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	<title>Kommentare zu: Verlorene Herk&#252;nfte</title>
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	<description>Erinnern &#38; Entdecken</description>
	<pubDate>Tue, 06 Jan 2009 08:19:36 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Angelika Pulfer</title>
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		<dc:creator>Angelika Pulfer</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jun 2007 21:00:10 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Zeitgeist ist f&#252;r mein Verst&#228;ndnis das Insgesamt aktueller kultureller Str&#246;mungen, nicht eine spezielle Ideologie oder g&#228;ngige Meinung. Gerade im Widerstand gegen totalitaristische und faschistische Ausw&#252;chse der Jahrhundertmitte und der Gegenwart manifestiert sich der antipodische Charakter von Zeitgeistph&#228;nomenen gegen&#252;ber der Vereinnahmung durch die diktatorische Ideologie. So wird die "theory of simultaneous inventions", die sich auch in der Kunst zeigt, verst&#228;ndlich. Zeitgeist hat nichts mit einer speziellen Kultur zu tun, sondern muss umfassender gesehen werden, als "Kind" einer bestimmten Art allgemein-menschlicher seelischer Konstitution.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich m&#246;chte auf den Vortrag von Paul Klee von 1924, gehalten anl&#228;sslich der Er&#246;ffnung einer Ausstellung moderner Kunst im Museum Jena (&#220;ber die moderne Kunst", Benteli-Verlag, Bern) verweisen, der ganz in diesem - und ich nehme an, auch in Ihrem - Sinne ist und auf anschauliche Weise auf den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes unter Ber&#252;cksichtigung der kulturellen Quellen sowie den sch&#246;pferischen Akt eingeht.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zeitgeist ist f&#252;r mein Verst&#228;ndnis das Insgesamt aktueller kultureller Str&#246;mungen, nicht eine spezielle Ideologie oder g&#228;ngige Meinung. Gerade im Widerstand gegen totalitaristische und faschistische Ausw&#252;chse der Jahrhundertmitte und der Gegenwart manifestiert sich der antipodische Charakter von Zeitgeistph&#228;nomenen gegen&#252;ber der Vereinnahmung durch die diktatorische Ideologie. So wird die &#8220;theory of simultaneous inventions&#8221;, die sich auch in der Kunst zeigt, verst&#228;ndlich. Zeitgeist hat nichts mit einer speziellen Kultur zu tun, sondern muss umfassender gesehen werden, als &#8220;Kind&#8221; einer bestimmten Art allgemein-menschlicher seelischer Konstitution.</p>
<p>Ich m&#246;chte auf den Vortrag von Paul Klee von 1924, gehalten anl&#228;sslich der Er&#246;ffnung einer Ausstellung moderner Kunst im Museum Jena (&#220;ber die moderne Kunst&#8221;, Benteli-Verlag, Bern) verweisen, der ganz in diesem - und ich nehme an, auch in Ihrem - Sinne ist und auf anschauliche Weise auf den Entstehungsprozess eines Kunstwerkes unter Ber&#252;cksichtigung der kulturellen Quellen sowie den sch&#246;pferischen Akt eingeht.</p>
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		<title>Von: sonogara</title>
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		<dc:creator>sonogara</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jun 2007 20:03:28 +0000</pubDate>
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		<description>Ist Kunst empirisch oder subjektivistisch?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ist Kunst empirisch oder subjektivistisch?</p>
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		<title>Von: ANH</title>
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		<dc:creator>ANH</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Jun 2007 05:32:54 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;@ Angelika Pulfer&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;Ich habe das Gef&#252;hl, dass die echte Kreativit&#228;t mit dem Zeitgeist Hand in Hand geht (H&#228;ndchen h&#228;lt)&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Das ist sp&#228;testens ein h&#246;chst heikler Satz, wenn man ihn auf die Zeit des Hitlerfaschismus, sowie doktrin&#228;rer politischer Systeme &#252;berhaupt anwendet. Wiederum ist "ob nicht in 500 Jahren ein wahrhaft grosses k&#252;nstlerisches Werk aufgrund von einem Rammsteinsong geschrieben wird" eine These, die ich sofort unterschreiben w&#252;rde; worum es hier in der Diskussion aber geht, ist die Frage, ob der Rammsteinsong-selbst bereits Kunst ist. Das w&#252;rde ich strikt verneinen, und zwar auch gerade w e g e n des Zeitgeistes. Oft ist es sogar so, da&#223; Kunst dem Zeitgeist gerade vorausl&#228;uft, und zwar das in einem Sinn, den Ralf Schnell einmal auf den Punkt gebracht hat: "Avantgarde ist Retrogarde" - sie tendiert nahezu immer zu Regressen, die sie allerdings verarbeitend vollzieht - das geht in Spr&#252;ngen, nicht stetig. Ich will in meinen Heidelberger Vorlesungen bewu&#223;t darauf eingehen. Aktualit&#228;t insgesamt scheint mir weniger eine &#228;sthetische Kategorie, als vielmehr ein Fetisch zu sein, der sich der kapitalistischen Bewu&#223;tseinsindustrie ver"dankt" - aus Gr&#252;nderen schnelleren Absatzes. Die wirklich-aktuellen Themen sind Menschheitsthemen, d.h. sie sind uralt: Schmerz, Hunger, Durst, Liebe, Sexualit&#228;t, Einsamkeit. Das, in der Tat, "bearbeiten" die U-K&#252;nste oft direkter als die E-K&#252;nste, weshalb ich glaube, da&#223; sich die E-K&#252;nste diesem Umstand wieder bewu&#223;t machen m&#252;ssen.  Sp&#228;testens mit der Postmoderne (nicht aber seit dem, was ich einmal "ihr deutsches Mi&#223;verst&#228;ndnis" nennen m&#246;che) hat sie das auch getan. &#220;ber die "Qualen" des 40-Stunden-Arbeitstages zu schreiben hingegen und die zivilisierten Leiden eines mittleren Angestellten, ist ziemlicher Unfug - das sollte man den Gewerkschaften &#252;belassen. Ein Anderes w&#228;re es, man &lt;i&gt;transzendierte&lt;/i&gt; diese Leiden zu einem Allgemeinen-Menschheitlichen und f&#228;nde ihnen eine Parabel, die zugleich scharf-konkret ist - etwa wie Kafka es geschafft hat, aber auch Beckett. Dazu bedarf es gerade der &lt;em&gt;Ent&lt;/em&gt;-Individuation, also dem genauen Gegenteil dessen, was derzeit der narrative mainstream tut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und schlie&#223;lich ist "die Begegnung mit der eigenen Kreativit&#228;t als k&#252;nstlerischer Quelle" eine pers&#246;nliche Angelegenheit, zweifellos wichtig, aber doch wohl eher eine soziale, selbstsoziale Erfahrung und hat mit Kunst wenig zu schaffen. Es geht in Kunst n i c h t - jedenfalls nicht in vorderster Linie - um so etwas wie Selbsterf&#252;llung und/oder Selbsterfahrung. Anderes anzunehmen ist eine demokratische Sentimentalit&#228;t. Allerdings g i b t es die Kunst der Bratkartoffeln, und das ist wirklich nicht die schlechteste. Pop f&#252;gt nur den Bratkartoffeln kellenweise Zucker zu... d a liegt das Problem. Kunst vielmehr - e n t z u c k e r t. Auch von "Befindlichkeiten" der rezipierenden Subjekte.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ Angelika Pulfer</p>
<blockquote><p>Ich habe das Gef&#252;hl, dass die echte Kreativit&#228;t mit dem Zeitgeist Hand in Hand geht (H&#228;ndchen h&#228;lt)</p></blockquote>
<p>Das ist sp&#228;testens ein h&#246;chst heikler Satz, wenn man ihn auf die Zeit des Hitlerfaschismus, sowie doktrin&#228;rer politischer Systeme &#252;berhaupt anwendet. Wiederum ist &#8220;ob nicht in 500 Jahren ein wahrhaft grosses k&#252;nstlerisches Werk aufgrund von einem Rammsteinsong geschrieben wird&#8221; eine These, die ich sofort unterschreiben w&#252;rde; worum es hier in der Diskussion aber geht, ist die Frage, ob der Rammsteinsong-selbst bereits Kunst ist. Das w&#252;rde ich strikt verneinen, und zwar auch gerade w e g e n des Zeitgeistes. Oft ist es sogar so, da&#223; Kunst dem Zeitgeist gerade vorausl&#228;uft, und zwar das in einem Sinn, den Ralf Schnell einmal auf den Punkt gebracht hat: &#8220;Avantgarde ist Retrogarde&#8221; - sie tendiert nahezu immer zu Regressen, die sie allerdings verarbeitend vollzieht - das geht in Spr&#252;ngen, nicht stetig. Ich will in meinen Heidelberger Vorlesungen bewu&#223;t darauf eingehen. Aktualit&#228;t insgesamt scheint mir weniger eine &#228;sthetische Kategorie, als vielmehr ein Fetisch zu sein, der sich der kapitalistischen Bewu&#223;tseinsindustrie ver&#8221;dankt&#8221; - aus Gr&#252;nderen schnelleren Absatzes. Die wirklich-aktuellen Themen sind Menschheitsthemen, d.h. sie sind uralt: Schmerz, Hunger, Durst, Liebe, Sexualit&#228;t, Einsamkeit. Das, in der Tat, &#8220;bearbeiten&#8221; die U-K&#252;nste oft direkter als die E-K&#252;nste, weshalb ich glaube, da&#223; sich die E-K&#252;nste diesem Umstand wieder bewu&#223;t machen m&#252;ssen.  Sp&#228;testens mit der Postmoderne (nicht aber seit dem, was ich einmal &#8220;ihr deutsches Mi&#223;verst&#228;ndnis&#8221; nennen m&#246;che) hat sie das auch getan. &#220;ber die &#8220;Qualen&#8221; des 40-Stunden-Arbeitstages zu schreiben hingegen und die zivilisierten Leiden eines mittleren Angestellten, ist ziemlicher Unfug - das sollte man den Gewerkschaften &#252;belassen. Ein Anderes w&#228;re es, man <i>transzendierte</i> diese Leiden zu einem Allgemeinen-Menschheitlichen und f&#228;nde ihnen eine Parabel, die zugleich scharf-konkret ist - etwa wie Kafka es geschafft hat, aber auch Beckett. Dazu bedarf es gerade der <em>Ent</em>-Individuation, also dem genauen Gegenteil dessen, was derzeit der narrative mainstream tut.</p>
<p>Und schlie&#223;lich ist &#8220;die Begegnung mit der eigenen Kreativit&#228;t als k&#252;nstlerischer Quelle&#8221; eine pers&#246;nliche Angelegenheit, zweifellos wichtig, aber doch wohl eher eine soziale, selbstsoziale Erfahrung und hat mit Kunst wenig zu schaffen. Es geht in Kunst n i c h t - jedenfalls nicht in vorderster Linie - um so etwas wie Selbsterf&#252;llung und/oder Selbsterfahrung. Anderes anzunehmen ist eine demokratische Sentimentalit&#228;t. Allerdings g i b t es die Kunst der Bratkartoffeln, und das ist wirklich nicht die schlechteste. Pop f&#252;gt nur den Bratkartoffeln kellenweise Zucker zu&#8230; d a liegt das Problem. Kunst vielmehr - e n t z u c k e r t. Auch von &#8220;Befindlichkeiten&#8221; der rezipierenden Subjekte.</p>
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		<title>Von: Angelika Pulfer</title>
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		<dc:creator>Angelika Pulfer</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2007 19:15:58 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Ihre Beitr&#228;ge habe ich mit grossem Interesse gelesen. Die Thematik spricht mich an - sehr sogar. So sehr, dass ich eigene &#220;berlegungen angestellt habe, die ich hier - wenn auch in ungeordneter und eher knapper Form  - beif&#252;gen m&#246;chte. Es sind vor allem zwei Punkte, die mich haben aufhorchen lassen:&lt;/p&gt;

