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	<title>Kommentare zu: Nachlese zu Gottfried Benn</title>
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	<description>Erinnern &#38; Entdecken</description>
	<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 01:51:37 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Hilbi</title>
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		<dc:creator>Hilbi</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 May 2007 22:35:19 +0000</pubDate>
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		<description>noch einmal Gottfried Benn.


A: Sie sehen diesen Zug, der schweigsamen Gestalten - ich zeige Ihnen einen anderen Zug. 36 000 offene Tuberkul&#246;se leben in Berlin und finden keine St&#228;tte, 40 000 Frauen sterben in Deutschland j&#228;hrlich an den Folgen eines verbotenen Eingriffs, infolge jenes von Ihnen zitierten Paragraphen. Gedenken Sie der Arbeitslosen, junge M&#228;nner. Drei&#223;igj&#228;hrige, die in der Stadt keine Besch&#228;ftigung und keinen Lohn finden, aber daf&#252;r in ihrer Wohnung Schlafburschen und Ratten. H&#246;ren Sie folgendes Dokument: ein elfk&#246;pfiger Haushalt, der Vater trinkt, die Mutter erwartet die Niederkunft des 10. Kindes, die Vierzehnj&#228;hrige kauft sich f&#252;r einen Groschen Rinderblut beim Schl&#228;chter, gie&#223;t es sich &#252;ber die Brust, um mit Hilfe diese fingierten Blutsturzes aus der &#252;berf&#252;llten Wohnung in eine Lungenheilsst&#228;tte zu gelangen. Das ist doch Kummer, das sind doch Tr&#228;nen, schuldloser Jammer, Bastardierungen des Gl&#252;cks- da sieht der Dichter zu?


B: Ich z&#246;gere nicht einen Augenblick: ja, da sieht der Dichter zu. Nicht der, der die Zivilisationslekt&#252;re verfa&#223;t und f&#252;r den Abend die geistige Vorw&#228;nde f&#252;r die Kulissenverschiebungen, der beim Bankett neben dem Minister sitzt, die Nelke im Frack und f&#252;nf Weingl&#228;ser am Gedeck: der unterschreibt Aufrufe gegen die Notsst&#228;nde der Zeit. aber der sieht zu, der wei&#223;, da&#223; der schuldlose Jammer der Welt niemals durch F&#252;rsorgema&#223;nahmen behoben, niemals durch materielle Verbesserungen &#252;berwunden werden kann. Hygenische Wunschr&#228;usche kurzbeiniger Ratsionalisten: hab`Rente im Herzen und H&#246;hensonne im Haus. Eine Sch&#246;pfung ohne Grauen. Dschungel ohne Bisse. N&#228;chte ohne Mahre, die die Opfer reiten- nein, der Dichter sieht zu in der vor keinem Tod verleugnenden &#220;berzeugung, da&#223; er alleine die Substanz besitzt, das Grauen zu bannen und die Opfer zu vers&#246;hnen: so sinke, ruft er ihnen zu, so sinke denn, aber ich k&#246;nnte auch sagen: steige."

Das stammt aus dem Buch "Provoziertes Leben" und ist ein Interview das Benn mit sich selber f&#252;hrte, ich finde es unglaublich stark und es meint eigentlich das was ich an einer anderen Stelle einmal mit politischen, oder meinthalben menschlichen Bewusstsein war.

