wisse nicht, wer ihr Vater oder ihre Mutter sei. Als Jungfisch m&#252;sse sie sogar darauf achten, nicht von ihren Eltern gefressen zu werden. Vielleicht stellte ich mich einfach nur ungeschickt an, ich wei&#223; es nicht mehr. Meine Schnur verhedderte sich ziemlich oft im Ufergestr&#252;pp, ich verlor wertvolle K&#246;der, hatte einfach nicht die Geduld. Meine Kleidung wurde feucht, und ich fror.</p>
<p align="right"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Scheuer"><strong>Norbert Scheuer</strong></a>, aus: <a href="http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=27756">»&#220;berm Rauschen«</a>  (Roman)<br />
&copy; <a href="http://www.chbeck.de/">Verlag C. H. Beck</a>, M&#252;nchen 2009</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20070210/elke-erzahlt/" rel="bookmark" class="crp_title">Elke erz&#228;hlt</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090806/doch-so-einfach/" rel="bookmark" class="crp_title">Doch so einfach</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071226/alles-fuegt-sich-zusammen/" rel="bookmark" class="crp_title">Alles f&#252;gt sich zusammen</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081113/kuckucksei/" rel="bookmark" class="crp_title">Kuckucksei</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20070113/im-cafe-kastanie/" rel="bookmark" class="crp_title">Im Café Kastanie…</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Agentur (12. 09. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080912/agentur/">Agentur</a> (12. 09. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090911/ueberm-rauschen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>In Memoriam Truman Capote</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 12:51:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[D. G. Myers]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=3896</guid>
		<description><![CDATA[Ein Gastbeitrag von D. G. Myers
(Englische Originalversion v. 25. 08. 2009)

&#8226;&#8226;&#8226; Heute ist die Jahrzeit von Truman Capote, der f&#252;nfundzwanzigste Jahrestag seines Todes wegen einer »Lebererkrankung, kompliziert durch Venenentz&#252;ndung und multipler Drogenvergiftung«, wie der  Untersuchungsbeamte des Bezirks Los Angeles pflichtgem&#228;&#223; berichtete – wenngleich Jahrzeit wom&#246;glich nicht das passende Wort ist im Zusammenhang mit jemandem, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small>Ein Gastbeitrag von <a href="http://dgmyers.blogspot.com/" title="A Commonplace Blog">D. G. Myers</a><br />
<a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/">(Englische Originalversion v. 25. 08. 2009)</a></small></p>
<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/capote_s.jpg" alt="Truman Capote" /></p>
<p>&bull;&bull;&bull; <a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/">Heute</a> ist die <em>Jahrzeit</em> von Truman Capote, der f&#252;nfundzwanzigste Jahrestag seines Todes wegen einer »Lebererkrankung, kompliziert durch Venenentz&#252;ndung und multipler Drogenvergiftung«, wie der  Untersuchungsbeamte des Bezirks Los Angeles pflichtgem&#228;&#223; berichtete – wenngleich <em>Jahrzeit</em> wom&#246;glich nicht das passende Wort ist im Zusammenhang mit jemandem, der einst »die j&#252;dische Mafia in der amerikanischen Literatur« attackierte, die »den Literaturbetrieb weitgehend kontrolliert« mithilfe von »j&#252;disch dominierten« Publikationen, die »das Schicksal von Schriftstellern in der Hand haben, indem sie ihnen Aufmerksamkeit schenken oder sie zur&#252;ckhalten«.<a name="_ref1"></a><a href="http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/#_n1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Die Provokation, die sich hinter Capotes Ausfall verbirgt, offenbart sich nicht auf den ersten Blick. Von »Commentary«, der am st&#228;rksten von Juden beherrschten Publikation von allen, kann kaum behauptet werden, dass sie »In Cold Blood« (»Kaltbl&#252;tig«), &#252;berging, hat sie dieses Buch in ihrer Ausgabe vom Mai 1966 doch mit immerhin 2.200 W&#246;rtern gew&#252;rdigt. William Phillips, der Rezensent, der zuf&#228;llig auch die »Partisan Review« herausgibt, eine weitere von Juden beherrschte Publikation, r&#228;umte sogar ein, dass das Buch »auf seine Art gut« sei, wenn er auch die Frage hinzuf&#252;gte – »wie in dem alten j&#252;dischen Witz – ob &#8216;Kaltbl&#252;tig&#8217; auch gut f&#252;r die Literatur sei«.<a name="_ref2"></a><a href="http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/#_n2"><sup>2</sup></a>  Vielleicht hatte Truman keinen Sinn f&#252;r j&#252;dischen Witz.</p>
<p>Nur dank »Kaltbl&#252;tig« erinnert man sich &#252;berhaupt noch an Capote, was m&#246;glicherweise auch gut ist. 1966 hatte sich sein schwaches Talent f&#252;r Belletristisches ersch&#246;pft. Die vier Romanb&#228;nde in Buchl&#228;nge, die ihm vorausgegangen waren &mdash;  »Other Voices, Other Rooms« (1948), »A Tree of Night and Other Stories« (1949), »The Grass Harp« (1951) und »Breakfast at Tiffany’s« (1958) – zeichneten sich durch ihren Stil aber durch sonst kaum etwas aus. Das Portr&#228;t des Dienstm&#228;dchens etwa in seinem ersten Roman, der ver&#246;ffentlicht wurde, als er gerade einmal vierundzwanzig war, hat <em>Miami Mouth</em> in Ronald Firbanks »Prancing Nigger« (1924) mehr zu verdanken, als etwas, das Capote selbst erlebt haben mochte, als er in Monroeville, Alabama, aufwuchs:</p>
<blockquote><p>Missouri Fever, hochgewachsen, kraftvoll, barf&#252;&#223;ig, anmutig und ger&#228;uschlos, war wie eine geschmeidige schwarze Katze, wie sie da so gelassen in der K&#252;che umherstolzierte, ihr l&#228;ssig flie&#223;ender Gang sinnlich und hochm&#252;tig. Sie hatte schr&#228;ggestellte Augen, und sie war dunkler als der verkohlte Ofen; das krause Haar stand ihr zu Berge, als ob sie einen Geist gesehen h&#228;tte, und ihre Lippen waren dick und purpurfarben. Angesichts der L&#228;nge ihres Halses konnte man ins Nachdenken geraten, denn durch ihn wirkte sie beinahe anomal, wie eine menschliche Giraffe, und Joel erinnerte sich an Bilder, die er einst aus einer Ausgabe von National Geographic ausgeschnitten hatte, von komischen afrikanischen Frauen, deren Hals durch unz&#228;hlige Silberhalsreifen in unglaubliche H&#246;hen gestreckt wurde. Zwar trug sie keine Silberreifen, nat&#252;rlich nicht, aber um die Mitte ihres hochragenden Halses war ein schwei&#223;getr&#228;nktes Halstuch mit Tupfen geschwungen. »Papadaddy und ich, wir z&#228;hlen auf dich f&#252;r unseren Gottesdienst«, sagte sie, nachdem sie zwei Tassen Kaffee eingegossen und sich rittlings wie ein Mann auf einen Stuhl an den Tisch gesetzt hatte. »Wir haben einen eigenen Platz f&#252;r uns hinten im Garten, da kannst du also sp&#228;ter dazusto&#223;en, und wir k&#246;nnen viel Spa&#223; miteinander haben.«</p></blockquote>
<p>Der Stil ist nur insofern literarisch, als er ausschlie&#223;lich aus Literatur bezogen wurde, ohne dass es gro&#223;en Kontakt zur Welt drau&#223;en gegeben h&#228;tte. Und doch spielt Capote selten auf andere B&#252;cher und Schriftsteller an; seine Prosa f&#252;hrt keinen Dialog mit seinen literarischen Vorg&#228;ngern; sie mischt sich lediglich unter sie und isst vom selben Tisch. Fr&#252;he Kritiker verglichen sein Schreiben mit dem von Faulkner, wahrscheinlich weil beide aus dem S&#252;den stammen und Autodidakten sind. F&#252;r Faulkner gab es allerdings keine solche &#196;hnlichkeit. »Wann immer ich versuchte, Truman Capote zu lesen, und das geschah nur wenige Male, habe ich es schnell aufgegeben«, sagte er: »Seine Literatur macht mich nerv&#246;s.«</p>
<p>Als Capote »Kaltbl&#252;tig« schrieb, war seine manierierte Prosa schon eine Nebensache geworden. Man betrachte zum Beispiel die Art, wie er den &#220;bergang von der Verhaftung Dick Hickocks und Perry Smiths zu ihrer R&#252;ckkehr nach Finney County, Kansas, gestaltet, wo sie vor Gericht gestellt werden sollen:</p>