&lt;blockquote&gt;Die Archetypen zehren nicht von Erkenntnis, sondern davon, unerkannt zu bleiben.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;F&#252;r mich kein Satz des Glaubens. Die Archetypen oder Urbilder sind so wenig fassbar wie der Begriff als solches. Lediglich die individualisierte Form, die Vorstellung, ein mehr oder weniger gelungenes Bild ist m&#246;glich. R&#252;ckschluss ja, wie bei einem hypothetischen Konstrukt (wobei ich jetzt nicht gesagt habe, dass die Archetypen hypothetische Konstrukte sind), volles Erfassen nein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Kultur: Kultur ist etwas Lebendiges. Es wird immer Fremdeinfl&#252;sse und R&#252;ckbesinnung auf die Wurzeln geben (Sinus und Cosinus der Kulturentwicklung). Wir haben die besten Beispiele in der Klassik und in der Romantik. Ausserdem haben wir immer das Gros der Bev&#246;lkerung und die gebildete Elite. Das sind Facts. Wir haben den Zeitgeschmack. Wir haben "&#228;sthetische Bed&#252;rfnisse", denen bestimmte Kunstformen mehr oder weniger gerecht werden. Und wir haben die "Kl&#228;ranlage Zeit", die vieles herausfiltert und zu allen Zeiten herausgefiltert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir haben das alles aber auch in uns selbst: Manchmal habe ich Hunger auf Bratkartoffeln und dann ist mir der Kaviar egal. Manchmal brauche ich Rod Stewart, dann wieder will ich Dvorak oder Alban Berg - wenn ich auf mich h&#246;re, wenn mein verbildetes &#220;ber-Ich diese Kunst noch erlaubt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wichtiger als der Mantel des gebildeten Menschen - der nicht jedem passt und einigen zu gross ist - ist f&#252;r mich die Begegnung mit der eigenen Kreativit&#228;t als k&#252;nstlerischer Quelle. Ohne diese Begegnung m&#252;ssen wir gar nicht &#252;ber all das andere reden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer sagt uns, ob nicht in 500 Jahren ein wahrhaft grosses k&#252;nstlerisches Werk aufgrund von einem Rammsteinsong geschrieben wird, genauso wie Strawinsky seine Pulcinella-Musik gefunden hat? Und warum soll jemand heute nicht Gefallen finden an einem ganz einfachen Lied, vielleicht nur an einem einzigen Akkord, oder an einem einzigen Ton? Vielleicht schliessen sich hier Welten auf, die sich nie aufschliessen w&#252;rden, wenn man mit Stockhausen beginnen w&#252;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jedenfalls tendiere ich im Moment sehr zur "Kunst im Taschenformat". Und irgendwie glaube ich noch an etwas anderes: Ich habe das Gef&#252;hl, dass die echte Kreativit&#228;t mit dem Zeitgeist Hand in Hand geht (H&#228;ndchen h&#228;lt), d. h. wer sich dort Einlass verschafft, der l&#228;uft auch der Zeit nicht hinterher, ist aktuell. Aber das ist nur so ein Gef&#252;hl und eine stille Erfahrung. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Angelika Pulfer&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ihre Beitr&#228;ge habe ich mit grossem Interesse gelesen. Die Thematik spricht mich an - sehr sogar. So sehr, dass ich eigene &#220;berlegungen angestellt habe, die ich hier - wenn auch in ungeordneter und eher knapper Form  - beif&#252;gen m&#246;chte. Es sind vor allem zwei Punkte, die mich haben aufhorchen lassen:</p>
<blockquote><p>Die Archetypen zehren nicht von Erkenntnis, sondern davon, unerkannt zu bleiben.</p></blockquote>
<p>F&#252;r mich kein Satz des Glaubens. Die Archetypen oder Urbilder sind so wenig fassbar wie der Begriff als solches. Lediglich die individualisierte Form, die Vorstellung, ein mehr oder weniger gelungenes Bild ist m&#246;glich. R&#252;ckschluss ja, wie bei einem hypothetischen Konstrukt (wobei ich jetzt nicht gesagt habe, dass die Archetypen hypothetische Konstrukte sind), volles Erfassen nein.</p>
<p>Zur Kultur: Kultur ist etwas Lebendiges. Es wird immer Fremdeinfl&#252;sse und R&#252;ckbesinnung auf die Wurzeln geben (Sinus und Cosinus der Kulturentwicklung). Wir haben die besten Beispiele in der Klassik und in der Romantik. Ausserdem haben wir immer das Gros der Bev&#246;lkerung und die gebildete Elite. Das sind Facts. Wir haben den Zeitgeschmack. Wir haben &#8220;&#228;sthetische Bed&#252;rfnisse&#8221;, denen bestimmte Kunstformen mehr oder weniger gerecht werden. Und wir haben die &#8220;Kl&#228;ranlage Zeit&#8221;, die vieles herausfiltert und zu allen Zeiten herausgefiltert hat.</p>
<p>Wir haben das alles aber auch in uns selbst: Manchmal habe ich Hunger auf Bratkartoffeln und dann ist mir der Kaviar egal. Manchmal brauche ich Rod Stewart, dann wieder will ich Dvorak oder Alban Berg - wenn ich auf mich h&#246;re, wenn mein verbildetes &#220;ber-Ich diese Kunst noch erlaubt.</p>
<p>Wichtiger als der Mantel des gebildeten Menschen - der nicht jedem passt und einigen zu gross ist - ist f&#252;r mich die Begegnung mit der eigenen Kreativit&#228;t als k&#252;nstlerischer Quelle. Ohne diese Begegnung m&#252;ssen wir gar nicht &#252;ber all das andere reden.</p>
<p>Wer sagt uns, ob nicht in 500 Jahren ein wahrhaft grosses k&#252;nstlerisches Werk aufgrund von einem Rammsteinsong geschrieben wird, genauso wie Strawinsky seine Pulcinella-Musik gefunden hat? Und warum soll jemand heute nicht Gefallen finden an einem ganz einfachen Lied, vielleicht nur an einem einzigen Akkord, oder an einem einzigen Ton? Vielleicht schliessen sich hier Welten auf, die sich nie aufschliessen w&#252;rden, wenn man mit Stockhausen beginnen w&#252;rde.</p>
<p>Jedenfalls tendiere ich im Moment sehr zur &#8220;Kunst im Taschenformat&#8221;. Und irgendwie glaube ich noch an etwas anderes: Ich habe das Gef&#252;hl, dass die echte Kreativit&#228;t mit dem Zeitgeist Hand in Hand geht (H&#228;ndchen h&#228;lt), d. h. wer sich dort Einlass verschafft, der l&#228;uft auch der Zeit nicht hinterher, ist aktuell. Aber das ist nur so ein Gef&#252;hl und eine stille Erfahrung. </p>
<p>Angelika Pulfer</p>
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		<title>Von: sonogara</title>
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		<dc:creator>sonogara</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jun 2007 15:09:11 +0000</pubDate>
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		<description>In Fragen der Geschmacksbildung stimme ich Ihnen zu.  Das Publikum eines Ferran Adrià unterscheidet sich vom Publikum einer Currywustbude. Stockhausen klingt nicht im Fahrstuhl. Wer sich in Wollschl&#228;ger verliert, ist im Regelfall f&#252;r May-Romane verloren (hier klingt ein Dissenz auf, den ich einfach so stehen lasse, da Wollschl&#228;ger ja in Schmidt-Nachfolge Triviales eroberte).  Und selbstverst&#228;ndlich ist Kunst kein Kunsthandwerk, auch wenn sie Handwerkliches, neben der &#228;sthetischen Bildung, voraussetzt. 

