Archiv der Kategorie 'Die Leinwand'

Am Start

Mittwoch, den 24. Juni 2009

••• Heute nun das erste Treffen mit (Verleger), (Lektor) und (Presse Literatur) von C. H. Beck. Kaum vorsichtiges Abtasten; wir sind gleich mitten im Gespräch. »Die Leinwand« wird Spitzentitel im literarischen Frühjahrsprogramm und soll als erster Titel bereits Ende Januar erscheinen. In wenigen Tagen macht sich der Lektor ans Werk. Es wird, kündigt er an, nur um Feinheiten gehen.

Wir reden ausführlich über die »Präsentation« des Textes. Es gibt einige Ängste, ob die Gestaltung als Wendebuch funktionieren und angenommen werden wird. Ich vertrete das natürlich vehement und erzähle ein wenig mehr über die Komposition, die jeweils unterschiedlichen Spannungsbögen je nach Lektüre-Variante. Es stellt sich heraus, dass ich weiter gedacht habe als sie und so Vorschläge machen kann, um Bedenken gezielt zu zerstreuen. So fürchtete Beck beispielsweise, der Buchhandelskunde könnte das Exemplar für einen Fehldruck halten, wenn er zwei Titelseiten bemerkt. Ich schlage vor, beide Cover unterschiedlich zu gestalten, beispielsweise typographisch identisch, aber mit unterschiedlichen Illustrationen. So wird gleich klar, dass es sich tatsächlich um zwei »Vorderseiten« handelt. Der obligatorische Barcode ließe sich in die Illustration integrieren und so auf beiden Seiten anbringen. Ist das Buch verschweißt, kann der Barcode als Aufkleber appliziert werden und stört so den Ersteindruck in der Buchhandlung, wo die Folie ja entfernt ist, gar nicht. Dass einige meiner Erstleser sich unaufgefordert für eine der kapitelweise verschränkten Lesevarianten entschieden haben, überrascht die anderen, ist aber ein Argument mehr. Dass die Produktion selbst unproblematisch sein wird, kann ich leicht belegen. Immerhin haben sie das Leseexemplar aus meiner Editions-Produktion gelesen, das genau so gemacht ist. An die Adresse der Buchhandelsvertreter und Buchhändler sage ich: Hey, das ist ein Buch, das Euren Berufsstand sichert, denn es kann nur als gedrucktes Buch genau so funktionieren, wie es konzipiert ist. Ich soll noch einmal direkt mit Grafiker, Hersteller und Vertrieb sprechen. Beck wendet noch ein: So ein Buch hat es aber noch nie gegeben. Eben, sage ich: Das ist doch der beste Grund, es genau so zu machen. (Übrigens stimmt das nicht, wie mir berichtet wurde. Beweisstücke habe ich aber noch nicht gesehen.)

Ich bin also frohen Mutes, die Irritationen noch zerstreuen zu können und »Die Leinwand« am Ende genau so gedruckt zu finden, wie ich es mir vorgestellt habe. Am Ende nämlich reden wir sogar über Motive für die beiden Coverseiten…


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Lokaltermine

Montag, den 18. Mai 2009

The Writer - © by Giancarlo Neri
The Writer - © by Giancarlo Neri

••• Gestern war ich in Lindau, gewissermaßen auf den Spuren der »Leinwand«. Ich wurde erwartet - nicht, wie ich befürchtet hatte, von einer meiner literarischen Figuren, sondern von jemandem mit rotem statt Tintenblut (™ gehört da heutzutage wohl hin, sic!). Ich habe die Location um den Bahnhof ausgiebig besichtigt und das Bahnhofscafé, in dem sich in der »Leinwand« das Treffen zwischen Wechsler und seinem Verleger v. Dennen abspielt. Nach der Besichtigung dachte ich kurz darüber nach, dieses Gespräch doch ins Café »Vis-à-vis« zu verlegen…

Das mehrstündige Gespräch, das sich anschloss, hatte es in sich: Es ging um Medien, Journalismus, Identität und die politischen Dimensionen des Themas, das in der »Leinwand« verhandelt wird. Ich fühlte mich plötzlich wie der Autor oben im Bild…

