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	<title>Kommentare zu: Zum Konzept literarischer Weblogs</title>
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	<description>Erinnern &#38; Entdecken</description>
	<pubDate>Thu, 08 Jan 2009 14:27:58 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Elfriede Jelinek bloggt &#171; krimi.krimi</title>
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		<dc:creator>Elfriede Jelinek bloggt &#171; krimi.krimi</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Jul 2008 18:15:11 +0000</pubDate>
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		<description>[...] Linktipp: →&#8221;Zum Konzept literarischer Weblogs&#8221;, ein Gastbeitrag von Claudia &#214;hlschl&#228;ger beim [...]</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>[...] Linktipp: →&#8221;Zum Konzept literarischer Weblogs&#8221;, ein Gastbeitrag von Claudia &#214;hlschl&#228;ger beim [...]</p>
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		<title>Von: Zettelklotz</title>
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		<dc:creator>Zettelklotz</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2008 11:55:36 +0000</pubDate>
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		<description>Trennt die Autorin zun&#228;chst den Weblog vom Hypertext, f&#228;llt sie im Verlauf doch immer wieder auf die f&#252;r den Hypertext entscheidenden Merkmale zur&#252;ck. Die Frage nach der Autorschaft scheint mir dabei kein Kriterium, Weblog und Hypertext zu trennen - vielmehr ist der Weblog der allgemeineren  Gattung des Hypertextes f&#252;r mich selbstverst&#228;ndlich unterzuordnen. Die Autorschaftsfragen bleiben davon m.E. unber&#252;hrt. 

Au&#223;erdem scheint mir der Hinweis zu Beginn des Vortrags, dass sich Weblogs immer mehr durchzusetzen beg&#228;nnen, 2008, in Zeiten der Weblog-"&#252;berflutung" redundant. Es gibt immerhin Ansichten, die Weblogs bereits als von anderen Publikationsmethoden wie Twitter und Konsorten  &#252;berholt betrachten.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Trennt die Autorin zun&#228;chst den Weblog vom Hypertext, f&#228;llt sie im Verlauf doch immer wieder auf die f&#252;r den Hypertext entscheidenden Merkmale zur&#252;ck. Die Frage nach der Autorschaft scheint mir dabei kein Kriterium, Weblog und Hypertext zu trennen - vielmehr ist der Weblog der allgemeineren  Gattung des Hypertextes f&#252;r mich selbstverst&#228;ndlich unterzuordnen. Die Autorschaftsfragen bleiben davon m.E. unber&#252;hrt. </p>
<p>Au&#223;erdem scheint mir der Hinweis zu Beginn des Vortrags, dass sich Weblogs immer mehr durchzusetzen beg&#228;nnen, 2008, in Zeiten der Weblog-&#8221;&#252;berflutung&#8221; redundant. Es gibt immerhin Ansichten, die Weblogs bereits als von anderen Publikationsmethoden wie Twitter und Konsorten  &#252;berholt betrachten.</p>
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		<title>Von: HerrH</title>
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		<dc:creator>HerrH</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 11:13:40 +0000</pubDate>
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		<description>Ja Herr P und es ist ein Buch gegen den Kapitalismus, wollen wir ein wenig diskutieren, ist ja sowieso keiner da, der uns rausschmeissen kann</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ja Herr P und es ist ein Buch gegen den Kapitalismus, wollen wir ein wenig diskutieren, ist ja sowieso keiner da, der uns rausschmeissen kann</p>
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		<title>Von: HerrH</title>
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		<dc:creator>HerrH</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 11:12:40 +0000</pubDate>
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		<description>Wie kann man so viel Zeit damit verbringen &#252;ber Blogs zu schreiben, in der Zeit schreiben andere Romane, oder fliegen &#252;ber den Atlantik, sp&#252;len Gl&#228;ser, lesen Pynchon oder lesen gar nix, gucken Rum&#228;nien gegen Frankreich oder schauen sich die neuste Bettw&#228;sche an, hm oder kratzen sich an der Nase und fahren die Frankfurter Strasse hoch und dann wieder runter, oder sie schauen in den Spiegel und sehen sich ein bi&#223;chen &#228;hnlich, hmpf oder sie rufen Tina an, ob Tina kommen kann, Tina kommt aber nicht und sp&#228;ter steht sie am Bahnhof und wartet und Du sitzt da und schreibst was literarische Blogs sind, literarische Blogs sind Schuhe und manche passen sie und manche nicht, mensch was f&#252;r eine Hitze</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann man so viel Zeit damit verbringen &#252;ber Blogs zu schreiben, in der Zeit schreiben andere Romane, oder fliegen &#252;ber den Atlantik, sp&#252;len Gl&#228;ser, lesen Pynchon oder lesen gar nix, gucken Rum&#228;nien gegen Frankreich oder schauen sich die neuste Bettw&#228;sche an, hm oder kratzen sich an der Nase und fahren die Frankfurter Strasse hoch und dann wieder runter, oder sie schauen in den Spiegel und sehen sich ein bi&#223;chen &#228;hnlich, hmpf oder sie rufen Tina an, ob Tina kommen kann, Tina kommt aber nicht und sp&#228;ter steht sie am Bahnhof und wartet und Du sitzt da und schreibst was literarische Blogs sind, literarische Blogs sind Schuhe und manche passen sie und manche nicht, mensch was f&#252;r eine Hitze</p>
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		<title>Von: perkampus</title>
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		<dc:creator>perkampus</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 11:11:20 +0000</pubDate>
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		<description>Ich bin noch gut dabei. Dauert noch eine Weile, bis ich endg&#252;ltig durch bin. Aber ich finde das Buch wirklich brilliant. Vor allem ist es unglaublich "lustig".</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin noch gut dabei. Dauert noch eine Weile, bis ich endg&#252;ltig durch bin. Aber ich finde das Buch wirklich brilliant. Vor allem ist es unglaublich &#8220;lustig&#8221;.</p>
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		<title>Von: HerrH</title>
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		<dc:creator>HerrH</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 11:04:52 +0000</pubDate>
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		<description>Hast Du den Pynchon inzwischen gelesen?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hast Du den Pynchon inzwischen gelesen?</p>
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		<title>Von: La Tortuga</title>
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		<dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Jun 2008 09:10:02 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=828#comment-7142</guid>
		<description>Hahaaaa, ich nehme mir heraus sicher zu sein, dass Du damit nicht mich meinst, obwohl ich mich ja gerade als jemand geoutet habe, der lange nicht wusste was er tut und sich nun so nach und nach die Augen reibt. Da ich doch das Wort "Hobby" gar nicht verstehe (ich hatte noch nie eins) und Du das weisst ...

