Archiv der Kategorie 'Intermission'

Das Loch in der Mitte des Kringels

Freitag, den 30. Mai 2008

Alexander Osmerkin: Ossip Mandelstam
:

So sehr ich mich auch anstrengen mag, und selbst wenn ich Pferde auf meinem Rücken tragen würde und Mühlsteine drehen machte, werde ich dennoch nie ein Werktätiger sein können. Meine Arbeit wird, wie immer sie sich äußern möge, als Ungezogenheit aufgenommen, als Gesetzlosigkeit, als etwas Zufälliges. Ich unterschreibe mit beiden Händen.

Hier ein anderer Zugang: für mich ist beim Kringel das Loch in der Mitte von Wert. Doch was ist dann mit dem Kringelteig? Den Kringel kann man wegknabbern, das Loch jedoch besteht weiter. Wirkliche Arbeit ist eine Brüsseler Spitze – das Wichtigste an ihr ist das, worauf das Muster sich hält: Luft, Durchstiche, Atempausen.

: aus: “Vierte Prosa”

Die Zukunft der Bücher

Mittwoch, den 28. Mai 2008

Kyle Bean: Future of Books
Kyle Bean: Future of Books

••• Die Zukunft der Bücher, wie sie sieht. Das ist nicht die einzige interessante Arbeit aus seinem Portfolio.

Guernica 3D

Montag, den 26. Mai 2008

Lena Gieseke – Guernica 3D
Lena GiesekeGuernica 3D

••• Wie macht man aus einem Bild eine Skulptur? zeigt es an Picassos legendärem Gemälde “Guernica”.

The Chair

Samstag, den 24. Mai 2008

The Chair
The Chair – © by a beautiful revolution

••• Eine kleine Geschichte in Bildern von .

Gone Fishing

Donnerstag, den 22. Mai 2008

Costa Calma – Fuerteventura
Costa Calma – Fuerteventura

: Gone fishin’

Die Ratten

Dienstag, den 19. Juni 2007

In Hof scheint weiß der herbstliche Mond.
Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.
Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;
Da tauchen leise herauf die Ratten

Und huschen pfeifend hier und dort
Und ein gräulicher Dunsthauch wittert
Ihnen nach aus dem Abort,
Den geisterhaft der Mondschein durchzittert

Und sie keifen vor Gier wie toll
Und erfüllen Haus und Scheunen,
Die von Korn und Früchten voll.
Eisige Winde im Dunkel greinen.

Georg Trakl (1887-1914)

Die Raben

Sonntag, den 17. Juni 2007

Über den schwarzen Winkel hasten
Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.
Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei
Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.

O wie sie die braune Stille stören,
In der ein Acker sich verzückt,
Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,
Und manchmal kann man sie keifen hören

Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,
Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug
Und schwinden wie ein Leichenzug
In Lüften, die von Wollust zittern.

Georg Trakl (1887-1914)

Die Zeit

Donnerstag, den 14. Juni 2007

»Die Zeit geht dahin«; »das Leben ist ein Strom« etc. So sprechen die Leute. Ich kann’s nicht merken: die Zeit steht stille, und ich mit ihr. Alle die Pläne, die ich entwerfe, springen gerade so auf mich selbst zurück. Will ich ausspeien, so speie ich mir selbst ins Gesicht.

Sören Kierkegaard (1813-1855)

Geduld zum Leben

Dienstag, den 12. Juni 2007

Mir fehlt überhaupt die Geduld zum Leben. Ich kann das Gras nicht wachsen sehen; wenn ich aber das nicht kann, so mag ich gar nicht dahin gesehen haben. Meine Anschauungen sind flüchtige Betrachtungen eines »fahrenden Schülers«, der in größter Hast durchs Leben stürzt. Man sagt: Gott der Herr macht den Magen eher satt als die Augen. Das vermag ich nicht zu merken. Meine Augen sind satt und alles Dinges überdrüssig, und doch hungert mich.

Sören Kierkegaard (1813-1855)

Was ist ein Dichter?

Sonntag, den 10. Juni 2007

Was ist ein Dichter? Ein unglücklicher Mensch, der heiße Schmerzen in seinem Herzen trägt, dessen Lippen aber so geartet sind, daß, während Seufzer und Geschrei ihnen entströmen, diese dem fremden Ohr wie schöne Musik ertönen. Es geht ihm, wie einst jenen Unglücklichen, die in Phalaris’ Stier durch ein sacht brennendes Feuer langsam gemartert wurden, deren Geschrei nicht bis zu den Ohren des Tyrannen dringen konnte, ihn zu erschrecken: ihm klangen sie wie heitere Musik. Und die Leute umschwirren den Dichter und sprechen zu ihm: »Sing uns bald wieder ein Lied;« das heißt: mögen neue Leiden deine Seele martern, und mögen deine Lippen bleiben, wie sie bisher gewesen; dein Schreien würde uns nur ängsten, aber die Musik, ja, die ist lieblich. Und die Rezensenten treten herzu und sprechen: So ist es richtig; so soll es gehen nach den Regeln der Ästhetik. Nun, das versteht sich, ein Rezensent gleicht einem Dichter auf ein Haar, nur dass er nicht die Pein im Herzen, nicht die Musik auf den Lippen hat. Siehe, darum will ich lieber Schweinehirte sein auf Amagerbro und von den Schweinen verstanden werden, als Dichter sein und von den Menschen mißverstanden werden.

Sören Kierkegaard (1813-1855)