Der Punkt, an dem sich unsere Argumente kreuzen, liegt, meiner Beobachtung nach, in den Folgerungen, die daraus zu ziehen sind.  Sie sprechen vom 'Transzendieren' des Zwecks, der Forderung des Allt&#228;glichen, als g&#228;be es den K&#246;nigsweg eines George in diese Regionen, zumindest klingt dies f&#252;r mich an. Das ist der Weg der fordernden Moderne, die voraus schreitet zum Licht. 

In dieser Hinsicht erlebe ich mich eher als Romantiker, wie der junge Schlegel (dem Alter nach m&#252;sste ich, wenn ich den megalomanen Vergleich fortschriebe, demn&#228;chst zum Ritter des Christusordens ernannt werden - h&#246;chst unwahrscheinlich). Das Licht ist da, darum muss ich mich nicht k&#252;mmern. Einzelne Funken zu erhaschen, ihnen mit Sprache gerecht zu werden, ist mir genug und bereits ein meine bescheidene Sch&#246;pferkr&#228;fte geh&#246;rig dehnendes Unterfangen.  

Auf dieser Grundlage verstehe ich Ihr Streben. Es ist, in meinen Augen, das Streben eines Romanciers nach dem gro&#223;en Wurf (ich habe Ihre Gro&#223;erz&#228;hlung in 'Volltext' gelesen). Als Lyriker werfe ich meine Angel eher nach (anscheinend) simplen Dingen aus, die nur manchmal so &#252;berfrachted daherborden wie 'holy dam'. Ich achte die gewaltige Kunst der gro&#223;en Architektur, und in einigen Werken macht sie mich aufmerken. Aber das, was ich suche, ist Sprache, so nah am Objekt, dass es leuchtet. Die M&#246;glichkeiten, die mir die Aufhebung der U/E Scheidung, die Mannigfaltigkeit des ewigen Augenblicks der Posthistoire, dazu er&#246;ffnet, sch&#228;tze und achte ich. 

Daraus folgt eine andere Herangehensweise an Subjekt, Objekt, Wirklichkeit, die eher auf Inklusion abzielt (deshalb die obige Wiederaufnahme des Vampirvergleichs) und ergo eine andere Erkenntniswegschleife nimmt, ein, im Vergleich zu Ihrem Streben, eher mikroskopisches Schauen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>In Fragen der Geschmacksbildung stimme ich Ihnen zu.  Das Publikum eines Ferran Adrià unterscheidet sich vom Publikum einer Currywustbude. Stockhausen klingt nicht im Fahrstuhl. Wer sich in Wollschl&#228;ger verliert, ist im Regelfall f&#252;r May-Romane verloren (hier klingt ein Dissenz auf, den ich einfach so stehen lasse, da Wollschl&#228;ger ja in Schmidt-Nachfolge Triviales eroberte).  Und selbstverst&#228;ndlich ist Kunst kein Kunsthandwerk, auch wenn sie Handwerkliches, neben der &#228;sthetischen Bildung, voraussetzt. </p>
<p>Der Punkt, an dem sich unsere Argumente kreuzen, liegt, meiner Beobachtung nach, in den Folgerungen, die daraus zu ziehen sind.  Sie sprechen vom &#8216;Transzendieren&#8217; des Zwecks, der Forderung des Allt&#228;glichen, als g&#228;be es den K&#246;nigsweg eines George in diese Regionen, zumindest klingt dies f&#252;r mich an. Das ist der Weg der fordernden Moderne, die voraus schreitet zum Licht. </p>
<p>In dieser Hinsicht erlebe ich mich eher als Romantiker, wie der junge Schlegel (dem Alter nach m&#252;sste ich, wenn ich den megalomanen Vergleich fortschriebe, demn&#228;chst zum Ritter des Christusordens ernannt werden - h&#246;chst unwahrscheinlich). Das Licht ist da, darum muss ich mich nicht k&#252;mmern. Einzelne Funken zu erhaschen, ihnen mit Sprache gerecht zu werden, ist mir genug und bereits ein meine bescheidene Sch&#246;pferkr&#228;fte geh&#246;rig dehnendes Unterfangen.  </p>
<p>Auf dieser Grundlage verstehe ich Ihr Streben. Es ist, in meinen Augen, das Streben eines Romanciers nach dem gro&#223;en Wurf (ich habe Ihre Gro&#223;erz&#228;hlung in &#8216;Volltext&#8217; gelesen). Als Lyriker werfe ich meine Angel eher nach (anscheinend) simplen Dingen aus, die nur manchmal so &#252;berfrachted daherborden wie &#8216;holy dam&#8217;. Ich achte die gewaltige Kunst der gro&#223;en Architektur, und in einigen Werken macht sie mich aufmerken. Aber das, was ich suche, ist Sprache, so nah am Objekt, dass es leuchtet. Die M&#246;glichkeiten, die mir die Aufhebung der U/E Scheidung, die Mannigfaltigkeit des ewigen Augenblicks der Posthistoire, dazu er&#246;ffnet, sch&#228;tze und achte ich. </p>
<p>Daraus folgt eine andere Herangehensweise an Subjekt, Objekt, Wirklichkeit, die eher auf Inklusion abzielt (deshalb die obige Wiederaufnahme des Vampirvergleichs) und ergo eine andere Erkenntniswegschleife nimmt, ein, im Vergleich zu Ihrem Streben, eher mikroskopisches Schauen.</p>
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		<title>Von: ANH</title>
		<link>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Comments+on+Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2F20070531%2Fverlorene-herkunfte%2F%23comment-2073&amp;seed_title=Verlorene+Herk%26%23252%3Bnfte/comment-page-1/#comment-2073</link>
		<dc:creator>ANH</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jun 2007 11:56:09 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;@Sonogara.&lt;br /&gt;
Sie mi&#223;verstehen mich. Ich glaube keineswegs, da&#223; Gebrauchstexte "&#252;berwunden" werden m&#252;ssen, denn sie erf&#252;llen ja f&#252;r viele Menschen, f&#252;r die meisten wahrscheinlich, ihren Zweck - auf den hin sie geschrieben/komponiert wurden und der sich eben g&#228;nzlich in sich selbst erf&#252;llt. Das ist genau so in Ordnung, wie man ein Brot backt, um zu s&#228;ttigen. Ich meine nur, da&#223; es sich bei Gebrauchstexten nicht um Kunst handelt, f&#252;r die v&#246;llig andere Kategorien als die eines Zweckes gelten, bzw. die selbst dann ihren definierten Zweck tanszendieren, wenn sie nur auf ihn hin verfa&#223;t worden sind. Dazu geh&#246;rt etwa sakrale Musik, die selbstverst&#228;ndlich Z w e c kmusik ist, der es aber in ihren Kunstformen eignet, da&#223; sie sogar Nicht-Gl&#228;ubige erf&#252;llt, ohne da&#223; diese deshalb konvertieren oder sich missioniert f&#252;hlen m&#252;&#223;ten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Da&#223; wiederum die U-"K&#252;nste" ein enormes M a t e r i a l liefern - da w&#228;re ich gewi&#223; der Letzte, das zu bestreiten. Es scheint mir sogar so zu sein, als lieferten sie m e h r Material als die anderen Hoch-Kunstformen. Aber eben ein Material, das dann seinerseits wieder zu Kunst bearbeitet wird. Auch dies l&#228;&#223;t sich am Beispiel der Musik gut zeigen, auch an dem neuerer U-Musik, etwa in der Entwicklungslinie des Jazz. Ganz &#228;hnlich ist es, glaube ich, in der Literatur. F&#252;r denjenigen, den die Erlebnisse der Kunstranszendenz aber einmal erfa&#223;t haben, ist die U-Musik (wie die U-Literatur) nicht mehr erf&#252;llend, sondern schal. Das ist, wie so vieles, eine Auswirkung der &lt;i&gt;Bildung des Ohres&lt;/i&gt;; man wird von bestimmten  Dur-Dreikl&#228;ngen geradezu beleidigt, hat man sich der Neuen Musik einmal &#252;berlassen und ist von ihr begl&#252;ckt worden. Die Beschallung mit U-Musik kommt dann dem Leiden eines ausgebildete Gourmets gleich, den man zwangsweise von morgens bis abends mit Butterceme vollstopft.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Sonogara.<br />
Sie mi&#223;verstehen mich. Ich glaube keineswegs, da&#223; Gebrauchstexte &#8220;&#252;berwunden&#8221; werden m&#252;ssen, denn sie erf&#252;llen ja f&#252;r viele Menschen, f&#252;r die meisten wahrscheinlich, ihren Zweck - auf den hin sie geschrieben/komponiert wurden und der sich eben g&#228;nzlich in sich selbst erf&#252;llt. Das ist genau so in Ordnung, wie man ein Brot backt, um zu s&#228;ttigen. Ich meine nur, da&#223; es sich bei Gebrauchstexten nicht um Kunst handelt, f&#252;r die v&#246;llig andere Kategorien als die eines Zweckes gelten, bzw. die selbst dann ihren definierten Zweck tanszendieren, wenn sie nur auf ihn hin verfa&#223;t worden sind. Dazu geh&#246;rt etwa sakrale Musik, die selbstverst&#228;ndlich Z w e c kmusik ist, der es aber in ihren Kunstformen eignet, da&#223; sie sogar Nicht-Gl&#228;ubige erf&#252;llt, ohne da&#223; diese deshalb konvertieren oder sich missioniert f&#252;hlen m&#252;&#223;ten.</p>
<p>Da&#223; wiederum die U-&#8221;K&#252;nste&#8221; ein enormes M a t e r i a l liefern - da w&#228;re ich gewi&#223; der Letzte, das zu bestreiten. Es scheint mir sogar so zu sein, als lieferten sie m e h r Material als die anderen Hoch-Kunstformen. Aber eben ein Material, das dann seinerseits wieder zu Kunst bearbeitet wird. Auch dies l&#228;&#223;t sich am Beispiel der Musik gut zeigen, auch an dem neuerer U-Musik, etwa in der Entwicklungslinie des Jazz. Ganz &#228;hnlich ist es, glaube ich, in der Literatur. F&#252;r denjenigen, den die Erlebnisse der Kunstranszendenz aber einmal erfa&#223;t haben, ist die U-Musik (wie die U-Literatur) nicht mehr erf&#252;llend, sondern schal. Das ist, wie so vieles, eine Auswirkung der <i>Bildung des Ohres</i>; man wird von bestimmten  Dur-Dreikl&#228;ngen geradezu beleidigt, hat man sich der Neuen Musik einmal &#252;berlassen und ist von ihr begl&#252;ckt worden. Die Beschallung mit U-Musik kommt dann dem Leiden eines ausgebildete Gourmets gleich, den man zwangsweise von morgens bis abends mit Butterceme vollstopft.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Sonogara</title>
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		<dc:creator>Sonogara</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jun 2007 07:47:59 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/20070531/verlorene-herkunfte/#comment-2068</guid>
		<description>Wenn man eine strikte Trennung zwischen U und E zieht, wie sie die Moderne pr&#228;gt, stimme ich Ihren Ausf&#252;hrungen zu. Dann m&#252;ssen auch 'Gebrauchstexte' &#252;berwunden werden. Folglich gilt es auch, den Archetypen analytisch ins Mark zu dringen. Dem kann ich soweit folgen.  Auch die kritische Betrachtung Frieds (und in der Folge Brechts?) kann ich vor diesem Hintergrund nachvollziehen.