Schreiben ist immer Schreiben, egal in welchem Medium. Wenn ich &#252;berhaupt ein "Konzept" f&#252;r mich in Anspruch nehmen kann, dann h&#246;chstens ein inhaltliches (Postamt) - formal beschr&#228;nkt es sich h&#246;chstens auf "kurz"; und das habe ich mir nicht zurechtgelegt, als ich anfing, es hat sich selbst entwickelt. Inzwischen steuere ich das nat&#252;rlich schon bewusster. Mein Ansatz ist, ich gebe es zu, ein v&#246;llig naiver. Aber ist das a priori ein Qualit&#228;tsminus?! Es ergeht mir &#228;hnlich wie fr&#252;her als Bereichsleiter einer Organisation: die ewigen Sitzungen auf der Meta-Ebene waren nur zu einem geringen Teil wirklich notwendig, der Rest einfach Zeitverschwendung. Vielleicht ist daher das "konzeptlose Bloggen" ein Ausgleich zu meinem "Leben" (was immer das sei), sagen wir soziale Interaktionen, bei denen ich soviel verscherble, weil ich DAUERND auf der Meta-Ebene bin. Endlich mal etwas TUN statt &#252;ber das Tun haupts&#228;chlich nachzudenken. Ich habe auch weniger geschrieben, als ich h&#228;tte schreiben k&#246;nnen, indem ich zuviel &#220;BER das Schreiben geschrieben oder auch nur nachgedacht habe. Zwar ist das manchmal notwendig, aber ich muss es auf eine angemessene Nichtredundanz reduzieren.

Aber auch: ich nehme f&#252;r mich nicht Anspruch, konzeptuell in derselben Liga zu spielen wie z.B. Veranda oder Turmsegler. Das w&#252;rde meine Kapazit&#228;t gar nicht erlauben. Es gibt auch keinen spezifischen Grund dazu, da ich gar kein Talent habe, das mir andere Medien als das Papier nahelegen w&#252;rde (dennoch blogge ich nicht sinnlos, siehe oben) - w&#228;hrend Du beispielsweise mit Deinen podcasts Universen zug&#228;nglich machst, Dir selbst und anderen. Solche Blogs sind es nat&#252;rlich sehr wohl wert, von den Literaturwissenschaftlern untersucht zu werden. Da spielt es doch keine Rolle, dass sie seltene Orchideen sind. Ist ja bei den B&#252;chern nicht anders, 99% Ramsch.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hahaaaa, ich nehme mir heraus sicher zu sein, dass Du damit nicht mich meinst, obwohl ich mich ja gerade als jemand geoutet habe, der lange nicht wusste was er tut und sich nun so nach und nach die Augen reibt. Da ich doch das Wort &#8220;Hobby&#8221; gar nicht verstehe (ich hatte noch nie eins) und Du das weisst &#8230;</p>
<p>Schreiben ist immer Schreiben, egal in welchem Medium. Wenn ich &#252;berhaupt ein &#8220;Konzept&#8221; f&#252;r mich in Anspruch nehmen kann, dann h&#246;chstens ein inhaltliches (Postamt) - formal beschr&#228;nkt es sich h&#246;chstens auf &#8220;kurz&#8221;; und das habe ich mir nicht zurechtgelegt, als ich anfing, es hat sich selbst entwickelt. Inzwischen steuere ich das nat&#252;rlich schon bewusster. Mein Ansatz ist, ich gebe es zu, ein v&#246;llig naiver. Aber ist das a priori ein Qualit&#228;tsminus?! Es ergeht mir &#228;hnlich wie fr&#252;her als Bereichsleiter einer Organisation: die ewigen Sitzungen auf der Meta-Ebene waren nur zu einem geringen Teil wirklich notwendig, der Rest einfach Zeitverschwendung. Vielleicht ist daher das &#8220;konzeptlose Bloggen&#8221; ein Ausgleich zu meinem &#8220;Leben&#8221; (was immer das sei), sagen wir soziale Interaktionen, bei denen ich soviel verscherble, weil ich DAUERND auf der Meta-Ebene bin. Endlich mal etwas TUN statt &#252;ber das Tun haupts&#228;chlich nachzudenken. Ich habe auch weniger geschrieben, als ich h&#228;tte schreiben k&#246;nnen, indem ich zuviel &#220;BER das Schreiben geschrieben oder auch nur nachgedacht habe. Zwar ist das manchmal notwendig, aber ich muss es auf eine angemessene Nichtredundanz reduzieren.</p>
<p>Aber auch: ich nehme f&#252;r mich nicht Anspruch, konzeptuell in derselben Liga zu spielen wie z.B. Veranda oder Turmsegler. Das w&#252;rde meine Kapazit&#228;t gar nicht erlauben. Es gibt auch keinen spezifischen Grund dazu, da ich gar kein Talent habe, das mir andere Medien als das Papier nahelegen w&#252;rde (dennoch blogge ich nicht sinnlos, siehe oben) - w&#228;hrend Du beispielsweise mit Deinen podcasts Universen zug&#228;nglich machst, Dir selbst und anderen. Solche Blogs sind es nat&#252;rlich sehr wohl wert, von den Literaturwissenschaftlern untersucht zu werden. Da spielt es doch keine Rolle, dass sie seltene Orchideen sind. Ist ja bei den B&#252;chern nicht anders, 99% Ramsch.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: perkampus</title>
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		<dc:creator>perkampus</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Jun 2008 21:54:16 +0000</pubDate>
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		<description>Interessant doch eher auch, da&#223; die meisten "literarischen Blogger" gar nicht wissen, was sie eigentlich tun. Verwunderlich ist es bei einer derartigen Sprachlosigkeit ja schon, da&#223; sich &#252;berhaupt die Literaturwissenschaft damit besch&#228;ftigen m&#246;chte. Dennoch glaube ich an ein typisches Problem der meisten Blogger: sie haben grunds&#228;tzlich nicht viel zu sagen. Das bemerkt man, sobald man sich etwas durch diese Blogs klickt. Kultivierte Langeweile ist da durchaus die Regel. Blogs bleiben f&#252;r viele ein Hobby wie die Playstation.