<blockquote><p>Unter den Tieren in Garden City gab es zwei graue Kater, die immer zusammen auftauchten – stellen Sie sich vor: schmutzige streunende Katzen mit eigenartigen und cleveren Gewohnheiten. Die wichtigste Zeremonie des Tages zelebrieren sie im D&#228;mmerlicht. Zun&#228;chst trotten sie die Main Street lang und bleiben stehen, um die K&#252;hlergrills geparkter Wagen von Nahem zu begutachten, vor allem die, die vor den beiden Hotels, dem Windsor und dem Warren, standen, denn diese Wagen, im Allgemeinen geh&#246;rten sie Reisenden, die von weither gekommen waren, boten oft das, was die knochigen, methodisch vorgehenden Kreaturen jagten: geschlachtete V&#246;gel – Kr&#228;hen, H&#252;hner und Spatzen, die so ungeschickt gewesen waren, den entgegen-kommenden Autofahrern in den Weg zu fliegen. Mithilfe ihrer Pfoten, die sie wie ein chirurgisches Besteck verwendeten, holten sich die Katzen jeden Federrest aus dem Grill. Nach ihrem Gang &#252;ber Main Street bogen sie stets bei Main und Grant um die Ecke, um in gro&#223;en S&#228;tzen zum Courthouse Square zu springen, einem weiteren ihrer Jagdgr&#252;nde – und ein mehr als vielversprechender an diesem Nachmittag, Mittwoch, 6. Januar [1960], denn die Gegend wimmelte nur so von <em>Finney County</em> Fahrzeugen, die die Menschen, die den Platz bev&#246;lkerten, in die Stadt gebracht hatten.</p></blockquote>
<p>Abgesehen davon, dass dieser Absatz l&#228;cherlich unglaubw&#252;rdig ist, stellt sich die Frage nach Anstand oder Angemessenheit. Horaz – oder aber zumindest sein &#220;bersetzer im neunzehnten Jahrhundert &#8211; h&#228;tte es m&#246;glicherweise so gesagt: Spricht man von Massenmord, h&#228;lt man sich fern von »vulg&#228;ren Mittel wie etwa dem Anflug von Komik«. </p>
<p>Ich bin mir im Klaren dar&#252;ber, dass die Missachtung des Anstands eines der Hauptmerkmale literarischer Modernismen ist, aber die Art, wie Capote damit umgeht – die Wirkung, die er anstrebt &#8211; l&#228;sst nicht nur darauf schlie&#223;en, was an der Technik fragw&#252;rdig ist, sondern offenbart auch seinen h&#246;heren Zweck in »Kaltbl&#252;tig«. Er will ablenken, und zwar mithilfe eines Wirrwarrs von Details in Nahaufnahme. Als Capote zum Beispiel das Haus einf&#252;hrt, das die B&#252;hne der Morde ist, schreibt er:</p>
<blockquote><p>Das Haus – gr&#246;&#223;tenteils ein Entwurf von Mr. Clutter, der sich damit als ein empfindsamer und bed&#228;chtiger, wenn auch nicht besonders dekorativer Architekt erwies – war 1948 f&#252;r vierzigtausend Dollars gebaut worden. (Sein Verkaufswert betrug nun sechzigtausend Dollars.) Das stattliche wei&#223;e Haus, am Ende einer langen Auffahrt mit Rasen zu beiden Seiten und beschattet von Reihen chinesischer Ulmen, stand inmitten einer gro&#223;z&#252;gigen Wiese von gepflegtem Bermudagras und beeindruckte [die Stadt] Holcomb; einen Ort, auf den die Menschen hinwiesen. Im Inneren lagen schwammige St&#252;cke leberfarbigen Teppichs, die den grellen Glanz der lackierten, widerhallenden B&#246;den immer wieder aufhoben; eine gewaltige modernistische Couch im Wohnzimmer, bezogen mit Noppenstoff, in den glitzernde Streifen von Silbermetall eingewebt waren; eine Fr&#252;hst&#252;cksecke mit einer mit blauwei&#223;em Kunststoff gepolsterten Sitzbank. Diese Art von M&#246;beln gefiel Mr. Und Mrs. Clutter, genau wie den meisten ihrer Bekannten, deren H&#228;user im Gro&#223;en und Ganzen &#228;hnlich m&#246;bliert waren.</p></blockquote>
<p>Die Wirkung &#228;hnelt der einer Fernsehshow f&#252;r Kinder: Alles ist &#252;bertrieben und grellbunt. (Bei einer Vergr&#246;&#223;erung von Details wirken die Gegenst&#228;nde grell, selbst wenn sie urspr&#252;nglich in tristen Farben gehalten waren.) Und die herablassende Haltung dem Geschmack der Clutters und »den meisten ihrer Bekannten« gegen&#252;ber ist kaum gez&#252;gelt. Die Opfer des Massenmords werden in Tonlagen dargestellt, die sich eher f&#252;r eine Satire eignen.</p>
<p>Capote rekonstruiert die letzten Tage im Leben der Clutters und verflicht diese Schilderung mit einem minuti&#246;sen Bericht &#252;ber die Fahrt der M&#246;rder nach Holcomb in einem schwarzen Chevrolet, Baujahr 1949, wobei er sorgf&#228;ltig festh&#228;lt, wie sich Perry Smith auf ihrem letzten Halt zweieinhalb Stunden vor dem Ziel in der Toilette einer Tankstelle &#252;bergibt, aber nichts vom T&#246;ten selbst sagt. Erst nach erfolgter Tat – erst als die Clutters tot sind – f&#228;hrt Capote mit der Rekonstruktion dessen fort, was sich zugetragen hat. Es bleiben noch zweihundertundf&#252;nfundachtzig Seiten &#252;brig: dreiundachtzig Prozent von »Kaltbl&#252;tig«. Die Clutters, die einen so ordin&#228;ren Geschmack hatten, verschwinden von der Bildfl&#228;che. </p>
<p>Wenngleich Capote sich den Kriminalbeamten Al Dewey vom Ermittlungsb&#252;ro in Kansas anschaut, gilt sein &#252;berragendes Interesse den M&#246;rdern – insbesondere Perry Smith, dem schm&#228;chtigen und vermutlich homosexuellen Str&#228;fling, der, wie William Phillips es brutal ausdr&#252;ckt, »der gr&#246;&#223;ere Halunke von beiden« war. Der Kriminalautor J. J. Maloney ist davon <a href="http://www.crimemagazine.com/CrimeBooks/incold.htm">&#252;berzeugt</a>, dass sich Capote bei der Recherche f&#252;r das Buch in Smith verliebte. Absicht und Sprache des Buches machen seine Sympathie f&#252;r Smith offensichtlich, und Capote m&#246;chte den Leser daran teilhaben lassen. Obgleich Smith keine Gewissensbisse wegen des Mordes hat und sagt, dass »nichts darum mir irgendetwas ausmacht«, wird er trotz allem als liebenswert dargestellt. Selbst der Mann, dem er gesteht, dass er absolut nichts in Bezug auf den Mord an vier Menschen empfindet, gesteht: »Ja, ich mag Sie.« Er ist pathetisch dankbar f&#252;r, wie er es sagt: »Jemanden, der sich ein wenig aus mir macht.«</p>
<p>Nachdem zwei Reporter das Abschlusspl&#228;doyer des Bezirksstaatsanwalts Logan Green geh&#246;rt haben, wechseln sie einige Worte. Ein nicht namentlich genannter »junger Reporter aus Oklahoma« sagt, das Pl&#228;doyer sei »volksverhetzend, brutal« gewesen. Richard Parr vom Star in Kansas City &#228;u&#223;ert sich ver&#228;chtlich:</p>
<blockquote><p>»Er hat nur die Wahrheit gesagt«, erkl&#228;rte Parr. »Die Wahrheit kann brutal sein. Um mich mal so auszudr&#252;cken.«<br />
»Aber er musste nicht ganz so heftig zuschlagen. Das ist unfair.«<br />
»Was ist unfair?«<br />
»Das ganze Gerichtsverfahren. Diese Burschen haben keine Chance.«<br />
»Welche Chance gaben sie [der 16j&#228;hrigen] Nancy Clutter?«<br />
»Perry Smith. O Gott. Er hatte so ein lausiges Leben &mdash;«<br />
Parr: »Wie viele M&#228;nner k&#246;nnen mit Schluchzgeschichten wie dieser kleine Halunke aufwarten? Ich zum Beispiel. Vielleicht trinke ich zu viel, aber ich bin mir ganz sicher, dass ich nie kaltbl&#252;tig vier Menschen get&#246;tet habe.«<br />
»Jaaa, und was, wenn der Halunke geh&#228;ngt wird? Das ist genauso kaltbl&#252;tig.«
</p></blockquote>
<p>Dieses Gespr&#228;ch, das vermutlich nie stattfand – es ist vielleicht das einzige Mal, dass Capote in dem Buch jemandem keinen Namen gibt – definiert auf hinterh&#228;ltige Weise den Buchtitel neu. Die, die es nach Gerechtigkeit f&#252;r den Mord an den Clutters verlangt, sind nicht weniger willig, kaltbl&#252;tig zu t&#246;ten.</p>
<p>Capote verfolgt in »Kaltbl&#252;tig« den Zweck, das B&#246;se bei den M&#246;rdern der Clutters zu mildern. Das einzige Mal, dass Perry Smith das Wort gebraucht, klingt in einem bitteren R&#252;ckblick auf sein fr&#252;hes Leben an:</p>
<blockquote><p>[Meine] Mutter steckte mich in ein katholisches Waisenheim. Dem, in dem die Schwarzen Witwen es stehts auf mich abgesehen hatten. Mich schlugen. Wegen Bettn&#228;ssen. Deshalb kann ich Nonnen nicht ausstehen. Auch Gott nicht. Und auch Religion nicht. Aber sp&#228;ter fand ich heraus, dass es noch b&#246;sere Menschen gibt. Weil sie mich nach zwei Monaten aus dem Waisenhaus schmissen und sie [seine Mutter] mich wo hingab, wo es noch schlimmer war. In ein Kinderasyl, betrieben von der Heilsarmee. Auch dort hassten sie mich. F&#252;rs Bettn&#228;ssen. Und weil ich ein halber Indianer bin. Da gab es diese Schwester, die mich immer &#8216;Nigger!&#8217; nannte, und sie machten kaum einen Unterschied zwischen Niggern und Indianern. O, Gott, sie war das B&#246;se in Person!