Der Dichter ist so ziemlich der einzige, der die Wahrheit aussprechen kann und das tut er auf die vielf&#228;ltigste Weise.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>noch einmal Gottfried Benn.</p>
<p>A: Sie sehen diesen Zug, der schweigsamen Gestalten - ich zeige Ihnen einen anderen Zug. 36 000 offene Tuberkul&#246;se leben in Berlin und finden keine St&#228;tte, 40 000 Frauen sterben in Deutschland j&#228;hrlich an den Folgen eines verbotenen Eingriffs, infolge jenes von Ihnen zitierten Paragraphen. Gedenken Sie der Arbeitslosen, junge M&#228;nner. Drei&#223;igj&#228;hrige, die in der Stadt keine Besch&#228;ftigung und keinen Lohn finden, aber daf&#252;r in ihrer Wohnung Schlafburschen und Ratten. H&#246;ren Sie folgendes Dokument: ein elfk&#246;pfiger Haushalt, der Vater trinkt, die Mutter erwartet die Niederkunft des 10. Kindes, die Vierzehnj&#228;hrige kauft sich f&#252;r einen Groschen Rinderblut beim Schl&#228;chter, gie&#223;t es sich &#252;ber die Brust, um mit Hilfe diese fingierten Blutsturzes aus der &#252;berf&#252;llten Wohnung in eine Lungenheilsst&#228;tte zu gelangen. Das ist doch Kummer, das sind doch Tr&#228;nen, schuldloser Jammer, Bastardierungen des Gl&#252;cks- da sieht der Dichter zu?</p>
<p>B: Ich z&#246;gere nicht einen Augenblick: ja, da sieht der Dichter zu. Nicht der, der die Zivilisationslekt&#252;re verfa&#223;t und f&#252;r den Abend die geistige Vorw&#228;nde f&#252;r die Kulissenverschiebungen, der beim Bankett neben dem Minister sitzt, die Nelke im Frack und f&#252;nf Weingl&#228;ser am Gedeck: der unterschreibt Aufrufe gegen die Notsst&#228;nde der Zeit. aber der sieht zu, der wei&#223;, da&#223; der schuldlose Jammer der Welt niemals durch F&#252;rsorgema&#223;nahmen behoben, niemals durch materielle Verbesserungen &#252;berwunden werden kann. Hygenische Wunschr&#228;usche kurzbeiniger Ratsionalisten: hab`Rente im Herzen und H&#246;hensonne im Haus. Eine Sch&#246;pfung ohne Grauen. Dschungel ohne Bisse. N&#228;chte ohne Mahre, die die Opfer reiten- nein, der Dichter sieht zu in der vor keinem Tod verleugnenden &#220;berzeugung, da&#223; er alleine die Substanz besitzt, das Grauen zu bannen und die Opfer zu vers&#246;hnen: so sinke, ruft er ihnen zu, so sinke denn, aber ich k&#246;nnte auch sagen: steige.&#8221;</p>
<p>Das stammt aus dem Buch &#8220;Provoziertes Leben&#8221; und ist ein Interview das Benn mit sich selber f&#252;hrte, ich finde es unglaublich stark und es meint eigentlich das was ich an einer anderen Stelle einmal mit politischen, oder meinthalben menschlichen Bewusstsein war.</p>
<p>Der Dichter ist so ziemlich der einzige, der die Wahrheit aussprechen kann und das tut er auf die vielf&#228;ltigste Weise.</p>
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		<title>Von: Hilbi</title>
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		<dc:creator>Hilbi</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 May 2007 06:48:31 +0000</pubDate>
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		<description>

&lt;blockquote&gt;Zun&#228;chst. und daran glaube ich fest, geht alles wirksame Schreiben vom K&#246;rper aus, oder es bleibt blo&#223;e Literatur, das sogenannte "Thematische Schreiben" &#252;ber dieses und jenes.

Wirksames Schreiben ist dagegen das Schreiben aus einer Grundspannung heraus in der alle physiologischen Eigenschaften enthalten sind. Insofern mu&#223; jede Kritik, wenn sie nicht platte vergleichende Willk&#252;r bleiben will, sich bis zu den anthropologischen facts durchk&#228;mpfen, um &#252;berhaupt etwas Sinnvolles auszusagen. Stimme, K&#246;rperbau, Wahrnehmungsweisen, alles was nicht nur mit den Inhalten oder Erlebnissen  selbst, sondern mit den Organen und ihrer Syn&#228;sthese zu tun hat, geh&#246;rt hierher, weil es l&#228;ngst vorher da war.&lt;/blockquote&gt;

 