Von "Konzepten" zu sprechen, erscheint mir da schon etwas schmeichelhaft.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Interessant doch eher auch, da&#223; die meisten &#8220;literarischen Blogger&#8221; gar nicht wissen, was sie eigentlich tun. Verwunderlich ist es bei einer derartigen Sprachlosigkeit ja schon, da&#223; sich &#252;berhaupt die Literaturwissenschaft damit besch&#228;ftigen m&#246;chte. Dennoch glaube ich an ein typisches Problem der meisten Blogger: sie haben grunds&#228;tzlich nicht viel zu sagen. Das bemerkt man, sobald man sich etwas durch diese Blogs klickt. Kultivierte Langeweile ist da durchaus die Regel. Blogs bleiben f&#252;r viele ein Hobby wie die Playstation.</p>
<p>Von &#8220;Konzepten&#8221; zu sprechen, erscheint mir da schon etwas schmeichelhaft.</p>
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		<title>Von: La Tortuga</title>
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		<dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jun 2008 18:13:43 +0000</pubDate>
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		<description>Herzlichen Dank f&#252;r diesen Gastbeitrag aus der Wissenschaft. F&#252;r mich, die ich mich erst seit kurzem und h&#246;chstens am Rande mit der "Theorie des Bloggens" befasse, ist das erhellend und l&#246;st einiges Staunen aus. Mein Senf - als Nicht-Geisteswissenschaftler - besteht nur aus pers&#246;nlicher Erfahrung und Ansicht.

Mein eigenes Blog entstand eher aus Zufall (Neugier, ein Nachmittag, an dem ich ausnahmsweise nichts Besseres zu tun hatte), und ich hatte damals &#252;berhaupt nicht die Absicht, es &#252;ber l&#228;ngere Zeit zu f&#252;hren oder gar zu einem Bestandteil meiner Arbeit zu machen; dass es noch existiert, verdankt es der Eigendynamik, die es ohne mein Zutun entwickelt hat. Ich geh&#246;re zur "Zwischengeneration", die ohne Computer aufwuchs und erst vor gut zehn Jahren &#252;berhaupt damit in Ber&#252;hrung kam. Noch meine letzte Semesterarbeit tippte ich auf der Schreibmaschine, zeichnete Graphiken mit Lineal und Zirkel und f&#252;llte endlose Zahlentabellen von Hand aus. Bis zum heutigen Tag entstehen 90% meiner Texte von Hand, Kugelschreiber ist ein no go, Tinte obligatorisch. Schreiben ohne ganz direkten K&#246;rpereinsatz funktioniert bei mir kaum. Seit der Industrialisierung ist mehr Technik entwickelt und kritiklos eingesetzt worden, die den Menschen versklavt anstatt ihm zu dienen. Ich f&#252;r meinen Teil w&#228;ge bei allem ab, was mir hilft und was mir nur Zeit/Geld/Ruhe frisst - so verweigere ich mich beispielsweise dem Handy, da es anderen Leuten erlaubt, noch frecher &#252;ber meine Zeit und Ansprechbarkeit zu verf&#252;gen als sie es ohnehin tun, w&#228;hrend es mir nicht einen einzigen Vorteil bringt. So ist auch der Computer nur ein Werkzeug, gleiches gilt f&#252;r das Internet (also kein Selbstzweck). Es dient der Recherche und Kommunikation, mehr ist nicht.

Aus dieser Haltung heraus w&#228;re ich gar nie auf die Idee gekommen, meine Arbeit direkt im Blog zu entwickeln, dokumentieren, reflektieren - niemals w&#252;rde ich Teile aus Romanmanuskripten oder Erz&#228;hlungen darin publizieren, erst recht nicht in einer Roh- oder Zwischenfassung. Das Blog l&#228;uft bei mir v&#246;llig getrennt von der Hauptarbeit; ich benutze es als Finger&#252;bung, zum Aufw&#228;rmen oder als Selbstrechtfertigung an Tagen, an denen ich sonst nicht viel geschafft habe (... "ich hab ja wenigstens etwas geschrieben"). Ich habe aber auch erst im Blog die ganz kurze Form f&#252;r mich entdeckt.

&#220;ber das "Wie" meiner Arbeit tausche ich mich gern mit anderen Autoren aus, aber nur hinter den Kulissen; ein Koch, der sein Rezept verr&#228;t oder ein Zauberer, der seinen Trick preisgibt, b&#252;sst einiges an Charisma ein (jetzt werde ich vermutlich einige Mitblogger ver&#228;rgern). Vielleicht bin ich ja einfach nur scheu. Aber das "fertige" Werk (fertig ist es ja nie) wird sich selbst gen&#252;gen m&#252;ssen. Ich gebe allerdings zu, dass ich genau das bei anderen Bloggern mit grossem Interesse lese, in dieser Hinsicht, Asche auf mein Haupt, nehme ich ohne zu geben, aber jeder muss selbst wissen, was ihm sein N&#228;hk&#228;stchen wert ist.