Nun ist es so, dass ich diese Trennung nicht vollziehe, da ich sie als Hemmschuh betrachte, der meine Ausdruckskraft stolpern lie&#223;e. 'Gebrauchstexte' liefern oft Material in formaler und manchmal sogar inhaltlicher Sicht, dem es nachzusp&#252;ren lohnt, nachzuformen. Ich mag mich dem 1000-Watt-Strahler des reinen Intellekts nicht bedingungslos hingeben, das wird weder der Sprache noch den Bildern gerecht, die es zu gestalten gilt.  

Es ist wohl eine Frage des Kairos, der Zielrichtung.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man eine strikte Trennung zwischen U und E zieht, wie sie die Moderne pr&#228;gt, stimme ich Ihren Ausf&#252;hrungen zu. Dann m&#252;ssen auch &#8216;Gebrauchstexte&#8217; &#252;berwunden werden. Folglich gilt es auch, den Archetypen analytisch ins Mark zu dringen. Dem kann ich soweit folgen.  Auch die kritische Betrachtung Frieds (und in der Folge Brechts?) kann ich vor diesem Hintergrund nachvollziehen.</p>
<p>Nun ist es so, dass ich diese Trennung nicht vollziehe, da ich sie als Hemmschuh betrachte, der meine Ausdruckskraft stolpern lie&#223;e. &#8216;Gebrauchstexte&#8217; liefern oft Material in formaler und manchmal sogar inhaltlicher Sicht, dem es nachzusp&#252;ren lohnt, nachzuformen. Ich mag mich dem 1000-Watt-Strahler des reinen Intellekts nicht bedingungslos hingeben, das wird weder der Sprache noch den Bildern gerecht, die es zu gestalten gilt.  </p>
<p>Es ist wohl eine Frage des Kairos, der Zielrichtung.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ANH</title>
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		<dc:creator>ANH</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Jun 2007 06:11:17 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/20070531/verlorene-herkunfte/#comment-2041</guid>
		<description>@Sonogara.
Zur "Freiheit, blind zu wandeln", habe ich mich &lt;a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3786191/"&gt; hier&lt;/a&gt; ge&#228;u&#223;ert. Und die "Volksn&#228;he" - in deutschem Zusammenhang ein Wort, das mir nicht ohne Schauder durch den K&#246;rper geht - ist beim Pop eine industriell &lt;i&gt;hergestellte&lt;/i&gt;. Woher aber nehmen Sie... wie b e g r &#252; n d e n Sie die Aussage "die archetypen zehren nicht von erkenntnis, sondern davon unerkannt zu bleiben"? Das ist - allenfalls - ein normativer Satz des &lt;i&gt;Glaubens&lt;/i&gt;.
Im &#252;brigen habe ich ein lyrisches Publikum, und schon gar nicht "bestimmt", &#252;ber Exklusivit&#228;t definieren wollen; selbstverst&#228;ndlich gibt es ein unterdessen riesiges Publikum f&#252;r Gedichte; nur ist ein Gedicht, weil es Gedicht ist, weder schon gut noch gar Kunst. Die "volksnahsten" Gedichte stammen von Erich Fried, und d a s ist vielleicht ein Zeugs! Zudem gilt, à propos Pop, gerade f&#252;r vertonte Gedichte, da&#223; sie nicht unbedingt zu den besten geh&#246;ren: Komponisten nutzen (und Songwriter(!) schreiben) &lt;i&gt;Gebrauchs&lt;/i&gt;texte, die ihren Klang &#252;berhaupt erst &#252;ber die Musik finden. Das gilt in vielen F&#228;llen sogar f&#252;r die gro&#223;en Komponisten. Von Hans Bethge etwa, h&#228;tte es nicht Gustav Mahler gegeben, spr&#228;che heute kein Mensch mehr. (Eine Ausnahme sind hier, &#252;brigens, einige Gedichte Wilhelm M&#252;llers; umgekehrt haben sich etwa &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Othmar_Schoeck"&gt;Othmar Schoeck&lt;/a&gt; und &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Martin"&gt;Frank Martin&lt;/a&gt; fast ausnahmslos solcher Gedichte angenommen, die zweifelsfrei Kunst sind. Diese Tendenz hat sich in der Neuen Musik fortgesetzt, weil hier selten mehr ein Text auf seine Brauchbarkeit in Hinsicht auf tonal-harmonische Gesetze hergenommen wird. Ein exquisites Beispiel ist &lt;a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwetzinger_Festspiele"&gt;Detlfev Heusinger&lt;/a&gt;s Vertonung der "Todesfuge", vor der ein "harmonischer" Komponist v&#246;llig versagen m&#252;&#223;te, weil eine tonale Vertonung eben d i e "Harmonie" wieder herstellte, die f&#252;r Celan mit den allerschlimmsten Gr&#252;nden ein- f&#252;r allemal verlorenging.)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Sonogara.<br />
Zur &#8220;Freiheit, blind zu wandeln&#8221;, habe ich mich <a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/stories/3786191/"> hier</a> ge&#228;u&#223;ert. Und die &#8220;Volksn&#228;he&#8221; - in deutschem Zusammenhang ein Wort, das mir nicht ohne Schauder durch den K&#246;rper geht - ist beim Pop eine industriell <i>hergestellte</i>. Woher aber nehmen Sie&#8230; wie b e g r &#252; n d e n Sie die Aussage &#8220;die archetypen zehren nicht von erkenntnis, sondern davon unerkannt zu bleiben&#8221;? Das ist - allenfalls - ein normativer Satz des <i>Glaubens</i>.<br />
Im &#252;brigen habe ich ein lyrisches Publikum, und schon gar nicht &#8220;bestimmt&#8221;, &#252;ber Exklusivit&#228;t definieren wollen; selbstverst&#228;ndlich gibt es ein unterdessen riesiges Publikum f&#252;r Gedichte; nur ist ein Gedicht, weil es Gedicht ist, weder schon gut noch gar Kunst. Die &#8220;volksnahsten&#8221; Gedichte stammen von Erich Fried, und d a s ist vielleicht ein Zeugs! Zudem gilt, à propos Pop, gerade f&#252;r vertonte Gedichte, da&#223; sie nicht unbedingt zu den besten geh&#246;ren: Komponisten nutzen (und Songwriter(!) schreiben) <i>Gebrauchs</i>texte, die ihren Klang &#252;berhaupt erst &#252;ber die Musik finden. Das gilt in vielen F&#228;llen sogar f&#252;r die gro&#223;en Komponisten. Von Hans Bethge etwa, h&#228;tte es nicht Gustav Mahler gegeben, spr&#228;che heute kein Mensch mehr. (Eine Ausnahme sind hier, &#252;brigens, einige Gedichte Wilhelm M&#252;llers; umgekehrt haben sich etwa <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Othmar_Schoeck">Othmar Schoeck</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Martin">Frank Martin</a> fast ausnahmslos solcher Gedichte angenommen, die zweifelsfrei Kunst sind. Diese Tendenz hat sich in der Neuen Musik fortgesetzt, weil hier selten mehr ein Text auf seine Brauchbarkeit in Hinsicht auf tonal-harmonische Gesetze hergenommen wird. Ein exquisites Beispiel ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwetzinger_Festspiele">Detlfev Heusinger</a>s Vertonung der &#8220;Todesfuge&#8221;, vor der ein &#8220;harmonischer&#8221; Komponist v&#246;llig versagen m&#252;&#223;te, weil eine tonale Vertonung eben d i e &#8220;Harmonie&#8221; wieder herstellte, die f&#252;r Celan mit den allerschlimmsten Gr&#252;nden ein- f&#252;r allemal verlorenging.)</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Sonogara</title>
