Monatsarchiv für März 2008

Migdal David

Montag, den 31. März 2008

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Und plötzlich… klingelt das Telefon

••• Bei meinem letzten Besuch hier bin ich ja in einem Jugendhotel abgestiegen. Das war cosy, und die Internetanbindung war perfekt. Diesmal haben wir ein unglaubwürdig gutes Angebot in einem 4****-Sterne-Hotel angenommen. Bequem ist das auch. Aber das mit dem Internet via WLAN haben sie nicht so im Griff. Deswegen war ich die letzten Tage offline.


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Judenfänger

Sonntag, den 30. März 2008

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Erst die Mizwe, dann die Ideologie…

••• Die Fußgängerzone der Rechov Yehuda in Yerushalayim ist ein phantastischer Ort, um auf Judenfang zu gehen. Darauf spezialisiert, junge ahnungslose Yehudim zum praktizierenden religiösen Leben zurückzubringen, sind die Lubawitscher. Dagegen ist erst einmal noch gar nichts einzuwenden. Nach den ersten Mizwot - Zizit und Tefillin - kommt dann aber gleich die ideologische Indoktrination. Damit gar nicht erst Zweifel aufkommen, verkündet das Transparent direkt über der Szene:

Es lebe unser Herr, unser Lehrer und Rabbi, der König Moshiach für alle Zeit.

Gemeint ist damit der abgebildete Lubawitscher Rebbe. Zurückhaltung kennen die Meschichisten inzwischen nicht mehr bei ihrer Mission.


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Mishkan Ha-Techelet

Donnerstag, den 27. März 2008

Mishkan HaTechelet
Mishkan Ha-Techelet, Rechov Malchei Yisrael 26, Yerushalayim

••• Ich habe das Geschäft in der Rechov Malchei Yisrael in Geula gefunden, das vor etwa 30 Jahren Yehuda Zichroni, dem Vater von , gehörte und in dem das dritte Kapitel der “Leinwand” spielt. (Es ist das Geschäft unter dem hellbauen Transparent.) Yehuda Zichroni ist im Ruhestand. Ein sehr sympathischer junger Mann führt heute den Laden, der nun zu einer “Kette” renommierter Tallis-Geschäfte gehört: Mishkan Ha-Techelet.

Es war unglaublicher Verkehr und sehr viele Leute unterwegs. Ich musste lange warten, bis ich ein Foto ohne vorbeifahrendes Auto machen konnte.

Gelassenheit

Donnerstag, den 27. März 2008

Shirut Timetable

••• Das Shirut - das israelische Sammeltaxi, Gepäck + max. 10 Personen - ist eine wunderbare Erfindung, die in Deutschland nie und nimmer funktionieren würde. Für 48 Shekel (ca. 9 €) pro Person kommt man bspw. von Tel Aviv nach Yerushalayim, und zwar bis direkt vor die eigene Haustür. Lässt man sich am zentralen Busbahnhof absetzen, macht man die Tour gar für unter 30 Shekel.

Besonders gefallen hat mir dieser “Fahrplan”. Es ist eigentlich fast immer ein Shirut da, wenn man vom Flughafen nach Yerushalayim fahren will. Und die Abfahrtzeit?

Das Taxi fährt ab innerhalb einer Stunde nach Eintreffen des ersten Fahrgastes.

Also: Gelassen bleiben.

Wenn die Saison vorbei ist…

Dienstag, den 25. März 2008

poetry nightstand
© communistar designers

••• Was wird eigentlich aus den ganzen schönen Büchern, wenn die Saison vorbei ist?


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Ein verwirrendes Lob der Faulheit

Dienstag, den 25. März 2008

EIn Gastbeitrag von Jürgen Kuri

••• Wenn ich auf den Balkon unserer Wohnung trete, fällt der Blick nahezu als Erstes auf das Straßenschild “Hammersteinstraße”. Gewundert hat mich der Name schon immer, eine Hammersteinstraße inmitten all der Chemiker und Physiker, die ansonsten den Straßen des Viertels ihren Namen geben, Hammerstein in einer Reihe mit Liebig, Fraunhofer, Bunsen, Röntgen oder Bessemer? Die Frage, wer denn nun dieser Hammerstein sei, spukte mir lange im Hinterkopf herum als etwas, das man mal nachschlagen könnte. Dann kam Hans Magnus Enzensberger mit seinem Hammerstein-Buch - und ich wünschte mir, ein flapsig hingeworfenes “So genau wollte ich das eigentlich gar nicht wissen” hätte sich einem wie Enzensberger ohne besonderen Hinweis als Leitschnur gestellt.


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Ein anderes Blau als Prosa-Insel

Montag, den 24. März 2008

Benjamin Stein: Ein anderes Blau (Edition Neue Moderne)
: Ein anderes Blau
Prosa für 7 Stimmen
Edition Neue Moderne 2008
ISBN: 978-3-9523236-4-9

••• Was lange währt, wird endlich gut. Das “Andere Blau” hat nun - ein Jahr nach Präsentation hier im Turmsegler - seine finale Veröffentlichungsform gefunden.