Vieles was ich verblogge ist in meinen Augen nicht strikt literarisch, obwohl ich insgesamt den Anspruch auf Literarizit&#228;t erhebe; diejenigen Miniaturen, die definitiv literarisch sind, will ich irgendwann gedruckt sehen. So old fashioned bin ich, dass ich mir erlaube, vehement und ausschliesslich auf Print hinzuarbeiten. Auch ich lese ja kaum am Bildschirm, die Sinnlichkeit eines Buches geh&#246;rt (wie beim Schreiben von Hand) einfach dazu - und selbst wenn es einen Drucker g&#228;be, der billiger drucken k&#246;nnte als ein Buchverlag, w&#252;rde ich nichts mit ins Bett nehmen wollen, was wie Sitzungsunterlagen aussieht. Es gibt nur wenige Blogs, die ich regelm&#228;ssig und sorgf&#228;ltig lese, und ziemlich viele, die ich &#252;berfliege - in diesem "Halblesen" besteht meines Erachtens auch eine Gefahr. Umgekehrt habe ich selbst ebenfalls nur eine Handvoll Stammleser, etwas mehr Gelegenheitsleser und viele Einmalkonsumenten; die Erfahrung zeigt, dass nicht einmal Leute, die bis zum Gehtnichtmehr an meiner Arbeit interessiert sind, es nicht nicht schaffen, das Blog mitzuverfolgen. Sie wollen es gedruckt. So wie ich ja auch.

Weshalb blogge ich trotzdem weiter? Nicht nur, weil es eine M&#246;glichkeit ist, sich aufzuw&#228;rmen oder rasch den Kopf freizumachen von einer pl&#246;tzlichen Idee, um dann in Ruhe an die eigentliche Arbeit zur&#252;ckzukehren; manchmal auch einen Nagel einzuschlagen f&#252;r etwas, das ich sp&#228;ter auf Papier im gr&#246;sseren Stil weiterziehe, Kristallisationskeime zu s&#228;en, wenn man so will. Der Punkt ist die oben erw&#228;hnte Eigendynamik: es haben sich Leser eingefunden. Ein noch nicht publizierter Autor wie ich k&#228;mpft mehr noch als der publizierte Autor mit dem Blauen, in das er hinausschreibt. Die R&#252;ckmeldungen haben mich wesentlich weitergebracht und sich - selbst bei hin und wieder negativer Kritik - auf das Selbstbewusstsein ausgewirkt (ohne aber das Schreiben an sich zu beeinflussen). Das Allerwichtigste ist jedoch, dass ich durch das Blog mit anderen Autoren in Kontakt gekommen bin, die ich sonst niemals kennengelernt h&#228;tte, unabh&#228;ngig von Raum und Zeit. F&#252;r mich, die ich keinen einzigen Autor, ja nicht mal wirkliche Literaturliebhaber in meinem direkten Umfeld kenne, ist diese Vernetzung das Wertvollste, das mir das Blog gebracht hat.

Ich res&#252;miere also so: ich beute aus, was ich brauchen kann und lasse den Rest liegen. Ich esse nur das Filet. Niemals w&#252;rde ich Geld (f&#252;r eine eigene Domain oder ein sch&#246;neres Design) oder Zeit (um mit dem technischen Aspekt umgehen zu lernen) investieren. Blog und Internet haben keinerlei Einfluss auf meine Poetik und Arbeitsweise, auf meine Inhalte und Formen, es wird immer alles bei der Tinte beginnen und, so die G&#246;tter mir beistehen, beim physischen Buch enden. Ich glaube nicht daran, dass das Netz die Literatur per se ver&#228;ndert, weder n&#252;tzt noch schadet es ihr. Literatur ist, wie sie es immer war, Arbeit, und die Qualit&#228;t h&#228;ngt nicht vom Medium ab. H&#246;chstens k&#246;nnen sich neue Formen entwickeln, aber auch dieser Spielraum ist letztlich begrenzt ("Linkgewirr", einerseits faszinierend, andererseits erm&#252;dend, sowie Intertextualit&#228;t (die ja auch auf Papier funktioniert)). Vielleicht ver&#228;ndert sich die Literatur quantitativ, so wie es auch nach der Erfindung des Buchdrucks der Fall war. Die vielzitierte Demokratisierung dagegen ist vermutlich Wunschdenken - im Gegenteil, der digital gap trennt noch brutaler "Menschen mit Zugang" von "Menschen ohne Zugang".
Wie oben anget&#246;nt habe ich zudem die Bef&#252;rchtung, dass die Kunst des Lesens zunehmend ins Oberfl&#228;chliche kippen k&#246;nnte. Ich beobachte das an mir und bin extrem auf der Hut, mich diesbez&#252;glich nicht zu verbiegen.

Genauso wie p.- kann ich nichts sehen von "Aufhebung der Grenze zwischen "Realit&#228;t und Fiktion"; was soll diese k&#252;nstliche Grenze denn sein? Wer so eine Grenze &#252;berhaupt sieht, der sieht sie &#252;berall, auch im Netz, umgekehrt existiert sie f&#252;r mich auch dann nicht, wenn ich den Computer ausschalte.

