Archiv der Kategorie 'Film'

Ryunosuke Akutagawa

Montag, den 10. Dezember 2007

Ryunosuke Akutagawa

••• Die Herzdame räumt ihre Bücher um und reicht mir ein Buch, über das ich schon vor Monaten schreiben wollte. Nur gingen damals die Assoziationen, von denen ich mich hier treiben lasse, offenbar andere Wege, so dass das Vorhaben in Vergessenheit geriet. Das Versäumnis soll nun aber wettgemacht werden.

Ryunosuke Akutagawas Prosa ist eine Offenbarung, rein und klar wie Quellwasser und dabei doch irritierend und verwirrend, wie man es sich nur vorstellen (und wünschen) kann.

Ganze 35 Jahre alt wurde dieser japanische Autor. Von Depressionen geplagt, nahm er sich 1927 das Leben. Seine Werke – zumeist short stories, die auch Romane hätten werden können – spielen häufig in der weiter zurückliegenden Vergangenheit, im Japan versunkener Jahrhunderte. Die Verbindung zum Japan des beginnenden 20. Jahrhunderts, in dem Akutagawa lebte und in dem die aufkommende Industrialisierung die Isolation Japans aufzubrechen begann, die Verbindung zu diesem Japan knüpft der Autor im Subtext seiner stories, im unausgesprochen Mitschwingenden. So sehr jene anbrechende neue Zeit den strikten Traditionen am Zeug zu flicken schien, so fest verwurzelt zeigten sie sich doch nach wie vor in den Menschen.


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Das siebente Siegel

Montag, den 10. September 2007

Ingmar Bergman: Das siebente Siegel

••• Eben habe ich mit der Herzdame in memoriam Ingmar Bergman seinen 1957 erschienenen Film “Das siebente Siegel” gesehen.

Ein Kreuzritter, der gern seinen Glauben verlieren würde, spielt auf dem Heimweg aus dem heiligen Land eine Partie Schach mit dem Tod. So lange sie dauert, bleibt er am Leben. Gewinnt er, ist er frei. Es wird eine Hängepartie in mehreren Etappen und mit allerlei Täuschungen durch beide Spieler. Sie ziehen durch ein von der Pest verwüstetes Land. Sehr pathetisch und sehr poetisch. Unbedingt sehenswert.

Da fällt mir auf, dass ich einen kleinen Stapel Gedichte, Ideen und Geschichten zum Tod vor mir liegen habe. Das ist doch ein guter Anschluss an die Strecke mit Liebesgedichten. Liebe und Tod — das waren schon immer die besten Zutaten der poetischen Alchemie.

Volver

Sonntag, den 19. August 2007

Penelope Cruz in: “Volver” (Gesang: Estrella Morente)

Ich fürchte mich vor der Begegnung
mit der Vergangenheit,
die mich einholt.
Ich fürchte mich vor den Nächten
voller Erinnerungen,
die meine Träume anketten.
Doch der Reisende, der flüchtet,
hält früher oder später inne.
Und obwohl das Vergessen,
das alles zerstört,
meine alte Illusion
schon getötet hat,
bewahre ich insgeheim
demütig die Hoffnung,
die das ganze Vermögen
meines Herzens ist.
Zurückkehren
mit verwelkter Stirn.
Der Schnee der Zeit
hat meine Schläfen ergrauen lassen.
Fühlen, dass das Leben
nur ein Hauch ist,
dass zwanzig Jahre nichts sind,
dass der fiebrige Blick,
im Schatten irrend,
dich sucht und beim Namen nennt.
Leben mit der Seele, die sich
an eine süsse Erinnerung klammert,
die mich noch heute
zum Weinen bringt.

Carlos Gardel & Alfredo La Pera
“Raimundas Lied”, aus: “Volver”
Ein Film von Pedro Almodóvar

••• Eine Erinnerung daran, dass die Poesie aus dem Schoss des Liedes kommt…


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Aus der Welt gespült

Sonntag, den 29. Juli 2007

Toke Constantin Hebbeln: Nimmermeer
Toke Constantin Hebbeln: Nimmermeer

Gregor Buchkremer: Kaltmiete
Gregor Buchkremer: Kaltmiete

Jens Lien: The Bothersome Man
Jens Lien: The Bothersome Man

••• Ich bin heute wie aus der Welt gespült. Jetzt konnte ich mit meiner Herzdame doch noch aufs Fantasy Filmfest gehen. Drei Filme in fünf Stunden. Länger wollten wir die Kinder der Freundin nicht zumuten; sonst hätten wir “La Antena” noch drangehängt. Sage noch einer, vom deutschen Film sei nichts zu halten. Wenn es sich in der Literatur ähnlich verhält wie beim Film… Nach “Nimmermeer” und “Kaltmiete” kann ich nur sagen: Man muss die nur machen lassen. Nur ist das beim Film ja immer gleich eine 1000x höhere Investition als bei einem Buch. Das erhöht nicht eben die Chancen, dass all jene, die eine Chance verdient hätten, sie auch bekommen.

Und was stellen wir nun mit dem Abend an? Ach, vielleicht ein Film?

Was ist ein Geist?

Mittwoch, den 25. April 2007

Was ist ein Geist?
Ein schreckliches Ereignis
das dazu verdammt ist
immer und immer wieder stattzufinden
Ein Augenblick des Schmerzes vielleicht
Etwas Totes, das für einen Moment
zum Leben zu erwachen scheint
Ein Gefühl, das in der Zeit erstarrt ist
Wie eine unscharfe Fotografie
Wie ein in Bernstein gefangenes Insekt
Ein Geist, das ist es, was ich bin.

Alfred Tennyson, Canto Nr. 28
aus: “In Memoriam”

Alfred Tennyson auf wikipedia.de••• Wieder einmal ist es spät geworden. Der Film heute abend versprach nicht eben, poetisch zu sein: “The Devils Backbone” von Guillermo del Toro. Und wieder einmal wird in einem Film ein Gedicht zitiert, das mir nicht aus dem Kopf gehen will. Glücklicherweise waren Autor und Werk im Abspann vermerkt. Vielleicht hat jemand den Originaltext zur Hand und ist so freundlich, ihn in die Kommentare zu stellen. Ich habe das Gedicht lediglich von der Aufnahme transkribiert und keine Ahnung, wie der Text im Original aufgeteilt und interpunktiert ist.