</p></blockquote>
<p>Zwar hei&#223;t es oft, Capotes dauerhafter Beitrag zur Literatur sei seine Erfindung des dokumentarischen Romans, aber sein wirkliches Verm&#228;chtnis besteht darin, dass er den Gebrauch des Wortes »b&#246;se« zu einer beil&#228;ufigen Geschmacklosigkeit hat verkommen lassen wie M&#246;bel, die mit Noppenstoff bezogen sind, in den glitzernde Streifen von Silbermetall eingewebt sind. Siebenunddrei&#223;ig Jahre sp&#228;ter, als Terry Eagleton h&#246;hnte, das Wort »b&#246;se« sei seit 9/11 eine »Aufforderung« geworden, »das Denken abzuschalten«<a name="_ref3"></a><a href="http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/#_n3"><sup>3</sup></a>, konnte er sich damit direkt auf Capote berufen. Die schicke Kollaboration mit dem B&#246;sen verlangt, dass man es nicht bei seinem richtigen Namen nennt.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<ol>
<li><a name="_n1"></a>Interview with <i>Playboy</i> (1968), in <i>Truman Capote: Conversations</i>, ed. M. Thomas Inge (Jackson: University Press of Mississippi, 1987), p. 158. <a href="http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/#_ref1">&uarr;</a></li>
<li><a name="_n2"></a>William Phillips, “But Is It Good for Literature?” <i>Commentary</i> (May 1966): 77–80. <a href="http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/#_ref2">&uarr;</a></li>
<li><a name="_n3"></a>Terry Eagleton, <i>After Theory</i> (New York: Basic Books, 2003), p. 223.<a href="http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/#_ref3">&uarr;</a></li>
</ol>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090831/literatur-und-moral/" rel="bookmark" class="crp_title">Literatur und Moral</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/" rel="bookmark" class="crp_title">D. G. Myers zu »Kaltbl&#252;tig«</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081127/capote-macht-gluecklich/" rel="bookmark" class="crp_title">Capote macht gl&#252;cklich</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090825/peitsche/" rel="bookmark" class="crp_title">Und danach – traf mich die Peitsche</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/" rel="bookmark" class="crp_title">Remembering Truman Capote</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Cogitatio (31. 08. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080831/cogitatio/">Cogitatio</a> (31. 08. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>D. G. Myers zu »Kaltbl&#252;tig«</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 06:14:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[D. G. Myers]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=3816</guid>
		<description><![CDATA[&#8226;&#8226;&#8226; Ich lese mit andauernder Begeisterung D. G. Myers&#8217; »A Commonplace Blog«. Myers ist Associate Professer for English and Religious Studies an der Texas A&#38;M University. Seine Artikel &#8211; publiziert in einsch&#252;chternder L&#228;nge und Frequenz &#8211; zeugen von seinem umfassenden Wissen nicht nur im Bereich der Literatur. Entdeckungen und neue Erkenntnisse sind garantiert, wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Ich lese <a href="http://turmsegler.net/tag/d-g-myers/">mit andauernder Begeisterung</a> D. G. Myers&#8217; <a href="http://dgmyers.blogspot.com/">»A Commonplace Blog«</a>. Myers ist Associate Professer for English and Religious Studies an der Texas A&amp;M University. Seine Artikel &#8211; publiziert in einsch&#252;chternder L&#228;nge und Frequenz &#8211; zeugen von seinem umfassenden Wissen nicht nur im Bereich der Literatur. Entdeckungen und neue Erkenntnisse sind garantiert, wenn man im <a href="http://dgmyers.blogspot.com/">»Commonplace Blog«</a> st&#246;bert.</p>
<p>Anl&#228;sslich meiner gestrigen Reminiszenz an Capote kam ich auf die Idee, Myers anzuschreiben und um einen Gastbeitrag zu Capote zu bitten. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fr&#252;hst&#252;ck_bei_Tiffany">»Fr&#252;hst&#252;ck bei Tiffany«</a> bescherte mir im letzten Jahr <a href="http://turmsegler.net/20081127/capote-macht-gluecklich/">zwei gl&#252;ckliche Tage</a>. Es ist nach meiner unma&#223;geblichen &#220;berzeugung einer der wenigen wirklich makellosen Romane, die ich je gelesen habe.</p>
<p>D. G. Myers sagte spontan zu und schickte wenig sp&#228;ter <a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/">seinen Beitrag</a>. Ich hatte vor, ihn zu &#252;bersetzen und zeitgleich mit Myers Originalversion in seinem Blog hier im Turmsegler zu publizieren. Das ist mir nicht gelungen. F&#252;r die &#220;bersetzung h&#228;tte ich sicher einen Tag gebraucht (und werde sie nachreichen, wenn die Turmsegler-Leser das w&#252;nschen). Vor allem aber war der Beitrag, als ich heute morgen (in anderer Zeitzone als Myers) erwachte, bei ihm bereits erschienen.</p>
<p>Ich war gewarnt worden. Sein Beitrag w&#252;rde nicht eben ein Admiration Post sein. Man k&#246;nne Capote nicht wirklich Antisemitismus nachweisen, aber einige seiner Auslassungen gingen doch stark in diese Richtung. Mich hat das wenig bek&#252;mmert. Ich mag damit manchen irritieren, aber ich trenne sehr wohl und leichten Herzens zwischen Autor und Werk, und wenn mir ein Schriftsteller B&#252;cher wie die Capotes beschert, soll er sich die private Dummheit antisemitischer Ansichten leisten &#8211; ich werde seine B&#252;cher dennoch lesen.</p>
<p>Die Kritik Myers an Capote geht jedoch weiter. Es ist eine grunds&#228;tzliche Kritik an seinem Stil, den er manieriert nennt; und sie wirft Capote eine Art moralisches Versagen vor, indem sich der Autor &#252;ber Geb&#252;hr mit zumindest einem der Clutters-M&#246;rder solidarisiert und das »B&#246;se« marginalisiere.</p>
<p>Ich m&#246;chte den Beitrag zun&#228;chst f&#252;r sich stehen lassen. Es w&#252;rde mich freuen, wenn er eine Diskussion anregt. Ich schreibe nicht so schnell wie Myers. Und so wird es vielleicht ein paar Tage dauern, bis ich in einem eigenen Beitrag nochmals auf Capote eingehen kann, dann aber, um ihn zu w&#252;rdigen und aufzuzeigen, warum ich ihm einen viel h&#246;heren Rang beimesse, als Myers es tut.</p>
<p>Bis dahin aber zun&#228;chst einmal herzlichen Dank an D. G. Myers f&#252;r seinen profunden Beitrag <a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/">»Remembering Truman Capote«</a>. </p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090831/literatur-und-moral/" rel="bookmark" class="crp_title">Literatur und Moral</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090902/literature-and-morality/" rel="bookmark" class="crp_title">Literature and Morality</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081127/capote-macht-gluecklich/" rel="bookmark" class="crp_title">Capote macht gl&#252;cklich</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090313/reue-und-busse/" rel="bookmark" class="crp_title">Reue und Bu&#223;e</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090825/peitsche/" rel="bookmark" class="crp_title">Und danach – traf mich die Peitsche</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Meere (26. 08. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080826/meere/">Meere</a> (26. 08. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Remembering Truman Capote</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 21:59:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[D. G. Myers]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=3797</guid>
		<description><![CDATA[A guest contribution by D. G. Myers

&#8226;&#8226;&#8226; Today is the yortsayt of Truman Capote—the twentieth-fifth anniversary of his death from &#8220;liver disease complicated by phlebitis and multiple drug intoxication,&#8221; as the Los Angeles County coroner dutifully reported—although yortsayt  may not be the best word to use in connection with someone who once attacked “the [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small>A guest contribution by <a href="http://dgmyers.blogspot.com/" title="A Commonplace Blog">D. G. Myers</a></small></p>
<p><img class="alignleft" src="http://turmsegler.net/img/2009/capote_s.jpg" alt="Truman Capote" /></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Today is the <a href="http://turmsegler.net/20090825/peitsche/"><i>yortsayt</i></a> of Truman Capote—the twentieth-fifth anniversary of his death from &#8220;liver disease complicated by phlebitis and multiple drug intoxication,&#8221; as the Los Angeles County coroner dutifully reported—although <i>yortsayt</i>  may not be the best word to use in connection with someone who once attacked “the Jewish Mafia in American letters” which “control[s] much of the literary scene” through “Jewish-dominated” publications that “make or break writers by advancing or withholding attention.”<a name="_ref1"></a><a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/#_n1"><sup>1</sup></a></p>