Unzeitgem&#228;sser geht wohl gar nicht. Ich stehe dazu und bin mir bewusst, dass ich mich irren kann. Ich lasse mich gern &#252;berraschen und bin flexibel genug, jederzeit die Richtung zu &#228;ndern wenn ich sehe, dass da draussen noch mehr brauchbare Beute ist.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Herzlichen Dank f&#252;r diesen Gastbeitrag aus der Wissenschaft. F&#252;r mich, die ich mich erst seit kurzem und h&#246;chstens am Rande mit der &#8220;Theorie des Bloggens&#8221; befasse, ist das erhellend und l&#246;st einiges Staunen aus. Mein Senf - als Nicht-Geisteswissenschaftler - besteht nur aus pers&#246;nlicher Erfahrung und Ansicht.</p>
<p>Mein eigenes Blog entstand eher aus Zufall (Neugier, ein Nachmittag, an dem ich ausnahmsweise nichts Besseres zu tun hatte), und ich hatte damals &#252;berhaupt nicht die Absicht, es &#252;ber l&#228;ngere Zeit zu f&#252;hren oder gar zu einem Bestandteil meiner Arbeit zu machen; dass es noch existiert, verdankt es der Eigendynamik, die es ohne mein Zutun entwickelt hat. Ich geh&#246;re zur &#8220;Zwischengeneration&#8221;, die ohne Computer aufwuchs und erst vor gut zehn Jahren &#252;berhaupt damit in Ber&#252;hrung kam. Noch meine letzte Semesterarbeit tippte ich auf der Schreibmaschine, zeichnete Graphiken mit Lineal und Zirkel und f&#252;llte endlose Zahlentabellen von Hand aus. Bis zum heutigen Tag entstehen 90% meiner Texte von Hand, Kugelschreiber ist ein no go, Tinte obligatorisch. Schreiben ohne ganz direkten K&#246;rpereinsatz funktioniert bei mir kaum. Seit der Industrialisierung ist mehr Technik entwickelt und kritiklos eingesetzt worden, die den Menschen versklavt anstatt ihm zu dienen. Ich f&#252;r meinen Teil w&#228;ge bei allem ab, was mir hilft und was mir nur Zeit/Geld/Ruhe frisst - so verweigere ich mich beispielsweise dem Handy, da es anderen Leuten erlaubt, noch frecher &#252;ber meine Zeit und Ansprechbarkeit zu verf&#252;gen als sie es ohnehin tun, w&#228;hrend es mir nicht einen einzigen Vorteil bringt. So ist auch der Computer nur ein Werkzeug, gleiches gilt f&#252;r das Internet (also kein Selbstzweck). Es dient der Recherche und Kommunikation, mehr ist nicht.</p>
<p>Aus dieser Haltung heraus w&#228;re ich gar nie auf die Idee gekommen, meine Arbeit direkt im Blog zu entwickeln, dokumentieren, reflektieren - niemals w&#252;rde ich Teile aus Romanmanuskripten oder Erz&#228;hlungen darin publizieren, erst recht nicht in einer Roh- oder Zwischenfassung. Das Blog l&#228;uft bei mir v&#246;llig getrennt von der Hauptarbeit; ich benutze es als Finger&#252;bung, zum Aufw&#228;rmen oder als Selbstrechtfertigung an Tagen, an denen ich sonst nicht viel geschafft habe (&#8230; &#8220;ich hab ja wenigstens etwas geschrieben&#8221;). Ich habe aber auch erst im Blog die ganz kurze Form f&#252;r mich entdeckt.</p>
<p>&#220;ber das &#8220;Wie&#8221; meiner Arbeit tausche ich mich gern mit anderen Autoren aus, aber nur hinter den Kulissen; ein Koch, der sein Rezept verr&#228;t oder ein Zauberer, der seinen Trick preisgibt, b&#252;sst einiges an Charisma ein (jetzt werde ich vermutlich einige Mitblogger ver&#228;rgern). Vielleicht bin ich ja einfach nur scheu. Aber das &#8220;fertige&#8221; Werk (fertig ist es ja nie) wird sich selbst gen&#252;gen m&#252;ssen. Ich gebe allerdings zu, dass ich genau das bei anderen Bloggern mit grossem Interesse lese, in dieser Hinsicht, Asche auf mein Haupt, nehme ich ohne zu geben, aber jeder muss selbst wissen, was ihm sein N&#228;hk&#228;stchen wert ist.</p>
<p>Vieles was ich verblogge ist in meinen Augen nicht strikt literarisch, obwohl ich insgesamt den Anspruch auf Literarizit&#228;t erhebe; diejenigen Miniaturen, die definitiv literarisch sind, will ich irgendwann gedruckt sehen. So old fashioned bin ich, dass ich mir erlaube, vehement und ausschliesslich auf Print hinzuarbeiten. Auch ich lese ja kaum am Bildschirm, die Sinnlichkeit eines Buches geh&#246;rt (wie beim Schreiben von Hand) einfach dazu - und selbst wenn es einen Drucker g&#228;be, der billiger drucken k&#246;nnte als ein Buchverlag, w&#252;rde ich nichts mit ins Bett nehmen wollen, was wie Sitzungsunterlagen aussieht. Es gibt nur wenige Blogs, die ich regelm&#228;ssig und sorgf&#228;ltig lese, und ziemlich viele, die ich &#252;berfliege - in diesem &#8220;Halblesen&#8221; besteht meines Erachtens auch eine Gefahr. Umgekehrt habe ich selbst ebenfalls nur eine Handvoll Stammleser, etwas mehr Gelegenheitsleser und viele Einmalkonsumenten; die Erfahrung zeigt, dass nicht einmal Leute, die bis zum Gehtnichtmehr an meiner Arbeit interessiert sind, es nicht nicht schaffen, das Blog mitzuverfolgen. Sie wollen es gedruckt. So wie ich ja auch.</p>
<p>Weshalb blogge ich trotzdem weiter? Nicht nur, weil es eine M&#246;glichkeit ist, sich aufzuw&#228;rmen oder rasch den Kopf freizumachen von einer pl&#246;tzlichen Idee, um dann in Ruhe an die eigentliche Arbeit zur&#252;ckzukehren; manchmal auch einen Nagel einzuschlagen f&#252;r etwas, das ich sp&#228;ter auf Papier im gr&#246;sseren Stil weiterziehe, Kristallisationskeime zu s&#228;en, wenn man so will. Der Punkt ist die oben erw&#228;hnte Eigendynamik: es haben sich Leser eingefunden. Ein noch nicht publizierter Autor wie ich k&#228;mpft mehr noch als der publizierte Autor mit dem Blauen, in das er hinausschreibt. Die R&#252;ckmeldungen haben mich wesentlich weitergebracht und sich - selbst bei hin und wieder negativer Kritik - auf das Selbstbewusstsein ausgewirkt (ohne aber das Schreiben an sich zu beeinflussen). Das Allerwichtigste ist jedoch, dass ich durch das Blog mit anderen Autoren in Kontakt gekommen bin, die ich sonst niemals kennengelernt h&#228;tte, unabh&#228;ngig von Raum und Zeit. F&#252;r mich, die ich keinen einzigen Autor, ja nicht mal wirkliche Literaturliebhaber in meinem direkten Umfeld kenne, ist diese Vernetzung das Wertvollste, das mir das Blog gebracht hat.</p>
<p>Ich res&#252;miere also so: ich beute aus, was ich brauchen kann und lasse den Rest liegen. Ich esse nur das Filet. Niemals w&#252;rde ich Geld (f&#252;r eine eigene Domain oder ein sch&#246;neres Design) oder Zeit (um mit dem technischen Aspekt umgehen zu lernen) investieren. Blog und Internet haben keinerlei Einfluss auf meine Poetik und Arbeitsweise, auf meine Inhalte und Formen, es wird immer alles bei der Tinte beginnen und, so die G&#246;tter mir beistehen, beim physischen Buch enden. Ich glaube nicht daran, dass das Netz die Literatur per se ver&#228;ndert, weder n&#252;tzt noch schadet es ihr. Literatur ist, wie sie es immer war, Arbeit, und die Qualit&#228;t h&#228;ngt nicht vom Medium ab. H&#246;chstens k&#246;nnen sich neue Formen entwickeln, aber auch dieser Spielraum ist letztlich begrenzt (&#8221;Linkgewirr&#8221;, einerseits faszinierend, andererseits erm&#252;dend, sowie Intertextualit&#228;t (die ja auch auf Papier funktioniert)). Vielleicht ver&#228;ndert sich die Literatur quantitativ, so wie es auch nach der Erfindung des Buchdrucks der Fall war. Die vielzitierte Demokratisierung dagegen ist vermutlich Wunschdenken - im Gegenteil, der digital gap trennt noch brutaler &#8220;Menschen mit Zugang&#8221; von &#8220;Menschen ohne Zugang&#8221;.<br />
Wie oben anget&#246;nt habe ich zudem die Bef&#252;rchtung, dass die Kunst des Lesens zunehmend ins Oberfl&#228;chliche kippen k&#246;nnte. Ich beobachte das an mir und bin extrem auf der Hut, mich diesbez&#252;glich nicht zu verbiegen.</p>
<p>Genauso wie p.- kann ich nichts sehen von &#8220;Aufhebung der Grenze zwischen &#8220;Realit&#228;t und Fiktion&#8221;; was soll diese k&#252;nstliche Grenze denn sein? Wer so eine Grenze &#252;berhaupt sieht, der sieht sie &#252;berall, auch im Netz, umgekehrt existiert sie f&#252;r mich auch dann nicht, wenn ich den Computer ausschalte.</p>
<p>Unzeitgem&#228;sser geht wohl gar nicht. Ich stehe dazu und bin mir bewusst, dass ich mich irren kann. Ich lasse mich gern &#252;berraschen und bin flexibel genug, jederzeit die Richtung zu &#228;ndern wenn ich sehe, dass da draussen noch mehr brauchbare Beute ist.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: perkampus</title>
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		<dc:creator>perkampus</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jun 2008 13:28:44 +0000</pubDate>
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		<description>Da&#223; das Weblog wie ein Tagebuch erscheint, liegt wohl an der Tageskladde und an der Hingezogenheit zu einer Illusion der sinnstiftenden Ordnung. Mehr als das erschien mir das Weblog stets als eine Klause, in der nun Notizen, Fragmente, Hinweise, kurz: das ganze eigene kulturelle Leben und Erleben in einem Content Managment System zusammengefa&#223;t werden kann. Es ist meiner Meinung nach die Technik, die hier revolution&#228;ren Charakter hat, die Literatur selbst zieht da nur nach. Meine Literatur ver&#228;ndert sich durch das Weblog nicht, aber die Art der Pr&#228;sentation, die Einblick in die Prozesse gibt, ist etwas Neues, in etwa zu vergleichen mit einer Sp&#252;lmaschine  und weiterer Prothesen, die weiland die Arbeit im Haushalt erleichterten.