Erscheinen wird es voraussichtlich Mitte/Ende April in der “Edition Neue Moderne”, und zwar in der Reihe “Prosa-Inseln”, in der bislang Andre Thoms “Einbruch des Zeitraums” und Michael Perkampus’ “Geschichte des Uhrenträgers” erschienen sind.

Die robuste Gallimard-Broschur gefällt mir ausnehmend für diese nun 114 Seiten “Prosa für 7 Stimmen”. Der Preis wird bei knapp 10 Euro liegen, was auch passt. Bleibt mir nur noch, der Druckausgabe ein paar Händevoll Leser zu wünschen und der Reihe selbst noch viele interessante Fortsetzungen.

Hexameter, pah!

Montag, den 24. März 2008

••• Das ist doch mal eine These für ANH. Jens Jessen meint in der “Zeit” zur Frage der Homer-Neuübersetzung von :

(…) die Leistung einer neuen Übersetzung wird niemals in den Hexametern bestehen. Sie sind die leichteste Übung.

Gut gebrüllt, aber das bliebe doch erst noch einmal zu beweisen.

Der Fund beim “Umblätterer” lässt mich überlegen, ob ich es nicht doch einmal mit der F-Zeitung versuchen sollte, so probehalber wenigstens und wegen des Feuilletons. Aber vielleicht ist das auch ganz unnötig. Schließlich kann ich stattdessen auch den “Umblätterer” lesen. Der sortiert so schön vor und präsentiert dann auch noch ein verdauliches Surrogat.

Zwei Dinge sind mir beim Stöbern aufgefallen. Erstens ist das Raoul-Schrott-Buch zu Homers möglicher Herkuft aus Assyrien völlig an mir vorbeigerauscht. Zweitens fällt mir auf, dass Schrotts Ilias, aus der ich zwei Gesänge in Akzente mit überbordender Freude schon lesen konnte, dass diese Ausgabe also offenbar noch immer nicht erschienen ist. Schade. Die hätte ich mir gern in den Urlaub mitgenommen.

Schallender Lacher

Sonntag, den 23. März 2008

Im Internet ist es für Männer ein Leichtes, pornografische Seiten aufzurufen und diese als Vorlage zur Selbstbefriedigung zu nutzen. Der Weg in die Sucht ist durch derartige Angebote vorgezeichnet: Die schnelle Lustbefriedigung wird zum täglichen Ritual mit allen daraus sich ergebenden negativen Folgeerscheinungen wie Abhängigkeit, zunehmende Vereinsamung, Störung bzw. Zerstörung intimer Beziehungen zur Partnerin.

Aus einem Projektaufruf von Linksbuch

••• Ich habe lange nicht mehr so schallend gelacht: Das wohlbekannte Problem der Rückenmarkserweichung haben die Linksbuchler doch tatsächlich vergessen zu erwähnen! Besonders pikant finde ich, dass das Literaturcafé für diesen Schmonzes auch noch wirbt.

Ganz passend zum Thema las ich grad gestern:

Nur ein Prozent der Menschen, die pornografische Seiten im Netz besuchen, werden süchtig. Bei Weblogs sind es fünfzig Prozent.

Was für Auswirkungen die Blogging-Sucht wohl auf Partnerschaften hat…

Bücherhölle

Sonntag, den 23. März 2008

Als man mich fragte, ob ich mit einer Gruppe von Schriftstellerlehrlingen zur Leipziger Buchmesse zu fahren, sagte ich spontan ja. Ohne genau zu wissen, was ich da sollte. Es war so ein Gefühl, dass ich mich dazu veranlasste, da hin zu wollen. Manchmal habe ich so etwas. Ich fühlte, nichts könnte mich mehr motivieren, als so ein Tag voller Bücher, voller Autoren, Verlage und voller lesender Menschen. Dachte ich. Aber die Wirklichkeit war dann doch etwas anders. Voll war es. Es gab Bücher, Verlage, lesende Menschen und Autoren. Alles in Hülle und Fülle. Nur das mit der Motivation … das ist grundlegend schief gegangen. Jede Stunde in einer Thalia Buchhandlung bringt mir mehr, als ein Tag in dieser Welt der kommerzialisierten Bücherhölle.

zuckerbrot

••• Mir wird das alles zu viel. Da ich intensiv an der “Leinwand” arbeite, kann ich kaum noch verfolgen, was sich da draußen ereignet. Neun Stunden pro Tag muss ich meine Kunden beglücken. Ich rede gern mit meiner Frau, und auch mit meinen Kindern möchte ich Zeit verbringen. Die Anzahl literarischer Blogs, die ich abonniert habe, ist überschaubar. Doch die Frequenz, in der dort Beiträge erscheinen, macht es bereits unmöglich, jeden einzelnen auch nur zu überfliegen. Jene Beiträge von Autoren, die mir wirklich am Herzen liegen, müssen mitunter zwei Wochen warten, bis ich eine ruhige Minute finde, um sie aufmerksam lesen zu können.


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