<p>The provocation behind Capote’s rant is not immediately clear. <i>Commentary</i>, the most Jewish-dominated publication of them all, hardly withheld attention from <i>In Cold Blood</i>, devoting twenty-two hundred words to the book in its May 1966 issue. William Phillips, the reviewer, who also happened to edit the <i>Partisan Review</i>, another Jewish-dominated publication, even allowed that the book was “good in its own way,” although he went on to ask—“as in the old Jewish joke—whether <i>In Cold Blood</i> was good for literature.”<a name="_ref2"></a><a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/#_n2"><sup>2</sup></a> Maybe Capote could not take a Jewish joke.</p>
<p><i>In Cold Blood</i> is the book Capote is remembered for, which may be for the best. By 1966 his thin talent for fiction had given out. The four book-length volumes of fiction that preceded it—<i>Other Voices, Other Rooms</i> (1948), <i>A Tree of Night and Other Stories</i> (1949), <i>The Grass Harp</i> (1951), and <i>Breakfast at Tiffany’s</i> (1958)—were distinguished by style and really little else. The portrait of the maid in his first novel, released when he was just twenty-four, owes more to Miami Mouth in Ronald Firbank’s <i>Prancing Nigger</i> (1924), for example, than to anything in Capote’s experience of growing up in Monroeville, Alabama:</p>
<blockquote><p>Tall, powerful, barefoot, graceful, soundless, Missouri Fever was like a supple black cat as she paraded serenely about the kitchen, the casual flow of her walk beautifully sensuous and haughty. She was slant-eyed, and darker than the charred stove; her crooked hair stood straight on end, as if she’d seen a ghost, and her lips were thick and purple. The length of her neck was something to ponder upon, for she was almost a freak, a human giraffe, and Joel recalled photos, which he’d scissored once from the pages of a <i>National Geographic</i>, of curious African ladies with countless silver chokers stretching their necks to improbable heights. Though she wore no silver bands, naturally, there was a sweat-stained polka dot bandanna, wrapped around the middle of her soaring neck. “Papadaddy and me’s countin on you for our [prayer] Service,” she said, after filling two coffee cups and mannishly straddling a chair at the table. “We got our own little place backa the garden, so you scoot over later on, and we’ll have us a real good ol time.”</p></blockquote>
<p>The style is bookish only in the sense of being derived entirely from books without much contact at all with a world outside. Yet Capote rarely alludes to other books and writers; his fiction does not enter into conversation with his literary predecessors; it simply mingles with them and dines from the same table. Early critics compared his writing to Faulkner’s, probably because both were Southern and self-taught. Faulkner himself, though, saw no similarity. “The few times I tried to read Truman Capote, I had to give up,” he <a href="http://yachtingnet.com/time/magazine/article/0,9171,823547,00.html" target="_blank">said</a>. “His literature makes me nervous.” </p>
<p>By the time Capote wrote <i>In Cold Blood</i> the mannered prose had become an afterthought. Consider, for instance, the way in which he negotiates the transition from the arrest of Dick Hickock and Perry Smith to their return to the seat of Finney County, Kansas, to stand trial:</p>
<blockquote><p>Among Garden City’s animals are two gray tomcats who are always together—think, dirty strays with strange and clever habits. The chief ceremony of their day is performed at twilight. First they trot the length of Main Street, stopping to scrutinize the engine grilles of parked automobiles, particularly those stationed in front of the two hotels, the Windsor and Warren, for these cars, usually the property of travelers from afar, often yield what the bony, methodical creatures are hunting: slaughtered birds—crows, chickens, and sparrows foolhardy enough to have flown into the path of oncoming motorists. Using their paws as though they are surgical instruments, the cats extract from the grilles every feathery particle. Having cruised Main Street, they invariably turn the corner at Main and Grant, then lope along toward Courthouse Square, another of their hunting grounds—and a highly promising one on the afternoon of Wednesday, January 6 [1960], for the area swarmed with Finney County vehicles that had brought to town part of the crowd populating the square.</p></blockquote>
<p>Aside from the risible implausibility of this passage, it raises the question of decorum or appropriateness. As Horace might have said—or at least his nineteenth-century translator—mass murder “disdains the vulgar vehicle of comic strains.” </p>
<p>I do realize that the flouting of decorum is among the signature achievements of literary modernism, but the use to which Capote puts it—the effect he is after—not only suggests what is morally questionable about the technique, but also reveals his larger purpose in <i>In Cold Blood</i>. The purpose is to distract attention in a confusion of close-up detail. In introducing the house that is the scene of the murders, for example, Capote writes:</p>
<blockquote><p>The house—for the most part designed by Mr. Clutter, who thereby proved himself a sensible and sedate, if not notably decorative, architect—had been built in 1948 for forty thousand dollars. (The resale value was now sixty thousand dollars.) Situated at the end of a long, lanelike driveway shaded by rows of Chinese elms, the handsome white house, standing on an ample lawn of groomed Bermuda grass, impressed [the town of] Holcomb; it was a place people pointed out. As for the interior, there were spongy displays of liver-colored carpet intermittently abolishing the glare of varnished, resounding floors; an immense modernistic living-room couch covered in nubby fabric interwoven with glittery strands of silver metal; a breakfast alcove featuring a banquette upholstered in blue-and-white plastic. This sort of furnishing was what Mr. and Mrs. Clutter liked, as did the majority of their acquaintances, whose houses, by and large, were similarly furnished.</p></blockquote>
<p>The effect is similar to that of a children’s TV-show set: everything is exaggerated and garishly colored (the magnification of detail imbues the objects with garishness even when their original colors were drab). And the condescension toward the tastes of the Clutters and “the majority of their acquaintances” is barely held in check. The victims of mass murder are represented in tones more appropriate to satire.</p>
<p>Capote reconstructs the Clutters’ last day alive, interweaving the narrative with a step-by-step account of the murderers’ progress toward Holcomb in a black 1949 Chevrolet, carefully recording Perry Smith’s vomiting in a gas-station toilet on their last stop two-and-a-half hours away, but stops short of the killing. Only after the fact—only after the Clutters have become corpses—does Capote carry on with the reconstruction of what happened. Two hundred and eighty five pages remain: eighty-three percent of <i>In Cold Blood</i>. The Clutters, whose taste was so common, disappear from view.</p>
<p>Although Capote glances at Kansas Bureau of Investigation detective Al Dewey, his overriding interest is in the killers—especially Perry Smith, the diminutive and probably homosexual convict who was, as William Phillips bluntly put it, “the more twisted of the two.” The crime writer J. J. Maloney is <a href="http://www.crimemagazine.com/CrimeBooks/incold.htm" target="_blank">convinced</a> that, during the course of his research on the book, Capote fell in love with Smith. What is obvious from the design and language of the book is his sympathy for Smith, which Capote intends the reader to share. Although he feels no remorse for the murder, saying that “nothing about it bothers me a bit,” Smith is represented as likable despite it all. Even the man to whom he confesses that he feels nothing whatever about murdering four people acknowledges, “Yes, I like you.” He is pathetically grateful for, as he says, “Somebody who cares about me a little bit.” </p>
<p>After listening to county attorney Logan Green’s final address to the jury, two reporters exchange words. An unnamed “young reporter from Oklahoma” says the summation was “rabble-rousing, brutal.” Richard Parr of the Kansas City <i>Star</i> scoffs:</p>
<blockquote><p>“He was just telling the truth,” Parr said. “The truth can be brutal. To coin a phrase.”<br />
“But he didn’t have to hit that hard. It’s unfair.”<br />
“What’s unfair?”<br />
“The whole trial. These guys don’t stand a chance.”<br />
“Fat chance they gave [16-year-old] Nancy Clutter.”<br />
“Perry Smith. My God. He’s had such a rotten life—”<br />
Parr said, “Many a man can match sob stories with that little bastard. Me included. Maybe I drink too much, but I sure as hell never killed four people in cold blood.”<br />
Yeah, and how about hanging the bastard? That’s pretty goddam cold-blooded too.”</dir>This exchange, which most likely never occurred—it is perhaps the only time that Capote does not provide the name of someone in the book—slyly redefines the meaning of the title. Those who seek justice for the murders of the Clutters are no less willing to kill in cold blood.