N&#228;her an der Materie ausgedr&#252;ckt, ist das literarische Weblog im g&#252;nstigsten Fall eine Konzentration und Erweiterung dessen, was sich fr&#252;her in den Zirkeln und den von ihnen herausgegebenen Zeitschriften abgespielt hat. Unfertiges wurde vorgelesen, dar&#252;ber diskutiert, Kritik ge&#252;bt. Das Verh&#228;ltnis der Autoren und Leser zueinander hat sich effektiv Vernetzt. Zumindest k&#246;nnte es so sein, aber das sehe ich nicht. Das Potential wird &#252;berhaupt nicht hinreichend ausgesch&#246;pft. Eine Clubatmosph&#228;re wird da eher schon in Foren erreicht, w&#228;hrend das Weblog (wenn es nicht auch als Forum fungiert) sich in der Regel um einen Autor rankt (unabh&#228;ngig davon, wie viel Pseudonyme er sich zulegt).

Internetprojekte, die auf eine Interaktion mehrerer Beteiligter ausgelegt sind, funktionieren ebenfalls anders wie etwa ein klassisches Autorenblog. Eines der ersten Projekte dieser Art leitete ich in Form der L&#228;rmenden Akademie als ein Forum, aus der sich dann sp&#228;ter eine Autorengruppe herauskristallisierte, als auch das Gemeinschaftsprodukt eines Online-Journals. Das wurde dann noch einmal ver&#228;ndert, indem wir zum ersten Mal ein Weblog bedienten, in dem Journal und Forum zusammenflossen, und das wiederum endete in meinem eigenen Projekt der Veranda.

Ob das Weblog die (angenommene) strikte Trennung zwischen Autor und Leser aufhebt, wage ich zu bezweifeln. Zumindest tut es das nicht mehr als eine gew&#246;hnliche Tageszeitung auf der einen Seite, w&#228;hrend auf der anderen Seite eine Trennung zwischen Leser und Autor zu keiner Zeit haltbar war, wenn auch es eine Zeit gab, da dies angenommen wurde.

