Archiv der Kategorie 'Das Alphabet des Juda Liva'

Kopflos in Liebe

Mittwoch, den 9. Mai 2012

Liebes Bärchen,

ich ziehe es vor, meinen Nachlass schon heute zu regeln. Und ganz gleich, was ich zum Zeitpunkt meines Todes besitzen sollte: Ich bestehe darauf, dass wie ausgeführt verfahren wird. Die Mietshäuser werden einiges abwerfen, zum Leben mehr als genug. Du wirst die Villa halten und Dir sicher sein können, dass kein dahergelaufener Matz Dir nur des Geldes wegen den Hof macht. Das wäre doch unangenehm.

Im Testament nicht erwähnt ist ein Luxemburger Konto (s. beiliegende Papiere). Ich habe eine Tochter in Prag. Sie heißt Eva und wird das Geld brauchen können. Ich vermache es ihr unter dem Vorbehalt, dass sie das kleine Restaurant in Prag, Kapucinská 4, sobald als möglich vom Staat zurückkauft. Sie kann es selbst führen oder verwalten lassen; das ist mir gleich. Aber sie muss es kaufen!

Soweit das Angenehme.


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Die Pajess stehen mir

Mittwoch, den 9. Mai 2012

M. C. Escher: Zeichnende Hände, 1948
M. C. Escher: Zeichnende Hände, 1948

••• Ich bin fertig mit der Überarbeitung des »Alphabet des Juda Liva«. Was ich und warum mit dem Text angestellt habe, werde ich später noch berichten. Anbei erst einmal eine Textprobe aus dem Epilog. Ich fühlte mich enorm an Szenen aus der »Leinwand« erinnert. Irgendwas an meinen Erzählern ist definitiv fragwürdig. Erschreckend auch, dass diese Erzähler – in jedem Buch bisher – unterwegs ihre Frauen verbummeln.


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Grade des Scheiterns

Dienstag, den 8. Mai 2012

Es gibt kein wirkliches Gelingen, hatte er gesagt: Nur verschiedene Grade des Scheiterns.

aus: »Das Alphabet des Juda Liva«

Seraphen

Sonntag, den 6. Mai 2012

Glühende Ginsterkohlen

Verehrter Jacoby,

was leibhaftige Feuerengel betrifft, kann ich Ihnen versichern, dass sie unstrittig existieren. Ich muss es wissen, denn ich bin mit einem solchen verheiratet.

Wenn Sie in meinen damaligen Seminaren auch meist zu schlafen beliebten, wird Ihnen doch sicher nicht verborgen geblieben sein, dass ich ein entschiedener Verfechter mystischer Theorien bin. (Mein angeschlagener Ruf innerhalb unseres weltlichen Instituts ist wohl vor allem darauf zurückzuführen.) Und Seraphen, verehrter wissensdurstiger Skeptiker, suchen mit Vorliebe die Nähe von Mystikern.

Meine Ehe mit einem solchen Wesen ist daher nicht verwunderlich.

Als ich meine Frau kennenlernte, war sie knapp siebzehn. Inzwischen geht sie auf die Fünfzig zu, was alles sagt; und sie ist einverstanden damit, dass ich Ihnen, gewissermaßen aus erster Hand, einige Einzelheiten über den Charakter dieser besonderen Kategorie von Engeln anvertraue.


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Das Alphabet auf Persisch

Sonntag, den 1. April 2012

••• Nicht jeden, mit dem ich auf Facebook »befriendet« bin, kenne ich persönlich. Mein Facebook-Profil ist halb-privat, eine etwas persönlicher gehaltene, aber doch eher Litfasssäule. Mitunter, das gebe ich offen zu, erinnere ich mich aber auch lediglich nicht, dass und wo ich dem oder der einen oder anderen mal persönlich begegnet bin – auf einer Veranstaltung, auf der Messe oder sogar bei einem Interview. Da frage ich dann schon mal nach: Haben wir uns eigentlich schon mal von Angesicht zu Angesicht getroffen? Wo? Und wann?

So auch letzte Woche. Ich bekam eine freundliche Antwort. M. A. stammt aus dem Iran, lebt schon seit längerer Zeit in Deutschland und arbeitet im journalistischen Bereich. Ihre Antwort, eine aufregende Geschichte, darf ich mit ihrem Einverständnis hier posten. Ich habe mich sehr darüber gefreut.


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Juda Liva lexikalisch

Freitag, den 15. Oktober 2010

••• Mein Debüt-Roman »Das Alphabet des Juda Liva« ist nun auch lexikalisch erschlossen. Freut mich.

Familiengeschichte

Montag, den 14. Juni 2010

Walter Albrecht (1892-1933)••• In den letzten Tagen haben mich viele Freunde und Bekannte – jüdische wie nichtjüdische – auf meinen Artikel vom 3. Juni angesprochen (»Der Autor als Seelenstripper«), und das Feedback ist durch die Bank verständnisvoll und unterstützend, was mich angenehm überrascht und mich vermuten lässt, dass ich in dieser Sache womöglich in neurotischer Übervorsicht agiert habe.

Am Sonntag hatte ich ein mehrstündiges Gespräch mit einer Journalistin, die trotz meines Artikels noch für eine Rundfunksendung »nachfragen« wollte. Nach dem Gespräch hatte aber auch sie verstanden, dass sich eine solche Diskussion für einen 4-Minuten-Beitrag im Radio nicht eignet und dass die Verhandlung des Themas am Beispiel der Autorenvita zumindest fragwürdig ist.

In diesem Gespräch kamen wir noch einmal auf die Frage der deutsch-jüdischen Geschichte zu sprechen, die »Chose«, wie Anna-Patricia Kahn sie nennt, und darauf, warum ich mich offenbar so deutlich in der Verwandtschaft jener Familiengeschichten sehe, die von Verfolgung und Exil aber auch Mord geprägt sind. Dafür gibt es zumindest zwei Gründe, und wenn wir nun schon einmal dabei sind, die Details der Autorenvita näher zu beleuchten, will ich ich sie ergänzend zum o. g. Beitrag hier auch nennen.


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