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		<dc:creator>Sonogara</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jun 2007 13:29:27 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Den Ausf&#252;hrungen zur Zeitbest&#228;ndigkeit der Lyrik qua Form stimme ich voll zu. Das lyrische Publikum &#252;ber dessen Exklusivit&#228;t zu bestimmen halte ich allerdings f&#252;r problematisch, gerade in Hinsicht auf liedhafte Formen. Man k&#246;nnte das Argument auch umdrehen und sagen: selten war Lyrik so volksnah wie heute im Popbetrieb. Hier gibt es zwar die beschriebene Integration der Amerikanismen, die allerdings auch als sowohl belebendes wie v&#246;lkerverbindendes (globalisierendes) Element betrachtet werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zur Formensprache des Romans: Es ist eine Ungeuheuerlichkeit, die internationale Moderne derart auszublenden, auch den deutschsprachigen Anteil daran.  Ist es nicht AUCH ein Kennzeichen unserer postmodernen Zeiten in den Geisteswerken das Progressive durch das Kannibalistische ersetzt zu haben, den Fortschritt durch die Drehung um die Achse der (vampiren ausgebeuteten) Darstellungsobjekte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So interessant sich die obigen Ausf&#252;hrungen lesen, so wenig scheinen sie mir in die Brust unserer Zeit zu weisen. Das kulturelle Ged&#228;chtnis sorgt in einer lebendigen Kultur f&#252;r sich selbst, die archetypen zehren nicht von erkenntnis, sondern davon unerkannt zu bleiben. Ist das nicht die alte Grenzlinie zwischen Kritiker und Sch&#246;pfer? Ihr &#220;berschreiten war modern. Wir aber, jetzt, haben die Freiheit, blind zu wandeln.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Den Ausf&#252;hrungen zur Zeitbest&#228;ndigkeit der Lyrik qua Form stimme ich voll zu. Das lyrische Publikum &#252;ber dessen Exklusivit&#228;t zu bestimmen halte ich allerdings f&#252;r problematisch, gerade in Hinsicht auf liedhafte Formen. Man k&#246;nnte das Argument auch umdrehen und sagen: selten war Lyrik so volksnah wie heute im Popbetrieb. Hier gibt es zwar die beschriebene Integration der Amerikanismen, die allerdings auch als sowohl belebendes wie v&#246;lkerverbindendes (globalisierendes) Element betrachtet werden kann.</p>
<p>Zur Formensprache des Romans: Es ist eine Ungeuheuerlichkeit, die internationale Moderne derart auszublenden, auch den deutschsprachigen Anteil daran.  Ist es nicht AUCH ein Kennzeichen unserer postmodernen Zeiten in den Geisteswerken das Progressive durch das Kannibalistische ersetzt zu haben, den Fortschritt durch die Drehung um die Achse der (vampiren ausgebeuteten) Darstellungsobjekte?</p>
<p>So interessant sich die obigen Ausf&#252;hrungen lesen, so wenig scheinen sie mir in die Brust unserer Zeit zu weisen. Das kulturelle Ged&#228;chtnis sorgt in einer lebendigen Kultur f&#252;r sich selbst, die archetypen zehren nicht von erkenntnis, sondern davon unerkannt zu bleiben. Ist das nicht die alte Grenzlinie zwischen Kritiker und Sch&#246;pfer? Ihr &#220;berschreiten war modern. Wir aber, jetzt, haben die Freiheit, blind zu wandeln.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: schein</title>
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		<dc:creator>schein</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 15:44:26 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/20070531/verlorene-herkunfte/#comment-1996</guid>
		<description>&lt;p&gt;Ohne inhaltlich die anregende Diskussion aufgreifen zu wollen, m&#246;chte ich einen Gedanken Adornos - durchaus im Zusammenhang - zitieren:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Adorno hat "die Beziehung auf die traditonellen Kategorien" deshalb als unumg&#228;nglich erkannt, "weil allein die Reflexion jener Kategorien es erlaubt, die k&#252;nstlerische Erfahrung der Theorie zuzubringen. In der Ver&#228;nderung der Kategorien, die solche Reflexion ausdr&#252;ckt und bewirkt, dringt die geschichtliche Erfahrung in die Theorie ein. (...) Von der aktuellen k&#252;nstlerischen Erfahrung her (...) legitimiert sich der Rekurs auf die traditionellen Kategorien, die in der gegenw&#228;rtigen Produktion nicht verschwinden, sondern noch in ihrer Negation wiederkehren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;span style="font-variant: small-caps"&gt;Erfahrung  terminiert  in &#196;sthetik&lt;/span&gt;: sie erhebt zu Konsequenz und Bewu&#223;tsein, was in den Kunstwerken vermischt, inkonsequent, im Einzelwerk unzul&#228;nglich sich zutr&#228;gt. Unter diesem Aspekt handelt auch nichtidealistische &#196;sthetik von 'Ideen'."&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;(&#196;sthetik, S. 393)&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ohne inhaltlich die anregende Diskussion aufgreifen zu wollen, m&#246;chte ich einen Gedanken Adornos - durchaus im Zusammenhang - zitieren:</p>
<p>Adorno hat &#8220;die Beziehung auf die traditonellen Kategorien&#8221; deshalb als unumg&#228;nglich erkannt, &#8220;weil allein die Reflexion jener Kategorien es erlaubt, die k&#252;nstlerische Erfahrung der Theorie zuzubringen. In der Ver&#228;nderung der Kategorien, die solche Reflexion ausdr&#252;ckt und bewirkt, dringt die geschichtliche Erfahrung in die Theorie ein. (&#8230;) Von der aktuellen k&#252;nstlerischen Erfahrung her (&#8230;) legitimiert sich der Rekurs auf die traditionellen Kategorien, die in der gegenw&#228;rtigen Produktion nicht verschwinden, sondern noch in ihrer Negation wiederkehren.</p>
<p><span style="font-variant: small-caps">Erfahrung  terminiert  in &#196;sthetik</span>: sie erhebt zu Konsequenz und Bewu&#223;tsein, was in den Kunstwerken vermischt, inkonsequent, im Einzelwerk unzul&#228;nglich sich zutr&#228;gt. Unter diesem Aspekt handelt auch nichtidealistische &#196;sthetik von &#8216;Ideen&#8217;.&#8221;</p>
<p>(&#196;sthetik, S. 393)</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Benjamin Stein</title>
		<link>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Comments+on+Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2F20070531%2Fverlorene-herkunfte%2F%23comment-1994&amp;seed_title=Verlorene+Herk%26%23252%3Bnfte/comment-page-1/#comment-1994</link>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 15:38:42 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/20070531/verlorene-herkunfte/#comment-1994</guid>
		<description>&lt;blockquote&gt;
Genau diese Haltung unterscheidet einen K&#252;nstler von einem Missionar.
&lt;/blockquote&gt;