»Die Leinwand« erscheint …

Donnerstag, den 14. Mai 2009

••• Nun sind die Verträge da und unterschrieben. »Die Leinwand« wird im Frühjahrsprogramm 2010 bei C. H. Beck erscheinen. Mein Lektor wird Martin Hielscher sein. Ich habe Hielscher und Beck noch nicht gesprochen, da alle Verhandlungen von der Agentur geführt worden sind. Ich bin nun sehr gespannt, worüber noch zu reden und woran noch wieviel zu arbeiten sein wird.

Land in Sicht

Mittwoch, den 1. April 2009

••• Wie die Agentin mir mitteilt, ist Land in Sicht für die »Leinwand« und damit für mich. In die Suche nach einer neuen Verlagsheimat ist Bewegung gekommen. Genaues kann ich noch nicht schreiben, da noch allerhand zu klären ist. Nur soviel: Der Verhandlungspartner stand und steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

Der Weg bis zum Erscheinen dürfte noch weit sein. Doch immerhin kann ich nun dem finsteren Troll, der seit Wochen um mich herumschleicht und flüstert »Bleib doch im Bett, ist eh alles wurscht« die Zunge rausstrecken. Bäääh!

So, und nun frisch an die Arbeit. »Pans Wiederkehr« nimmt langsam Gestalt auf der inneren Leinwand an; und es ist ein Berg von Material zu sichten.

The Best Cigarette

Freitag, den 13. März 2009

Billy Collins: The Best Cigarette

There are many that I miss
having sent my last one out a car window
sparking along the road one night, years ago.

The heralded one, of course:
after sex, the two glowing tips
now the lights of a single ship;
at the end of a long dinner
with more wine to come
and a smoke ring coasting into the chandelier;
or on a white beach,
holding one with fingers still wet from a swim.

How bittersweet these punctuations
of flame and gesture;
but the best were on those mornings
when I would have a little something going
in the typewriter,
the sun bright in the windows,
maybe some Berlioz on in the background.
I would go into the kitchen for coffee
and on the way back to the page,
curled in its roller,
I would light one up and feel
its dry rush mix with the dark taste of coffee.

Then I would be my own locomotive,
trailing behind me as I returned to work
little puffs of smoke,
indicators of progress,
signs of industry and thought,
the signal that told the nineteenth century
it was moving forward.
That was the best cigarette,
when I would steam into the study
full of vaporous hope
and stand there,
the big headlamp of my face
pointed down at all the words in parallel lines.

© Billy Collins


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Zichroni vs. State of Israel

Donnerstag, den 15. Januar 2009

Amnon Zichroni ist ein israelischer Anwalt (geb. 1935)
ist ein israelischer Anwalt (geb. 1935)

••• Dr. Ittai Tamari, dem ich diverse wichtige Informationen betreffs der »Leinwand«-Hintergründe verdanke, liest das Buch gerade und präsentierte mir heute früh Ausdrucke aus der israelischen Wikipedia und anderen Web-Quellen: Amnon Zichroni ist in Israel ein Name mit Gewicht. Ich hatte gemeint, ihn für die »Leinwand« erfunden zu haben. Amnon sollte an Amnesie erinnern, und in Zichroni steckt die hebräische Wurzel für »erinnern«. Also ein ganz und gar symbolischer Name (wie auch bei Wechsler).

Mich nerven in Büchern die allzu oft überartifizellen Namen von literarischen Figuren. Insofern beruhigt es mich, dass es tatsächlich einen gibt. Dumm nur, dass er dort drüben so bekannt ist.

