Joel David Coen und Ethan Jesse Coen – aka Coen Brothers
••• Solltet ihr aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen noch nicht auf den »Umblätterer« abonniert sein, wird es jetzt aber höchste Zeit. Umblätterer San Andreas hat dort nämlich heute seine umfassende Coen Brothers Retrospektive gestartet.
Was in den nächsten Tagen folgt, ist ein Film-für-Film-Durchmarsch des kompletten Coen-Kanons, von 1984 bis 2009: 25 Jahre, 14 Filme, jeden Tag einen.
Für Cineasten ein Muss, und auch für die reinen Literaten lohnt sich das Reinschauen. Denn die Umblätterer schreiben immer mit Schmiss.
Da fällt mir ein, dass ich vergessen habe, über den »Goldenen Maulwurf 2009« zu berichten, die jährliche von den Umblätterern veranstaltete Best-of-Feuilleton-Kür. Dieses Jahr recht unangefochten auf Platz 1 … Ach, geht selbst nachschauen.
••• Die Herzdame hat mir einen Film geschenkt, den ich schändlicherweise noch nicht kannte. Was für ein Film! In »8 1/2« porträtiert Fellini einen Regisseur, der vor der Realisation seines immerhin 9. Filmes steht und feststellen muss, dass er nichts zu sagen hat. EIn Haufen Geld wurde bereits ausgegeben für absurde Kulissen. Guido, der von Marcello Mastroianni wunderbar gespielte Regisseur, den man gern für das (ein?) Alter Ego Fellinis halten darf, ist von Schauspielerinnen umgeben, die ihn mit Fragen nach ihren Rollen bedrängen, und er weiß ihnen nichts zu sagen. Der kryptische Titel bezieht sich auf den am Ende nicht realisierten (deshalb halben) 9. Film. Was wir zu sehen bekommen, ist die Geschichte des Scheiterns dieses Filmes. Ein grandioses Scheitern.
Ein Juwel in diesem Film ist das Treffen mit dem Kardinal im Dampfbad:
Guido: Eminenz, ich bin nicht glücklich.
Kardinal: Warum sollten Sie glücklich sein? Das ist nicht Ihre Aufgabe, mein Sohn. Wer hat Ihnen gesagt, dass man auf die Welt kommt, um glücklich zu sein?
»Sigh no more, ladies, sigh no more«, aus dem Kenneth-Branagh-Film »Much ado about nothing«
Sigh no more, ladies, sigh no more, Men were deceivers ever, One foot in sea and one on shore, To one thing constant never: Then sigh not so, but let them go, And be you blithe and bonny, Converting all your sounds of woe Into Hey nonny, nonny. Sing no more ditties, sing no moe, Of dumps so dull and heavey; The fraud of men was ever so, Since summer first was leavy: Then sigh not so, but let them go, And be you blithe and bonny, Converting all your sounds of woe Into Hey nonny, nonny!
••• Mit einem der Buchhandelsverteter kam ich am letzten Donnerstag auf die Shakespeare-Verfilmungen von Kenneth Branagh zu sprechen. Ich sammle Shakespeare-Übersetzungen und Shakespeare-Verfilmungen, und bei den Filmen zählen die von und mit Kenneth Branagh zu meinen Favoriten. »Much ado about nothing« beispielsweise, eines der – nun ja – seichteren Stücke Shakespeares, zeigt bei aller Gefälligkeit doch auch, auf welch hohem sprachlichen Niveau sich Entertainment bewegen kann. Nicht zu verachten sind auch die Filmmusiken, bei den Branagh-Adaptionen zumeist – wie bei »Heinrich V« und eben auch »Much ado about nothing« – von Patrick Doyle für großes Symphonieorchester komponiert.
Als wir später auch auf die unvermeidliche Frage des potenziellen Büchersterbens zu sprechen kamen, überlegte ich, welche Bücher ich gern elektronisch zur Hand hätte, so dass man sie immer bei sich haben kann. Das wären zunächst alle Gedichtbände, das wären Dante, die Odyssee, Raoul Schrotts »Ilias« und meine Shakespeare-Sammlung (im Original und mit den Übersetzungen, insbesondere denen von Frank Günther). Auf die Bücher würde ich deswegen noch lang nicht verzichten wollen. Aber einen Ziegel wie die »Ilias« trägt man nun einmal nicht so leicht mit sich herum.
••• Lars von Triers neuer Film »Antichrist« – eben mit der Herzdame gesehen – ist ganz, ganz großes Kino. Ich war lange nicht mehr so uneingeschränkt begeistert von einem Film. Der Prolog allein ist ein Kunstwerk für sich. Charlotte Gainsbourg und Willem Defoe sind perfekt besetzt. Also: nicht lange zögern, selbst ansehen! Für Cineasten ein Muss. (Übrigens wäre aus diesem Stoff und in dieser Komposition auch ein ungeheuer intensiver Roman denkbar gewesen.)