Als ein wichtiger Begriff erschien mir das Wort „Konstrukt“. Etwa davon auszugehen, da&#223; irgendetwas keine Konstruktion sei, scheint mir ohnehin noch im Kontext eines naiven Realismus zu liegen, &#252;ber den ich mich gar nicht unterhalten mag. Das f&#252;hrt n&#228;mlich zu einem Wirklichkeitsbegriff, mit dem ich schon lange nichts mehr zu tun habe. Da&#223; an diesem Begriff (und der daraus folgenden Verbl&#252;ffung „Aufhebung der Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion“) weiterhin so vehement festgehalten wird, um dann aber doch zu erw&#228;hnen, da&#223; es hier angeblich zu einer Trennung k&#228;me, beruht darauf, da&#223; eine Institution als ein gangbarer, gesicherter Weg gilt, mit sicht- oder gangbarem Ziel, und da&#223; mithin au&#223;erhalb keine Ziele aufzufinden sind. Man darf diese ersch&#252;tternde Bedeutung dieser Verlorenheit im Chaos nicht untersch&#228;tzen, auch wenn man wei&#223;, da&#223; sie conditia sine qua non jeder Erneuerung des Geistes und der Pers&#246;nlichkeit ist.

Das ist der eigentliche Grund, warum man postmoderne &#196;sthetiken so gerne auf den Beliebigkeitsbegriff festnagelt. Das impliziert, da&#223; es eine Eindeutigkeit jemals gegeben hat. Die Denkmodelle des Konstruktivismus (um wieder zum „Konstrukt“ zur&#252;ckzukehren) zeigen jedoch das in aller Deutlichkeit, was Humberto Maturana so banal wie folgenschwer in den 70igern formulierte:

&lt;blockquote&gt;Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt.&lt;/blockquote&gt;

Das ist an sich kein sch&#246;ner Satz, aber er beinhaltet all das, was man ben&#246;tigt, um jede Objektivit&#228;t als Mythos zu entlarven. So eben auch den Mythos von Wirklichkeit versus Fiktion.

Dem folge ich mit dem Satz: es ist keineswegs das Weblog, das irgendeine (vermutete) Grenze aufhebt.

Es mag schon richtig sein, da&#223; sich das ein oder andere Weblogs prozessual in der Auseinandersetzung mit einer Instanz des/der Anderen besch&#228;ftigt. Ob sich dadurch jedoch die Selbsterfindung vollzieht, bezweifle ich. Nat&#252;rlich wei&#223; ich, welche Weblogs hier als Anschauung dienten, &#252;ber die Intention der jeweiligen Autoren kann ich nichts sagen, au&#223;er was von ihnen selbst hierzu bereits gesagt wurde (gerade von Alban Nikolai Herbst). Auf meiner Veranda spielen Kommentare so gut wie gar keine Rolle, und auch wenn, h&#228;tten sie keinen Einflu&#223; auf meine Arbeit, die ich so und nicht anders bereits seit &#252;ber zwanzig Jahren bewerkstellige. Nur mit dem Unterschied, da&#223; man mich in den 90iger in meinem Theater besuchen mu&#223;te, wollte man mich h&#246;ren und sehen – oder zumindest meine Dia-Lesungen. Jetzt stehe ich im Netz, bin sicht-, h&#246;r- und lesbar. Daf&#252;r kann man mich nicht mehr so einfach anfassen (geschweige denn k&#252;ssen).

Eine Theorie des Weblogs oder des Bloggens erfassen zu wollen, scheint mir keineswegs nur die Aufgabe der Literaturwissenschaft zu sein. Wir befinden uns am Anfang einer Technik, die sich vielleicht sehr bald schon selbst &#252;berholt hat, oder sagen wir: die selbst als eine weitere Parzelle der Kommunikation assimiliert wird. Wir werden irgendwann R&#228;ume betreten k&#246;nnen, ohne uns von der Stelle zur r&#252;hren, wir werden diese Avatare, die wir schaffen, leben k&#246;nnen. Der Bereich der Literatur oder der Dichtung wird dann erst wirklich erweitert zu nennen sein und wieder zur&#252;ckkehren zu Zeichen, Symbolen und Sprache, so als w&#228;ren die Jahrmillionen gar nicht vergangen und der Einzelne vor allem auch Geschichtenerz&#228;hler.

