
Snow • © by Jodmiester@deviantart.com
••• Räuspern. Wir waren bei Robert Frost. Und ich habe da noch etwas nachzutragen. Bei meiner Suche nach Frost-Übertragungen bin ich auf einige interessante Beiträge gestoßen, die ich mit den Turmseglern teilen möchte.
Auf AdamSmithAcademy.org - einem Education Channel als Podcast – gibt es allerhand zu entdecken und zu lernen. Aufmerksam geworden bin ich auf diesen Podcast – eben über Robert Frost, dessen berühmtes Gedicht »Stopping by Woods on a Snowy Evening« dort würdigend vorgestellt wird.
Hier ist es.
Stopping by Woods on a Snowy Evening
Whose woods these are I think I know.
His house is in the village, though;
He will not see me stopping here
To watch his woods fill up with snow.
My little horse must think it queer
To stop without a farmhouse near
Between the woods and frozen lake
The darkest evening of the year.
He gives his harness bells a shake
To ask if there is some mistake.
The only other sound’s the sweep
Of easy wind and downy flake.
The woods are lovely, dark, and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.
Robert Frost (1874-1963)
Froh war ich, auch von diesem Gedicht eine Celan-Übertragung zu finden:
Innehaltend inmitten der Wälder an einem Schnee-Abend
Wes diese Wälder sind, das weiß ich recht genau.
Allein im Dorf erst, drüben, steht sein Haus.
Der Schnee füllt ihm den Wald – steh ich und schau,
dann sieht er mich nicht, macht er mich nicht aus.Mein kleiner Gaul, der findets wohl verquer:
kein Haus, kein Hof – und dahier hält sein Herr;
ein Teich, gefroren, und nur Wälder um uns her;
der Abend heut – im ganzen Jahr kein finsterer.Das Zaumzeug schüttelt er – die Schelle spricht:
Ist das ein Mißverständnis – oder nicht?
Ich lausch und horch – ich hör sonst nichts;
doch, dies noch: leichten Wind, die Flocken, erdwärts, dicht.Anheimelnd, dunkel, tief die Wälder, die ich traf.
Doch noch nicht eingelöst, was ich versprach.
Und Meilen, Meilen noch vorm Schlaf.
Und Meilen Wegs noch bis zum Schlaf.
Auffallend, dass Celan sich entscheidet, die letzte Zeile nicht wie im Original zu wiederholen, sondern zu variieren.
Lars Vollert übersetzt die letzte Strophe so:
Der Wald ist lieblich, schwarz und tief,
doch ich muss tun, was ich versprach,
und Meilen gehn, bevor ich schlaf,
und Meilen gehn, bevor ich schlaf.
So sehr mich das Gedicht auch berührt, komme ich doch nicht umhin, es ein wenig angestaubt zu finden – jedenfalls für einen Autor, der bis 1963 lebte. Ich habe Pound im Ohr, dagegen kommt mir Frosts Form vor wie eine Volte rückwärts. Nun bin ich in Sachen amerikanischer Lyrik herzlich schlecht informiert und war daher dankbar, auf der Website des SWR auf das Manuskript einer Sendung vom letzten Jahr zu stoßen, die eine Einführung in die amerikanische Lyrik versucht, einige der wesentlichen Vertreter und die maßgeblichen Debatten vorstellt, die im Bereich der Dichtung in den USA in den letzten 100 Jahren ausgefochten wurden.
Der Titel der Sendung: »Das Ende der Moderne« (Backup »» hier). Dass gerade die Frage der Stilmittel in den Debatten eine wesentliche Rolle spielte, erfährt man in der Sendung, illustriert u. a. am Beispiel Frost contra Pound. Während der »Antiformalist« Pound den Reim und den Blankvers abzustreifen bestrebt war, bestand der »Formalist« Frost gerade darauf, die alten Formen zu pflegen. Er stützte sich »auf Gesichertes – in oft ungesichertem Gelände« und meinte entschieden:
Dichten ohne Reim ist wie Tennis ohne Netz.
Populär und von der Kritik geschätzt waren seine Gedichte allemal. Zweimal erhielt er den begehrten Pulitzer Preis – jeweils für Gedichtbände. Das ist heute so schwer vorstellbar wie der Umstand, dass es Zeiten gab, als Dichtung – etwa von Neruda, Mistral oder Quasimodo – noch mit Nobelpreisen bedacht wurde.
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Beiträge (Mail)
Am 7. März 2010 um 18:15 Uhr
Der Wald, Gott oder die Welt
Du spendest mir die Luft zum Atmen
Ich höre tief in dich hinein
Du kannst sehr, sehr lange warten
Ich höre plötzlich auf zu sein
Unter einem deiner Bäume
Will ich mich zur Ruhe legen
Aus meinem Schlaf und wenn ich träume
Mich nicht mehr fortbewegen
In dir leben viele unbekannte Wesen
Du bist so groß und ich so klein
Ich verlaufe mich auf deinen vielen Wegen
Und bin doch froh in dir zu sein
Im Winter tragen deine Bäume keine Blätter
Sie hüllen sich in engelhaftes Weiß
Die Unschuld steht ihnen in der Kälte besser
Der Sommer bringt dein neues, buntes Kleid