</p></blockquote>
<p>Capote’s purpose in <i>In Cold Blood</i> is to mitigate the evil of the Clutters’ killers. The only time the word is used is in a bitter reminiscence of his early life by Perry Smith</p>
<blockquote><p>[M]y mother put me to stay in a Catholic orphanage. The one where the Black Widows were always at me. Hitting me. Because of wetting the bed. Which is one reason I have an aversion to nuns. <i>And</i> God. <i>And</i> religion. But later on I found there are people even more evil. Because, after a couple of months, they tossed me out of the orphanage, and she [his mother] put me some place worse. A children’s shelter operated by the Salvation Army. They hated me, too. For wetting the bed. And being half-Indian. There was this one nurse, she used to call me “nigger” and say there wasn’t any difference between niggers and Indians. Oh, Jesus, was she an Evil Bastard! Incarnate!</p></blockquote>
<p>Although it is often said that Capote’s lasting contribution to literature was his invention of the “non-fiction novel,” his true legacy is to make the use of the word <i>evil</i> as trashy as furniture covered in nubby fabric interwoven with glittery strands of silver metal. Thirty-seven years later, when Terry Eagleton sneered that since 9/11 the word <i>evil</i> has become an “invitation[] to shut down thought,” he was merely standing on Capote’s shoulders.<a name="_ref3"></a><a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/#_n3"><sup>3</sup></a> The chic collaboration with evil demands that it not be called by its proper name.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<ol>
<li><a name="_n1"></a>Interview with <i>Playboy</i> (1968), in <i>Truman Capote: Conversations</i>, ed. M. Thomas Inge (Jackson: University Press of Mississippi, 1987), p. 158. <a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/#_ref1">&uarr;</a></li>
<li><a name="_n2"></a>William Phillips, “But Is It Good for Literature?” <i>Commentary</i> (May 1966): 77–80. <a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/#_ref2">&uarr;</a></li>
<li><a name="_n3"></a>Terry Eagleton, <i>After Theory</i> (New York: Basic Books, 2003), p. 223.<a href="http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/#_ref3">&uarr;</a></li>
</ol>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090902/literature-and-morality/" rel="bookmark" class="crp_title">Literature and Morality</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090825/peitsche/" rel="bookmark" class="crp_title">Und danach – traf mich die Peitsche</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081127/capote-macht-gluecklich/" rel="bookmark" class="crp_title">Capote macht gl&#252;cklich</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/" rel="bookmark" class="crp_title">D. G. Myers zu »Kaltbl&#252;tig«</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090831/in-memoriam-truman-capote/" rel="bookmark" class="crp_title">In Memoriam Truman Capote</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Meere (26. 08. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080826/meere/">Meere</a> (26. 08. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090825/remembering-truman-capote/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Und danach – traf mich die Peitsche</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090825/peitsche/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090825/peitsche/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 11:12:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Truman Capote]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=3773</guid>
		<description><![CDATA[
Truman Capote im Alter von 14 Jahren
Foto: Carl van Vechten (aus der Van Vechten Collection der Library of Congress)
When God hands you a gift, he also hands you a whip; and the whip is intended for self-flagellation solely. [...] Writing stopped being fun when I discovered the difference between good writing and bad and, even [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/truman_capote_1948.jpg" alt="Truman Capote im Alter von 14 Jahren (1948) - Foto: Carl van Vechten (aus der Van Vechten Collection der Library of Congress)" /><br />
<small>Truman Capote im Alter von 14 Jahren<br />
Foto: Carl van Vechten (aus der Van Vechten Collection der Library of Congress)</small></p>
<blockquote><p>When God hands you a gift, he also hands you a whip; and the whip is intended for self-flagellation solely. [...] Writing stopped being fun when I discovered the difference between good writing and bad and, even more terrifying, the difference between it and true art. And after that, the whip came down.</p>
<p align="right"><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Truman_Capote">Truman Capote</a></strong> (1924-1984)</p>
</blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; »Wem Gott eine Gabe schenkt, dem gibt er auch eine Peitsche; und die Peitsche dient einzig der Selbstgei&#223;elung. [...] Das Schreiben h&#246;rte auf, mir Spa&#223; zu machen, als ich den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Schreiben entdeckte und &#8211; schrecklicher noch &#8211; den Unterschied zwischen Schreiben und wahrer Kunst. Und danach &#8211; traf mich die Peitsche.«</p>
<p>Heute vor 25 Jahren starb <a href="http://turmsegler.net/tag/truman-capote/">Truman Capote</a>&#8230;</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20081127/capote-macht-gluecklich/" rel="bookmark" class="crp_title">Capote macht gl&#252;cklich</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20081224/buecherbaum/" rel="bookmark" class="crp_title">B&#252;cherbaum</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090902/literature-and-morality/" rel="bookmark" class="crp_title">Literature and Morality</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/" rel="bookmark" class="crp_title">D. G. Myers zu »Kaltbl&#252;tig«</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090917/epilog/" rel="bookmark" class="crp_title">Epilog</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Meere (26. 08. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080826/meere/">Meere</a> (26. 08. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090825/peitsche/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Malerin und Modell</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090804/malerin-und-modell/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090804/malerin-und-modell/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 04 Aug 2009 09:40:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Stein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=3161</guid>
		<description><![CDATA[
Foto: &#169; Oliver Maier (2009)
&#8226;&#8226;&#8226; Ich lasse mich nicht gern fotografieren. Das hat, ich gebe es ohne Umschweife zu, mit einer gewissen Eitelkeit zu tun oder vielmehr einem Komplex, den ich von Kindheit an mit mir herumtrage, inzwischen stark gemildert, doch nie ganz &#252;berwunden. Die Muskeln, die mein rechtes Auge bewegen sollten, verweigern seit meiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.oliver-maier.de/"><img width="460" height="307" src="http://turmsegler.net/img/2009/benjamin_stein_om_2009-001.jpg" alt="Benjamin Stein 2009 - Foto: &copy; Oliver Maier" /></a><br />
<small>Foto: &copy; <a href="http://www.oliver-maier.de/">Oliver Maier</a> (2009)</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Ich lasse mich nicht gern fotografieren. Das hat, ich gebe es ohne Umschweife zu, mit einer gewissen Eitelkeit zu tun oder vielmehr einem Komplex, den ich von Kindheit an mit mir herumtrage, inzwischen stark gemildert, doch nie ganz &#252;berwunden. Die Muskeln, die mein rechtes Auge bewegen sollten, verweigern seit meiner Geburt den Dienst, und so steht dieses Auge unbeweglich im &#228;u&#223;ersten rechten Augenwinkel und starrt &#8211; inzwischen nahezu blind &#8211; ins Leere. Dieses Auge hat wenig Liebe erfahren im Laufe der Jahre, weder von mir noch von anderen. Vielleicht r&#228;cht es sich daf&#252;r, indem es sich auf Fotos so domininant und irritierend in Szene setzt.</p>
<p>Wenn es um Port&#228;ts von mir geht, zitiere ich gern Picasso, der einer von ihm gemalten und &#252;ber das Ergebnis tief entt&#228;uschten Dame erwiderte: »Madame, eine wie Sie sollte sich fotografieren lassen. Dann sind sie sechs Zentimeter gro&#223; und grau.« Mir liegt dieses Format nicht.</p>
<p>Gemalt zu werden, ist mir deutlich lieber, und tats&#228;chlich sind es vier Gem&#228;lde, in denen ich mich vor Jahren zum ersten und vielleicht einzigen Mal ganz als mich selbst wiedererkannte. Die Bilder sind verschollen wie auch die Malerin, der ich Modell gesessen habe. Das macht mir die Sache noch sympathischer. Denn viel plastischer als die Gem&#228;lde selbst ist mir in Erinnerung, wie sie entstanden sind. Die Geschichte also ist mir geblieben. Und in Geschichten f&#252;hle ich mich noch immer am wohlsten.</p>
<p>Es muss Anfang der 1990er gewesen sein, in Berlin, ein hei&#223;er Sommer, und alles spielte sich in einer Altbauwohnung im dritten Stock am Ost-Berliner Zionskirchplatz ab. Die Malerin hatte ich auf einer Vernissage kennengelernt, zu der mich eine befreundete Dichterin eingeladen hatte. Es war Sympathie zu sp&#252;ren, als wir einander vorgestellt wurden, und wohl auch eine gewisse Anziehung, so dass wir uns verabredeten und ich sie wenig sp&#228;ter besuchte.</p>
<p>Sie wohnte in einer f&#252;r eine Ost-Berliner Kunststudentin herrschaftlichen Wohnung mit gro&#223;er Wohnk&#252;che und zwei Zimmern. Im einen wurde gelebt, im anderen gemalt. An den W&#228;nden standen, auf Rahmen gespannt, vorgrundierte Leinw&#228;nde in vielen Formaten. Es roch nach Terpentin und &#214;lfarben. Spezialisiert war die Dame allerdings auf Radierungen, wovon ich gar keine Ahnung hatte, und so lie&#223; ich mir zun&#228;chst die technischen Finessen des Radierens und Druckens erkl&#228;ren. Wir tranken in der br&#252;tenden Hitze eiskalten Anisschnaps, und irgendwann r&#252;ckte sie damit heraus, dass sie noch kein Bild f&#252;r die Abschlussausstellung habe. Gem&#228;lde waren gefordert. Und ihr fehlte vor allem ein Modell.</p>
<p>Ich hatte Zeit, aber ich sch&#252;tzte gleich meine Ungeduld vor: Ich k&#246;nne nie und nimmer so lange stillsitzen. Das glaubte sie nicht, und sie schlug vor, die Bilder nur zu skizzieren, w&#228;hrend ich Modell s&#228;&#223;e. Sie w&#252;rde sie dann sp&#228;ter zu Ende malen.</p>
<p>Wir k&#246;nnen gleich anfangen, sagte sie: Dort ist ein Sessel. Zieh dich einfach aus und setz dich, wie es Dir am bequemsten ist.</p>