Oha, das ist ein grosser Satz, den ich erst einmal bedenken muss...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>
Genau diese Haltung unterscheidet einen K&#252;nstler von einem Missionar.
</p></blockquote>
<p>Oha, das ist ein grosser Satz, den ich erst einmal bedenken muss&#8230;</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ANH</title>
		<link>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Comments+on+Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2F20070531%2Fverlorene-herkunfte%2F%23comment-1993&amp;seed_title=Verlorene+Herk%26%23252%3Bnfte/comment-page-1/#comment-1993</link>
		<dc:creator>ANH</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 15:32:13 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/20070531/verlorene-herkunfte/#comment-1993</guid>
		<description>&lt;p&gt;All das kompliziert sich vor allem noch darum, da&#223; wir selbst ein Geheimnis nicht &lt;i&gt;machen&lt;/i&gt; k&#246;nnen, sondern &lt;i&gt;es ergibt sich&lt;/i&gt; - oder eben nicht. Dann ging es schief. Oder ging n i c h t schief, aber wir wissen nicht, was wir geschrieben haben. Das findet alles, wo es Kunst ist, au&#223;erhalb des bewu&#223;t Instrumentalen statt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In MEERE, &lt;a href="http://volltextverlag.de/shop/catalog/details?shop_param=cid%3D3%26aid%3D2007-02%26"&gt;h i e r komplett abgedruckt&lt;/a&gt;,  gibt es dazu die (hier um einen Absatz gek&#252;rzte) folgende Stelle:&lt;/p&gt;
&lt;blockquote cite&gt;&lt;p&gt;Kunst verwandelt Vampire in Erinnerungen. Deshalb, Irene, erl&#246;st sie. Dennoch mu&#223;te Fichte immer gleich ans n&#228;chste Bild. Denn sie erl&#246;st den Betrachter, nicht den K&#252;nstler, nicht, wenn er gebissen wurde wie Fichte. (...) K&#252;nstlerisch t&#228;tig sein, bedeutet zu graben, Vampire auszugraben. Kunst ist Arch&#228;ologie. Die gef&#228;hrlichsten Vampire sind die &#228;ltesten Gr&#252;nde. &lt;/p&gt;&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Oft wissen wir nicht, was wir dem anderen "entdecken", sehr oft auch, wenn wir das Entdeckte selbst bemerken, w o l l e n wir das so gar nicht entdeckt haben. Da setzt das pers&#246;nliche Problem ein, von dem ich meine, da&#223; es sich nur &#252;ber die Form l&#246;sen l&#228;&#223;t: ist etwas ihr Ergebnis, ob es mir schmeckt oder nicht, bleibt es stehen und wird zum weiterzuverarbeitenden Material. Genau diese Haltung unterscheidet einen K&#252;nstler von einem Missionar.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>All das kompliziert sich vor allem noch darum, da&#223; wir selbst ein Geheimnis nicht <i>machen</i> k&#246;nnen, sondern <i>es ergibt sich</i> - oder eben nicht. Dann ging es schief. Oder ging n i c h t schief, aber wir wissen nicht, was wir geschrieben haben. Das findet alles, wo es Kunst ist, au&#223;erhalb des bewu&#223;t Instrumentalen statt.</p>
<p>In MEERE, <a href="http://volltextverlag.de/shop/catalog/details?shop_param=cid%3D3%26aid%3D2007-02%26">h i e r komplett abgedruckt</a>,  gibt es dazu die (hier um einen Absatz gek&#252;rzte) folgende Stelle:</p>
<blockquote cite><p>Kunst verwandelt Vampire in Erinnerungen. Deshalb, Irene, erl&#246;st sie. Dennoch mu&#223;te Fichte immer gleich ans n&#228;chste Bild. Denn sie erl&#246;st den Betrachter, nicht den K&#252;nstler, nicht, wenn er gebissen wurde wie Fichte. (&#8230;) K&#252;nstlerisch t&#228;tig sein, bedeutet zu graben, Vampire auszugraben. Kunst ist Arch&#228;ologie. Die gef&#228;hrlichsten Vampire sind die &#228;ltesten Gr&#252;nde. </p>
</blockquote>
<p>Oft wissen wir nicht, was wir dem anderen &#8220;entdecken&#8221;, sehr oft auch, wenn wir das Entdeckte selbst bemerken, w o l l e n wir das so gar nicht entdeckt haben. Da setzt das pers&#246;nliche Problem ein, von dem ich meine, da&#223; es sich nur &#252;ber die Form l&#246;sen l&#228;&#223;t: ist etwas ihr Ergebnis, ob es mir schmeckt oder nicht, bleibt es stehen und wird zum weiterzuverarbeitenden Material. Genau diese Haltung unterscheidet einen K&#252;nstler von einem Missionar.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Benjamin Stein</title>
		<link>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Comments+on+Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2F20070531%2Fverlorene-herkunfte%2F%23comment-1988&amp;seed_title=Verlorene+Herk%26%23252%3Bnfte/comment-page-1/#comment-1988</link>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 12:00:23 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/20070531/verlorene-herkunfte/#comment-1988</guid>
		<description>&lt;blockquote&gt;
Andererseits i s t die komplexe Form wahrnehmbar, auch die tradierte. Sie mu&#223; nur erst einmal den Empf&#228;nger erreichen. Und er mu&#223; den W i l l e n haben zuzuh&#246;ren.
&lt;/blockquote&gt;

Danke f&#252;r diese Pr&#228;zisierung. So verstehe ich dann auch, warum Sie die Verbindung zum Markt zwangsl&#228;ufig sehen.

&lt;blockquote&gt;
wenn Sie “Kommunikation” darauf runterbrechen, da&#223; man sofort verstanden wird, untersch&#228;tzen Sie eines d e r kommunikativen Antriebe sehr: das des - Geheimnisses.
&lt;/blockquote&gt;

O, nehmen Sie mich da in meinen debattendienlich vereinfachenden Aussagen nicht zu w&#246;rtlich. Selbstverst&#228;ndlich kommt es nicht auf das sofortige Verstandenwerden an. Dann br&#228;uchten wir Lyrik ja gar nicht erst machen, sondern m&#252;ssten die Werbespots f&#252;r die Kunst domestizieren. Nein, das Geheimnis muss sein. Es darf freilich das dem anderen Ent-Deckte nicht &#252;berwiegen. Aber davon war ja hier nicht die Rede.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>
Andererseits i s t die komplexe Form wahrnehmbar, auch die tradierte. Sie mu&#223; nur erst einmal den Empf&#228;nger erreichen. Und er mu&#223; den W i l l e n haben zuzuh&#246;ren.
</p></blockquote>
<p>Danke f&#252;r diese Pr&#228;zisierung. So verstehe ich dann auch, warum Sie die Verbindung zum Markt zwangsl&#228;ufig sehen.</p>
<blockquote><p>
wenn Sie “Kommunikation” darauf runterbrechen, da&#223; man sofort verstanden wird, untersch&#228;tzen Sie eines d e r kommunikativen Antriebe sehr: das des - Geheimnisses.
</p></blockquote>
<p>O, nehmen Sie mich da in meinen debattendienlich vereinfachenden Aussagen nicht zu w&#246;rtlich. Selbstverst&#228;ndlich kommt es nicht auf das sofortige Verstandenwerden an. Dann br&#228;uchten wir Lyrik ja gar nicht erst machen, sondern m&#252;ssten die Werbespots f&#252;r die Kunst domestizieren. Nein, das Geheimnis muss sein. Es darf freilich das dem anderen Ent-Deckte nicht &#252;berwiegen. Aber davon war ja hier nicht die Rede.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: ANH</title>
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		<dc:creator>ANH</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 11:32:44 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Sie kommen im Kapitalismus um die Frage des Marktes so wenig herum wie in rein agrarischen Kulturen um die Jahreszeiten. Es ist ein &lt;i&gt;Haupt&lt;/i&gt;problem der Gegenwartskunst, da&#223; es der Markt auf identifizierende Vereinfachung - &#196;quivalenz - anlegt. Bereits in der Grundschule werden Kinderlieder kaum noch in der originalen volksliedhaften, ja an sich schon immer schlichten Harmonief&#252;hrung gelehrt, sondern nahezu immer mit Synthesizer und artifiziellen Beats unterlegt, von den meist noch dar&#252;bergelegten 'falschen' Geigen zu schweigen. Dahinter steht eine Absicht: n&#228;mlich Zurichtung auf den vermarktbaren Code, dem alle Ambivalenz ausgetrieben ist. Bei meinem siebenj&#228;higen Sohn wird sogar auf der Lern-CD f&#252;rs kleine Einmaleins so verfahren. "Es lernt sich dann besser", hei&#223;t es. Was Unfug ist, weil es ein komplizierter Sprechrhythmus genauso gut t&#228;te, der dar&#252;ber hinaus noch musikalisches Gesp&#252;r mitvermittelte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Andererseits i s t die komplexe Form wahrnehmbar, auch die tradierte. Sie mu&#223; nur erst einmal den Empf&#228;nger erreichen. Und er mu&#223; den W i l l e n haben zuzuh&#246;ren. Zum Begriff des Kunstwillens, aus dem 19. Jahrhundert stammend, geh&#246;rt ein &lt;i&gt;Rezeptionswille&lt;/i&gt;, der der Neugier eines gut vergleichbar ist, den Zusammenh&#228;nge der Natur interessieren und der sich deshalb den oft m&#252;hseligen Strapazen  der Aneignung naturwissenschatlicher Verfahren unterzieht - und auch dem nur allzu oft schmerzhaften Training, das Sportler gute k&#246;rperliche Leistungen erzielen l&#228;&#223;t. In all diesen und &#228;hnlichen Disziplinen ist, da&#223; man Schwierigkeiten zu &#252;berwinden hat, den meisten Menschen selbstverst&#228;ndlich. Von der Kunst aber scheint erwartet zu werden, da&#223; sie sofort eing&#228;ngig sei. Und damit sind wir wieder in der &#214;konomie.  Da dem Kunstbegriff nach und nach der des Entertainments, also freizeitlichen Konsums unterschoben worden ist, mit dem er eigentlich gar nichts zu tun hat (vielmehr war er &#252;ber Jahrhunderte an Handwerk und in der einen und/oder anderen Form an den meist religi&#246;sen Ritus gebunden), f&#228;llt auch der Arbeitsbegriff.&lt;/p&gt;


&lt;blockquote&gt;da&#223; das verk&#252;mmerte Rezeptionsorgan sich regeneriert...&lt;/blockquote&gt;


Verzeihen Sie, aber s o verk&#252;mmert ist es ja nicht. Es werden nur Tausende Deckel draufgehalten und Watte reingestopft, damit es ja auch ruhig ist. Im &#252;brigen stehen meines Wissens noch runde Zweidrittel des Gehirns frei zur Verf&#252;gung...