Jeden Tag erz&#228;hlt man sich sein Leben und entscheidet in jeder Sekunde, wer man sein m&#246;chte. Doch dazu m&#252;ssen wir uns noch etwas von der Statik befreien. Dann werden wir ein neues Leben entdecken. Jetzt sind wir allerdings bereits dabei, zu erkennen, da&#223; ein Ende der Entwicklung nicht in Sicht ist.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Da&#223; das Weblog wie ein Tagebuch erscheint, liegt wohl an der Tageskladde und an der Hingezogenheit zu einer Illusion der sinnstiftenden Ordnung. Mehr als das erschien mir das Weblog stets als eine Klause, in der nun Notizen, Fragmente, Hinweise, kurz: das ganze eigene kulturelle Leben und Erleben in einem Content Managment System zusammengefa&#223;t werden kann. Es ist meiner Meinung nach die Technik, die hier revolution&#228;ren Charakter hat, die Literatur selbst zieht da nur nach. Meine Literatur ver&#228;ndert sich durch das Weblog nicht, aber die Art der Pr&#228;sentation, die Einblick in die Prozesse gibt, ist etwas Neues, in etwa zu vergleichen mit einer Sp&#252;lmaschine  und weiterer Prothesen, die weiland die Arbeit im Haushalt erleichterten.</p>
<p>N&#228;her an der Materie ausgedr&#252;ckt, ist das literarische Weblog im g&#252;nstigsten Fall eine Konzentration und Erweiterung dessen, was sich fr&#252;her in den Zirkeln und den von ihnen herausgegebenen Zeitschriften abgespielt hat. Unfertiges wurde vorgelesen, dar&#252;ber diskutiert, Kritik ge&#252;bt. Das Verh&#228;ltnis der Autoren und Leser zueinander hat sich effektiv Vernetzt. Zumindest k&#246;nnte es so sein, aber das sehe ich nicht. Das Potential wird &#252;berhaupt nicht hinreichend ausgesch&#246;pft. Eine Clubatmosph&#228;re wird da eher schon in Foren erreicht, w&#228;hrend das Weblog (wenn es nicht auch als Forum fungiert) sich in der Regel um einen Autor rankt (unabh&#228;ngig davon, wie viel Pseudonyme er sich zulegt).</p>
<p>Internetprojekte, die auf eine Interaktion mehrerer Beteiligter ausgelegt sind, funktionieren ebenfalls anders wie etwa ein klassisches Autorenblog. Eines der ersten Projekte dieser Art leitete ich in Form der L&#228;rmenden Akademie als ein Forum, aus der sich dann sp&#228;ter eine Autorengruppe herauskristallisierte, als auch das Gemeinschaftsprodukt eines Online-Journals. Das wurde dann noch einmal ver&#228;ndert, indem wir zum ersten Mal ein Weblog bedienten, in dem Journal und Forum zusammenflossen, und das wiederum endete in meinem eigenen Projekt der Veranda.</p>
<p>Ob das Weblog die (angenommene) strikte Trennung zwischen Autor und Leser aufhebt, wage ich zu bezweifeln. Zumindest tut es das nicht mehr als eine gew&#246;hnliche Tageszeitung auf der einen Seite, w&#228;hrend auf der anderen Seite eine Trennung zwischen Leser und Autor zu keiner Zeit haltbar war, wenn auch es eine Zeit gab, da dies angenommen wurde.</p>
<p>Als ein wichtiger Begriff erschien mir das Wort „Konstrukt“. Etwa davon auszugehen, da&#223; irgendetwas keine Konstruktion sei, scheint mir ohnehin noch im Kontext eines naiven Realismus zu liegen, &#252;ber den ich mich gar nicht unterhalten mag. Das f&#252;hrt n&#228;mlich zu einem Wirklichkeitsbegriff, mit dem ich schon lange nichts mehr zu tun habe. Da&#223; an diesem Begriff (und der daraus folgenden Verbl&#252;ffung „Aufhebung der Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion“) weiterhin so vehement festgehalten wird, um dann aber doch zu erw&#228;hnen, da&#223; es hier angeblich zu einer Trennung k&#228;me, beruht darauf, da&#223; eine Institution als ein gangbarer, gesicherter Weg gilt, mit sicht- oder gangbarem Ziel, und da&#223; mithin au&#223;erhalb keine Ziele aufzufinden sind. Man darf diese ersch&#252;tternde Bedeutung dieser Verlorenheit im Chaos nicht untersch&#228;tzen, auch wenn man wei&#223;, da&#223; sie conditia sine qua non jeder Erneuerung des Geistes und der Pers&#246;nlichkeit ist.</p>
<p>Das ist der eigentliche Grund, warum man postmoderne &#196;sthetiken so gerne auf den Beliebigkeitsbegriff festnagelt. Das impliziert, da&#223; es eine Eindeutigkeit jemals gegeben hat. Die Denkmodelle des Konstruktivismus (um wieder zum „Konstrukt“ zur&#252;ckzukehren) zeigen jedoch das in aller Deutlichkeit, was Humberto Maturana so banal wie folgenschwer in den 70igern formulierte:</p>
<blockquote><p>Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt.</p></blockquote>
<p>Das ist an sich kein sch&#246;ner Satz, aber er beinhaltet all das, was man ben&#246;tigt, um jede Objektivit&#228;t als Mythos zu entlarven. So eben auch den Mythos von Wirklichkeit versus Fiktion.</p>
<p>Dem folge ich mit dem Satz: es ist keineswegs das Weblog, das irgendeine (vermutete) Grenze aufhebt.</p>
<p>Es mag schon richtig sein, da&#223; sich das ein oder andere Weblogs prozessual in der Auseinandersetzung mit einer Instanz des/der Anderen besch&#228;ftigt. Ob sich dadurch jedoch die Selbsterfindung vollzieht, bezweifle ich. Nat&#252;rlich wei&#223; ich, welche Weblogs hier als Anschauung dienten, &#252;ber die Intention der jeweiligen Autoren kann ich nichts sagen, au&#223;er was von ihnen selbst hierzu bereits gesagt wurde (gerade von Alban Nikolai Herbst). Auf meiner Veranda spielen Kommentare so gut wie gar keine Rolle, und auch wenn, h&#228;tten sie keinen Einflu&#223; auf meine Arbeit, die ich so und nicht anders bereits seit &#252;ber zwanzig Jahren bewerkstellige. Nur mit dem Unterschied, da&#223; man mich in den 90iger in meinem Theater besuchen mu&#223;te, wollte man mich h&#246;ren und sehen – oder zumindest meine Dia-Lesungen. Jetzt stehe ich im Netz, bin sicht-, h&#246;r- und lesbar. Daf&#252;r kann man mich nicht mehr so einfach anfassen (geschweige denn k&#252;ssen).</p>
<p>Eine Theorie des Weblogs oder des Bloggens erfassen zu wollen, scheint mir keineswegs nur die Aufgabe der Literaturwissenschaft zu sein. Wir befinden uns am Anfang einer Technik, die sich vielleicht sehr bald schon selbst &#252;berholt hat, oder sagen wir: die selbst als eine weitere Parzelle der Kommunikation assimiliert wird. Wir werden irgendwann R&#228;ume betreten k&#246;nnen, ohne uns von der Stelle zur r&#252;hren, wir werden diese Avatare, die wir schaffen, leben k&#246;nnen. Der Bereich der Literatur oder der Dichtung wird dann erst wirklich erweitert zu nennen sein und wieder zur&#252;ckkehren zu Zeichen, Symbolen und Sprache, so als w&#228;ren die Jahrmillionen gar nicht vergangen und der Einzelne vor allem auch Geschichtenerz&#228;hler.</p>
<p>Jeden Tag erz&#228;hlt man sich sein Leben und entscheidet in jeder Sekunde, wer man sein m&#246;chte. Doch dazu m&#252;ssen wir uns noch etwas von der Statik befreien. Dann werden wir ein neues Leben entdecken. Jetzt sind wir allerdings bereits dabei, zu erkennen, da&#223; ein Ende der Entwicklung nicht in Sicht ist.</p>
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