<p>W&#228;hrend Sie sich gleich daran machte, eine passende Leinwand auszusuchen und auf die Staffelei zu stellen, z&#246;gerte ich. Dass ich nackt Modell sitzen sollte, war mir nicht klar gewesen. Aber letztlich machte mir dieser Umstand die Sache sogar leichter, denn es kam mir so vor, als w&#252;rde diesmal wom&#246;glich mein K&#246;rper als Ganzes Gelegenheit haben, den »Makel«, der mich seit Kindertagen bek&#252;mmerte, in den Hintergrund r&#252;cken zu lassen.</p>
<p>Also zog ich mich aus, w&#228;hrend sie die Farben zurechtlegte.</p>
<p>Meine Sachen warf ich auf einen Haufen neben dem alten Sessel, auf den ich mich l&#252;mmelte, wie es gew&#252;nscht worden war, und auf den Dielen stand &#8211; zwischen Sessel und Staffelei &#8211; die halb geleerte Flasche Anisschnaps. Daneben lag ein Apfel. Diese beiden Gegenst&#228;nde waren so etwas wie eine Demarkationslinie, die von Malerin und Modell nicht &#252;berschritten werden durfte, solange wir arbeiteten.</p>
<p>Ich bin zwei Tage geblieben. Die Flasche wurde gelehrt, der Apfel gegessen. Es war nur folgerichtig, dass die Demarkationslinie nicht bestehen blieb.</p>
<p>Die Malerin war im Grunde sehr sch&#252;chtern, und w&#228;hrend ich »nur« mit meinem ins Abseits starrenden Auge haderte, verw&#252;nschte sie einen Gro&#223;teil ihres K&#246;rpers. Dar&#252;ber sprachen wir nachts. Dass sie die einzige Frau in einer Klasse von lauter sehr auf ihre M&#228;nnlichkeit pochenden Malern war, machte es nicht einfacher f&#252;r sie.</p>
<p>Am zweiten Tag &#8211; es war wieder br&#252;tend hei&#223; &#8211; ging sie z&#246;gerlich auf meinen Vorschlag ein, sich ebenfalls auszuziehen und nackt zu malen. Sie musste die Staffelei so r&#252;cken, dass sie sich nicht dahinter verstecken konnte. Und da sie Palette und Pinsel halten musste, war sie ganz meinen begehrlichen Blicken ausgeliefert. Und es wirkte. Ich glaube, ich f&#252;hlte mich unter ihren Blicken zum ersten Mal in meinem Leben wirklich sch&#246;n; und sie malte sich, w&#228;hrend ich sie wenigstens so intensiv betrachtete wie sie mich, eine Menge &#196;ngste und Hemmungen vom Leibe.</p>
<p>Nat&#252;rlich kehrt man aus einer solchen Situation in den Alltag zur&#252;ck und zieht sich mit den Kleidern auch wieder einen Teil der alten Komplexe an. Als ich einige Wochen sp&#228;ter in der Abschlussausstellung die Bilder sah, ging es f&#252;r uns beide nicht ohne ein Err&#246;ten ab. Da waren die Flasche und der Apfel und nat&#252;rlich ich in verschiedenen Posen auf und vor dem Sessel.</p>
<p>Sie war sehr gelobt worden &#8211; gerade f&#252;r diese Serie. Und das lag wohl daran, dass das, was geschehen war mit uns beiden, auf den Bildern zwar nicht dargestellt, aber doch als Stimmung anwesend und deutlich sp&#252;rbar war: Erleichterung, Leichtigkeit &#8211; eine gro&#223;e innere Befreiung.</p>
<p>Es waren <em>lebensfrohe</em> Bilder, und ich denke gern an sie zur&#252;ck, wohl auch, weil sie mich daran erinnern, dass es beim Entstehen eines Kunstwerks immer auch ein wenig um &#220;berwindung geht: Barrieren in sich niederzurei&#223;en und der eigenen Bl&#246;&#223;e zu begegnen.</p>
<p>Gelogen hat die Malerin nicht f&#252;r mich. Auf einem der Bilder war ich <em>en face</em> zu sehen, und wie es sich f&#252;r ein ehrliches Portr&#228;t geh&#246;rt, blickte mein ungeliebtes Auge scharf nach rechts. Nur wirkte es keineswegs blind oder gar tot. Nein, es leuchtete geradezu und blickte lebhaft und liebevoll auf etwas oder jemanden au&#223;erhalb des Bildes, von dem eine ungeheure Faszination ausgehen musste. Was es war, wusste nur das Modell. Dem Blick des Betrachters blieb es verborgen.</p>
<p align="right">© <strong><a href="http://turmsegler.net/tag/benjamin-stein/">Benjamin Stein</a></strong> (2009)</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090317/traenenreich/" rel="bookmark" class="crp_title">Tr&#228;nenreich</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080923/lektorat-ii/" rel="bookmark" class="crp_title">Lektorat (II)</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080804/laengen-und-kitsch/" rel="bookmark" class="crp_title">L&#228;ngen und Kitsch?</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080910/psychoanalyse/" rel="bookmark" class="crp_title">Psychoanalyse</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080318/die-leinwand-z05/" rel="bookmark" class="crp_title">Die Leinwand (Z.05)</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Recherchen 2008 (04. 08. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080804/recherchen-2008/">Recherchen 2008</a> (04. 08. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090804/malerin-und-modell/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Subjekt im Auto</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090723/das-subjekt-im-auto/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090723/das-subjekt-im-auto/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 12:37:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=3057</guid>
		<description><![CDATA[
Thomas H&#252;rlimann (* 1950)
Betrachten wir noch einmal das Modell, nach dem wir schon seit zweitausend Jahren denken und sehen. Es ist das Subjekt/Objekt-Denken, also ein Denken und Sehen, das rein und ausschlie&#223;lich von unserem Ich ausgeht. Cartesius hat es auf das Cogito, auf den einzelnen Menschen reduziert und ein f&#252;r allemal f&#252;r verbindlich erkl&#228;rt. Heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/thomas_huerlimann.jpg" alt="Thomas H&#252;rlimann (* 1950)" /><br />
<small><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_H%C3%BCrlimann">Thomas H&#252;rlimann</a></strong> (* 1950)</small></p>
<p>Betrachten wir noch einmal das Modell, nach dem wir schon seit zweitausend Jahren denken und sehen. Es ist das Subjekt/Objekt-Denken, also ein Denken und Sehen, das rein und ausschlie&#223;lich von unserem Ich ausgeht. Cartesius hat es auf das Cogito, auf den einzelnen Menschen reduziert und ein f&#252;r allemal f&#252;r verbindlich erkl&#228;rt. Heute sitzt das Subjekt im Auto und beherrscht die Welt, zumindest die Oberfl&#228;che. Wir sehen nur noch das, was unsere Scheinwerfer beleuchten; wir sind, was wir fahren, und wer mir nicht glaubt, der spitze bitte seine Ohr! »Ich stehe vor der Oper«: Dieses S&#228;tzlein wird in knapp f&#252;nf Minuten, am Ende meines Vortrags, mehrfach fallen. Die Personen, die es &#228;u&#223;ern, werden allerdings im Innern des Hauses stehen, nicht davor. »Ich stehe vor der Oper«, das besagt nichts anderes als: Mein wahres Ich ist mein Auto.</p>
<p align="right"><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_H%C3%BCrlimann">Thomas H&#252;rlimann</a></strong>, aus:<br />
<a href="http://www.amazon.de/Das-Holztheater-Thomas-H&#252;rlimann/dp/3250104353/">»Das Holztheater«</a> (Geschichten und Gedanken am Rand)<br />
&copy; Ammann Verlag 1997</p>
<p>&bull;&bull;&bull; Letzte Woche habe ich Pynchon gelesen. Ich habe es jedenfalls &#8211; mit mehreren Titeln &#8211; versucht. Dieser, wie viele meinen, bedeutendste amerikanische Gegenwartsschriftsteller bekommt mir allerdings gar nicht. Weg damit also. Und ich griff aus Mangel an Lesestoff f&#252;r die U-Bahn wieder einmal ins Regal mit den sch&#246;nen Ammann-B&#228;nden aus der Meridiane-Reihe. Diese B&#252;cher habe ich aus &#228;stetischen Gr&#252;nden gesammelt, aber bei weitem noch nicht alle gelesen. Dieses Mal griff ich H&#252;rlimann heraus.</p>
<p>Seine »Geschichten und Gedanken am Rand« erinnerten mich ein wenig an Hedigers <a href="http://edition-neue-moderne.de/programm/prosa-inseln/kroetenkarneval/">»Kr&#246;tenkarneval«</a>. Auch in H&#252;rlimanns kolumnenartig kurzen Prosabeitr&#228;gen versucht ein Schweizer, sich &#252;ber sich selbst, sein Land, seine Identit&#228;t und die Auswirkungen unseres Denkens auf die Wirklichkeit (sowie vice versa) zu machen.</p>
<p>Nicht alle diese Reflexionen finde ich geradeheraus &#252;berzeugend. Am besten ist H&#252;rlimann auch in diesem Buch, wenn er erz&#228;hlt. Und es hat einige sehr gelungene Erz&#228;hlst&#252;cke in diesem Band.</p>
<p>An den gerade einmal 96 Seiten lese ich nun schon drei Tage mit bleibendem Vergn&#252;gen. Das w&#228;re, denke ich immer wieder, eine sch&#246;ne (und leicht zu transportierende) Reiselekt&#252;re f&#252;r Markus, wenn er in K&#252;rze wieder gen Brasilien aufbricht. Vielleicht liest er es. Wenn ja, werden wir es bestimmt bald hier lesen &#8211; in seiner Gastkolumne, die er uns bald im Turmsegler pr&#228;sentieren wird.</p>
<p>&#220;brigens: In diesem H&#252;rlimann-Band ist das Problem der Anmerkungen sehr sch&#246;n gel&#246;st: kein Glossar, keine Fu&#223;noten, sondern klein und kursiv gesetzte Randnotizen. Habe ich hier zum ersten Mal so gesehen. Sch&#246;n.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090318/empfehlungen/" rel="bookmark" class="crp_title">Empfehlungen</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080708/erstauslieferung/" rel="bookmark" class="crp_title">Erstauslieferung</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080714/kroetenkarneval/" rel="bookmark" class="crp_title">Kr&#246;tenkarneval</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090726/kroetenwanderung/" rel="bookmark" class="crp_title">Kr&#246;tenwanderung</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090501/nach-eden/" rel="bookmark" class="crp_title">Nach Eden</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Gestern wurde es sehr spät (24. 07. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080724/gestern-wurde-es-sehr-spaet/">Gestern wurde es sehr spät</a> (24. 07. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090723/das-subjekt-im-auto/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine Beschw&#246;rung</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090713/eine-beschwoerung/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090713/eine-beschwoerung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 19:32:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Markus A. Hediger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=2996</guid>
		<description><![CDATA[
Markus A. Hediger: Kr&#246;tenkarneval &#8211; Autobiographische Fiktionen
ISBN 978-39523236-5-6, 160 Seiten, Gallimard-Paperback

 












Euro 14,-
zzgl. Versand bei Bestellung aus dem Ausland
Mit einer Direktbestellung unterst&#252;tzen Sie Autor und Verlag. Sie k&#246;nnen den Titel jedoch auch via amazon bestellen.