&lt;p&gt;Und schlie&#223;lich, wenn Sie "Kommunikation" darauf runterbrechen, da&#223; man sofort verstanden wird, untersch&#228;tzen Sie eines d e r kommunikativen Antriebe sehr: das des - Geheimnisses. Sie werden aus Ihrer eigenen Arbeit die Momente kennen, in denen sie selbst Ihnen selbst eines ist. Dann versp&#252;ren Sie einen Schauer, ganz k&#246;rperlich und sehr intensiv.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sie kommen im Kapitalismus um die Frage des Marktes so wenig herum wie in rein agrarischen Kulturen um die Jahreszeiten. Es ist ein <i>Haupt</i>problem der Gegenwartskunst, da&#223; es der Markt auf identifizierende Vereinfachung - &#196;quivalenz - anlegt. Bereits in der Grundschule werden Kinderlieder kaum noch in der originalen volksliedhaften, ja an sich schon immer schlichten Harmonief&#252;hrung gelehrt, sondern nahezu immer mit Synthesizer und artifiziellen Beats unterlegt, von den meist noch dar&#252;bergelegten &#8216;falschen&#8217; Geigen zu schweigen. Dahinter steht eine Absicht: n&#228;mlich Zurichtung auf den vermarktbaren Code, dem alle Ambivalenz ausgetrieben ist. Bei meinem siebenj&#228;higen Sohn wird sogar auf der Lern-CD f&#252;rs kleine Einmaleins so verfahren. &#8220;Es lernt sich dann besser&#8221;, hei&#223;t es. Was Unfug ist, weil es ein komplizierter Sprechrhythmus genauso gut t&#228;te, der dar&#252;ber hinaus noch musikalisches Gesp&#252;r mitvermittelte.</p>
<p>Andererseits i s t die komplexe Form wahrnehmbar, auch die tradierte. Sie mu&#223; nur erst einmal den Empf&#228;nger erreichen. Und er mu&#223; den W i l l e n haben zuzuh&#246;ren. Zum Begriff des Kunstwillens, aus dem 19. Jahrhundert stammend, geh&#246;rt ein <i>Rezeptionswille</i>, der der Neugier eines gut vergleichbar ist, den Zusammenh&#228;nge der Natur interessieren und der sich deshalb den oft m&#252;hseligen Strapazen  der Aneignung naturwissenschatlicher Verfahren unterzieht - und auch dem nur allzu oft schmerzhaften Training, das Sportler gute k&#246;rperliche Leistungen erzielen l&#228;&#223;t. In all diesen und &#228;hnlichen Disziplinen ist, da&#223; man Schwierigkeiten zu &#252;berwinden hat, den meisten Menschen selbstverst&#228;ndlich. Von der Kunst aber scheint erwartet zu werden, da&#223; sie sofort eing&#228;ngig sei. Und damit sind wir wieder in der &#214;konomie.  Da dem Kunstbegriff nach und nach der des Entertainments, also freizeitlichen Konsums unterschoben worden ist, mit dem er eigentlich gar nichts zu tun hat (vielmehr war er &#252;ber Jahrhunderte an Handwerk und in der einen und/oder anderen Form an den meist religi&#246;sen Ritus gebunden), f&#228;llt auch der Arbeitsbegriff.</p>
<blockquote><p>da&#223; das verk&#252;mmerte Rezeptionsorgan sich regeneriert&#8230;</p></blockquote>
<p>Verzeihen Sie, aber s o verk&#252;mmert ist es ja nicht. Es werden nur Tausende Deckel draufgehalten und Watte reingestopft, damit es ja auch ruhig ist. Im &#252;brigen stehen meines Wissens noch runde Zweidrittel des Gehirns frei zur Verf&#252;gung&#8230;</p>
<p>Und schlie&#223;lich, wenn Sie &#8220;Kommunikation&#8221; darauf runterbrechen, da&#223; man sofort verstanden wird, untersch&#228;tzen Sie eines d e r kommunikativen Antriebe sehr: das des - Geheimnisses. Sie werden aus Ihrer eigenen Arbeit die Momente kennen, in denen sie selbst Ihnen selbst eines ist. Dann versp&#252;ren Sie einen Schauer, ganz k&#246;rperlich und sehr intensiv.</p>
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		<title>Von: Benjamin Stein</title>
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		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 11:09:34 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Da kann ich Ihnen jetzt nicht ganz folgen und bitte um eine Pr&#228;zisierung. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mich interessiert hier nicht die Frage des Marktes. Mich interessiert, ob ein Stilmittel beim Adressaten &lt;strong&gt;&lt;em&gt;wirken&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt; kann. Denn ich verstehe Dichtung noch immer als Kommunikation.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Angesprochene muss die Sprache des Sprechenden verstehen, damit der Sprecher ihn erreichen kann. Und ich fasse hier den Begriff der Sprache einmal weiter im Sinne von Gesamtinstrumenentarium des dichterischen Ausdrucks, zu dem ja die angesprochenen Versmasse geh&#246;ren. Wenn das verwendete "alte" Instrument nicht der Kommunikation dienen kann - und genau das beklagen Sie ja - welche Funktion hat es dann noch? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine philosophische? Eine Because-I-Could-Funktion? (Und ich stelle diese Frage insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Meisterung dieser Stilmittel ja aufw&#228;ndig ist, gelernt sein will und oft auch einengt.)&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;
Im &#252;brigen ist gro&#223;e Kunst in den allerseltensten F&#228;llen von den Zeitgenossen, das meint signifikant zahlreiche Gruppen, als das, was sie ist, gesehen worden - nur weniges sp&#228;ter steht man dann, ist das Widerst&#228;ndige der Kunst eliminiert, nach Tausenden in Schlangen vor der MoMA Berlin.
&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Wollte man darauf spekulieren, m&#252;sste man daran glauben, dass das verk&#252;mmerte Rezeptionsorgan sich regeneriert. Besteht da Hoffnung?&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;&lt;p&gt;Da gilt wohl Mahlers Satz, da&#223; ein K&#252;nstler niemals, nicht bis &#252;ber seinen Tod hinaus, wisse, ob er Kunst geschaffen habe.&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Das ist tragischerweise sehr wahr gesprochen.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Da kann ich Ihnen jetzt nicht ganz folgen und bitte um eine Pr&#228;zisierung. </p>
<p>Mich interessiert hier nicht die Frage des Marktes. Mich interessiert, ob ein Stilmittel beim Adressaten <strong><em>wirken</em></strong> kann. Denn ich verstehe Dichtung noch immer als Kommunikation.</p>
<p>Der Angesprochene muss die Sprache des Sprechenden verstehen, damit der Sprecher ihn erreichen kann. Und ich fasse hier den Begriff der Sprache einmal weiter im Sinne von Gesamtinstrumenentarium des dichterischen Ausdrucks, zu dem ja die angesprochenen Versmasse geh&#246;ren. Wenn das verwendete &#8220;alte&#8221; Instrument nicht der Kommunikation dienen kann - und genau das beklagen Sie ja - welche Funktion hat es dann noch? </p>
<p>Eine philosophische? Eine Because-I-Could-Funktion? (Und ich stelle diese Frage insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Meisterung dieser Stilmittel ja aufw&#228;ndig ist, gelernt sein will und oft auch einengt.)</p>
<blockquote><p>
Im &#252;brigen ist gro&#223;e Kunst in den allerseltensten F&#228;llen von den Zeitgenossen, das meint signifikant zahlreiche Gruppen, als das, was sie ist, gesehen worden - nur weniges sp&#228;ter steht man dann, ist das Widerst&#228;ndige der Kunst eliminiert, nach Tausenden in Schlangen vor der MoMA Berlin.
</p>
</blockquote>
<p>Wollte man darauf spekulieren, m&#252;sste man daran glauben, dass das verk&#252;mmerte Rezeptionsorgan sich regeneriert. Besteht da Hoffnung?</p>
<blockquote><p>Da gilt wohl Mahlers Satz, da&#223; ein K&#252;nstler niemals, nicht bis &#252;ber seinen Tod hinaus, wisse, ob er Kunst geschaffen habe.</p>
</blockquote>
<p>Das ist tragischerweise sehr wahr gesprochen.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: ANH</title>
		<link>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Comments+on+Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2F20070531%2Fverlorene-herkunfte%2F%23comment-1985&amp;seed_title=Verlorene+Herk%26%23252%3Bnfte/comment-page-1/#comment-1985</link>
		<dc:creator>ANH</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 10:36:06 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;p&gt;Hier ist deutlich zu sagen, da&#223; es s e l b s t v e r s t &#228; n d l i c h nicht darum gehen kann, einen alten Ton des Alten wegen zu renovieren, sondern es geht um die Spuren, die ins Neue nach wie vor wirkend hineinf&#252;hren. Ich habe &lt;a href="http://www.die-dschungel.de/ANH/txt/pdf/flirren_im_sprachraum.pdf"&gt;an anderer Stelle&lt;/a&gt; unter anderem darauf hingewiesen, da&#223; gerade in die fortgeschrittenste Technologie alte Begriffe, etwa von D&#228;monen, enorme Urst&#228;nd feiern - zu Recht, wie ich meine. Was nun die "heutigen" Rhythmen anbelangt - geradezu ihrerseits  permantente Revokationen von Altem, ja &#196;ltestem, Erstem, zum Beispiel dem Herzschlag -, sind sie ganz sicher aufzunehmen - aber eben in einem Verh&#228;ltnis, das den einmal erreichten Kulturst&#228;nden entspricht. Man mu&#223; sich nur klarwerden &#252;ber das, was verloren und was gegen das Verlorene eingetauscht wird. Im Fall der Moderne (einer scheinbaren, als Moderne &lt;b&gt;verkauften&lt;/b&gt;; sie selbst war ja gerade kompliziert in ihren Kunstformen) eine auf die Bed&#252;rfnisse des Warenumschlags, also Konsums, heruntergetretene, profanierende N&#252;chternheit, die eben &lt;a href="http://turmsegler.net/20070530/gereimtes-versmass/" target="_blank"&gt; Sonettenstr&#228;u&#223;chen&lt;/a&gt; bindet, wo und weil Blumengesch&#228;fte refinanziert werden m&#252;ssen. Diese N&#252;chternheit ist eine von der &#196;quivalenzform geforderte, rein noch &#246;konomisch ausgerichtete, die allein den G e d a n k e n an Widerstand desinfiziert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im &#252;brigen ist gro&#223;e Kunst in den allerseltensten F&#228;llen von den Zeitgenossen, das meint signifikant zahlreiche Gruppen, als das, was sie ist, gesehen worden - nur weniges sp&#228;ter steht man dann, ist das Widerst&#228;ndige der Kunst eliminiert, nach Tausenden in Schlangen vor der MoMA Berlin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das behauptet jetzt nicht, da&#223; etwas, das das Geh&#246;r der Menge n i c h t erreicht, schon deshalb Kunst s e i. Da gilt wohl Mahlers Satz, da&#223; ein K&#252;nstler niemals, nicht bis &#252;ber seinen Tod hinaus, wisse, ob er Kunst geschaffen habe. Die Unsicherheit bleibt.&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hier ist deutlich zu sagen, da&#223; es s e l b s t v e r s t &#228; n d l i c h nicht darum gehen kann, einen alten Ton des Alten wegen zu renovieren, sondern es geht um die Spuren, die ins Neue nach wie vor wirkend hineinf&#252;hren. Ich habe <a href="http://www.die-dschungel.de/ANH/txt/pdf/flirren_im_sprachraum.pdf">an anderer Stelle</a> unter anderem darauf hingewiesen, da&#223; gerade in die fortgeschrittenste Technologie alte Begriffe, etwa von D&#228;monen, enorme Urst&#228;nd feiern - zu Recht, wie ich meine. Was nun die &#8220;heutigen&#8221; Rhythmen anbelangt - geradezu ihrerseits  permantente Revokationen von Altem, ja &#196;ltestem, Erstem, zum Beispiel dem Herzschlag -, sind sie ganz sicher aufzunehmen - aber eben in einem Verh&#228;ltnis, das den einmal erreichten Kulturst&#228;nden entspricht. Man mu&#223; sich nur klarwerden &#252;ber das, was verloren und was gegen das Verlorene eingetauscht wird. Im Fall der Moderne (einer scheinbaren, als Moderne <b>verkauften</b>; sie selbst war ja gerade kompliziert in ihren Kunstformen) eine auf die Bed&#252;rfnisse des Warenumschlags, also Konsums, heruntergetretene, profanierende N&#252;chternheit, die eben <a href="http://turmsegler.net/20070530/gereimtes-versmass/" target="_blank"> Sonettenstr&#228;u&#223;chen</a> bindet, wo und weil Blumengesch&#228;fte refinanziert werden m&#252;ssen. Diese N&#252;chternheit ist eine von der &#196;quivalenzform geforderte, rein noch &#246;konomisch ausgerichtete, die allein den G e d a n k e n an Widerstand desinfiziert.</p>
<p>Im &#252;brigen ist gro&#223;e Kunst in den allerseltensten F&#228;llen von den Zeitgenossen, das meint signifikant zahlreiche Gruppen, als das, was sie ist, gesehen worden - nur weniges sp&#228;ter steht man dann, ist das Widerst&#228;ndige der Kunst eliminiert, nach Tausenden in Schlangen vor der MoMA Berlin.</p>
<p>Das behauptet jetzt nicht, da&#223; etwas, das das Geh&#246;r der Menge n i c h t erreicht, schon deshalb Kunst s e i. Da gilt wohl Mahlers Satz, da&#223; ein K&#252;nstler niemals, nicht bis &#252;ber seinen Tod hinaus, wisse, ob er Kunst geschaffen habe. Die Unsicherheit bleibt.</p>
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		<title>Von: Benjamin Stein</title>
		<link>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Comments+on+Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2F20070531%2Fverlorene-herkunfte%2F%23comment-1983&amp;seed_title=Verlorene+Herk%26%23252%3Bnfte/comment-page-1/#comment-1983</link>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 May 2007 10:03:05 +0000</pubDate>
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		<description>Ich muss hier zun&#228;chst an einer Stelle das "Nagen" beginnen, weil Sie so viel auf einmal auf den Tisch legen, dass man in der Debatte sukzessiv vorgehen muss.