&lt;p align="right"&gt;Durs Gr&#252;nbein, Galilei vermi&#223;t Dantes H&#246;lle, erschienen bei Suhrkamp  (unbedingt lesenswert )&lt;/p&gt;</description>
		<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Zun&#228;chst. und daran glaube ich fest, geht alles wirksame Schreiben vom K&#246;rper aus, oder es bleibt blo&#223;e Literatur, das sogenannte &#8220;Thematische Schreiben&#8221; &#252;ber dieses und jenes.</p>
<p>Wirksames Schreiben ist dagegen das Schreiben aus einer Grundspannung heraus in der alle physiologischen Eigenschaften enthalten sind. Insofern mu&#223; jede Kritik, wenn sie nicht platte vergleichende Willk&#252;r bleiben will, sich bis zu den anthropologischen facts durchk&#228;mpfen, um &#252;berhaupt etwas Sinnvolles auszusagen. Stimme, K&#246;rperbau, Wahrnehmungsweisen, alles was nicht nur mit den Inhalten oder Erlebnissen selbst, sondern mit den Organen und ihrer Syn&#228;sthese zu tun hat, geh&#246;rt hierher, weil es l&#228;ngst vorher da war.</p></blockquote>
<p align="right">Durs Gr&#252;nbein, Galilei vermi&#223;t Dantes H&#246;lle, erschienen bei Suhrkamp (unbedingt lesenswert )</p>
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		<title>Von: Markus</title>
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		<dc:creator>Markus</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 May 2007 06:14:20 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;blockquote&gt;
Sie wissen ganz genau, wann es fertig ist, das kann nat&#252;rlich lange dauern, wochenlang, jahrelang, aber bevor es nicht fertig ist, geben Sie es nicht aus der Hand.
&lt;/blockquote&gt;

Ich w&#252;nschte, mit meinen Texten w&#228;re es so. Aber vielleicht verh&#228;lt es sich mit Erz&#228;hlungen anders als mit Gedichten? In Erz&#228;hlungen gibt es immer ein Wort, das man &#228;ndern k&#246;nnte, immer eine Farbnuance, die man weglassen oder hinzuf&#252;gen k&#246;nnte, ohne dass dadurch die ganze Geschichte oder ihr Funktionieren aufs Spiel gesetzt w&#252;rde. (Dass in einer Erz&#228;hlung der Plot wichtiger w&#228;re als die sprachliche Form, als ihr Rhythmus, will ich damit keinesfalls gesagt haben. Ganz im Gegenteil. Ist die Form dem Plot nicht angemessen, ist die Erz&#228;hlung tot.)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>
Sie wissen ganz genau, wann es fertig ist, das kann nat&#252;rlich lange dauern, wochenlang, jahrelang, aber bevor es nicht fertig ist, geben Sie es nicht aus der Hand.
</p></blockquote>
<p>Ich w&#252;nschte, mit meinen Texten w&#228;re es so. Aber vielleicht verh&#228;lt es sich mit Erz&#228;hlungen anders als mit Gedichten? In Erz&#228;hlungen gibt es immer ein Wort, das man &#228;ndern k&#246;nnte, immer eine Farbnuance, die man weglassen oder hinzuf&#252;gen k&#246;nnte, ohne dass dadurch die ganze Geschichte oder ihr Funktionieren aufs Spiel gesetzt w&#252;rde. (Dass in einer Erz&#228;hlung der Plot wichtiger w&#228;re als die sprachliche Form, als ihr Rhythmus, will ich damit keinesfalls gesagt haben. Ganz im Gegenteil. Ist die Form dem Plot nicht angemessen, ist die Erz&#228;hlung tot.)</p>
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		<title>Von: Hilbi</title>
		<link>http://turmsegler.net/feeder/?FeederAction=clicked&amp;feed=Comments+on+Articles+%28RSS2%29&amp;seed=http%3A%2F%2Fturmsegler.net%2F20070515%2Fnachlese-zu-gottfried-benn%2F%23comment-1532&amp;seed_title=Nachlese+zu+Gottfried+Benn#comment-1532</link>
		<dc:creator>Hilbi</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 May 2007 19:02:18 +0000</pubDate>
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		<description>Ein Zitat von Ossip Mandelstam:

&lt;blockquote&gt;Aus guten Gedichten kann man heraush&#246;ren, wie die Sch&#228;deln&#228;hte gesteppt werden...&lt;/blockquote&gt;

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		<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Zitat von Ossip Mandelstam:</p>
<blockquote><p>Aus guten Gedichten kann man heraush&#246;ren, wie die Sch&#228;deln&#228;hte gesteppt werden&#8230;</p></blockquote>
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