&#8226;&#8226;&#8226; Dies ist eine Beschw&#246;rung. Schaut in den »R&#252;ckspiegel« und stellt fest: Wer Hedigers Buch noch nicht gelesen hat, der hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://edition-neue-moderne.de/programm/prosa-inseln/kroetenkarneval/"><img src="http://edition-neue-moderne.de/img/kroetenkarneval_small.jpg" alt="Kr&#246;tenkarneval" /></a></p>
<p><strong><a href="http://edition-neue-moderne.de/autoren/markus-a-hediger/">Markus A. Hediger</a>: <a href="http://edition-neue-moderne.de/programm/prosa-inseln/kroetenkarneval/">Kr&#246;tenkarneval</a> &#8211; Autobiographische Fiktionen</strong><br />
ISBN 978-39523236-5-6, 160 Seiten, Gallimard-Paperback</p>
<form target="paypal" action="https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr" method="post">
<input src="https://www.paypal.com/de_DE/CH/i/btn/btn_cart_SM.gif" name="submit" alt="Jetzt einfach, schnell und sicher online bezahlen – mit PayPal." border="0" type="image" /> <img src="https://www.paypal.com/de_DE/i/scr/pixel.gif" border="0" height="1" width="1" /></p>
<input name="add" value="1" type="hidden" />
<input name="cmd" value="_cart" type="hidden" />
<input name="business" value="shop@edition-neue-moderne.de" type="hidden" />
<input name="item_name" value="Markus A. Hediger - Kroetenkarneval" type="hidden" />
<input name="item_number" value="ISBN 978-39523236-5-3" type="hidden" />
<input name="amount" value="14.00" type="hidden" />
<input name="no_shipping" value="0" type="hidden" />
<input name="no_note" value="1" type="hidden" />
<input name="currency_code" value="EUR" type="hidden" />
<input name="lc" value="CH" type="hidden" />
<input name="bn" value="PP-ShopCartBF" type="hidden" />
</form>
<p>Euro 14,-<br />
zzgl. Versand bei Bestellung aus dem Ausland</p>
<p><small>Mit einer Direktbestellung unterst&#252;tzen Sie Autor und Verlag. Sie k&#246;nnen den Titel jedoch auch <a href="http://www.amazon.de/Kr%C3%B6tenkarneval-Markus-Hediger/dp/3952323659/">via amazon</a> bestellen.</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Dies ist eine Beschw&#246;rung. Schaut in den <a href="http://turmsegler.net/20080714/kroetenkarneval/">»R&#252;ckspiegel«</a> und stellt fest: Wer Hedigers Buch noch nicht gelesen hat, der hat etwas verpasst. Und das w&#252;rde ich auch felsenfest behaupten, wenn ich nicht der Verleger dieses wunderbaren Bandes w&#228;re. Die Titelgrafik &#252;brigens stammt von der Herzdame, nach wie vor mein favorisiertes Cover unter den Editionstiteln.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20090318/empfehlungen/" rel="bookmark" class="crp_title">Empfehlungen</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080714/kroetenkarneval/" rel="bookmark" class="crp_title">Kr&#246;tenkarneval</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080708/erstauslieferung/" rel="bookmark" class="crp_title">Erstauslieferung</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080717/bestellungen-bei-der-edition/" rel="bookmark" class="crp_title">Bestellungen bei der Edition</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080611/edition-neue-moderne-autorenverlag/" rel="bookmark" class="crp_title">edition neue moderne &bull; autorenverlag</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Krötenkarneval (14. 07. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080714/kroetenkarneval/">Krötenkarneval</a> (14. 07. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090713/eine-beschwoerung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Finstere Bilanz</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090713/finstere-bilanz/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090713/finstere-bilanz/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 18:42:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[D. G. Myers]]></category>
		<category><![CDATA[J. D. Salinger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=2987</guid>
		<description><![CDATA[
J. D. Salinger (2009)
&#8226;&#8226;&#8226; In den letzten zwei Wochen habe ich zum ersten Mal Salinger gelesen. Um welches Buch es sich handelte, muss man ja nicht erw&#228;hnen. Ich war entt&#228;uscht und begeistert. Entt&#228;uscht hat mich der nach meinem Geschmack v&#246;llig unspannende Ablauf dieser Teenager-Geschichte. Begeistert hingegen war ich von der f&#252;r mein Gef&#252;hl sehr gut [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.planetvideo.com.au/blog/2009/01/waiting-for-salinger.html"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/jdsalinger_2009_s.jpg" alt="J. D. Salinger 2009" /></a><br />
<small><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/J._D._Salinger">J. D. Salinger</a></strong> (2009)</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; In den letzten zwei Wochen habe ich zum ersten Mal Salinger gelesen. Um welches Buch es sich handelte, muss man ja nicht erw&#228;hnen. Ich war entt&#228;uscht und begeistert. Entt&#228;uscht hat mich der nach meinem Geschmack v&#246;llig unspannende Ablauf dieser Teenager-Geschichte. Begeistert hingegen war ich von der f&#252;r mein Gef&#252;hl sehr gut getroffenen Sprache, die Salinger seinem Helden Caulfield verpasst. Ich habe die <a href="http://www.amazon.de/F&#228;nger-im-Roggen-Jerome-Salinger/dp/3499235390/">aktuelle Ausgabe von Kiepenheuer &#038; Witsch gelesen in der &#220;bersetzung also von Eike Sch&#246;nfeld von 1962</a> und offenbar im Jahr 2003 nachtr&#228;glich in die neue deutsche Rechtschreibung &#252;bertragen, die mir an manchen Stellen wirklich Beschwerden bereitet. Es <em>tut mir Leid</em>. Auch wenn das sinnvoll ist, ich gew&#246;hne mich nur allzu langsam daran und stocke jedes Mal wieder im Lesefluss.</p>
<p>Wie es m&#246;glich war, dass sich dieser Roman unterdessen sage und schreibe mehr als 75 Millionen mal verkauft hat, ist mir ein Mysterium. Als Autor ist Salinger nach diesem Streich verstummt und ist es bis heute &#8211; 40 Jahre sp&#228;ter &#8211; geblieben. Ich finde das okay. Wer wollte einen Autor <em>zwingen</em>, Buch auf Buch zu schreiben, nur weil dieser Roman ein solcher Erfolg war?</p>
<p>D. G. Myers vom <a href="http://dgmyers.blogspot.com/">»Commonplace Blog«</a> sieht das in seinem Beitrag <a href="http://dgmyers.blogspot.com/2009/07/suspended-in-literary-amber.html">»Suspended in literary amber«</a>, den ich bei ihm &#8211; what a coincidence &#8211; vor wenigen Tagen las, weniger vers&#246;hnlich:</p>
<blockquote><p>Like an overprotective parent, Salinger has fought desperately to prevent Holden from achieving independence, and the <em>folie à deux</em> has arrested the development of both. Among other things, <em>The Catcher in the Rye</em> is a less interesting novel because it has had no descendants and inheritors, only rivals and apes.</p></blockquote>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20100129/salingers-safe/" rel="bookmark" class="crp_title">Salingers Safe</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20061130/der-panther/" rel="bookmark" class="crp_title">Der Panther</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090826/d-g-myers-zu-kaltbluetig/" rel="bookmark" class="crp_title">D. G. Myers zu »Kaltbl&#252;tig«</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090904/priceless-experience/" rel="bookmark" class="crp_title">Priceless Experience</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090902/online-symposium-book-blogging/" rel="bookmark" class="crp_title">Online-Symposium Book Blogging</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Krötenkarneval (14. 07. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080714/kroetenkarneval/">Krötenkarneval</a> (14. 07. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090713/finstere-bilanz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Spurwechsel</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090710/spurwechsel/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090710/spurwechsel/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 15:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diamond District]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=2962</guid>