All das, woran Sie sich erinnern und woran Sie sich bedienen, um es abzuschmecken und auf Wieder-Einf&#252;hrbarkeit zu testen, hatte nun in den originalen Zeitzusammenh&#228;ngen eine v&#246;llig andere Bedeutung. Ich beziehe mich hier gern auf eine Debatte, die &lt;a href="http://turmsegler.net/tag/Raoul-Schrott" title="Raoul Schrott auf turmsegler.net"&gt;Raoul Schrott&lt;/a&gt; gerade aus Anlass seiner Neu&#252;bersetzung bzw. Nachdichtung der "Ilias" in "akzente" f&#252;hrt. Die Versmasse der antiken Dichtungen waren 1) der Sprache angemessen, in der sie verwendet wurden; und sie trafen 2) die H&#246;rgewohnheiten des Publikums.

Vor diesem Hintergrund w&#228;re es eher analog, wenn wir heute unsere Rhythmen aus der Techno-Musik beziehen w&#252;rden. Die Wiedereinf&#252;hrung solcher vergessener Stilmittel kann ihnen m. E. nie wieder die Funktion zuspielen, die sie in ihrer angestammten Zeit ganz automatisch hatten. Die Gefahr besteht demnach - und ich schreibe bewusst GEFAHR - dass der Versuch entweder unentdeckt bleibt, weil dem Leser/H&#246;rer das Rezeptionsorgan daf&#252;r nicht gewachsen bzw. verk&#252;mmert ist, oder aber dass die Methode als rein &lt;b&gt;&lt;i&gt;artistisches&lt;/i&gt;&lt;/b&gt; Unterfangen dasteht.

Wenn ich die Stilmittel nicht rechtfertigen kann wegen ihres Wirkungspotentials, was bleibt dann noch als Argument f&#252;r ihren Einsatz? Und: M&#252;sste man nicht tats&#228;chlich Stilmittel finden und kultivieren, die das heutige (wenn auch verk&#252;mmerte) Rezeptionsorgan eines Lesers/H&#246;rers erreichen?</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss hier zun&#228;chst an einer Stelle das &#8220;Nagen&#8221; beginnen, weil Sie so viel auf einmal auf den Tisch legen, dass man in der Debatte sukzessiv vorgehen muss.</p>
<p>All das, woran Sie sich erinnern und woran Sie sich bedienen, um es abzuschmecken und auf Wieder-Einf&#252;hrbarkeit zu testen, hatte nun in den originalen Zeitzusammenh&#228;ngen eine v&#246;llig andere Bedeutung. Ich beziehe mich hier gern auf eine Debatte, die <a href="http://turmsegler.net/tag/Raoul-Schrott" title="Raoul Schrott auf turmsegler.net">Raoul Schrott</a> gerade aus Anlass seiner Neu&#252;bersetzung bzw. Nachdichtung der &#8220;Ilias&#8221; in &#8220;akzente&#8221; f&#252;hrt. Die Versmasse der antiken Dichtungen waren 1) der Sprache angemessen, in der sie verwendet wurden; und sie trafen 2) die H&#246;rgewohnheiten des Publikums.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund w&#228;re es eher analog, wenn wir heute unsere Rhythmen aus der Techno-Musik beziehen w&#252;rden. Die Wiedereinf&#252;hrung solcher vergessener Stilmittel kann ihnen m. E. nie wieder die Funktion zuspielen, die sie in ihrer angestammten Zeit ganz automatisch hatten. Die Gefahr besteht demnach - und ich schreibe bewusst GEFAHR - dass der Versuch entweder unentdeckt bleibt, weil dem Leser/H&#246;rer das Rezeptionsorgan daf&#252;r nicht gewachsen bzw. verk&#252;mmert ist, oder aber dass die Methode als rein <b><i>artistisches</i></b> Unterfangen dasteht.</p>
<p>Wenn ich die Stilmittel nicht rechtfertigen kann wegen ihres Wirkungspotentials, was bleibt dann noch als Argument f&#252;r ihren Einsatz? Und: M&#252;sste man nicht tats&#228;chlich Stilmittel finden und kultivieren, die das heutige (wenn auch verk&#252;mmerte) Rezeptionsorgan eines Lesers/H&#246;rers erreichen?</p>
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