Schirei ha-Wakaschot

Donnerstag, den 8. Januar 2009

Es ist Schabbes, tief in der Nacht. Ich sitze in einer sfardischen Schul und lausche dem Wechselgesang dreier Peytanim, zwei Baritone und ein Tenor. Der älteste ist etwa sechzig, ein Chassid, was mich irritiert, denn die »Schirei ha-Wakaschot«, die sie singen, sind marokkanische Weisen. Die beiden anderen, der zweite Bariton um die vierzig, der Tenor höchstens Mitte zwanzig, sehen schon eher wie Sfardim aus Nordafrika aus. Der Chassid klingt weise und liebevoll. Der junge Sänger gießt leidenschaftlich Poesie aus. Der Dritte scheint zwischen beiden zu vermitteln, als würde er ihre Lieder miteinander verknüpfen wollen.

Gesprochenes Hebräisch klingt für mich immer hölzern und kalt. Im Gesang der Peytanim aber schwingen die gutturalen Klänge und schweben, zu poetischen Figuren verwoben, im Raum.

Das sind Meister, flüstert mein Begleiter mir zur: Sie beginnen mit einem Psalm und improvisieren dann. Sie lassen sich leiten von der Stimmung der Nacht und des Ortes. Die Lieder, die wir hören, die Texte wie auch die Musik, erklingen nur heute und hier. Woanders und in einer anderen Nacht werden sie sich verwandeln.

Der Gedanke gefällt mir. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas höre. Die schönste Schöpfung bereitwillig zu opfern, indem man akzeptiert, dass sie unwiederbringlich verklingt, ist wahre Hingabe.

aus: “Die Leinwand” (Jan Wechsler)
© Benjamin Stein (2008)

Schirat ha-Wakshot (Haboucha/Nahari/Riahi)
Live-Mitschnitt 14:26
© Gal Star, Israel

Erzählen, erzählen!

Donnerstag, den 1. Januar 2009

••• Vor einiger Zeit habe ich meinen Kindern ein paar Episoden aus meiner Kindheit erzählt. Es ist ja nicht so, dass mir keine Missgeschicke passiert wären, dass ich nie Blödsinn angestellt oder meine Eltern geärgert hätte. Aaliyah und David haben gebannt zugehört und wollen nun mehr und mehr wissen. Wenn ich sie ins Bett bringe, heißt es immer gleich: Erzählst du uns was aus deiner Kindheit?

Inzwischen sind mir die markanten Erinnerungen ausgegangen. Und ich habe auch keine Lust, zum x-ten Mal wieder zu erzählen, wie ich beim Eisschollenschieben vom Bootssteg aus ins Wasser gesaust bin. Also sage ich immer öfter: Och nö, mir fällt heute gar nichts ein. Und dann setzen sie im Sprechchor an, mich doch zu bewegen: Er-zäh-len, Er-zäh-len!


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Lektorat (V) - Konjunktive

Dienstag, den 2. Dezember 2008

••• Ich nützte den Konjunktiv richtig, kennte ich nur die Regeln…

Der deutsche Konjunktiv ist furchtbar. Krankhafte Züge nimmt er an in der indirekten Rede. Während »Die Leinwand« auf Verlagstournee ist, beginne ich eine weitere Durchsicht. Ich mache Jagd auf Zeitfolge- und Konjunktivfehler. Während ich mit der korrekten Zeitfolge gewöhnlich keine Schwierigkeiten habe, bringen mich einige Korrekturen der Lektorin bei Konjunktiven um den Verstand. Ratlosigkeit beschleicht mich: Gilt die Zeitenfolge im Konjunktiv nicht? Ich meinte bislang, es wäre so.


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Exposé (Agentur-Version)

Dienstag, den 25. November 2008

••• Meine Agentin hat ihrerseits ein Exposé zur »Leinwand« geschrieben. Und mit diesem sind die Typoskripte an die Verlage gegangen. Ihr Text liest sich eher wie ein Klappentext-Entwurf. Sie darf auch schreiben (1. Absatz), was ich selbst nicht schreiben dürfte. Zunächst kam mir der Entwurf wie eine Trivialisierung vor. Die Form - für mich wesentlich - wird zur Fußnote. Auch werden die Stränge, die ja eben keine Reihenfolge haben, in eine Abfolge gebracht. Der Minsky-Skandal tritt in den Hintergrund.


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