		<description><![CDATA[
Diamond District Antwerpen
&#8226;&#8226;&#8226; Dem treuen Team, das mir w&#228;hrend der Arbeit an der »Leinwand« zur Seite stand, habe ich gestern ein ausf&#252;hrliches Exposé f&#252;r einen neuen Roman geschickt. Die Antworten waren so, dass mir nun wohl nichts anderes &#252;brig bleibt, als j&#228;h die Spur zu wechseln, »Pans Wiederkehr« links liegen zu lassen und mit den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/diamond_district_antwerp_s.jpg" alt="Diamond District Antwerpen" /><br />
<small>Diamond District Antwerpen</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Dem treuen Team, das mir w&#228;hrend der Arbeit an der <a href="http://turmsegler.net/category/die-leinwand/">»Leinwand«</a> zur Seite stand, habe ich gestern ein ausf&#252;hrliches Exposé f&#252;r einen neuen Roman geschickt. Die Antworten waren so, dass mir nun wohl nichts anderes &#252;brig bleibt, als j&#228;h die Spur zu wechseln, <a href="http://turmsegler.net/category/pans-wiederkehr/">»Pans Wiederkehr«</a> links liegen zu lassen und mit den Recherchen f&#252;r dieses neue Buch zu beginnen. Es ist eine faszinierende Geschichte, und es wird wieder eine herausfordernde und &#8211; wie ich finde &#8211; interessante Erz&#228;hlkonstruktion. Arbeitstitel: <a href="http://turmsegler.net/category/diamond-district/">»Diamond District«</a>.</p>
<p>Ein Exposé ist noch kein Buch, sagt die Herzdame gerade. Nun ja, das ist wohl so. Aber so klar wie dieses Buch habe ich »Die Leinwand« anf&#228;nglich noch nicht vor Augen gehabt.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20091119/jakob-eis/" rel="bookmark" class="crp_title">Jakob Eis</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090712/die-tyrannei-der-gutmeinenden/" rel="bookmark" class="crp_title">Die Tyrannei der Gutmeinenden</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20091119/plotpoints/" rel="bookmark" class="crp_title">Plotpoints</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090401/land-in-sicht/" rel="bookmark" class="crp_title">Land in Sicht</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090304/pans-labyrinth/" rel="bookmark" class="crp_title">Pans Labyrinth</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Kulinarisch (13. 07. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080713/kulinarisch/">Kulinarisch</a> (13. 07. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090710/spurwechsel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wieviel Erde braucht der Mensch?</title>
		<link>http://turmsegler.net/20090630/wieviel-erde-braucht-der-mensch/</link>
		<comments>http://turmsegler.net/20090630/wieviel-erde-braucht-der-mensch/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 07:10:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Lew Nikolajewitsch Tolstoi]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Jackson]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=2879</guid>
		<description><![CDATA[Der Knecht nahm die Hacke, grub Pachom ein Grab, genau so lang wie das St&#252;ck Erde, das er mit seinem K&#246;rper, von den F&#252;&#223;en bis zum Kopf, bedeckte – sechs Ellen –, und scharrte ihn ein.
&#8226;&#8226;&#8226; ANHs gestrige Bemerkung zu Michael Jackson scheint mir deutlich den Tatbestand der Herzlosigkeit zu erf&#252;llen. Ich stehe nicht unbedingt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Der Knecht nahm die Hacke, grub Pachom ein Grab, genau so lang wie das St&#252;ck Erde, das er mit seinem K&#246;rper, von den F&#252;&#223;en bis zum Kopf, bedeckte – sechs Ellen –, und scharrte ihn ein.</p></blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; <a href="https://twitter.com/Fiktionaere/status/2391998941">ANHs gestrige Bemerkung</a> zu Michael Jackson scheint mir deutlich den Tatbestand der Herzlosigkeit zu erf&#252;llen. Ich stehe nicht unbedingt im Verdacht, ein ausgesprochener Jackson-Fan zu sein. Lasse ich aber einmal diese Biographie Revue passieren, sehe ich eine Art Sklaven vor mir, der weder je Kind sein noch sp&#228;ter kaum einmal er selbst sein durfte. Es mag ihm sogar schwer gefallen sein, zu erahnen, was dieses Selbst tats&#228;chlich h&#228;tte ausmachen k&#246;nnen.</p>
<p>Den derzeit hinausgesp&#252;lten Berichten &#252;ber Jackson kann man kaum glauben. Aber in einigen scheint mir doch das gewisse K&#246;rnchen Wahrheit zu stecken. Allein der <a href="http://www.dailymail.co.uk/tvshowbiz/article-1196009/Im-better-dead-Im-How-M ichael-Jackson-predicted-death-months-ago.html">Bericht der »Daily Mail« vom letzten Wochenende</a> kann einem das kalte Grausen bereiten. Man muss den Eindruck gewinnen, da sei jemand kalkuliert in den Tod gehetzt worden &#8211; weil er tot mehr »wert« ist als lebendig.</p>
<p>Da f&#228;llt es mir schwer, nachzuvollziehen, wie man die Bemerkung »Einer weniger, na und? Ja, wenn es Mantler gewesen w&#228;re oder Jack Bruce&#8230;« so leicht &#252;ber die Lippen bekommt. Diese Art Wertung eines Menschen unterscheidet sich von jener der gierigen Eltern und »Berater« nur in der W&#228;hrung.</p>
<p>Gier&#8230; Bei diesem Stichwort fielen mir die einfachen einst&#246;ckigen H&#228;uschen mit Flachdach auf Fuerteventura ein, die man dort gelegentlich sieht. Jemand erz&#228;hlte mir, dass auf der Insel nach wie vor ein altes spanisches Gesetz in Kraft ist, das folgendes festlegt: Gelingt es jemanden, binnen 24 Stunden ein vollst&#228;ndiges bewohnbares Haus auf herrenlosem Grund zu errichten, erwirbt er damit das lebenslange unentgeltliche Bleiberecht auf dem vereinnamten Boden.</p>
<p>Als ich das h&#246;rte, musste ich an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lew_Nikolajewitsch_Tolstoi">Tolstois</a> Erz&#228;hlung vom Bauern Pachom denken: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wieviel_Erde_braucht_der_Mensch%3F">»Wieviel Erde braucht der Mensch?«</a>. Ob es nun um Erde, Geld oder Ruhm geht, gleich welche »W&#228;hrung« &#8211; die Parabel passt.</p>
<p>In dieser Erz&#228;hlung macht sich der Wolgabauer Pachom mit seinem Knecht auf die weite Reise nach Baschkirien, weil er geh&#246;rt hat, man k&#246;nne dort f&#252;r einen festen Betrag so viel Land erwerben, wie man an einem Tag zu Fu&#223; umrunden kann. Die Baschkiren mussten am Ende nicht einmal den Spaten in die Hand nehmen, um Pachom zu begraben.</p>
<div id="crp_related"><h4>Verwandte Beiträge:</h4><ul><li><a href="http://turmsegler.net/20080924/lektorat-iii/" rel="bookmark" class="crp_title">Lektorat (III)</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20071226/alles-fuegt-sich-zusammen/" rel="bookmark" class="crp_title">Alles f&#252;gt sich zusammen</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20080813/shiluach-ha-ken/" rel="bookmark" class="crp_title">Shiluach ha-Ken</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090315/holocaust-memoiren/" rel="bookmark" class="crp_title">Holocaust-Memoiren</a></li><li><a href="http://turmsegler.net/20090630/die-sprache-der-schoepfung-ii/" rel="bookmark" class="crp_title">Die Sprache der Sch&#246;pfung (II)</a></li></ul></div><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Mit Haien und Rochen Auge in Auge (03. 07. 2008)" rel="bookmark" href="http://turmsegler.net/20080703/mit-haien-und-rochen-auge-in-auge/">Mit Haien und Rochen Auge in Auge</a> (03. 07. 2008)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://turmsegler.net/20090630/wieviel-erde-braucht-der-mensch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

<!-- Performance optimized by W3 Total Cache. Learn more: http://www.w3-edge.com/wordpress-plugins/

Page Caching using disk (enhanced) (user agent is rejected)
Database Caching 13/234 queries in 1.842 seconds using apc

Served from: turmsegler.net @ 2010-03-18 15:21:26 -->