••• Am letzten Tag in Antwerpen und auf dem Heimweg nach München habe ich die Eingangsseqeuenz von »Diamond District« schreiben können, ein wichtiges Etappenziel. Vielleicht bin ich vom Film korrumpiert, aber ich teile die Auffassung, dass für einen Roman ebenso gilt, was bei einem Drehbuch gefordert ist: Nach zehn Minuten sollte der erste Plotpoint erreicht sein. Ich bin sogar der Meinung, dass dies bei einem Buch noch wichtiger ist als bei einem Film. Bevor ein Zuschauer das Kino verlässt, muss er schon sehr gelangweilt oder anderweitig verärgert sein. Ein Buch ist schnell aus der Hand gelegt, zumal in der Buchhandlung, wenn das nächste Buch, das man kaufen könnte, direkt daneben steht.
Auf den ersten »Metern« entscheidet sich, ob man den Leser gewonnen oder verloren hat. Man kann ihn natürlich auch später noch leicht verlieren. Aber diese Gefahr ist geringer. Hat sich jemand erst einmal auf einen Stoff, ein Setting, eine Atmosphäre eingelassen, »übersteht« er (oder sie natürlich) auch die eine oder andere Länge, größere Dramaturgiebögen. Am Anfang funktioniert so etwas eher nicht. Vielleicht bin ich davon auch nur deswegen so überzeugt, weil ich es sicher nicht bis zur zehnten Seite durchstehe, wenn mir bis dahin nicht deutlich geworden ist: Das ist interessiert mich, das will ich lesen.
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Im Rückspiegel: Die Leinwand - Exposé (19. 11. 2008)